Konvexe und konkave Funktionen
In der Analysis heißt eine Funktion
von einem Intervall
(oder allgemeiner einer konvexen Teilmenge
eines reellen Vektorraums) nach
konvex, wenn für alle
aus
(bzw. aus
) und
zwischen 0 und 1 gilt
Anschaulich bedeutet die Definition: Die Funktionswerte zwischen zwei Werten
,
liegen unterhalb oder auf der Verbindungsgeraden der beiden Funktionswerte an
und
.
Gilt das Ungleichheitszeichen in die umgekehrte Richtung, also
für alle
,
aus
und
zwischen 0 und 1, so wird die Funktion als konkav bezeichnet.[1]
Um Missverständlichkeiten im Zusammenhang mit der anschaulich-geometrischen Bedeutung beider Begriffe vorzubeugen, präzisiert man die Begriffe „konvex“ und „konkav“ im hier diskutierten Kontext zuweilen noch einmal durch zusätzliche Angabe einer Blickrichtung, also beispielsweise den hier verwendeten Begriff „konvex“ als „konvex von unten“ und den Begriff „konkav“ – im Gegensatz dazu – als „konvex von oben“.[2]
Eine Funktion heißt streng konvex oder strikt konvex, wenn für alle
aus
(bzw.
) und
echt zwischen 0 und 1 gilt
Analog heißt eine Funktion streng konkav oder strikt konkav, wenn für alle
aus
(bzw.
) und
echt zwischen 0 und 1 gilt
Die besondere Bedeutung konvexer bzw. konkaver Funktionen liegt darin, dass sie allgemeiner als lineare Funktionen sind, aber einfach zu untersuchende Eigenschaften haben, die viele Aussagen über nichtlineare Systeme, beispielsweise in der konvexen Optimierung, ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
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[Bearbeiten] Geschichte
Wesentliche Aussagen zu konvexen und konkaven Funktionen finden sich bereits 1889 bei Otto Hölder, wobei er aber die Bezeichnungen konvex und konkav noch nicht verwendete.[3] Die Bezeichnungen konvex und konkav für Funktionen wurden 1905 von Johann Ludwig Jensen eingeführt.[4] Jensen verwendete dazu allerdings noch die gelegentlich, vor allem in älteren Werken[5] anzutreffende schwächere Definition
für die er zeigte, dass daraus für stetige Funktionen die eingangs genannte Ungleichung
für alle
zwischen 0 und 1 folgt.[6] Für Details siehe jensensche Ungleichung.
[Bearbeiten] Eigenschaften
[Bearbeiten] Graph
Der Graph einer konvexen Funktion ist so gewölbt, dass die Menge der Punkte oberhalb des Graphen, der sogenannte Epigraph, eine konvexe Menge ist. Zu beachten ist, dass eine nicht-konvexe Funktion nicht automatisch konkav sein muss, d. h., konvex und konkav sind hier nicht komplementär. Jede lineare Funktion ist sowohl konkav als auch konvex. Die kubische Funktion
ist im Bereich aller positiven
-Werte streng konvex und im Bereich aller negativen
-Werte streng konkav. Somit ist diese Funktion über ganz
weder konvex noch konkav.
[Bearbeiten] Verhältnis konvex und konkav
Eine Funktion
ist genau dann konvex (konkav), wenn die Funktion
konkav (konvex) ist.
[Bearbeiten] Umkehrfunktion
Ist
invertierbar und setzt man
, so erhält man für eine konvexe Funktion
Für eine monoton steigende Funktion gilt also
Für eine invertierbare, monoton steigende und konvexe (konkave) Funktion hat daher die Umkehrfunktion die umgekehrte Art der Konvexität, ist also monoton steigend und konkav (konvex), siehe z. B.
und
.
Für eine monoton fallende Funktion gilt hingegen
Für eine invertierbare monoton fallende und konvexe (konkave) Funktion hat daher die Umkehrfunktion die gleiche Art der Konvexität, ist also streng monoton fallend und konvex (konkav), siehe z. B.
auf
bzw.
.
[Bearbeiten] Konvexität und erste Ableitung
Ist
differenzierbar, dann gilt
ist genau dann konvex, wenn ihre Ableitung
wachsend ist, und genau dann streng konvex, wenn
streng monoton wachsend ist.
ist genau dann konkav, wenn ihre Ableitung
fallend ist, und genau dann streng konkav, wenn
streng monoton fallend ist. Dieses Resultat findet sich im Wesentlichen schon 1889 bei Otto Hölder.[3]- Konvexe Funktionen liegen oberhalb der Tangente, also
, wobei für streng konvexe Funktionen außerdem
für
gilt, woraus beispielsweise die Verallgemeinerung der bernoullischen Ungleichung
für reelle
mit
oder
folgt. - Konkave Funktionen liegen unterhalb der Tangente, also
, wobei für streng konkave Funktionen außerdem
für
gilt, woraus beispielsweise die Verallgemeinerung der bernoullischen Ungleichung
für reelle
mit
folgt. - Eine konvexe (konkave) Funktion ist fast überall differenzierbar
Alternativ:
- Jede konvexe (konkave) Funktion ist im Inneren links- und rechtsseitig differenzierbar.
