Korfu

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Korfu (Begriffsklärung) aufgeführt.
Korfu/Kerkyra (Κέρκυρα/Κορφού)
Festung Angelokastro auf Korfu
Festung Angelokastro auf Korfu
Gewässer Mittelmeer
Inselgruppe Ionische Inseln
Geographische Lage 39° 37′ N, 19° 49′ O39.62388888888919.82906Koordinaten: 39° 37′ N, 19° 49′ O
Korfu/Kerkyra (Κέρκυρα/Κορφού) (Griechenland)
Korfu/Kerkyra (Κέρκυρα/Κορφού)
Länge 61 km
Breite 9 km
Fläche 585,312 km²
Höchste Erhebung Pantokrator
906 m
Einwohner 100.854
172 Einw./km²
Hauptort Korfu
Topographische Karte
Topographische Karte

Korfu, griechisch Kérkyra (Κέρκυρα) (f. sg), ist mit 585,312 km² die zweitgrößte der Ionischen Inseln und die siebtgrößte Griechenlands.[1] Sie liegt südöstlich des italienischen „Stiefelabsatzes“ und nähert sich, getrennt durch die Straße von Korfu, im Norden bis auf zwei Kilometer der albanischen Küste. Wegen ihres für mediterrane Verhältnisse ausgeglichenen Klimas mit mediterranen, submediterranen und zentraleuropäischen Elementen[2] wird Kerkyra auch „die grüne Insel“ genannt. Sie zählt zu den wohlhabendsten Regionen Griechenlands.

Korfu bildet zusammen mit den Diapontischen Inseln und einigen kleineren Eilanden die Gemeinde Korfu. Diese Gemeinde und die Gemeinde Paxi bilden zusammen den Regionalbezirk Korfu, der bis zur Umsetzung des Kallikratis-Programms den Status einer Präfektur innehatte. Hauptort ist die gleichnamige Stadt Korfu bzw. Kerkyra. Die Inselbewohner werden Korfioten genannt

Geographie[Bearbeiten]

Korfu erstreckt sich über rund 60 Kilometer Länge vor der albanischen und griechischen Westküste im Ionischen Meer, rund 75 Kilometer südöstlich der Straße von Otranto. Die engste Stelle der Straße von Korfu zwischen dem Nordosten der Insel und dem albanischen Festland ist rund zwei Kilometer (westlich von Ksamil). Die Insel ist von Hügel- und Bergland geprägt; zwei Höhenzüge gliedern die Insel: im Norden die Kette des Pantokrator (bis 911 m Seehöhe) und in der Mitte der Agii Deka mit 576 m Höhe.

Klimatabelle[Bearbeiten]

Korfu (Stadt)
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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5
 
 
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15
7
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Korfu (Stadt)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 13,9 14,2 16,2 19,2 23,8 27,9 30,9 31,1 27,8 23,2 18,8 15,4 Ø 21,9
Min. Temperatur (°C) 5,1 5,7 6,8 9,3 12,9 16,4 18,3 18,6 16,5 13,4 9,8 6,7 Ø 11,7
Niederschlag (mm) 132 136 98 62 36 14 7 18 75 148 181 180 Σ 1.087
Sonnenstunden (h/d) 3,8 4,1 5,2 6,9 8,9 10,8 11,8 10,7 8,6 6,1 4,5 3,6 Ø 7,1
Regentage (d) 11 11 9 7 4 2 1 2 4 8 11 13 Σ 83
Wassertemperatur (°C) 14 14 14 16 18 21 23 24 23 21 18 16 Ø 18,5
Luftfeuchtigkeit (%) 79 76 77 76 75 70 66 68 74 78 80 80 Ø 74,9
T
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p
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13,9
5,1
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23,8
12,9
27,9
16,4
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18,3
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18,6
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16,5
23,2
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9,8
15,4
6,7
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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Flora und Fauna[Bearbeiten]

Korfu hat ein Mikroklima, welches das Wachstum von Wildblumen begünstigt, es gibt 36 Orchideenarten auf der Insel. Etwa vier Prozent der Tier- und Pflanzenarten Korfus sind endemisch. Die Feucht- und Lagunengebiete im Südwesten der Insel sind ein wichtiger Lebensraum für Vögel, alleine im Gebiet der Lagune-Korrision wurden über 150 Arten gezählt.

