Koreaner in Deutschland

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1953: Nordkoreanische Gaststudenten kommen in Ost-Berlin, DDR, an

Im Jahr 2009 wurden nach der Statistik des Südkoreanischen Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten und Handel 31.248 Koreaner in Deutschland gezählt.[1]

Obwohl sie damit nur noch die 14.-größte koreanische Diaspora-Gemeinschaft weltweit ist, bleibt sie die zweitgrößte in Westeuropa, hinter der rasant wachsenden Gemeinschaft von Koreanern im Vereinigten Königreich.[1] Die Koreaner in Deutschland leben vor allem im Rhein-Main-Gebiet sowie in Nordrhein-Westfalen. Neben der Muttersprache Koreanisch beherrschen die meist der christlichen oder der buddhistischen Religion zugehörigen Koreaner sehr oft auch die deutsche Sprache.[2]

Die größte koreanische Gemeinschaft ist die Rhein-Main-Region mit etwa 5300 koreanischen Einwohnern.[3] Zudem befinden sich im Großraum Frankfurt einige Deutschland- und Europazentralen südkoreanischer Konzerne, z.B. Kia Motors, Hyundai, Samsung Electronics, LG International, SK Network.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Aus Südkorea in die BRD[Bearbeiten]

Einige Studenten, Krankenschwestern und Industriepraktikanten aus Südkorea gab es in der Bundesrepublik Deutschland schon in den späten 1950er Jahren.[5] Allerdings begann ein verstärkter Zuzug von Südkoreanern nach Deutschland erst in den 1960er Jahren, als die Bundesrepublik Deutschland Krankenschwestern und Bergarbeiter aus Südkorea als Gastarbeiter anwarb. Die Rekrutierung von Arbeitern speziell aus Südkorea wurde nicht nur durch wirtschaftliche Notwendigkeit verursacht, sondern galt auch als Demonstration der Unterstützung für ein Land, das ebenso wie Deutschland geteilt durch verfeindete Ideologien war.[6]

Eine erste Gruppe von Bergleuten kam am 16. Dezember 1963 im Rahmen des Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Südkorea, das weitgehend von der südkoreanischen Regierung finanziert wurde. Deutsche Unternehmen hatten keine Reisekosten zu tragen, sondern kamen nur für Lohn und Sprachunterricht auf. Die Südkoreaner hatten ein hohes Bildungsniveau im Vergleich zu anderen Gastarbeitern in dieser Zeit. Über 60% hatten Abitur oder einen tertiären Bildungsabschluss. Krankenschwestern trafen in großer Zahl im Jahr 1966 in Deutschland ein.[5] Südkoreaner waren eine der wenigen nichteuropäischen Gruppen, die damals rekrutiert wurden. Die westdeutsche Migrationspolitik schloss in der Regel Arbeitnehmer afrikanischer und asiatischer Herkunft in den 1950er und 1970er Jahren aus.[7]

Nach den Aufenthalten in Deutschland wanderten einige dieser Südkoreaner in die Vereinigten Staaten ab, begünstigt durch einfachere Eingangsbedingungen aufgrund des Einwanderungs-und Staatsangehörigkeitsgesetzes von 1965.[8] Obwohl die südkoreanischen Arbeiter für eine befristete Zeit kamen und die meisten ursprünglich geplant hatten, nach Hause zurückzukehren, entschied sich am Ende die Hälfte der Angeworbenen für den Verbleib in Deutschland. Während der 1970er Jahre riefen sie zu Protesten auf und forderten unter Berufung auf ihren Beitrag zur Wirtschaft und zum Gesundheitswesen ein Aufenthaltsrecht. Schließlich verzichtete die westdeutsche Regierung auf die Ausweisung derjenigen, deren Arbeitsverträge abgelaufen waren und gewährte ihnen ein unbefristetes Aufenthaltsrecht.[5][7]

Nord- und Südkorea wetteiferten um den Einfluss auf die koreanische Gemeinde in der DDR und in der Bundesrepublik Deutschland während der 1960er und 1970er Jahre. Nordkorea hatte Agenten in die Bundesrepublik Deutschland geschickt, die, als Professoren verkleidet, unter den südkoreanischen Studenten Anhänger für das nordkoreanische Regime rekrutieren sollten.[9] Im Jahr 1967 hat Südkorea eine Reihe von südkoreanischen Bürgern unter Verdacht der Spionage für den Norden zwangsweise ohne die Zustimmung der westdeutschen Regierung nach Südkorea entführt - der berühmteste unter ihnen war der Komponist und spätere deutsche Bürger Yun I-sang. Sie wurden gefoltert, um falsche Geständnisse zu erpressen, sechs von ihnen wurden zum Tode verurteilt. Die Bundesrepublik Deutschland hatte nach dem Vorfall drei südkoreanische Diplomaten ausgewiesen und ernsthaft den Abbruch diplomatischer Beziehungen mit Südkorea erwogen. Allerdings sah sie schließlich davon ab, als sich die allgemeine Aufmerksamkeit auf den Mordanschlag auf den Präsidenten Park Chung-hee und den USS Pueblo Vorfall verlagerte. Stattdessen wurde mit stiller Diplomatie auf die Freilassung der Entführten hingearbeitet.[10]