- Eine überall links- und rechtsdifferenzierbare Funktion ist genau dann konvex, wenn ihre Ableitung monoton wachsend ist.
- Eine überall links- und rechtsdifferenzierbare Funktion ist genau dann konkav, wenn ihre Ableitung monoton fallend ist.
[Bearbeiten] Konvexität und zweite Ableitung
Der Zusammenhang zwischen Konvexität und zweiter Ableitung wurde im Wesentlichen schon 1889 von Otto Hölder beschrieben.[3] Für zweimal differenzierbare Funktionen
gilt:
ist genau dann konvex, wenn
gilt. Ist
durchweg positiv,
also stets linksgekrümmt, ist
damit zugleich streng konvex; bei einfacher Konvexität dagegen kann die zweite Ableitung auch einzelne Nullstellen, d.h. die Funktion selbst einzelne nicht gekrümmte Stellen besitzen, wie etwa
an der Stelle
.
ist genau dann konkav, wenn
gilt. Ist
durchweg negativ,
also stets rechtsgekrümmt, ist
damit zugleich streng konkav; bei einfacher Konkavität dagegen kann die zweite Ableitung auch einzelne Nullstellen, d.h. die Funktion selbst einzelne nicht gekrümmte Stellen besitzen, wie etwa
an der Stelle
.
Ist die Funktion
zweimal stetig differenzierbar, dann gilt
ist genau dann konvex, wenn die Hesse-Matrix von
positiv semidefinit ist. Ist die Hesse-Matrix von
positiv definit, so ist
strikt konvex.
ist genau dann konkav, wenn die Hesse-Matrix von
negativ semidefinit ist. Ist die Hesse-Matrix von
negativ definit, so ist
strikt konkav.
[Bearbeiten] Extremwerte
- Ein lokales Minimum einer konvexen Funktion ist auch ein globales Minimum. Eine strikt konvexe Funktion hat höchstens ein globales Minimum. Eine stetige strikt konvexe Funktion auf einer kompakten konvexen Menge hat auf dieser Menge genau ein globales Minimum.
hat aber beispielsweise kein globales Minimum für
. - Ein lokales Maximum einer konkaven Funktion ist auch ein globales Maximum. Eine strikt konkave Funktion hat höchstens ein globales Maximum. Eine stetige strikt konkave Funktion auf einer kompakten konvexen Menge hat auf dieser Menge genau ein globales Maximum.
hat aber beispielsweise kein globales Maximum für
.
Da konvexe bzw. konkave Funktionen die Eindeutigkeit von Extremwerten sicherstellen, spielen sie in der nicht-linearen Optimierung eine wichtige Rolle.
[Bearbeiten] Verknüpfungen
[Bearbeiten] Linearkombination
Sind
und
zwei konvexe (konkave) Funktionen, so ist auch jede Linearkombination
mit nichtnegativen Koeffizienten
wieder konvex (konkav).
[Bearbeiten] Grenzwert
Der Grenzwert einer punktweise konvergenten Folge konvexer (konkaver) Funktionen ist auch wieder eine konvexe (konkave) Funktion. Ebenso ist die Summe einer punktweise konvergenten Reihe konvexer (konkaver) Funktionen auch wieder eine konvexe (konkave) Funktion.
[Bearbeiten] Supremum konvexer Funktionen
Ist
eine Menge konvexer Funktionen und existiert punktweise das Supremum
für alle
, so ist auch
eine konvexe Funktion.
Für das Infimum gilt das nicht, wie das Beispiel
,
zeigt.
[Bearbeiten] Infimum konkaver Funktionen
Ist
eine Menge konkaver Funktionen, und existiert punktweise das Infimum
für alle
, so ist auch
eine konkave Funktion.
Für das Supremum gilt das nicht, wie das Beispiel
,
zeigt.
[Bearbeiten] Jensensche Ungleichung
Für konvexe und konkave Funktionen gilt die jensensche Ungleichung.