Allgegenwärtig sind die ca. 4 Millionen Olivenbäume auf Korfu, die ihren Ursprung im 16. Jahrhundert haben, als die Venezianer die Pflanzung förderten. Weitere Bäume sind Eichen, Ulmen und Zypressen sowie die Espe, welche im Frühling lila blüht. 1846 wurde auf Korfu der Zwerg-Orangenbaum Citrus japonica eingeführt. Koum Kouat aus Korfu ist seitdem eine korfiotische Spezialität.

Etwa 65 % der Fläche der Insel werden landwirtschaftlich genutzt, 55 % durch Olivenbäume, der Rest entfällt vornehmlich auf Weinbau und Zitrusfrüchte.

Gliederung[Bearbeiten]

Vor der Gemeindereform nach dem Kapodistrias-Programm im Jahr bestand die Insel aus 100 , oft kleinen Gemeinden. 1997 wurden diese Gemeinden zu zwölf Gemeinden zusammengefasst. Das Kallikratis-Programm vereinte zum 1. Januar 2011 diese Gemeinden mit den drei Inselgemeinden der Diapontischen Inseln zu einer einzigen Gemeinde. Die zwölf Gemeinden von 1997 haben seitdem den Status eines Gemeindebezirks, die alten 100 Gemeinden haben als Stadtbezirke (Ez. Dimotiki Kinotita, ab 1000 Einwohner) oder Ortsgemeinschaften (Topiki Kinotita) eigene lokale Vertretungen.

Gemeindebezirk griechischer Name LAU Sitz Fläche km² Einwohner 2001 Einwohner 2011[3] Stadtbezirke bzw.
Ortsgemeinschaften
Korfu Δημοτική Ενότητα Κερκυραίων 220100 Korfu 41,905 39.487 39.674 Korfu, Alepou, Evropouli, Kanali
Agios Georgios Δημοτική Ενότητα Αγίου Γεωργίου 220200 Agros 39,445 04.958 03.431 Agros, Agios Athanasios, Arkadades, Armenades, Afionas, Dafni, Drosato, Kavvadades, Kastellani Gyro, Messaria, Pagi, Rachtades, Chorepiskopi
Achillio Δημοτική Ενότητα Αχιλλείων 220300 Gastouri 48,650 10.319 10.651 Gastouri, Agios Prokopios, Agii Deka, Ano Garouna, Varypatades, Viros, Kalafationes, Kamara, Kastellani Mesi, Kato Garounas, Kouramades, Kynopiastes, Benitses, Stavros
Esperies Δημοτική Ενότητα Εσπερίων 220400 Velonades 54,462 08.136 06.990 Velonades, Agii Douli, Agrafi, Andiperni, Avliotes, Valanio, Kavallouri, Karousades, Magoulades, Peroulades, Sidari
Feakes Δημοτική Ενότητα Φαιάκων 221300 Ypsos 53,850 06.488 05.600 Kato Korakiana, Agios Markos, Ano Korakiana, Zygos, Sgourades, Spartylas, Sokraki
Kassiopi Δημοτική Ενότητα Κασσωπαίων 220600 Kassiopi 33,749 02.787 02.185 Gimari, Kassiopi, Nisaki, Sinies
Korissia Δημοτική Ενότητα Κορισσίων 220700 Argyades 27,675 05.206 04.775 Argyades, Agios Nikolaos, Vasilatika, Koustades, Perivoli, Petriti
Lefkimmi Δημοτική Ενότητα Λευκιμμαίων 220800 Lefkimmi 50,819 06.704 05.800 Lefkimmi, Ano Lefkimmi, Vitalades, Neochori
Melitia Δημοτική Ενότητα Μελιτειέων 220900 Moraitika 67,054 06.690 05.106 Moraitika, Agios Matheos, Ano Pavliana, Vouniatades, Kato Pavliana, Pendati, Strongyli, Chlomatiana, Chlomos
Paleokastritsa Δημοτική Ενότητα Παλαιοκαστριτών 221000 Lakones 48,379 04.395 04.068 Lakones, Alimmatades, Gardelades, Doukades, Krini, Liapades, Makrades, Skripero
Parelii Δημοτική Ενότητα Παρελίων 221200 Kokkini 48,990 07.197 06.403 Kokkini, Agios Ioannis, Afra, Vatos, Giannades, Kanakades, Kombitsi, Marmaro, Pelekas, Sinarades
Thinali Δημοτική Ενότητα Θιναλίου 220500 Acharavi 77,899 05.512 05.226 Nymfes, Agios Pandeleimon, Episkepsis, Klimatia, Lavki, Loutses, Xanthates, Perithia, Petalia, Sfakera
Gesamt 220100 Korfu 592,877 107.879 100.854

Geschichte[Bearbeiten]

Durch das Ansteigen des Meeresspiegels wurde Korfu vor etwa 9000 Jahren vom Festland getrennt. Jäger und Sammler besiedelten die Insel im Neolithikum; in der Bronzezeit wurde die Insel erneut besiedelt.

