Korff (Adelsgeschlecht)

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Stammwappen derer von Korff
Gräfliches Wappen (1872)
für Modest von Korff
(Kurländisches Haus Brucken-Schönberg)

Korff (auch Korff-Schmising) ist der Name eines alten westfälischen Adelsgeschlechts. Die Familie, deren Zweige zum Teil bis heute bestehen, gehört zu den ältesten landsässigen Adelsfamilien im Münsterland.

Geschichte[Bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten]

Das Geschlecht erscheint erstmals im Jahr 1241 urkundlich mit Ritter Henricus Corf.[1] Seit dem Jahr 1354 führt ein Teil der Familie den Zunamen Schmising (auch Schmysing oder Schmysingk).

1254 kam der Ritter Henricus Korff aus der Grafschaft Mark an der Lippe nach Vuchthorpe (Füchtorf) und heiratete Ludmodis, die Erbtochter des dort ansässigen Ritters. Die Familie bewohnte die Burg auf dem jetzigen Kirchplatz.

1309 nutzte sein Sohn, Henricus II., den Wasserreichtum aus, um auf dem Sytherkamp eine wehrhafte Burg zu errichten. Sie bestand aus zwei Flügeln mit einem schmalen Mittelteil. Da der moorige Untergrund kein festes Fundament zuließ, mussten die Burg sowie die Vorgebäude auf Fichten- und Eichenpfählen gebaut werden. Die Burganlage wurde mit mehreren Gräfteringen umgeben, um vor feindlichen Angriffen besser geschützt zu sein. In dieser Zeit waren Plünderungen und Raubzüge an der Tagesordnung. Henricus II. heiratete die Erbtochter Wigburdis (Wibbecke) von Varentrob, die das Gogericht von Warendorf erbte. Das Gogericht bestand aus 9 Kirchspielen. Es war nicht nur eine gute Einnahmequelle sondern bedeutete auch eine Stärkung der Macht der Familie in Kreis Warendorf. Henricus II. verbrachte seinen Lebensabend im Kloster Marienfeld, wo er auch gestorben und begraben ist.

1334 wurde der gesamte Besitz unter die beiden Brüder Henricus III. und Everard geteilt. Die Teilung umfasste nicht nur Burg und Vorgebäude sondern auch Feld, Wald und Gewässer. Die Legende erzählt, dass die Teilung per Würfelspiel erfolgte. Auf den Ruf „Smiet in“ erwürfelte der ältere Sohn Henricus den östlichen Teil der Burg und nannte sich fortan „Korff-Smising“ (Smising). Möglicherweise könnte man eine Lautverschiebung von „Smiet in“ vermuten. Everard erhielt den westlichen Teil der Burg. Seine Nachkommen leben in unmittelbarer Erbfolge bis heute in Harkotten.

1375 war Hermann von Korff-Schmiesing, Sohn von Ritter Heinrich von Korff, der Hausherr auf Schloss Harkotten.

Ursprünglicher Stammsitz der Herren von Korff war das Schloss Harkotten im Fürstbistum Münster. Von dort breitete sich das Geschlecht in Westfalen, Livland und Kurland, wo bspw. das Gut Aiswicken im Kreis Hasenpoth von 1508 bis 1930 über 13 Generationen im Besitz der Familie war, sowie nach Ostpreußen und Russland aus.

Ausbreitung und Besitzungen[Bearbeiten]

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erscheint Nicolaus Korff in Kurland bei den Rittern des Deutschen Ordens. Der Heermeister des Ordens verlieh ihm 1483 die Herrschaft Preekuln. Er war mit Anna von Pattkul aus dem Hause Mohjahn verheiratet. Sein Enkel Christian Korff, Herr zu Tecken, war der Begründer einer nach diesem Sitz benannten Nebenlinie. Die Hauptlinie führte Nicolaus II., Besitzer von Preekuln, fort. Er wurde königlich-polnischer Oberst und Kriegsrat. Für seine Verdienste wurde Nicolaus von König Stephan 1585 mit der Veste Kreutzburg belehnt. Von seinen Söhnen aus der Ehe mit Gertrude von Rosen erbte Christian II. (* 1595) Preekuln, Nicolaus III. (* 1585) Kreutzburg und Wilhelm (* 1604) Föhmen in Litauen.

Nicolaus III. Korff war königlich-polnischer Gesandter am königlich-dänischen Hof, unter anderem Wojwode von Senden und Kokenhusen und Starost zu Geesewiczy und Wobolnik. Sein Sohn Nicolaus IV. (* 1615) erhielt, außer den väterlichen Besitzungen, durch Heirat mit Anna Magdalena von Rappe auch die Güter Tels und Rolof in Kurland und Bledau in Ostpreußen.

