Konvention von Westminster

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Die Konvention von Westminster war ein Garantievertrag zwischen Friedrich II. König in Preußen und Georg II. von Großbritannien.

In dem von General Hans Karl von Winterfeldt verhandelten und am 16. Januar 1756 abgeschlossenen Abkommen verpflichteten sich die beiden Vertragsparteien, sich einem Ein- und Durchmarsch der Truppen anderer Staaten durch das Kurfürstentum Hannover zu widersetzen und den Frieden in Deutschland aufrechtzuerhalten.

Georg II. versuchte mit diesem Vertrag Hannover, dessen Kurfürst er war, nicht zum Spielball der europäischen Interessen werden zu lassen. Das galt in erster Linie Frankreich, das ein Rivale im Kampf um den Kolonialbesitz in Indien und Nordamerika war. Andererseits versuchte er so auch, Russland aus Deutschland fernzuhalten.

Friedrich II. war bestrebt, seine Position, die er in den ersten beiden Schlesischen Kriegen erobert hatte, zu behaupten. Sein Hauptaugenmerk lag dabei auf Österreich und Russland. Österreich wollte die Provinz Schlesien zurückerhalten. Russland war als eine der europäischen Großmächte eine potentielle Gefahr für das preußische Königreich.

Friedrich nahm an, mit diesem Vertrag sein Königreich in ein ruhiges Fahrwasser gebracht zu haben. Er meinte, dass Österreich ohne die Unterstützung Russlands nicht gegen ihn vorgehen würde. Friedrich spekulierte auch auf die Tatsache, dass Russland sich an den mit England am 30. September 1755 geschlossenen Beistandspakt halten würde. Mit Frankreich war Friedrich seit Beginn der schlesischen Kriege in der Regel verbündet. Am 29. Mai 1747 schlossen Schweden und Preußen ein Bündnis, dem am 24. Januar 1748, Friedrichs 36. Geburtstag, Frankreich beitrat. Der preußische König war also überzeugt, dass er mit dem Abschluss der Westminster-Konvention Österreich als Hauptgegner ausgeschaltet hatte.

„... Friedrich glaubte so, den russischen Bären an die englische Kette gelegt zu haben, und meinte, die Kriegsgefahr wäre beseitigt, weil ohne die Unterstützung Russlands auch Österreich keinen Krieg wagen würde. ...“[1]

Die Annahmen Friedrichs erwiesen sich aber in der Folgezeit als Irrtum. Durch die Westminster-Konvention wurden der Umsturz der Bündnisse vorangetrieben und der Ausbruch des Siebenjährigen Krieges begünstigt.

Belege[Bearbeiten]

  1. Olaf Groehler: Die Kriege Friedrichs II. 2. Auflage. Deutscher Militärverlag, Berlin 1968, S. 74.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christopher Duffy: Friedrich der Grosse. Ein Soldatenleben. Weltbild Buchverlag, München 1996, ISBN 3-89350-558-X
  • Heinz Schilling: Höfe und Allianzen. Deutschland 1648-1763. Siedler Verlag, München 1998, ISBN 3-44-275523-9
  • Marian Füssel: Der siebenjährige Krieg. Ein Weltkrieg im 18. Jahrhundert. C.H.Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60695-3