Koreanische Welle

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Koreanische Welle
koreanisches Alphabet: 한류
chinesische Schriftzeichen: 韓流
Revidierte Romanisierung: Hallyu
McCune-Reischauer: Hallyu

Koreanische Welle, auch unter der koreanischen Bezeichnung „Hallyu“ bekannt, bezeichnet die weltweit ansteigende Popularität der zeitgenössischen südkoreanischen Pop-Kultur im 21. Jahrhundert. Dieses Phänomen zeigt sich in ganz Asien, vor allem in China, Japan, Taiwan, Hongkong, Vietnam, Nepal,[1] Thailand, Indonesien und den Philippinen,[2] greift aber auch nach Indien, in den mittleren Osten[3], sowie nach Nordafrika und Südamerika über.[4] Durch das Internet und Videoplattformen wie Youtube[5] erreicht die Koreanische Welle auch ein Nischenpublikum in Nordamerika und teilweise auch in Europa.[6][7][8]

Die Koreanische Welle, die zu Beginn vor allem durch Dramen (K-Drama)[9] und Pop-Musik[10] losgetreten wurde, weitet sich heute auf Gebiete wie Filme[11], Essen,[12] Sprache,[4] Computerspiele[7], Mode[13] und Taekwondo aus.[2] Der chinesische Begriff ist 韓流 ‚Hánliú‘; er bedeutet soviel wie „Korea-Stil“ oder „Koreanischer Strom“. Er wurde 1999 in China geprägt, indem Pekinger Journalisten über die rapide anwachsende Popularität südkoreanischer Güter in China schrieben.[14] Zu Beginn war der Erfolg weder beabsichtigt noch geplant. Erst nachdem der Erfolg sichtbar wurde, produzierte man strategisch und gezielt Fernsehserien und Musik für den asiatischen Markt.[15] Dieser zunehmende Kulturexport wird auch vom südkoreanischen Kulturministerium unterstützt. Dabei ziele man nicht mehr nur auf den asiatischen Raum ab, sondern auf den Weltmarkt.[16]

Ursachen[Bearbeiten]

Als Ursachen für den Erfolg in China werden unter Anderem die gemeinsame Kultur und Geschichte sowie der Konfuzianismus genannt.[17][18][19] Die Themen südkoreanischer Seifenopern handeln vorwiegend von Familie, Liebe und Moral und enthalten wenig Gewalt oder Sex.[6] Ein weiterer Grund für die Beliebtheit südkoreanischer Serien im asiatischen Raum soll die äußerliche Attraktivität der Darsteller sein.[17]

Gerade die südkoreanische Musikindustrie ist aufgrund des kleinen, und aktuell schrumpfenden, einheimischen Musikmarktes auf Export ausgerichtet.[20]

Aktuelle Entwicklung[Bearbeiten]

Südkorea gehört zu den zehn Nationen, die am meisten kulturelle Güter exportieren.[21] Der Begriff ist mittlerweile auch ein Akronym, das auf die schnellwachsende Wirtschaft Südkoreas verweist („Wunder am Han-Fluss“, kor. 한강의 기적, Hangangeui Kijeok).[14][22]

Der Tourismus Südkoreas wird durch den Erfolg der „Welle“ ebenfalls beflügelt. Viele Reiseveranstalter bieten Pauschalreisen zu den Drehorten südkoreanischer Seifenopern an.[15] Laut Fremdenverkehrsamt kämen jedes Jahr eine Million Touristen um die Schauplätze zu besichtigen.[9][23]

Vor allem der Fernsehspielreihe „Winter Sonata“ gelang reißender Absatz in Japan und China und der Hauptdarsteller Bae Yong-joon avancierte zum Traummann der Hausfrauen.[24][14][4]

Zudem führt die Hallyu in China dazu, dass einige Chinesen zum Christentum konvertieren, das durch südkoreanische Missionare verbreitet wird.[22]