Mythologische Frühgeschichte[Bearbeiten]

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Siehe Diskussion

Traditionell wird Korfu mit der Insel Scheria aus der griechischen Mythologie gleichgesetzt. Diese ist Schauplatz in der Odyssee, auch Medea und Iason finden auf ihrer Flucht aus Kolchis auf Scheria Unterschlupf. Sie heirateten dort der Sage nach in der Grotte der Makris, deren Namen die Insel auch trug. Den griechischen Namen Kerkyra erhielt die Insel der Sage nach von der Nymphe Gorgyra (auch Kerkyra), die vom Meeresgott Poseidon auf die Insel gebracht wurde. Phaiax, das Kind dieser Verbindung, war demnach der Ahnherr der Phaiaken.

Antike[Bearbeiten]

Korfu ist bereits um 1200 v. Chr.[4] auf einem Linear B-Täfelchen aus dem Palast des Nestor bei Pylos erwähnt, auf dem von einem „Mann aus Korkyra" die Rede ist[5]. Auch wenn Korfu damals nicht zum Bereich der mykenischen Kultur gehörte, bezeugen Funde mykenischer Keramik an verschiedenen Orten der Insel jedoch Handelsbeziehungen.[6]

Griechische Siedler aus Eretria gründeten im 8. Jahrhundert v. Chr. eine erste Kolonie. Durch ihre vorteilhafte Lage an der Straße von Otranto kontrollierte Kerkyra den Zugang in den Westen und zu den Küsten des Adriatischen Meeres. Im Jahr 734 v. Chr. vertrieb der Oikist Chersikrates, der aus Korinth stammte und die Stadt auf Grund innerer Unruhen verließ, mit einer Streitmacht die eretrischen Kolonisten, die sich daraufhin in Thrakien niederließen und die Stadt Methone gründeten.[7]

Kerkyra stieg sehr rasch zu einer Seemacht auf. Im Jahr 664 v. Chr. besiegte es die Mutterstadt Korinth in der laut Thukydides ersten Seeschlacht in Griechenland und löste sich damit von dessen Vorherrschaft.[8] 480 v. Chr. stellte Korfu die zweitgrößte Flotte der Griechen, 60 Schiffe, nahm aber nicht aktiv am Krieg gegen die Perser teil. Der Historiker Thukydides sieht im Konflikt zwischen Korfu und Korinth um die Stadt Epidamnos und dem Schutzbündnis, das die Athener Korfu gewährten, einen der Anlässe für den Ausbruch des Peloponnesischen Krieges. Während dieses Konfliktes kam es 427 zu einer blutigen Stasis (Bürgerkrieg) in der Polis Kerkyra, die Thukydides später sehr eindringlich beschrieb.[9] Im 4. Jahrhundert v. Chr. dehnten die Korfioten ihren Einfluss auf das Festland aus. Zeitweise besetzten sie Butrint, eine wichtige Polis der Chaonier.

In der hellenistischen Zeit (ab 300 v. Chr.) war die Unabhängigkeit Korfus bedroht. Die Insel wurde von Abenteurern aus Syrakus überfallen, und makedonische Könige, gefolgt von illyrischen Piraten nutzten die Insel für Beutezüge gegen römische Handelsschiffe.

In der Folge des Kriegs der Römer gegen die illyrische Königin Teuta wurde Korfu die erste römische Provinz in Griechenland. Später war Korfu Teil der römischen Provinz Macedonia, in augusteischer Zeit wurde die Insel der Provinz Epiros zugeschlagen.

Im 3. Jahrhundert machten Jason und Sosipater Korfu mit dem Christentum bekannt.

Mittelalter[Bearbeiten]

Eingang zur Festung Gardiki

Von 395 an gehörte Korfu zum Oströmischen Reich. Die Insel wurde von den Sarazenen und im 11. Jahrhundert vom normannischen Herzog Robert Guiscard erobert.

