Korallenwurz

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Korallenwurz
Korallenwurz (Corallorhiza trifida)

Korallenwurz (Corallorhiza trifida)

Systematik
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Epidendroideae
Tribus: Calypsoeae
Gattung: Korallenwurzen (Corallorhiza)
Art: Korallenwurz
Wissenschaftlicher Name
Corallorhiza trifida
Châtel.

Die Korallenwurz (Corallorhiza trifida) gehört zur Familie der Orchideengewächse (Orchidaceae).

Name[Bearbeiten]

Die Art wurde im Jahr 1760 von Jean Jacques Châtelain (1736-1822) als Corallorhiza trifida beschrieben. Der Gattungsname bezieht sich auf den korallenartig verzweigten Wurzelstock (Rhizom) und leitet sich von den griechischen Wörtern κοράλλιον korallion = Koralle und ρίζα rhiza = Wurzel ab. Das Art-Epitheton stammt vom lateinischen trifidus = dreispaltig. Es ist jedoch unklar, was der Beschreiber damit meinte - vielleicht bezieht er sich auf die dreiteilige untere Blütenhälfte, Blütenform oder die Lippenzeichnung.

Von den deutschen Namen Wald-Korallenwurz, Europäische Korallenwurz oder Dreispaltige Korallenwurz konnte sich keine Bezeichnung durchsetzen.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Korallenwurz ist eine mykoheterotrophe Pflanze ohne oder mit nur wenig Chlorophyll.

Diese Orchideen-Art, wie auch die Vogel-Nestwurz (Neottia) und der Widerbart (Epipogium) ...sind dauernd auf ihre Mykorrhizapilze angewiesen und parasitieren also gewissermaßen auf ihnen ...;[1] man hat das früher vereinfacht als Saprophyten bezeichnet. (Saprophyten sind jedoch nur Bakterien und Pilze aber keine Pflanzen).

Die Korallenwurz ist eine ziemlich unscheinbare, zierliche, ausdauernde krautige Pflanze. Sie hat keine Laubblätter, sondern nur wenige dem Stängel anliegende Schuppenblätter. Das Rhizom ist ausdauernd und hat eine korallenartige Form. An manchen Standorten neigen diese Pflanzen durch Verzweigung des Rhizoms zur Horstbildung.

Die zwei bis zwölf winzigen Blüten (nur 5 mm lang) sind wie die ganze Pflanze gelblichgrün gefärbt. Die Blütenhüllblätter stehen schräg nach vorne ab, die zungenförmige Lippe (Labellum) mit zahnartigen Seitenlappen ist weißlich und mit roten Punkten versehen.

Die Blütezeit dieser Art erstreckt sich insgesamt von Ende April bis in den August hinein, differiert aber sehr stark innerhalb des Verbreitungsgebietes. So beginnt die Art in den Buchenwäldern der Mittelgebirge schon Ende April zu blühen. Die Blütezeit dauert nur etwa drei Wochen. In den polaren Regionen sowie im Hochgebirge, wo sie bis in Höhen über 2000 m NN vorkommt, blüht sie dagegen erst im Hochsommer.

Die Korallenwurz blüht allerdings nicht jedes Jahr und bleibt daher oft an den Wuchsorten unsichtbar.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 42.

Verbreitung[Bearbeiten]

Corallorhiza trifida im Biotop, einem Kalkbuchenwald in der Rhön

Die Korallenwurz kommt als einzige Art der Gattung Korallenwurzen (Corallorhiza) in Europa vor. Daher wird sie manchmal auch als Europäische Korallenwurz bezeichnet (in Nordamerika kommen weitere, auch größere Arten vor). Das Verbreitungsareal der Korallenwurz erstreckt sich zirkumpolar über die temperaten, borealen und arktischen Zonen der Nordhalbkugel. In Europa ist sie vor allem in Skandinavien und in den Gebirgen heimisch. Sie ist eine von fünf Orchideenarten, die sogar auf Grönland gefunden wurden. Je südlicher sie in Europa vorkommt, desto stärker wird die Bindung an höhere Gebirgslagen. Bereits in den deutschen Mittelgebirgen ist sie nicht in Tieflagen zu finden.

Die Korallenwurz ist ein Florenelement der meridional/montanen, submeridional/montanen, temperaten, borealen und arktischen Florenzone.[2]

In Deutschland zeigen sich deutliche Verbreitungsschwerpunkte: Zum einen in den Alpen und im Alpenvorland, dann in der Schwäbischen und Fränkischen Alb und schließlich von der Rhön nach Thüringen.

Außerhalb dieser Gebiete tritt sie nur sehr zerstreut auf. Im Nordwesten und Norden fehlt sie ganz.

Standorte und Ökologie[Bearbeiten]

Die Korallenwurz kommt im Gebirge und in Nordeuropa vor allem in feuchten Nadelwäldern vor, im Mittelgebirge siedelt sie dagegen in Buchen- und Laubmischwäldern auf mäßig trockenen bis humiden Böden. Sie wächst gern an pflanzenarmen, moosigen oder laubbedeckten Stellen. Die Korallenwurz wächst sowohl auf kalkhaltigen als auch auf sauren Böden. Die Art gilt als Schattenzeiger.