[Bearbeiten] Der Fall t<0 bzw. t>1
Für
oder
dreht sich das Ungleichheitszeichen um, für konvexe Funktionen gilt dann also
sofern
noch im Intervall
(bzw. in der konvexen Menge
) ist. Um das zu sehen, sei beispielsweise
, dann gilt
, wegen Konvexität also
somit
[Bearbeiten] Konvexität und Stetigkeit
Jede auf einem offenen Intervall definierte konvexe Funktion ist stetig. Setzt man umgekehrt Stetigkeit voraus, so reicht für Konvexität bereits die Bedingung, dass für alle
,
aus
gilt
es reicht sogar, dass für ein beliebiges, aber fixes
mit 
für alle
,
aus
gilt.
[Bearbeiten] Beispiele
- Die Funktion
ist auf ganz
streng konvex, denn
ist streng monoton wachsend. - Die Funktion
ist auf ganz
streng konkav, denn
ist streng monoton fallend. - Die Wurzelfunktion
ist streng konkav auf dem Intervall
der nichtnegativen reellen Zahlen. - Die Exponentialfunktion ist streng konvex auf ganz
. - Die Logarithmusfunktion ist streng konkav auf dem Intervall
für eine Basis größer als 1 und streng konvex auf dem Intervall
für eine Basis kleiner als 1. - Die Betragsfunktion
ist auf ganz
konvex, aber nicht streng konvex. - Die negative Betragsfunktion
ist auf ganz
konkav, aber nicht streng konkav. - Die Funktion
ist konkav für
und konvex für
. - Die Funktion
ist streng konvex auf dem Intervall
der positiven reellen Zahlen und streng konkav auf dem Intervall
der negativen reellen Zahlen.
[Bearbeiten] Konvexität, Beschränktheit und Stetigkeit
[Bearbeiten] Schwächere Definition der Konvexität
Setzt man Stetigkeit voraus, so reicht für Konvexität in einer konvexen Teilmenge
eines reellen topologischen Vektorraums bereits die Bedingung, dass ein beliebiges, aber fixes
mit
existiert, sodass für alle
,
aus
gilt:
Um dies zu sehen, betrachtet man die Menge
aller „guten“
, die durch
definiert ist.
Seien nun
. Dann gilt auch
, denn
Sein nun
eine beliebige reelle Zahl mit
. Dann lässt sich eine Intervallschachtelung
mit
konstruieren, die gegen
konvergiert: Sei
und
und
mit
.
Sei
.
Ist
, so setzt man
,
, und es gilt
.
Ist
, so setzt man
,
, und es gilt
.
sind ebenfalls aus
, es gilt
und
.
Die so konstruierte Intervallschachtelung konvergiert also gegen
; wegen der Stetigkeit von
gilt daher
. Da
beliebig gewählt war, folgt also
, und
ist konvex.
[Bearbeiten] Gegenbeispiel ohne Stetigkeit
Dass Stetigkeit für die schwächere Definition wirklich benötigt wird, lässt sich mit folgendem Gegenbeispiel zeigen: Ist 
eine Hamelbasis des Vektorraums der reellen Zahlen über dem Körper der rationalen Zahlen, also eine über den rationalen Zahlen linear unabhängige Menge reeller Zahlen, in der jede reelle Zahl
eine Darstellung der Art
mit nur endlich vielen rationalen
hat, so erfüllt bei beliebiger Wahl von
die Funktion
zwar
ist aber nicht notwendigerweise konvex.
[Bearbeiten] Beschränktheit und Konvexität
Setzt man für eine Funktion
zusätzlich zur Bedingung, dass für ein fixes
die Beziehung
für alle
,
aus einer konvexen Teilmenge
eines normierten Vektorraums gilt, noch voraus, dass
nach oben beschränkt ist, so folgt daraus bereits die Stetigkeit von
in den inneren Punkten von
. Anschaulich wird dies daraus klar, dass man an einer Unstetigkeitsstelle eine beliebig steile Verbindungsgerade zwischen zwei Funktionswerten ziehen kann, wobei die Funktion zwischen den beiden Werten unterhalb der Verbindungsgeraden und außerhalb der beiden Werte oberhalb der Verbindungsgerade liegen muss. Kann die Verbindungsgerade nun beliebig steil werden, so stößt man irgendwann über die obere Schranke der Funktion.
Formal ist der Beweis allerdings etwas komplizierter. Zunächst beachte man, dass aus den obigen Voraussetzungen für natürliche Zahlen
und
folgt, dass
bzw.
Sei nun
ein beliebiger innerer Punkt von
und
eine zur Gänze in
enthaltene offene Kugel um
. Wäre nun
nicht stetig in
, so gäbe es ein
, so dass für jedes
ein
existiert, so dass zwar
, aber
. Sein nun
so gewählt, dass
wobei
eine obere Schranke für
sei. Wählt man nun
, so existiert also ein
mit
,
aber
Angenommen,
. Dann gilt für 
Das kann aber nicht sein, da
. Daher liegt
in
, und es muss
gelten.