Auch auf das stalinistische Nordkorea soll die Koreanische Welle Einfluss haben, indem CDs und DVDs mit Musik und Fernsehserien über die Gebirge eingeschmuggelt werden.[24][18]

In einigen Staaten wie China, Thailand oder Japan stößt der Import koreanischer Kultur zunehmend auf eine ablehnende Haltung,[7][25] so dass Quotenregeln eingeführt worden sind.[17] Vor allem nach dem erfolgreichen Abschneiden der südkoreanischen Fußballnationalmannschaft bei der WM 2002, die Japan und Südkorea gemeinsam austrugen, stiegen antikoreanische Kommentare stark an. Aus Sicht vieler Japaner sei Japan für den wirtschaftlichen Aufstieg (Süd-)Koreas verantwortlich.[25]

Im Hollywood Bowl in den USA findet jedes Jahr das Korean Music Festival statt, veranstaltet von der Korea Times, bei dem die bekanntesten Musiker Südkoreas auftreten.

Südkoreanische Schauspieler gehören mittlerweile zu den bestbezahlten Schauspielern außerhalb Hollywoods. Bae Yong-joon, Star des Dramas „Winter Sonata“, verdient etwa fünf Millionen US-Dollar für einen Film.[14] Die international populärsten Sänger und Musikgruppen sind TVXQ, Super Junior, Rain, Lee Hyori, BoA[17], Se7en, Girls’ Generation, Kara, 2NE1, 2PM, SHINee und Big Bang.[26] Die Wonder Girls begannen im Juni 2010 ihre Amerika-Tournee. Sie erreichten schon zuvor im Oktober 2009 den 76. Platz der Billboard Hot 100 in den USA.[27]

Nationalismus[Bearbeiten]

Auch in Zeiten der Globalisierung bleiben das Nationalbewusstsein und die Verbundenheit mit dem eigenen Land Faktoren, die das Konsumverhalten der Menschen maßgeblich bestimmen. So verwundert es nicht, dass etwa eine Betonung kultureller Überlegenheit der koreanischen Kultur in anderen Ländern auf Ablehnung stößt und bisweilen nationalistischen Furor provoziert.[15][28]

Patriotismus und blinder Nationalismus wurde auch für den Erfolg des Filmes Dragon Wars (2007) verantwortlich gemacht, der international ausschließlich schlechte Kritiken erhielt. Der Film hatte 8 Millionen Besucher in Südkorea. Viele südkoreanische Zuschauer waren stolz, dass auch ein Koreaner einen Blockbuster drehen kann.[29]

Ken-Kanryu[Bearbeiten]