Aus Nordkorea in die DDR[Bearbeiten]

Es gab auch eine, wenn auch zahlenmäßig geringere, koreanische Präsenz in der DDR. Nach dem Ende des Koreakrieges und der Bildung eines eigenen Staates Nordkorea, d.h. im Zeitraum von 1953 bis 1962, gingen viele nordkoreanische Studenten zum Studium an Universitäten und Hochschulen in den Ostblock, und andere kamen als gewerbliche Auszubildende.[11] Im Jahr 1955 lag ihre Zahl in der DDR schätzungsweise bei 334 Studenten, 302 gewerblichen Auszubildenden und 298 Waisen. Die Waisenkinder wurden unter anderem im Maxim-Gorki-Heim in Dresden und im Käthe-Kollwitz-Heim[12] in Moritzburg betreut. Da sich jedoch die chinesisch-sowjetischen Beziehungen verschlechterten, ordnete die nordkoreanische Regierung an, dass alle ihre im Ausland befindlichen Staatsangehörigen nach Hause zurückzukehren hatten. Nach 1962 blieben nur wenige Nordkoreaner in der DDR übrig. Selbst diejenigen, die mit Einheimischen verheiratet waren, mussten dem Rückruf gehorchen und verließen ihre Ehepartner. In einem dokumentierten Fall erfuhr eine ostdeutsche Frau nach mehr als vier Jahrzehnten ohne Kontakt, dass ihr nordkoreanischen Ehemann noch am Leben war. Andere haben seither ihre Ehepartner weder wiedergesehen noch haben sie Informationen über den Verbleib und das Schicksal ihres Partners.[13][14]

Nach der deutschen Wiedervereinigung schickte die Pjöngjanger Regierung einige Studenten zu einer technischen Ausbildung nach Deutschland. Die beiden Länder unterhalten seit März 2001 diplomatische Beziehungen. Deutsche, die Nordkorea besucht haben, berichten, dass sie immer wieder deutschsprachige Ingenieure und Techniker getroffen hätten.[15]

Auf dem Dresdner Heidefriedhof befinden sich noch Grabsteine von in Dresden verstorbenen Koreanern.

Rückwanderung[Bearbeiten]

Im Jahr 2009 verweigerte die deutsche Regierung nordkoreanischen Wissenschaftlern und Ingenieuren eine Verlängerung ihrer Aufenthaltsgenehmigungen, auch in den Fällen, in denen Stipendien verlängert worden waren.

Einige Südkoreaner, die sich in Deutschland niedergelassen hatten, kehrten nach ihrer Pensionierung nach Südkorea zurück, oft zusammen mit ihren deutschen Ehepartnern. Eine Folge dieser „Rückwanderung“ war das Entstehen eines deutschen Dorfes, Dogil Maeul (koreanisch 독일 마을 oder 獨逸 마을, Dog’il Ma’eul), im Landkreis Namhae-gun in Gyeongsangnam-do.[16]

Bildungslage[Bearbeiten]

Über 70% der zweiten Generation koreanischer Nachkommen in Deutschland haben schätzungsweise mindestens ein Abitur oder einen noch höheren Bildungsabschluss - im Verhältnis mehr als doppelt soviele wie in der übrigen Bevölkerung (Siehe auch: Schulleistung zwischen verschiedenen Gruppen in Deutschland).

Medien[Bearbeiten]

Seit 1995 erscheint mit Kyopo Shinmun (교포신문) eine eigene Wochenzeitung für die in Deutschland lebenden Koreaner, welche größtenteils Beiträge in koreanischer Sprache, aber auch eine kleinere Anzahl deutschsprachiger Artikel enthält.[17]

Bekannte Deutsch-Koreaner[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Jung-Sook Yoo: Koreanische Immigranten in Deutschland. Interessenvertretung und Selbstorganisation.. Verlag Dr. Kovač, Hamburg 1996, ISBN 3-86064-502-1.
  • Hae-soon Kim: Koreans in Germany: the Story of Kwang-Chung Kim. In: Occasional Papers of the Korean American Historical Society. 3, 1997, S. 33–48. Abgerufen am 30. Mai 2007.
  • Tai-Soon Yoo: Koreanerinnen in Deutschland. Eine Analyse zum Akkulturationsverhalten am Beispiel der Kleidung. 1981 (Volltext als PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten]