In der Folge des 4. Kreuzzugs gelangte Korfu nach 1204 unter die Herrschaft des Despoten von Epiros. Als Mitgift der Helena von Epirus war die Insel 1258 in den Besitz Manfreds von Sizilien gelangt. Seit dieser Zeit wurden auf der Insel zahlreiche Lehen an fränkische Adlige ausgegeben. Nach dem Tod Manfreds hatte 1267 der Ritter Garnier de Aleman die Macht auf Korfu übernommen. Um sie gegen Epirus abzusichern, erkannte er Karl von Anjou, den neuen König von Neapel als Lehensherrn an, und dieser bestätigte ihn als Gouverneur, unterstellte ihn jedoch dem Verwalter seiner albanischen Besitzungen. Unter der angevinischen Herrschaft kam das Feudalsystem westeuropäischer Prägung voll zur Ausbildung. 1272 wurde Korfu eine separate Verwaltungseinheit, zu der auch die Burg Buthroton auf dem albanischen Festland geschlagen wurde. Später erlangten die Tocci die erbliche Statthalterschaft über Korfu.

Mitte des 14. Jahrhunderts kam die Insel unter den Einfluss der Republik Venedig. Neben der Hauptstadt waren Angelokastro und Gardiki die wichtigsten Festungen der venezianischen Kolonie. Kulturelle Einflüsse der westlichen Feudalherren verbanden sich mit den einheimischen griechisch-orthodoxen Traditionen zu einer eigenständigen Kultur.

16. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Denkmal Schulenburgs in Korfu-Stadt
Der Hafen von Korfu im Jahre 1890

Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert war Korfus Geschichte von Konflikten mit dem Osmanischen Reich geprägt, welches über das griechische Festland herrschte und wiederholt versuchte, die Ionischen Inseln zu erobern und zu halten. Die Venezianer (Republik Venedig) ordneten die Beseitigung der Weingärten und die Pflanzung von Olivenbäumen an. Im Jahr 1716 wurde die osmanische Belagerung der Inselhauptstadt durch die venezianische Armee unter Johann Matthias von der Schulenburg aufgehoben und damit der letzte türkische Eroberungsversuch der Insel endgültig abgewehrt.

Nach dem Ende der Republik Venedig 1797 nahm Frankreich (unter Napoleon) die Ionischen Inseln und Korfu als Département Corcyre in Besitz. Kurze Zeit, von 1798 bis 1807, war Korfu russisches Protektorat. Danach folgte bis 1814 erneut eine französische Periode.

1815 (Wiener Kongress) wurde Korfu Teil der Republik der Ionischen Inseln unter britischem Protektorat. In der britischen Zeit entstand ein großer Teil der modernen Infrastruktur, wie das 700 km lange Straßennetz, das zu den dichtesten in ganz Griechenland zählt. Am 21. Mai 1864 wurde Korfu Teil Griechenlands.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Während des Ersten Weltkrieges war Korfu von 1916 bis 1918 Sitz der serbischen Exilregierung. 1917 wurde hier die Deklaration von Korfu über die Gründung des jugoslawischen Staates verabschiedet.

1922 kam in Italien Mussolini an die Macht. Er hatte Großmachtambitionen; diese waren seit den 1930er Jahren auch auf den Balkan gerichtet. Nach dem Korfu-Zwischenfall 1923 besetzte Italien kurzzeitig Korfu. Vom 7. bis 12. April 1939 besetzte Italien Albanien. Im September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Als das Deutsche Reich im Sommer 1940 den Westfeldzug fast gewonnen hatte, trat Mussolini in den Krieg ein (Näheres hier).

Am 15. Oktober 1940 beschloss der italienische Kriegsrat in Rom ohne Rücksprache mit den Deutschen den Angriff auf Griechenland. Am Morgen des 28. Oktober 1940 griffen italienische Truppen von Albanien aus griechisches Gebiet an; der Griechisch-Italienische Krieg begann. Am 28. November 1940 beschoss ein italienisches Geschwader Korfu. Erst durch das deutsche Eingreifen im Balkanfeldzug ab dem 6. April 1941 wurde der Krieg zugunsten der Achsenmächte entschieden; er endete am 23. April 1941. Korfu wurde von Italien annektiert.