Sei daher
. Dann gilt für 
Das kann aber auch nicht sein, da
. Daher liegt auch
in
, und es muss ebenfalls
gelten.
muss daher stetig in
sein.
Die Aussage, dass eine konvexe beschränkte Funktion stetig in den inneren Punkten ist, ist auch bedeutsam für das Lösen der cauchyschen Funktionalgleichung
Aus dieser Aussage folgt nämlich, dass diese Funktionalgleichung eine eindeutige Lösung hat, wenn zusätzlich gefordert wird, dass
beschränkt ist.
[Bearbeiten] Unendlichdimensionaler Fall
Im unendlichdimensionalen Fall brauchen konvexe Funktionen nicht stetig zu sein, da es lineare (also somit auch konvexe) Funktionale gibt, die nicht stetig sind. Allerdings gilt, dass beschränkte konvexe Funktionale eines normierten Vektorraums stetig sind.
[Bearbeiten] Endlichdimensionaler Fall
[Bearbeiten] Innere Punkte
Konvexe Funktionen
einer konvexen Teilmenge
des endlichdimensionalen reellen Vektorraums
sind stetig in den inneren Punkten. Um das zu sehen, betrachte man einen inneren Punkt
. Für diesen existiert ein Simplex
mit den Eckpunkten
, der
wieder als inneren Punkt enthält. Jeder Punkt
ist aber in der Form
mit
und
für alle
darstellbar. Nach der jensenschen Ungleichung gilt nun
.
ist daher nach oben beschränkt und somit, wie oben gezeigt wurde, stetig im inneren Punkt
.
[Bearbeiten] Randpunkte
In Randpunkten können konvexe Funktionen unstetig sein, wie das Beispiel der Funktion
mit
zeigt, die zwar konvex ist, aber am Randpunkt
eine Unstetigkeit aufweist.
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ a b Harro Heuser, Lehrbuch der Analysis (Teil 1), 10. Auflage, B. G. Teubner, Stuttgart, 1993, ISBN 3-519-32231-5. (49.2)
- ↑ z. B. in I. N. Bronstein, K. A. Semendjajew, Taschenbuch der Mathematik, 19. Auflage, BSB B.G. Teubner, Leipzig, 1979. 3.1.5.4 Monotonie und Konvexität von Funktionen
- ↑ a b c O. Hölder Ueber einen Mittelwerthssatz. Nachrichten von der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften und der Georg-Augusts-Universität zu Göttingen 1889, S. 38ff.
- ↑ Earliest Known Uses of Some of the Words of Mathematics, 28. Juli 2006: A. Guerraggio and E. Molho write, „The first modern formalization of the concept of convex function appears in J. L. W. V. Jensen Om konvexe funktioner og uligheder mellem midelvaerdier, Nyt Tidsskr. Math. B 16 (1905), S. 49–69. Since then, at first referring to Jensen’s convex functions, then more openly, without needing any explicit reference, the definition of convex function becomes a standard element in calculus handbooks.“ („The Origins of Quasi-concavity: a Development between Mathematics and Economics,“ Historia Mathematica, 31, (2004), 62–75.)
- ↑ z. B. in I. P. Natanson, Theorie der Funktionen einer reellen Veränderlichen, 4. Auflage, Verlag Harri Deutsch, Thun, 1981, ISBN 3-87144-217-8.
- ↑ Jensen, J. L. W. V. Sur les fonctions convexes et les inégalités entre les valeurs moyennes. In Acta Math. 30, 175–193, 1906.









wachsend ist, und genau dann streng konvex, wenn
, wobei für streng konvexe Funktionen außerdem
für
gilt, woraus beispielsweise die Verallgemeinerung der
für reelle
oder
folgt.
, wobei für streng konkave Funktionen außerdem
für
für reelle
folgt.
ist genau dann konvex, wenn
gilt. Ist
durchweg positiv,
an der Stelle
gilt. Ist
an der Stelle
.
.






ist auf ganz
ist streng monoton wachsend.
ist auf ganz
ist streng monoton fallend.
ist streng konkav auf dem Intervall
der nichtnegativen reellen Zahlen.
ist auf ganz
ist auf ganz
ist konkav für
und konvex für
.
ist streng konvex auf dem Intervall 
![T=\lbrace t \in [0,1]: f(t x+(1-t)y) \le t f(x)+(1-t)f(y) \quad \forall x,y \in C\rbrace](http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/math/6/f/b/6fb67587a4f15f8b9b35b77e74ecded9.png)







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