  1. a b [javascript:goDN('f83058017fe102400bfdf015','00bfa4f97f9d00b021037001'); 재외동포현황 (koreanisch)]. Ministry of Foreign Affairs and Trade. 2009. Abgerufen am 21. Mai 2009.
  2. Norbert Cyrus: Active Civic Participation of Immigrants in Germany (PDF; 565 kB) Europäische Kommission. March 2005. Abgerufen am 9. März 2009.; cites Yoo 1996, listed below
  3. frankfurt-business.net: Daten + Fakten zur koreanischen Community, abgerufen am 23. November 2012
  4. frankfurt.de: Business Communities: Korea (Version vom 15. Mai 2011 im Internet Archive)
  5. a b c Sun-Ju Choi / You-Jae Lee (2005): Umgekehrte Entwicklungshilfe. Die koreanische Arbeitsmigration in Deutschland / Chŏndo toen kaebal wŏnjo. Togil ŭi hanin nodong iju, in: Kölnischer Kunstverein u.a. (Hg.), Projekt Migration, Köln, S. 735-742; 831-832. (Deutsch/Koreanisch)
  6. Jan Creutzenberg: Two Stories of Exploitation and Integration: Double lecture on Korean and Vietnamese work migration in Germany, OhmyNews. 22. Mai 2007. Abgerufen am 30. Mai 2007. 
  7. a b Karen Schönwälder: Why Germany's guestworkers were largely Europeans: The selective principles of post-war labour recruitment policy. In: Ethnic and Racial Studies. 27, Nr. 2, March 2003, S. 248–265. doi:10.1080/0141987042000177324.
  8. Tai S. Kang: An ethnography of Koreans in Queens, New York, and elsewhere in the United States (PDF; 1,9 MB) Center for Survey Methods Research, Bureau of the Census. March 1990. Abgerufen am 30. Mai 2007.
  9. Chang-hui Kim: “동백림사건요? 코미디였지요”, Donga Ilbo. 1997. Abgerufen am 23. November 2012. 
  10. a b Yun-hyeong Gil: 독일, 당시 국교단절 검토: 67년 윤이상씨등 서울로 납치 '동백림사건' 항의 (Germany considered breaking off relations at the time: Protests over the 1967 "East Berlin incident" kidnapping of Isang Yun and others), The Hankyoreh. 30. Oktober 2004. Abgerufen am 30. Mai 2007. 
  11. Charles K. Armstrong: Fraternal Socialism: The International Reconstruction of North Korea, 1953–62. In: Cold War History. 5, Nr. 2, May 2005, S. 161–187. doi:10.1080/1462740500061160.
  12. Moritzburg, Käthe-Kollwitz-Heim, Schul- und Erholungsaufenthalt von Kindern aus der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) in der DDR, März 1953, Deutsche Fotothek
  13. Rüdiger Frank: Die DDR und Nordkorea. Der Wiederaufbau der Stadt Hamhŭng von 1954–1962. Shaker, Aachen December 1996, ISBN 3-8265-5472-8.
  14. Kwon-ha Ryu: North Korean husband of German woman is alive, JoongAng Ilbo. 13. Februar 2007. Abgerufen am 23. November 2012. 
  15. Sung-jo Pak: Germany Gets Maximum Concessions from NK, Chosun Ilbo. 11. März 2001. Abgerufen am 31. Mai 2007. 
  16. Norimitsu Onishi: In a Corner of South Korea, a Taste of German Living, The New York Times. 9. August 2005. Abgerufen am 30. Mai 2007. 
  17. Homepage von Kyopo Shinmun
  18. Arnold Whitall: Unsuk Chin in focus: Meditations and mechanics. In: The Musical Times, Vol. 141, No. 1870 (Hrsg.): Musical Times. 141, Nr. 1870, Spring 2000, S. 21–32. doi:10.2307/1004366.
  19. Gwang-il Kim: Novelist Gong Ji-young writes of Pain, Happiness of Koreans in Germany, Chosun Ilbo. 26. Oktober 2004. Abgerufen am 30. Mai 2007. 
  20. Die Zeit: „Wir brauchen Zutrauen“ Interview mit Martin Hyun, 1. August 2006
  21. Ghost of the Berlin Wall Reappears
  22. 실향민 2세 이은숙씨 베를린 장벽서 설치미술. In: joinsmsn.com vom 2. November 2007. Abgerufen am 23. November 2012.
  23. Blaine Harden: A family and a conscience, destroyed by North Korea's cruelty. In: Washington Post, 22. Februar 2010. Abgerufen am 25. Februar 2010. 
  24. Tai'ichiro Kajimura: Democracy and National Security in South Korea: The Song Du Yol Affair. In: Japan Focus. 10. Dezember 2004. Abgerufen am 23. November 2012.