Kopalnia Węgla Kamiennego Wujek

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kopalnia Węgla Kamiennego „Wujek”
Allgemeine Informationen zum Bergwerk
KWK Wujek.jpg
Bergwerk Wujek
Abbautechnik Tiefbau
Förderung/Jahr 2720000 t
Informationen zum Bergwerksunternehmen
Betreibende Gesellschaft Katowicki Holding Węglowy
Beschäftigte 4.553
Betriebsbeginn 1899
Geförderte Rohstoffe
Abbau von Steinkohle
Geographische Lage
Koordinaten 50° 14′ 41″ N, 18° 59′ 17″ O50.24477518.987936111111Koordinaten: 50° 14′ 41″ N, 18° 59′ 17″ O
Kopalnia Węgla Kamiennego „Wujek” (Polen)
Kopalnia Węgla Kamiennego „Wujek”
Lage Kopalnia Węgla Kamiennego „Wujek”
Standort ul. Wincentego Pola 36
Gemeinde Katowice
{{{NUTS3_BEZEICHNUNG}}} (NUTS3) Katowice
Woiwodschaft Woiwodschaft Schlesien
Staat Polen
Revier Oberschlesisches Kohlenrevier

p0p2

Die Kopalnia Węgla Kamiennego „Wujek” (poln. Wujek: Onkel, Oheim; deswegen deutsch Oheimgrube) ist ein zur Katowicki Holding Węglowy gehörendes Kohlebergwerk in Katowice, Polen.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Bergwerk Wujek wurde 1899 gegründet. In diesem Gebiet gab es schon seit Ende des 18. Jahrhunderts Bergbauaktivitäten; 1788 gründete Wilhelm Jaenkner die Zeche Charlotte bei Załęska Hałda. Dann erhielt 1801 Johann Ferdinand Koulhass das Recht, auf seinem Land bei Katowice Bergbau zu betreiben, und gründete die Zeche Beata. Diese Zeche förderte von 1801–1806 und nach einer Unterbrechung von 1836–1880. Später wurde sie mit fünf anderen Zechen zur „Wujek“ zusammengeschlossen.

1918/1919 wurden soziale Reformen für die Bergleute beschlossen. So wurde z.B. die Arbeitszeit auf acht Stunden pro Tag begrenzt. Die Zeche geriet zu einem Brennpunkt während der Aufstände in Oberschlesien und wurde nach der Teilung Oberschlesiens dem neugeschaffenen Bergamt Katowice unterstellt. 1922 hatte die Zeche 4016 Mitarbeiter. 1939 wurde die Zeche von der deutschen Wehrmacht besetzt. Am 23. Januar 1945 verließen die letzten Soldaten der Wehrmacht das Bergwerk. Es wurde sofort begonnen, die Kriegsschäden zu beseitigen. Dazu wurden auch Kriegsgefangene eingesetzt. Ende der 1970er Jahre waren über 6000 Menschen in der Zeche beschäftigt.

1980er[Bearbeiten]

Das Gedenkkreuz vor der Zeche für die am 16. Dezember 1981 getöteten Bergleute

Während der Streiks im August 1980 kam es auch in der Zeche Wujek zu Arbeitsniederlegungen. Diese wurden am 3. September 1980 mit der Unterzeichnung eines Abkommens zwischen der Regierung und den Streikenden beendet.

„Pazifizierung“ des Besetzungsstreiks 1981[Bearbeiten]

Nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen am 13. Dezember 1981 und der Verhaftung des Vorsitzenden der örtlichen Solidarność kam es ab dem 14. Dezember 1981 zu einem Besetzungsstreik in der Zeche. Am 15. Dezember 1981 wurden Einheiten der Polizei und der Armee in der Umgebung der Zeche zusammengezogen. Die von Panzern unterstützte gewaltsame Niederschlagung des Protestes begann am Vormittag des 16. Dezember 1981. Bei der Erstürmung der Zeche wurden von den Angehörigen der Sonderpolizeieinheit ZOMO neun Bergleute durch Schüsse getötet und 21 verletzt.[1][2]

Folgen[Bearbeiten]

In den Jahren 1982, 1997, 1999, 2002 und 2007 gab es verschiedene Prozesse rund um die Ereignisse am 16. Dezember 1981; diese endeten mit Einstellung bzw. bei der Wiederaufnahme mit Haftstrafen.