Im Juli 1943 wechselte Italien die Seiten (Mussolini wurde verhaftet; Pietro Badoglio wurde Ministerpräsident). Ab August 1943 wurde Korfu von Truppen der Wehrmacht angegriffen. Am 24. September 1943 landeten Teile der 1. Gebirgs-Division auf Korfu. Sie kamen von der Nachbarinsel Kefalonia, wo sie Kriegsverbrechen verübt hatten. Am 25. nahmen sie den Kommandeur der dort stehenden italienischen Truppen, Oberst Luigi Lusignani, gefangen. Dieser befahl seinen 8000 Männern nach kurzen Verhandlungen, die Waffen niederzulegen. Von den 280 auf der Insel befindlichen italienischen Offiziere wurden 28 sofort nach ihrer Gefangennahme erschossen (darunter auch Lusignani), am Folgetag auf Befehl von Hubert Lanz auch die restlichen Offiziere. Die Leichen der Offiziere wurden auf Befehl von Lanz „mit dem Schiff auf das Meer hinausgefahren und beschwert an mehreren Stellen versenkt“. [10]

Alliierte Bomberverbände flogen zahlreiche Luftangriffe auf Korfu. Dabei wurde Korfu-Stadt im Juni 1944 teilweise zerstört. Am 11. und 15. Juni 1944 erfolgte unter deutscher Kontrolle die Deportation von 1700 der 1900 Juden Korfus nach Auschwitz; nur 122 von ihnen überlebten das Vernichtungslager.

Anders als die Ionischen Inseln Kefalonia und Zakynthos blieb Korfu vom Erdbeben 1953 verschont.

In Nachfolge der Ionischen Akademie wurde 1984 die Ionische Universität gegründet. 1994 war Korfu Gastgeber des Gipfeltreffens der EU-Mitgliedstaaten, bei dem unter anderem der Beitritt Österreichs zur EU beschlossen und unterzeichnet wurde.

Religion[Bearbeiten]

Ländliches Kirchengebäude mit barocken Einflüssen

Die Mehrheit der Bevölkerung gehört der griechisch-orthodoxen Konfession an. Es gibt an die 600 größeren und kleineren Kirchen auf der Insel, ca. 20 davon in Korfu-Stadt.

1310 gründete Karl von Anjou ein katholisches Erzbistum das bis in die Gegenwart existiert. Bis 1923 feierten Orthodoxe und Katholiken gemeinsam Ostern, dies änderte sich jedoch mit der Kalenderreform in Griechenland, seit 1964 feiern Katholiken in Griechenland jedoch wieder zeitgleich mit den Orthodoxen Ostern. Der Anteil der korfiotischen Katholiken auf der Insel ist durch Wanderungsbewegungen zum Festland und Ehen auf ca. 4% oder 2500 Personen geschrumpft, andererseits gibt es auch eine Anzahl ausländischer Katholiken. Die St. Jakobus und Christopherus-Kathedrale in der Altstadt wurde durch eine Bombardierung durch die Luftwaffe der Wehrmacht 1943 schwer getroffen und 1970 wieder aufgebaut.

In der Stadt Korfu besteht auch ein britischer Friedhof, auf dem in der Protektoratszeit Briten begraben wurden. Seitdem nutzen die Protestanten den Friedhof weiter.

Der heilige Spyridon[Bearbeiten]

