Getreidespeicher

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Dieser Artikel behandelt den Getreidespeicher – zu anderen Bedeutungen siehe Kornhaus (Begriffsklärung).
Kleiner Kornspeicher in Slowenien (erbaut um 1800)
Bergmagazin in Marienberg (erbaut um 1809, heute ein Museum)
Kornhaus in Ravensburg (erbaut um 1452, heute eine Bibliothek)
Kornhausboden der Burg Mildenstein (erbaut um 1395)

Ein Getreidespeicher, auch Kornspeicher, Kornhaus, Getreidekasten oder Granarium, ist ein Speichergebäude hauptsächlich für Getreide oder Saatgut. Es gibt viele bauliche Varianten und lokale Bezeichnungen (beispielsweise bairisch Troadkastn, in Österreich Schüttkasten und Traidkasten).

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten archäologischen Belege für systematische angelegte Getreidespeicher gibt es im Präkeramisches Neolithikum A (etwa 9.500 - 8.800 v. Chr.) z. B. aus Bab edh-Dhra am Toten Meer. Die etwa 3 x 3 m großen Gebäude verfügten über einen erhöhten Boden um Luftzirkulation zu fördern und Schädlinge abzuhalten. Davor scheint es eine Getreidespeicher nur im kleinen Ausmaß gegeben zu haben.[1]

Bauformen[Bearbeiten]

Getreidespeicher hatten abhängig vom Lagervolumen verschiedene Bauweisen. Während kleinere Speicher direkt an Bauernhöfen angelegt wurde, befanden sich größere Speicher in Burg- oder Klosteranlagen, an Häfen oder innerhalb von Städten. Verschiedene Bauweisen wurden mit dem Ziel entwickelt, die Lagerung des Getreides möglichst trocken und schädlingsarm zu gestalten.

Grundsätzlich unterscheidet man Bodenspeicher und Silospeicher. Bodenspeicher sind gewöhnlichen Gebäude mit Stockwerken (Balkenlagen) vergleichbar, bei großer Grundfläche und kleiner Höhe. Sie sind begehbar, denn zur Erhaltung des Getreides muss dieses immer wieder umgeschüttet (manuell oder maschinell) werden. Zur Trocknung des Getreides müssen Lüftungsvorrichtungen z. B. Fenster vorhanden sein. Silospeicher sind Schachtspeicher, also Gebäude, die durch senkrechte Zwischenwände in Einzelräume von kleiner Grundfläche und großer Höhe geteilt sind.[2]

Je nach Zeitalter, Größe und Bedarf gibt es verschiedene technische Ausstattung. Für vertikalen und horizontalen Transport sind diverse Förderanlagen wie Winden und Aufzugsanlagen, Schneckenförderer oder Förderbänder möglich. Weiter sind vielfach Waagen oder Vorrichtungen zur Reinigung (z. B. Siebe) vorhanden.[3]

In trocken Gebieten kommen Getreidegruben bzw. Kornkeller vor. Diese unterirdischen Behälter werden auf einem erhöhten, vor ein Überschwemmung geschützten, Platz angelegt.[4]

Vielfach wurden Getreidespeicher wegen hoher Brandgefahr abseits bewohnter Gebäude errichtet. Da sie zwingend trocken sein mussten, war jeder Kamin oder Herd, wie sie in bewohnten Behausungen vorkommen, eine potentielle Gefahrenquelle.[5]

Landwirtschaftlich nicht mehr benötigte Getreidespeicher können für unterschiedliche Nachnutzung revitalisiert werden. Sie können beispielsweise zu Wohnungen, Restaurants oder Kultur- und Ausstellungsgebäuden umgebaut werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ian Kuijta, Bill Finlaysonb: Evidence for food storage and predomestication granaries 11,000 years ago in the Jordan Valley, in [Proceedings of the National Academy of Sciences], vol. 106 no. 27, 7 Juli 2009 online
  2. Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 4 Stuttgart, Leipzig 1906., S. 457. [1]
  3. Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 4 Stuttgart, Leipzig 1906., S. 457. [2]
  4. Pierer's Universal-Lexikon, Band 7. Altenburg 1859, S. 306-310. [3]
  5. Voit: Über die Aufbewahrung des Getreides in Scheunen..., 1825, S. 6, 177