Gedenken[Bearbeiten]

Am 15. Dezember 1991 wurde auf dem Zechengelände ein Gedenkkreuz für die, bei der Pazifikation vom 1981, gefallenen Bergleute (poln. Pomnik poległych górników KWK Wujek) errichtet.

Die Ereignisse vom Dezember 1981 wurden im Film Śmierć jak kromka chleba (Der Tod gleicht einer Brotscheibe) in der Regie von Kazimierz Kutz 1994 verfilmt.[3]

Im Dezember 2008 wurde auf dem Zechengelände ein Gedenkmuseum eröffnet.[4]

Nach 1990[Bearbeiten]

Am 1. März 1993 wurde das Bergwerk von einem volkseigenen Betrieb in ein privatrechtliches Unternehmen umgewandelt, dessen Eigentümer das polnische Finanzministerium war. Die unternehmerische Selbständigkeit wurde am 2. Juni desselben Jahres schon wieder beendet, und die Zeche wurde Teil der Katowicki Holding Węglowy.

Am 1. Januar 2005 fusionierten die Bergwerke Wujek und KWK Śląsk in Ruda Śląska zur Kopalnia Węgla Kamiennego „Wujek“ Ruch Śląsk.[5]

Bei einer Methangasexplosion in 1050 Meter Teufe im Jahr 2009 kamen 20 Bergleute ums Leben und über 30 wurden verletzt.[6][7]

Am 5. Januar 2012 kam es in 700 m Teufe zu einem Brand;[8] drei Tage später waren die Löscharbeiten abgeschlossen. Wegen des Feuers gab es zu Beginn des Jahres 2012 Überlegungen, das Bergwerk zu schließen.[9][10]

„Wujek“ heute[Bearbeiten]

In der fusionierten Kopalnia Węgla Kamiennego „Wujek“ Ruch Śląsk sind 4.553 Menschen beschäftigt (Stand April 2012). Die tägliche Abbauleistung liegt bei 1.000 Tonnen und die Jahresförderung bei 2.720.000 Tonnen. Der Vorrat an noch abbaubarer Kohle wird auf 60.050.000 Tonnen beziffert. Am 1. April 2012 übernahm Adam Zelek die Leitung der Zeche.[11]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bergwerk Wujek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. [onet.pl Czołgi na Wujek jadą!] 12. Dezember 2011, archiviert vom Original, abgerufen am 28. April 2012 (polnisch).
  2.  Friedrich-Christian Schroeder ; Herbert Küpper (Hrsg.): Die rechtliche Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Osteuropa. Band 63 von Studien des Instituts für Ostrecht München, Peter Lang, Frankfurt 2010, ISBN 978-3-631-59611-1, Kopalnia Wujek, sog. Pazifizierung der Streikenden 1981, S. 140.
  3. Smierc jak kromka chleba - Der Tod gleicht einer Brotscheibe Filminfo. Abgerufen am 11. Mai 2012.
  4. Krzyż - pomnik górników KWK Wujek Wujek. Abgerufen am 11. Mai 2012.
  5. „WUJEK”: Katowicko-rudzkie centrum wydobywcze na prostej. In: teberia.pl, abgerufen am 4. Januar 2012 (polnisch)
  6. 20. ofiara wybuchu w kopalni Wujek Śląsk. In: TVS.pl vom 10. März 2009, abgerufen am 4. Januar 2012 (polnisch)
  7. W kopalni dopuszczano do pracy niesprawne maszyny. In: Gazeta.pl Katowice vom 22. Oktober 2011, abgerufen am 22. April 2012 (polnisch)
  8. KHW: akcja pożarowa w kopalni Wujek. In: wnp.pl vom 5. Januar 2012, abgerufen am 26. April 2012 (polnisch)
  9. katowice.gazeta Kopalnia Wujek może przestać istnieć. In: Gazeta.pl Katowice vom 21. Februar 2012, abgerufen am 3. April 2012 (polnisch)
  10. Katowicki Holding Węglowy: reperacja kopalni Wujek. In: wnp.pl vom 26. April 2012, abgerufen am 26. April 2012 (polnisch)
  11. wnp.pl vom 1. April 2012 (polnisch abgerufen am 26. April 2012)