Nicolaus V. (* 1648), Sohn von Nicolaus IV., war Alleinerbe des gesamten Grundbesitzes, den er durch Heirat mit seiner Cousine Anna Dorothea Korff, Erbin der preekulnschen Besitzungen, noch erheblich erweitern konnte. Er bestimmte 1707 Preekuln zum Majorat für seinen ältesten Sohn Christian III. (* 1676). Dieser starb ohne Nachkommen, worauf das Majorat an seinen Bruder Nicolaus VI. fiel. Durch seine Ehe mit Constantina Ursula von der Walen kamen die Güter Nerft und Salwen in Familienbesitz. Er wurde durch seine drei Söhne, Benjamin Christian, Friedrich Siegmund und Nicolaus Ernst, Stammvater drei weiterer Linien. Die Linie von Benjamin Christian (* 1724; † 1748) erlosch mit dem Tod seines Enkels Hermann (* 1773; † 1834). Friedrich Sigmund (* 1730; † 1797), unter anderem Herr auf Brucken, Schönberg, Nerft, Salwen, Memelhof, Tanjamen und Loberez, kaiserlich-russischer Geheimrat, begründete den Zweig Brucken-Schönberg. Nicolaus Ernst (* 1734; † 1787), Herr sämtlicher kreutzburgischer Güter und königlich-polnischer Kammerherr, begründete die Kreutzburger Linie.

Modest Andrejewitsch von Korff
(* 1800; † 1876)

Mit den folgenden Linien und Nebenlinien, die zum Teil den Freiherrenstand und Grafenstand erhielten, zählt das Geschlecht zu den gliederreichsten Familien. Ein bedeutender Vertreter aus der Linie Preekuln war Modest Freiherr von Korff (* 1800; † 1876), Sohn des 1823 verstorbenen Freiherrn Andreas von Korff. Er war ein bedeutender russischer Staatsmann und hatte als Präsident der kaiserlichen öffentlichen Bibliothek großen Anteil an deren Ausbau. Er erhielt 1872 den kaiserlich-russischen Grafenstand.

Aus der westfälischen Hauptlinie der Familie stammte Clemens August Freiherr von Korff, genannt Schmising, ehemaliger Oberhofmarschall des Kurfürsten von Köln und des Fürstbischofs von Münster. Er wurde 1816 in den preußischen Grafenstand erhoben und begründete die gräfliche Linie in Westfalen. Sein Enkel Graf Klemens von Korff, Herr auf Tatenhausen, wurde Mitglied des königlich-preußischen Herrenhauses und Landrat im Landkreis Halle.

Standeserhebungen[Bearbeiten]

Baltischer Stamm[Bearbeiten]

Immatrikulation bei der I. Klasse der Kurländischen Ritterschaft am 2. August 1631 für Alexander Korff, kurländischer Oberhauptmann und Ritterbankrichter; russische Anerkennung der Berechtigung zur Führung des Baronstitels durch Senats-Ukas vom 21. September 1853 und 3. April 1862.

Estländisches Haus Waiwara[Bearbeiten]

Immatrikulation bei der Estländischen Ritterschaft am 14. November 1861 für Nikolai Baron von Korff (* 1793; † 1869), kaiserlich russischer General der Artillerie und Mitglied des Staatsrat des Russischen Reiches.[2]

Immatrikulation bei der Öselschen Ritterschaft am 1. Mai 1938 für Frank Baron von Korff (* 1905), Landwirt in Arensburg.[3]

Kurländisches Haus Brucken-Schönberg[Bearbeiten]

Immatrikulation bei der estländischen Ritterschaft am 7. Februar 1836 für Modest von Korff, kaiserlich russischer Wirklicher Staatsrat und Staatssekretär.

Russischer Grafenstand am 13. Januar 1872 in Sankt Petersburg für denselben als kaiserlich russischer Kammerherr, Wirklicher Geheimer Rat und Präsident des 1. Departements des Reichsrats.

Livländisches Haus Kreutzburg[Bearbeiten]

Immatrikulation bei der Livländischen Ritterschaft am 6. April 1864 für Nikolai Baron von Korff, Gutsherr auf Kreutzburg.[4]

Ostpreußisches Haus Schönbruch[Bearbeiten]

Preußische Genehmigung zur Fortführung des Freiherrntitels durch Allerhöchste Kabinettsorder (A.KO.) vom 8. September 1852 in Charlottenburg für Friedrich Freiherr von Korff, Gutsherr auf Schönbruch im Landkreis Friedland.

Schlesisches Haus Dammer[Bearbeiten]

Österreichische Genehmigung zur Fortführung des Freiherrntitels als eines ausländischen nebst Wappenbestätigung durch A. E. am 25. November 1892 in Wien für Adolf Freiherr von Korff, k.u.k. Hauptmann im 5. Feldjägerbataillon, und für seine Geschwister.