Auf Korfu befinden sich die Gebeine von Spyridon, dem Schutzpatron der Insel. Seine Reliquien werden in der ihm geweihten Kirche Agios Spyridonas in der Hauptstadt Kerkyra aufbewahrt. Viele Männer auf der Insel wurden auf den Namen Spyros getauft, was die männliche Kurzform von Spyridon ist. Zu Ehren Spyridons werden jährlich mehrere Prozessionen abgehalten, eine besonders prachtvolle findet am Karsamstag-Morgen statt. Danach werden die Reliquien noch wenige Tage zur Anbetung in der Kirche ausgestellt, bevor sie wieder in einen Silbersarg gebettet werden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Klosterinsel Vlacherna, dahinter die „Mäuseinsel“
Blick vom Bergdorf Lakones auf Paleokastritsa
Mäuseinsel
Steilküste im Norden bei Sidari
  • Das Achilleion, ein Palast im pompejischen Stil, den sich die Kaiserin Elisabeth von Österreich („Sisi“) auf ihrer „Lieblingsinsel“ Korfu erbauen ließ und der im Jahr 1907 vom deutschen Kaiser Wilhelm II. gekauft wurde.
  • Das Kloster Pondikonisi („Mäuseinsel“) und die Klosterinsel Vlacherna, auf der Val Lewton den Film Die Toteninsel drehte, der durch das gleichnamige Gemälde von Arnold Böcklin inspiriert wurde.
  • Die Bucht mit dem Kloster von Paleokastritsa.
  • Der Aussichtspunkt „Bella Vista“ bei Paleokastritsa.
  • Die Burgruine Angelokastro an der Nordwestküste mit Blick auf das Ionische Meer; der benachbarte Ort Lakones wird auch „Balkon des Ionischen Meeres“ genannt.
  • Die Wanderwege zum Pantokrator mit traditioneller Taverne drei Kilometer vor dem Gipfel.
  • Der Gipfel des Pantokrator mit Kloster, Taverne und Aussicht über die gesamte Insel und nach Albanien.
  • Der Strand von Glyfada.
  • Die Nordküste mit den Sandsteinklippen bei Sidari und Peroulades.
  • Die Halbinsel Koméno nahe Gouvia und Dassia mit der kleinen Kirche Ypapandi.
  • Palia Perithia, das älteste Dorf der Insel.
  • Das serbische Kriegsmausoleum aus dem Ersten Weltkrieg auf der Insel Vido, in dem 3.000 Soldaten bestattet wurden; weitere 20.000 serbische Soldaten ruhen im Meer um die Insel.
  • Die Westküste mit dem Kloster Panagia Mirtiotissa (Moni Myrtidion).
  • Der kleine Hafen Kouloura im Nordosten Korfus und der benachbarte Ort Kalami, in dem Lawrence Durrell einst seinen Wohnsitz hatte.
  • Die kleine Hafenstadt Kassiopi im Nordosten, die zur Zeit der römischen Besetzung nach 230 v. Chr. neben Kerkyra die wichtigste Stadt der Insel war.
  • Die Altstadt von Korfu-Stadt.
  • Das in der Nähe der Altstadt auf der Halbinsel Kanoni gelegene Schloss Mon Repos, in dem Philip Mountbatten, Duke of Edinburgh 1921 geboren wurde.
Die Landebahn des Flughafens befindet sich an einer Lagune am Stadtrand

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Blick auf die Stadt Korfu vom Meer aus
Das Rathaus in Korfu Stadt

Bereits seit dem späten 18. Jahrhundert sind die Ionischen Inseln und allen voran Korfu Ziel von Reisen. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich die Insel zum Urlaubsziel für Pauschal- und Individualtouristen. Die meisten Besucher kommen aus Großbritannien, wobei seit einigen Jahren die Besucherzahlen aus Europa rückläufig sind, während vermehrt Besucher aus Russland und dem nahen und fernen Osten nach Korfu kommen. Die Hauptsaison umfasst die Monate Mai bis Oktober.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Flughafen Korfu verfügt über Anbindungen an den nationalen und internationalen Flugverkehr. Tägliche innergriechische Linienverbindungen bestehen nach Athen. Zahlreiche Charterflugverbindungen mit Nord-, West- und Mitteleuropa gibt es in den Monaten von Mai bis Oktober. Bei der Anreise mit der Fähre von Italien aus kann zwischen verschiedenen Routen gewählt werden, z.B. von Venedig, Ancona oder Bari. Das griechische Festland (Igoumenitsa) erreicht man mit Fähren von Korfu-Stadt sowie von Lefkimmi aus. Ebenfalls von Korfu-Stadt gehen die Fähren zur kleinen Nachbarinsel Paxos. Ein Yachthafen befindet sich in Gouvia, etwa sieben Kilometer nördlich von Korfu-Stadt entfernt. Dort können an Schwimm- und festen Stegen bis zu 1.000 Boote mit bis zu 80 m Länge und 6 m Tiefgang anlegen. Die Liegeplätze nehmen Boote auf.

Gesundheitswesen[Bearbeiten]

Zwei Krankenhäuser befinden sich auf der Insel, eines in Korfu-Stadt, das andere, von deutschen Architekten entworfene, bei Gouvia.

Sport[Bearbeiten]

Cricket wurden Anfang des 19. Jahrhunderts auf Korfu einführt und ist die wohl älteste moderne Sportart auf der Insel, gespielt wird an der Esplanade in der Hauptstadt Korfu.