Sie findet sich in den Pflanzengesellschaften

  • Verband Luzulo-Fagion
  • Verband Galio rotundifolii-Abietion

(Aufschlüsselung siehe: Pflanzensoziologische Einheiten nach Oberdorfer)

Die Korallenwurz bleibt zeitlebens von der Versorgung durch die Mykorrhiza abhängig, da sie keine grünen Blätter und auch nur sehr wenig Chlorophyll besitzt (Vollmykotrophie bzw. Mykoheterotrophie).

Naturschutz und Gefährdung[Bearbeiten]

Wie alle in Europa vorkommenden Orchideenarten steht auch die Korallenwurz unter strengem Schutz europäischer und nationaler Gesetze.

Die Korallenwurz gilt als gefährdet. Hauptursache dafür sind das insgesamt seltene Auftreten der Art sowie lokale Bedrohungen durch Waldbau.

Systematik[Bearbeiten]

Das Basionym dieser Art wurde von Carl von Linné im Jahr 1753 in seinem Werk "Species Plantarum" als Ophrys corallorhiza aufgestellt.

Neben dem gültigen Namen Corallorhiza trifida Châtel. (1760) gibt es einige Synonyme, die durch Neubeschreibungen entstanden sind:

  • Corallorhiza ericetorum Drejer (1843)
  • Corallorhiza intacta Cham. & Schltdl. (1828)
  • Corallorhiza innata R.Br. in W.T.Aiton (1813)

Die Schreibweise Corallorhiza wurde 1996 gegen Corallorrhiza zur Konservierung vorgeschlagen,[3] was 1999 von der Nomenklaturkommission befürwortet wurde.[4] Im Jahr 2000 wurde die Schreibweise Corallorhiza in die Liste der zu konservierenden Gattungsnamen des St. Louis-Code aufgenommen.[5]

Varietäten

Von der Korallenwurz wurden zwei Varietäten beschrieben:

  • Corallorhiza trifida var. verna (Nutt.) Fernald (1946)
  • Corallorhiza trifida var. virescens (Drejer) Farw. (1941)

Bildergalerie[Bearbeiten]

Quellen und weiterführende Informationen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Standardliteratur über Orchideen[Bearbeiten]

  • Arbeitskreise Heimische Orchideen (Hrsg.): Die Orchideen Deutschlands. Arbeitskreise Heimische Orchideen, Uhlstädt-Kirchhasel 2005, ISBN 3-00-014853-1.
  • Helmut Baumann, Siegfried Künkele: Die wildwachsenden Orchideen Europas. Franckh, Stuttgart 1982, ISBN 3-440-05068-8.
  • Karl-Peter Buttler: Orchideen. Die wildwachsenden Arten und Unterarten Europas, Vorderasiens und Nordafrikas (= Steinbachs Naturführer. 15). Mosaik, München 1986, ISBN 3-570-04403-3.
  • Robert L. Dressler: Die Orchideen - Biologie und Systematik der Orchidaceae (Originaltitel: The Orchids. Natural History and Classification. Harvard University Press, Cambridge, Mass. u. a. 1981). Übersetzt von Guido J. Braem unter Mitwirkung von Marion Zerbst. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-413-8 (gutes Werk zum Thema Systematik).
  • Hans Sundermann: Europäische und mediterrane Orchideen. 2. Auflage. Brücke, Hildesheim 1975, ISBN 3-87105-010-5.
  • John G. Williams, Andrew E. Williams, Norman Arlott: Orchideen Europas mit Nordafrika und Kleinasien (= BLV-Bestimmungsbuch. 25). Übersetzt, bearbeitet und ergänzt von Karl Peter Buttler und Angelika Rommel. BLV, München/Bern/Wien 1979, ISBN 3-405-11901-4.

Speziellere Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Füller: Limodorum, Epipogium, Neottia, Corallorhiza (Orchideen Mitteleuropas, 7. Teil) (= Die Neue Brehm-Bücherei. Band 385) 3. Auflage (unveränderter Nachdruck der 2. Auflage von 1977). Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 2002, ISBN 3-89432-491-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Sitte, Hubert Ziegler, Friedrich Ehrendorfer, Andreas Bresinsky: Lehrbuch der Botanik für Hochschulen. Begründet von Eduard Strasburger. 34. Auflage. Gustav Fischer, Stuttgart/Jena/Lübeck/Ulm 1998, ISBN 3-437-25500-2, S. 808.
  2. Karl-Peter Buttler: Orchideen. Die wildwachsenden Arten und Unterarten Europas, Vorderasiens und Nordafrikas (= Steinbachs Naturführer. 15). Mosaik, München 1986, ISBN 3-570-04403-3.
  3. John V. Freudenstein: (1260) Proposal to conserve the name Corallorhiza Gagnebin (Orchidaceae) with a conserved spelling. In: Taxon. Band 45, Nr. 4, 1996, S. 695–696, JSTOR 1224261.
  4. R. K. Brummitt (Hrsg.): Report for the Committee for Spermatophyta: 48. In: Taxon. Band 48, Nr. 2, 1999, S. 359–371 (hier: S. 363), JSTOR 1224443.
  5. Werner Greuter et al.: International Code of Botanical Nomenclature (Saint Louis Code) (= Regnum Vegetabile. Band 138). Koeltz Scientific Books, Königstein 2000, ISBN 3-904144-22-7, Appendix IIIA, Nomina Generica Conservanda et Rejicienda E. Spermatophyta 2. Monocotyledones (online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Korallenwurz (Corallorhiza trifida) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Verbreitungskarten:

Regionale Links:

Siehe auch: