Konzeptalbum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Konzept-Album)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Konzeptalbum ist ein Musikalbum, bei dem die einzelnen Titel nicht isoliert, sondern in ihrer thematischen Beziehung zu den anderen Teilen des Albums als Gesamtwerk betrachtet werden. Durch die Ausarbeitung eines musikalischen und textlichen Zusammenhangs wird ein durchgängiges Konzept verfolgt, welches sich auch in andere Bereiche wie etwa die Gestaltung des Covers oder weitere Zusatzelemente ausweiten kann.

Musikalischer Hintergrund[Bearbeiten]

Musikalisch kann das Konzept entweder durch bewusste stilistische Einheit der Stücke oder durch stilistische Kontraste zum Ausdruck gebracht werden. Aus diesem übergeordneten Konzept ergibt sich zumeist die Reihenfolge der Lieder. Bei Rockalben spricht man auch von Rockopern, sofern eine fortlaufend erzählte Geschichte vorliegt. Diese Form des Albums wird sehr häufig, aber nicht ausschließlich, in der Progressive-Rock-Szene verwendet.

Als eine der Bedingungen für die Entstehung der Idee „Konzeptalbum“ muss die Entwicklung der Langspielplatte (LP) angesehen werden. Auch die technische Weiterentwicklung im Bereich der Aufnahme- und Tonstudiotechnik seit den 1960er-Jahren, beispielsweise durch Stereo- und Mehrspurtechnik, gab entscheidende Impulse, die sich auf musikalische und inhaltliche Aspekte von Konzeptalben auswirkten.

Die Loslösung des Inhalts von seiner Verpackung, wie es bei Download-Alben häufig der Fall ist, lassen das Konzeptalbum als Kunstform mit Multimedia-Charakter heute etwas in den Hintergrund treten. Dazu kommt, dass längst nicht jeder abwärtskompatible DVD-Player oder MP3-Stick die nahtlose Wiedergabe von Titelfolgen beherrscht, was im Alltag anstelle von fließenden musikalischen Übergängen zwischen den Stücken zu kurzen, aber unschönen Zwangspausen führt, die dem eigentlichen Konzept zuwiderlaufen.

Entwicklung[Bearbeiten]

Schon im Zeitalter der Schellackplatten kam es vor, dass eine Reihe von Musikstücken, die einem bestimmten Thema gewidmet war, in zusammenhängender Form auf den Markt gebracht wurde. So veröffentlichte das Label Victor im Juli 1940 zwei aus jeweils drei Schellackplatten bestehende Alben von Woody Guthrie, Dust Bowl Ballads Vol. 1 und Dust Bowl Ballads Vol. 2. Die insgesamt zwölf Folksongs handeln vom Leben, den Nöten und den Hoffnungen der aus den als Dust Bowl bezeichneten Regionen emigrierten Landbevölkerung. Auch die Genesis Suite (aufgenommen am 11. Dezember 1945), initiiert durch den in Hollywood tätigen Bandleader, Dirigenten und Komponisten Nathaniel Shilkret, gehört in diesen Zusammenhang gezielt für die Plattenveröffentlichung geschriebener Kompositionen zu einem gemeinsamen Thema.

Frank Sinatra[Bearbeiten]

Als einer der Erfinder des Konzeptalbums gilt Frank Sinatra, der mit der Einführung der Langspielplatte die Möglichkeiten dieses Mediums erkannte. Am 4. März 1946 veröffentlichte er für Columbia das Album The Voice Of Frank Sinatra, das als die Geburtsstunde der Konzeptalben gilt. Seit den 1950er Jahren spielte Sinatra zunächst für Capitol, später für Reprise mehrere Dutzend weiterer solcher Alben ein (siehe Frank-Sinatra-Diskografie), von denen viele zu Klassikern der internationalen Popmusik avancierten. Unzählige Künstler sahen sich von Sinatra inspiriert und griffen die Idee des Konzeptalbums auf.

Gordon Jenkins[Bearbeiten]

Im Bereich größerer Orchestersuiten war Gordon Jenkins mit seinem erstmals 1946 erschienenen Album Manhattan Tower (Decca, erweiterte Neuaufnahme 1956 für Capitol) der Pionier des Genres. Von ihm stammen auch die ähnlich konzipierten Suiten Seven Dreams (Decca, 1954), The Letter (Capitol, 1959 für Judy Garland und John Ireland) und Reflections On The Future In Three Tenses (Reprise, 1979 für Frank Sinatra).

Johnny Cash[Bearbeiten]

Johnny Cash veröffentlichte wichtige Konzeptalben der Country-Musik. Sein erstes war Ride This Train im Jahr 1960. Es folgten weitere Arbeiten wie Blood, Sweat & Tear (1963), Bitter Tears (1964) und America (1972).

The Mothers of Invention[Bearbeiten]

Als erstes Konzeptalbum der Rockmusik wird oft das 1966 erschienene Freak Out! von The Mothers of Invention angeführt, das die Underground-Szene von Los Angeles aus der Perspektive eines „Freaks“ darstellt.