Ken-Kanryū bezeichnet die Gegenbewegung und Ablehnung der Koreanischen Welle in Japan. Diese ist insbesondere in Mangas zu finden. So stand der Manga Hating the Korean Wave (jap. マンガ 嫌韓流, Manga Kenkanryū) für über vier Monate in der japanischen Bestsellerliste.[15][25] 2011 sorgte der Manga K-POP Boom Netsuzō Setsu o Oe! (dt. Analyse der K-Pop-Boom-Lügen) für Aufsehen, in dem die Umstände der südkoreanischen Unterhaltungsindustrie kritisiert werden. So geht der Comic auf den Fall Jang Ja-yeon ein, eine Schauspielerin, die Selbstmord beging, da sie von ihren Managern zum Sex gezwungen wurde. Auch die Gruppen Girls' Generation und Kara, die Ende 2010 große Popularität in Japan erreichten, werden in diesem Kontext dargestellt.[30]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Jessica Rai: Korean connection. In: The Himalayan Times. 26. November 2010, abgerufen am 27. November 2010 (englisch).
  2. a b Was is Hallyu, Korean Tourism Organization
  3. Kim Hee-sung: Korean wave spreads in Middle East through TV and tourism, Korea.net, 3. Juni 2010, abgerufen am 16. Juni 2010 (englisch)
  4. a b c Passport to Korean Culture, Korean Culture and Information Service, 12. Februar 2010, Seoul, ISBN 978-89-7375-153-2, 03910 (englisch)
  5. Yoon Ja-young: YouTube taking 'hallyu' on international ride. Firms taking advantage of user contents sites. In: Korea Times. 8. Februar 2011, abgerufen am 19. Februar 2011 (englisch).
  6. a b Vanessa Hua: South Korea soap operas find large audiences, San Francisco Chronicle, 28. August 2005 (englisch)
  7. a b c Yoo Soh-jung: Hallyu faces turning point, Korea Herald, 15. April 2010 (englisch)
  8. Mark Ravina: Introduction: conceptualizing the Korean Wave, Bnet, abgerufen am 16. Juni 2010 (englisch)
  9. a b Matthias Kolb: Koreanische Welle, Berliner Zeitung, 4. Juli 2008
  10. Young Pop Stars Take Korean Wave to New Heights. In: Chosun Online. 29. Oktober 2010, abgerufen am 30. Oktober 2010 (englisch).
  11. Park Sung-ha: Korean wave laps at Norwegian shore, hancinema.net, 25. Januar 2006 (englisch)
  12. Christian Göldenboog: Kimchi, der Superkohl erobert die Küchen Europas. In: Welt Online. 8. Dezember 2010, abgerufen am 22. Juli 2011.
  13. 'Korean Wave' piracy hits music industry, BBC News. November 9, 2001 (englisch)
  14. a b c d Anthony Faiola: Japanese Women Catch the 'Korean Wave', The Washington Post, 31. August 2006 (englisch)
  15. a b c d Ch. S. Dury Chung; Eun-Soon Choi: Hallyu - Eine neue Form kultureller Diversität in Asien. Abgerufen am 19. Februar 2011 (PDF; 361 kB, deutsch).
  16. Südkorea will zweiten Hallyu-Boom auslösen, KBS World, 23. Dezember 2010
  17. a b c d Roald Maliangkay: When the Korean Wave ripples (PDF; 203 kB), Australian National University (englisch)
  18. a b South Korea’s pop-cultural exports: Hallyu, yeah! In: The Economist. 25. Januar 2010, abgerufen am 12. Dezember 2010 (englisch).
  19. Why Is Korean Wave Popular In China?, ourorient.com (englisch)
  20. Chung Kang-hyun: Korean musicians leading a new wave. In: JoongAng Daily. 30. November 2010, abgerufen am 12. Dezember 2010 (englisch).
  21. Kim Sue-young: Korean Wave 'Hallyu' Abroad Waning, The Korea Times, 5. Mai 2008 (englisch)
  22. a b Norimitsu Onishi: A rising Korean wave: If Seoul sells it, China craves it, The New York Times, 2. Januar 2006 (englisch)
  23. Hallyu - die Korea-Welle, EU-Asien.de
  24. a b Ralph Umard: Angst vor Hallyu, Welt, 15. August 2007
  25. a b c Norimitsu Onishi: Ugly Images of Asian Rivals Become Best Sellers in Japan, The New York Times, 19. November 2005 (englisch)
  26. Kang Hyun-kyung: Korean culture 'invades' Japan, a century after annexation. In: The Korea Times. 27. August 2010, abgerufen am 27. August 2010 (englisch).
  27. Silvio Pietroluongo: Jay Sean Recaptures Hot 100's Top Slot, Billboard.com, 22. Oktober 2009 (englisch)
  28. Cho Hae-joang: Reading the “Korean Wave” as a Sign of Global Shift, Korea Journal, 2005, Seite 172 (englisch)
  29. Bruce Wallace: In South Korea, patriotism rears its dragon-like head, Los Angeles Times, 15. Oktober 2007 (englisch)
  30. Klatsch-Manga sorgt in Südkorea für Furore. In: AnimeY. 14. Januar 2011, abgerufen am 19. Februar 2011 (deutsch).

Weblinks[Bearbeiten]