Kora (Musikinstrument)

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Kora

Kora ist eine mit beiden Händen gezupfte westafrikanische Stegharfe, die auch als Harfenlaute klassifiziert wird.

Bauform[Bearbeiten]

Äußerlich hat das Instrument eine entfernte Ähnlichkeit mit einer altägyptischen Bogenharfe, deren Nachfolger unter anderem in Uganda und Zentralafrika verbreitet sind, und einer Winkelharfe, deren Form noch in der in Mauretanien gespielten ardin weiterlebt. Tatsächlich ist die kora eine davon unabhängige Entwicklung aus den westafrikanischen Binnenspießlauten vom Typ ngoni. Bei der ardin tritt der Hals senkrecht aus der Kalebassenschale heraus, im Unterschied dazu verläuft der lange Hals der kora parallel zur Resonanzdecke innerhalb der Kalebasse. Die mvet von Kamerun besitzt einen ähnlichen Kerbsteg, jedoch keinen Lautenkorpus. Am nächsten mit der kora verwandt ist die soron der Malinke in Guinea.

Die kora besteht aus einem kuhfellbespannten Kalebassenkorpus, auf dem ein Steg senkrecht aufgestellt ist. Die 21 Saiten verlaufen von einem Ring an der Unterseite des Korpus durch Kerben auf beiden Seiten des Stegs bis zu ihren Befestigungspunkten entlang des Halses. Der aus dem Hartholz keno hergestellte Hals fungiert als Befestigung und nicht als Griffbrett, wobei die Saiten unterschiedlich lang sind und so (diatonisch) gestimmt werden können. Im Unterschied zu Lauteninstrumenten sind die Saiten senkrecht zum Korpus angebracht und nicht parallel.

Heute stellt man die Saiten der kora aus Nylon her, ursprünglich drehte man sie aus der Haut einer weiblichen Antilope.

Spielweise[Bearbeiten]

Die kora wird heptatonisch gestimmt mit drei bis vier gängigen Stimmungen, deren Intervalle mehr oder weniger von den temperierten Dur-Tonarten abweichen. Die von der linken und der rechten Hand gegriffenen Notenwerte stehen sich alternierend gegenüber. Die Tonhöhen der linken Saitenebene betragen beim Grundton F als Ausgangspunkt: F1–C1–D1–E1–G2–B2–D2–F2–A3–C3–E3, der rechten Seite: F2–A2–C2–E2–G3–B3–D3–F4–G4–A4. Die geläufigsten Stimmungen heißen silaba und hardino, weitere sind tomora (ähnlich dem Dorischen Modus) und sauta (ähnlich dem Lydischen Modus). Ein Grundton zwischen E und G kommt am häufigsten vor.[1]

Als Meister der kora gelten derzeit Toumani Diabaté, Malamini Jobarteh, Tata Dindin und Ballaké Sissoko. Eine Europäisierung der Spielweise hat Soriba Kouyaté eingeführt.

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Gravikord, der kora nachempfundene Stegharfe mit elektrischem Tonabnehmer

Literatur[Bearbeiten]

Koraspieler Jali Fily Cissokho
  • Foday Musa Suso: Jali Kunda: Erinnerungen in: Jali Kunda: Die Griots Westafrikas und der übrigen Welt (1996). Buch und CD Set. Ellipsis Arts.
  • Ulrich Wegner: Afrikanische Saiteninstrumente. (mit Musikkassette), Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1984, S. 175–184, ISBN 3-88609-117-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kora – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roderic Knight: Towards a Notation and Tablature for the Kora and Its Application to Other Instruments. In: African Music, Vol. 5, No. 1, 1971, S. 23–36