Westfälisches Haus Harkotten[Bearbeiten]

Preußische Genehmigung zur Fortführung des Freiherrntitels am 1. August 1844 in Erdmannsdorf für August Freiherr von Korff, Gutsherr auf Harkotten, und seine Geschwister.

Westfälisches Haus Sutthausen[Bearbeiten]

Preußischer Freiherrnstand primogenitur und geknüpft an den Besitz von Sutthausen, Schleppenburg und Osthof (alle Landkreis Osnabrück) durch A. KO. am 29. November 1886 in Berlin mit Diplom vom 28. April 1887 für Werner von Korff, Gutsherr auf Sutthausen usw.

Preußische Ausdehnung des Freiherrnstandes (unbeschränkt) für denselben durch A. KO. am 3. Juni 1908 in Berlin mit Diplom vom 25. September 1908 in Rominten.

Westfälisches Haus Tatenhausen[Bearbeiten]

Wappen (1802) der Grafen von Korff genannt Schmiesing-Kerssenbrock

Alter Reichsfreiherrnstand mit „Wohlgeboren“ und Wappenbestätigung am 4. September 1692 in Wien für Friedrich Matthias von Korff genannt Schmising, Gutsherr auf Tatenhausen, Willenburg und Wittenstein, Burgmann auf der Nienburg bei Ostenfelde, fürstbischöflich münsteraner Drost zu Cloppenburg.

Kaiserliche Namen- und Wappenvereinigung mit denen der von Kerssenbrock am 31. Juli 1755 in Wien für Friedrich Ferdinand Freiherr von Korff gen. Schmising, bzw. am 23. Juni 1802 in Preßburg für Franz Freiherr von Korff gen. Schmising, fürstbischöflich münsteraner Geheimer Rat und Obermarschall. Sie waren die Erben der katholischen Linie der Familie von Kerssenbrock, die am 23. Oktober 1754 mit dem Tod des Ferdinand von Kerssenbrock erloschen war. Er hatte seinen Vetter Friedrich Ferdinand Freiherr von Korff gen. Schmising als Erben eingesetzt, wodurch Schloss Brincke als Fideikommiss zusammen mit dem Kerssenbrockschen Namen und Wappen an die von Korff genannt Schmising gelangte.[5]

Preußischer Grafenstand am 17. Januar 1816 in Berlin für Clemens August Freiherr von Korff gen. Schmising, kurfürstlich Kölner Rat und fürstbischöflich münsteraner Obermarschall, Vater des oben genannten Franz Freiherr von Korff.

Westfälisches Haus Waghorst[Bearbeiten]

Preußische Genehmigung zur Fortführung des Freiherrntitels durch A. KO. vom 23. August 1846 für Heinrich Freiherr von Korff, Gutsherr auf Gut Waghorst, königlich preußischer Landrat des Kreises Minden.

Korff-Krokisius[Bearbeiten]

Preußischer Adelsstand als „von Korff“ durch A.KO. vom 27. März 1852 in Magdeburg mit nachfolgender preußischen Namensänderung in „von Korff-Krokisius“ durch A.KO. vom 17. August 1852 in Putbus für Edmund Krokisius, königlich preußischer Leutnant im Ulanen-Regiment Nr. 6, Stief- und Adoptivsohn des oben genannten preußischen Landrats Heinrich Freiherr von Korff zu Waghorst.

Preußisches Adelsdiplom am 5. Juni 1893 in Potsdam (Neues Palais) für Edmunds Sohn Maximilian von Korff-Krokisius, königlich preußischer Hauptmann im Infanterie-Regiment Nr. 49.

Wappen aus dem Weigelschen Wappenbuch (1720)

Wappen[Bearbeiten]

Das Stammwappen zeigt in Rot eine goldene Lilie. Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken die von zwei rot-gefloßten Meerjungfrauen mit blauen Schwänzen gehaltene Lilie, überhöht von drei goldenen Sternen.

Die Familie führt in ihrem Wappen eine Lilie, das Zeichen der französischen Könige. Einst soll ein Korff im gelobten Land Ludwig den Heiligen in einer Schlacht so lange gegen die anstürmenden Sarazenen mit Schwert und Schild verteidigt haben, bis die Templer zu Hilfe kamen und die Christen, die die Schlacht schon verloren glaubten, den Sieg errangen.[6]

Namensträger[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Westfälisches Urkundenbuch Bd. VII, Nr. 505
  2. Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften, Teil 2, 3: Estland, Band 3. 1930; S. 144
  3. Genealogisches Handbuch der Öselschen Ritterschaft, 1935; S. 708
  4. Schloss Krustpils – historisches Museum Jekabpils
  5. Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XV, Band 134 der Gesamtreihe, Seite 186–187
  6. Johann Georg Theodor Grässe: Deutsche Adelsgeschichte. (Reprint d. Ausg. von 1876) Reprint-Verlag, Leipzig 1999, ISBN 3-8262-0704-1, Seite 82.