The Beatles[Bearbeiten]

Ein Jahr später erschien eines der bedeutendsten Konzeptalben der 1960er, Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band von den Beatles, das ausschlaggebend für die Einführung des Begriffs war. Auf dieser 1967 veröffentlichten Platte nehmen die Beatles die Rolle der im Titel genannten fiktiven Band an, die verschiedene Stücke zum Thema Liebe spielt. Wegen dieser etwas offeneren Thematik wird der Konzeptalbum-Charakter des Albums häufig in Frage gestellt. Seiner historischen Rolle kommt allerdings zugute, dass sich darauf erstmals fließende Übergänge zwischen einzelnen Stücken sowie eine Reprise vorfinden. Diese beiden strukturellen Merkmale sind seitdem fest mit dem Begriff Konzeptalbum verknüpft. Zudem wurde großer Wert auf die äußere Gestaltung der LP-Hülle gelegt, die ausschneidbare Abzeichen sowie Bilder enthielt und auf deren Rückseite erstmals die Liedtexte abgedruckt wurden

Pink Floyd[Bearbeiten]

Als die Beatles Sgt. Pepper's einspielten, arbeiteten Pink Floyd zeitgleich und ebenfalls in den Abbey Road Studios an ihrem Debütalbum The Piper at the Gates of Dawn. Es handelte sich dabei zwar noch nicht um ein Konzeptalbum. Später – vor allem in ihrer „klassischen Phase“ unter dem Einfluss von Roger Waters – wurde jedoch das Konzeptalbum mehr und mehr zu ihrem Markenzeichen. Die kommerziell erfolgreichsten Alben Wish You Were Here , Dark Side of the Moon und vor allem The Wall sind typische Beispiele des Genrens. In allen drei LPs gehen die einzelnen Stücke fließend in einander über, teilweise werden sie durch kurze Geräuschsequenzen verbunden. Wish You Were Here setzt sich mit dem wegen Drogenmissbrauch und psychischer Probleme ausgeschiedenen früheren Bandleader Syd Barrett auseinander. Dark Side of the Moon handelt davon, wie normale Menschen in den Wahnsinn getrieben werden können. Das bei Fans und Kritikern weniger positiv aufgenommene Album Animals teilt die Menschen in drei Kategorien ein und beschreibt sie metaphorisch als Tiere: Hunde, Schafe und Schweine. In The Wall wird die Idee des Konzeptalbums schließlich auf die Spitze getrieben: Die Doppel-LP erzählt die Geschichte des fiktiven Rockstars Pink. Wegen verschiedener traumatische Erfahrungen schottet er seine Persönlichkeit immer mehr nach außen ab. Diese als Schutz nach außen gedachte „Mauer“ wird schließlich nach innen zu seinem eigenen Gefängnis. Am Ende wird Pink von einem imaginären Gericht dazu verurteilt, die Mauer einzureißen und sein Innenleben vor Seinesgleichen zu entblößen. The Wall wurde von Alan Parker mit Bob Geldof in der Hauptrolle verfilmt (siehe Pink Floyd - The Wall).

Auch nachdem sich Roger Waters von Pink Floyd getrennt hatte, arbeitete er weiter an Konzeptalben. So stellt sein Soloalbum Amused to Death den Fernsehabend eines Gorillas dar und verwebt darin zeitgeschichtliche Ereignisse wie die Bombardierung von Tripolis und Bengasi, den zweiten Golfkrieg oder das Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens. Umrahmt werden die 14 Lieder des Albums von einem Radio-Interview eines Veterans aus dem ersten Weltkrieg.

Small Faces[Bearbeiten]

Das erste in einer Rundhülle im Mai 1968 veröffentlichte Album Ogdens’ Nut Gone Flake der Small Faces beinhaltete auf der B-Seite als durchgängiges Thema ein von dem Comedian Stanley „Stan the Man“ Unwin stammendes obskures Märchen über die Suche nach der verlorenen Mondhälfte, eingebettet in psychedelisch produzierte Rockmusik.

Laura Nyro[Bearbeiten]

Als eines der ersten Konzeptalben, die durch den Crossover aus Elementen des Pop, Jazz, Soul, Blues und Gospel gekennzeichnet sind, gilt Laura Nyros Eli and the Thirteenth Confession aus dem Jahr 1968. Sein Thema ist das Heranwachsen und Erwachsenwerden einer jungen Frau mit starken Anklängen an die Biografie der Autorin, Komponistin und Sängerin. Letzteres trifft auch für ihr Folgealbum New York Tendaberry (1969) über Nyros Heimatstadt und ihre fünfte LP Gonna Take a Miracle (1971, gemeinsam mit Labelle) mit einem musikalischen Rückblick auf die frühen 1960er Jahre zu.

Willie Nelson[Bearbeiten]

Mit Red Headed Stranger nahm Willie Nelson das vielleicht bekannteste und erfolgreichste Konzeptalbum der Country-Musik-Szene auf. Es handelt von einem Mann, der seine Frau ermordet und anschließend auf der Flucht ist.

The Who[Bearbeiten]

Das 1969 veröffentlichte Album Tommy verhalf The Who zum endgültigen Durchbruch. Es handelt von Tommy Walker, einem Jungen, der taub, stumm und blind wird, als er mit ansieht, wie der vom Krieg heimkehrende Vater den Geliebten der Mutter tötet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]