Konversationsanalyse

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Die Konversationsanalyse ist eine Forschungsrichtung, die zur Herausbildung der linguistischen Gesprächsanalyse beigetragen hat. Sie besitzt einen wissenschaftstheoretisch eigenständigen Standpunkt, indem sie konsequent voraussetzungsarme Techniken entwickelt hat. Sie entstand in den 1960er Jahren im Rahmen der ethnomethodologischen Soziologie in den USA und ist meist weniger linguistisch als sozialwissenschaftlich ausgerichtet. Die etwa zeitgleiche technologische Entwicklung von tragbaren Bandrekordern kam der Entwicklung der Disziplin sehr gelegen (Auer 1993).

Prominente Vertreter der Konversationsanalyse sind Harvey Sacks, Emanuel Schegloff und Gail Jefferson; im deutschsprachigen Raum wären etwa Peter Auer, Jörg Bergmann und Lorenza Mondada zu nennen, sowie Werner Kallmeyer und Fritz Schütze, die die Konversationsanalyse im deutschen Sprachraum bekannt machten.

In der Konversationsanalyse werden unter anderem Alltagsgespräche im Hinblick auf Regeln und Verfahren untersucht, mit denen die Kommunikationspartner ihre Interaktion praktisch gestalten. Auch Gespräche am Arbeitsplatz oder in Krisensituationen werden untersucht. Es steht immer das "Wie" des lokalen Verhaltens im Vordergrund: wie haben die Teilnehmer das gemacht? Was ist dann genau passiert? Die zu untersuchenden Gespräche werden sehr detailliert transkribiert und besonders in Hinblick auf ihren sequentiellen Charakter, das heißt als aufeinander folgende Äußerungen untersucht. Auch zeitliche Überlappungen, das interaktive Aushandeln von Rederechten und mikrokommunikative Einheiten (Verzögerungen, Partikel wie äh oder jaja) stehen im engen Interesse.

In Deutschland werden verschiedene Transkriptionssysteme angewendet, insbesondere HIAT, GAT und solche, die sich an die Jefferson'schen Konventionen halten.

Die Konversationsanalyse ist verwandt mit anderen ethnomethodologisch orientierten Methoden wie Membership Categorization Analysis und der Analyse Mediendialogischer Netzwerke, mit denen sie häufig in Kombination eingesetzt wird.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Atkinson, J. Maxwell und John Heritage. 1984. Structures of Social Action. Studies in Conversation Analysis. Cambridge/UK: Cambridge University Press. (ISBN 0-521-31862-9)
  • Auer, Peter. 1993. „Über ↶“, in: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik. 90/91, Sonderheft Materiale Bedingungen der Sprachwissenschaft, S.104-138.
  • Böhringer, Daniela/Karl, Ute/Müller, Hermann/Schröer, Wolfgang/Wolff, Stephan. 2012. Den Fall bearbeitbar halten. Gespräche mit jungen Menschen. Rekonstruktive Forschung in der Sozialen Arbeit, Bd 13. Opladen. ISBN 978-3-86649-451-0
  • Deppermann, Arnulf. 2001. Gespräche analysieren. Qualitative Sozialforschung, Bd. 3. Opladen.
  • Kallmeyer W./Schütze F. 1976. „Konversationsanalyse“, in: Studium Linguistik. 1, S. 1-28.
  • Levinson, Stephen C. 2001. „Konversationsstruktur“, in: Pragmatik. 3. Auflage, neu übersetzt von Martina Wiese, Tübingen, S. 309-404.
  • Sacks, Harvey, E. Schegloff, und G. Jefferson. 1974. „A simplest systematics for the organisation of turn-taking in conversation“, in: Language. 50(4), S.696-735.

Weblinks[Bearbeiten]