Kopf des Nefertem

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Kopf des Nefertem
Tête de Toutânkhamon enfant (musée du Caire Egypte).jpg
Kopf auf einer Lotosblüte
Material Holz, bemalt
Maße H. 30 cm;
Herkunft Tal der Könige, KV62, Grab des Tutanchamun
Zeit Neues Reich, 18. Dynastie, Zeit Tutanchamun
Ort Kairo, Ägyptisches Museum, JE 60723

Der Kopf des Nefertem, auch als Kopf auf der Lotosblüte oder Tutanchamun als Sonnengott bezeichnet, stammt aus dem Grab des Tutanchamun (KV62) im Tal der Könige in West-Theben. Er zeigt den König (Pharao) als Kind und datiert in die Zeit der 18. Dynastie (Neues Reich). Das Objekt mit der Fundnummer 8 befindet sich heute als Exponat mit der Inventarnummer JE 60723 im Ägyptischen Museum in Kairo.

Fundgeschichte[Bearbeiten]

Die Fundgeschichte des Kopfes des Nefertem ist kontrovers, da Howard Carter das Stück nicht in seinem Grabungstagebuch dokumentiert hat.

Gefunden wurde der Kopf des Nefertem im Jahr 1924 von Pierre Lacau und Rex Engelbach bei einer Inventur von KV4, dem Grab Ramses XI., das als Lager benutzt wurde. Die Büste befand sich in einer Rotweinkiste zwischen Vorräten.[1] Zu diesem Zeitpunkt war Howard Carter nach dem Streik und der Schließung des Grabes und dem Entzug bzw. der Annullierung der Grabungslizenz von Lord Carnarvons Witwe, Lady Almina, nicht in Ägypten. Carter gab später an, den Kopf im Eingangskorridor von KV62 im Schutt gefunden zu haben.[2] In seiner ersten Grabungssaison ist der Kopf nicht vermerkt. Howard Carter notierte zur Räumung des Eingangskorridors lediglich Funde von teilweise zerbrochenen oder vollständig erhaltenen Alabastergefäßen oder Vasen aus bemaltem Ton. Auch eine Dokumentation durch Fotos des Kopfes wie bei anderen Fundstücken wird in seinem Grabungstagebuch nicht erwähnt.[3] Dieser Sachverhalt führte nicht nur zu weiteren Unstimmigkeiten mit der ägyptischen Altertümerverwaltung, sondern auch zu dem zum Teil bis heute andauernden Verdacht, Howard Carter habe versucht, das Fundstück zu „unterschlagen“.[4]

Tutanchamun als Nefertem auf einer blauen Lotosblüte, Ägyptisches Museum Kairo

Das Porträt[Bearbeiten]

Der zum Teil beschädigte Kopf des Nefertem ist aus Holz geschnitzt und misst eine Höhe von 30 cm. Der Stucküberzug ist braun bemalt. Die Augenbrauen, die für das Alte Ägypten typisch mit Kajal umrandeten Augen und die Pupillen der Büste wurden hingegen mit dunkelblauer Farbe hervorgehoben. Der Kopf des Königs ist kahl geschoren, jedoch sind Haarstoppeln erkennbar dargestellt. Das Porträt hat die Gesichtszüge Tutanchamuns und zeigt ihn als Kind. Die Ohrläppchen Tutanchamuns sind, wie bei der goldenen Totenmaske, durchstochen. I. E. S. Edwards vermutet, dass der Kopf Teil einer Skulptur gewesen sein könnte.

Innerhalb aller bisherigen Fundstücke um Tutanchamun stellt diese Büste die einzige Abbildung von ihm als Kind dar.[5]

Bedeutung[Bearbeiten]

Das Fundstück zeigt den Kopf eines Kindes, der einer blauen Lotosblüte entspringt. Der Blaue Lotos galt als heilige Pflanze. Der blau bemalte Sockel symbolisiert das Wasser. So stellt das Bildnis die Geburt des Königs aus der Lotosblume dar, so wie in der ägyptischen Mythologie der Sonnengott dem Lotos entsteigt, der sich aus den Fluten des Ur-Gewässers Nun erhebt.

In der ägyptischen Kunst[Bearbeiten]

Im Vergleich zu in Tell el-Amarna gefundenen Darstellungen der Töchter Echnatons und Nofretetes weist auch der Kopf des Nefertem den charakteristisch langgezogenen Hinterkopf und die für die Amarna-Kunst typischen Halsfalten auf. Dies lässt eine Zuordnung der Entstehung in die Amarna-Zeit zu. Das Bildnis des Königs als Kind zählt in der gesamten ägyptischen Kunst am Ende der 18. Dynastie zu den Schönsten.[5] Der Kopf des Nefertem war als Ausstellungsstück in den weltweit ersten Sonderausstellungen ausgewählter Originalfundstücke aus dem Grabschatz des Tutanchamun zu sehen. So unter anderem auch bei der Tutanchamun-Ausstellung in den Jahren 1980–1981 in Köln.

Literatur[Bearbeiten]

  • Zahi Hawass: The Head of Nefertem. (= King Tutankhamun. The Treasures Of The Tomb.) Thames & Hudson, London 2007, ISBN 978-0-500-05151-1, S. 16.
  • Thomas Hoving: Der goldene Pharao – Tut-ench-Amun. Droemer Knaur, München/ Zürich 1980, ISBN 3-426-03639-8, S. 261–265.
  • T. G. H. James: Tutanchamun. Müller, Köln 2000, ISBN 88-8095-545-4, S. 133.
  • Peter Munro: Tutanchamun als Sonnengott. In: Ausstellungskatalog Tutanchamun in Köln. von Zabern, Mainz 1980, ISBN 3-8053-0438-2, S. 140–141.
  • M. V. Seton-Williams: Tutanchamun. Der Pharao. Das Grab. Der Goldschatz. Ebeling, Luxembourg 1980, ISBN 3-8105-1706-2, S. 120.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas Hoving: Der goldene Pharao Tut-ench-Amun. S. 261.
  2. Zahi Hawass: King Tutankhamun. The Treasures Of The Tomb. S. 16.
  3. Griffith Institute, Oxford: Howard Carter's diaries and journals. Part 1: October 28 to December 31, 1922. The first excavation season in the tomb of Tutankhamun. 25. und 26. November 1922
  4. Andreas Austilat: Archäologie: Retter oder Räuber? In: Tagesspiegel vom 22. Januar 2010.
  5. a b Peter Munro: Tutanchamun als Sonnengott. In: Ausstellungskatalog Tutanchamun in Köln. S. 140.