Der einzige Golfplatz (18-Loch par 72-Parcours) der Insel wurde von dem bekannten Golfplatzarchitekten Donald Leslie Harradine entworfen[11] und befindet sich im Ropa-Valley 17 Kilometer westlich der Hauptstadt.

AO Kerkyra ist der korfiotische Fußballverein.

Verwaltung[Bearbeiten]

Einst war Stadt Korfu die Hauptstadt der Republik der Ionischen Inseln. Mit Beitritt zum Königreich Griechenland wurden weitreichende Kompetenzen nach Athen übertragen. Erst nach 1982 wurden erneut Kompetenzen auf Regionen übertragen.

Es ist deshalb für die griechischen Ortsverwaltungen noch relativ schwer, mit den neu übertragenen Aufgaben (wie beispielsweise Bau und Verwaltung von Kindergärten, der Wasserversorgung oder der Müllbeseitigung und deren Finanzierung) zurechtzukommen. Viele Bereiche der kommunalen Verwaltungen werden bereits heute durch europaweit gültige Gesetze geregelt. Die Katasterämter in Griechenland sind zurzeit im Aufbau und existieren bisher nur in einigen Gegenden, so beispielsweise auf Kos, Korfu und in einigen Bezirken in Athen.

Die beiden Finanzämter der Insel übernehmen Aufgaben, die in Deutschland von Finanzamt und Stadtverwaltung getrennt wahrgenommen werden. Zu den Zuständigkeiten des Amtes (griechisch Δ.Ο.Υ.) gehören unter anderem:

  • Ausgabe einer Steuernummer
  • Bearbeitung einer Gewerbeanmeldung
  • Bescheinigung, dass man dem griechischen Staat keine Steuern schuldet; dies ist die Voraussetzung dafür, um in Griechenland ein Auto zulassen oder eine Immobilie erwerben zu können.

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

Im Jahre 1980 wurde auf Korfu der James-Bond-Film In tödlicher Mission gedreht. Drehorte waren die Altstadt, die Esplanade und die alte Festung von Korfu-Stadt, das Kloster Vlacherna bei der Mäuseinsel, das Achilleion sowie die malerische Bucht von Kalami.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Lawrence Durrell: Schwarze Oliven. Korfu, Insel der Phäaken. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2005 (Originaltitel: Prospero's cell, übersetzt von Peter Bermbach, Herbert Zand), ISBN 3-499-11102-0 (Ein Reisebericht vom 1937).
  •  Mike Gerrard, Donna Dailey, Rebecca Snelling: Korfu. Magazin, Infos & Tipps, Touren, Reiseatlas. In: National Geographic Spirallo. 2., aktualisierte Auflage. MairDumont, Ostfildern 2009 (Originaltitel: Corfu, übersetzt von Joachim Nagel, Dagmar Lutz), ISBN 978-3-8297-3259-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Korfu – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Γενική Γραμματεία Εθνικής Στατιστικής Υπηρεσίας της Ελλάδος Γ.Γ.ΕΣΥΕ. (Generalsekretariat für statistische Dienste Griechenlands) (Hrsg.): Concise Statistical Yearbook of Greece, 2009. Piräus 2010, ISSN 1106-059Χ, S. 327. S.51
  2. Olaf Borkowsky: Übersicht der Flora von Korfu, S. 16
  3. Ergebnisse der Volkszählung 2011 beim Nationalen Statistischen Dienst Griechenlands (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Excel-Dokument, 2,6 MB)
  4. Eric H. Cline, The Oxford Handbook of the Bronze Age Aegean, Oxford 2010, S. 687, nennt ca. 1180 v. Chr. für die Zerstörung des Palastes. Die Tontafeln stammen bekanntlich aus den Monaten vor der Zerstörung.
  5. Palealexicon.com
  6. Christina Souyoudzoglou Haywood, The Ionian Islands in the Bronze Age and Early Iron Age3000-800 BC, Liverpool University Press 2000, S. 11ff.
  7. Plutarch: Quaestiones Graecae XI.
  8. Thukydides I 13,4.
  9. Thukydides III 79ff.
  10. Hannes Heer, Klaus Naumann (Hrsg.): Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941–1944, Hamburg 1995, ISBN 3-930908-04-2, S. 195f. Auch Josef Remold war verantwortlich beteiligt.
  11. Gerhard Crispin, Claudia Christoffel-Crispin, Konrad Dittrich: Korfu, Ionische Inseln - Seite 20