Korruptionswahrnehmungsindex

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Übersicht des Korruptionswahrnehmungsindexes, nach Ländern (Stand: 2013)

Der Korruptionswahrnehmungsindex (englisch Corruption Perceptions Index, abgekürzt CPI, kurz auch Korruptionsindex), wird seit 1995 von Transparency International, einer Nichtstaatlichen Organisation, die sich weltweit dem Kampf gegen Korruption widmet, in 180 Ländern erhoben (Stand: 2009).

Spiritus rector des Verzeichnisses war Johann Graf Lambsdorff, Professor für Wirtschaftstheorie an der Universität Passau, der den Index 1995 konzipierte und bis einschließlich 2008 im Auftrag von Transparency International erstellte.[1]

Der CPI gibt dabei die Wahrnehmung von Korruption an. Er listet Länder nach dem Grad auf, in dem dort Korruption bei Amtsträgern und Politikern wahrgenommen wird. Es ist ein zusammengesetzter Index, der sich auf verschiedene Umfragen und Untersuchungen stützt, die von mehr als zehn unabhängigen Institutionen durchgeführt wurden. Es wurden Geschäftsleute sowie Länderanalysten befragt und Umfragen mit Experten im In- und Ausland miteinbezogen. Der Index geht von 0 bis 100 (bis 2011 max. 10 Punkte), wobei 100 die geringste Wahrnehmung von Korruption anzeigt und somit das bestmögliche Ergebnis ist.

Methodik[Bearbeiten]

In das Verzeichnis fließen Informationen aus verschiedenen, unabhängigen Quellen ein. Dies sind insbesondere Befragungen von ortsansässigen oder auswärtigen Geschäftspersonen (z. B. durch das World Economic Forum) sowie systematische Auswertungen durch Risikoagenturen, gestützt auf Länderberichte von lokalen Korrespondenten.

Forschung[Bearbeiten]

Der Korruptionsindex hat vielfach Eingang in die akademische Forschung gefunden. Die negativen Auswirkungen der Korruption sind damit folgendermaßen belegt: Ausländische Direktinvestitionen gehen zurück, die Qualität des kulturellen Angebots, des Bildungs- und Gesundheitssystems sinkt, die Produktivität sinkt, Umweltverschmutzung steigt, Militärausgaben steigen, Schattenwirtschaft und Inflation steigen, Einkommen und Vermögen sind ungleicher verteilt und das subjektive Glücksempfinden von Privatpersonen sinkt.

Als Ursachen der Korruption wurde Folgendes identifiziert: Hohe Rohstoffvorkommen, Wettbewerbsbeschränkungen, willkürliche und widersprüchliche staatliche Eingriffe in das Wirtschaftsgeschehen, fehlende Pressefreiheit, Akzeptanz von Hierarchien und eine Neigung zu Reziprozität.

Geschichte[Bearbeiten]

2004[Bearbeiten]

Dem CPI 2004 zufolge erreichen 106 von 146 Ländern weniger als 5 von 10 möglichen Punkten. Sechzig Länder liegen sogar unter dem Wert 3 von 10 möglichen Punkten, was auf eine tief verwurzelte Korruption hindeutet.

2005[Bearbeiten]

Im CPI 2005 wurden 159 Länder untersucht. An der Spitze (Punktzahl größer als 9) liegen in der Version 2005 wieder vor allem wirtschaftlich starke Länder wie Island (1.), Finnland (2.), Neuseeland (2.), Dänemark (4.), Singapur (5.), Schweden (6.) oder die Schweiz (7.). Am untersten Ende (weniger als zwei Punkte) liegen vor allem wirtschaftlich schwache Länder wie Tschad letzte Position 158, Bangladesch (ebenfalls 158.), Turkmenistan (155.) Myanmar (ebenfalls 155.), Haiti (ebenfalls 155.), Nigeria (152.), Äquatorialguinea (152.), Elfenbeinküste (152.) sowie Angola (152.). Österreich liegt an 10. (8,7), Deutschland an 16. Stelle (8,2) des Index 2005.

2006[Bearbeiten]

Im CPI 2006 wurden 163 Länder untersucht. Auf dem Spitzenrang 1 mit einer Punktzahl von 9,6 Punkten liegen Finnland, Island und Neuseeland. Dahinter kommen Dänemark, Singapur, Schweden und die Schweiz, alle noch mit einer Punktzahl über 9. Österreich erreicht 8,6 Punkte und erzielt somit Platz 11. Deutschland rangiert mit 8 Punkten wie im Vorjahr auf Platz 16, direkt hinter Hongkong (8,3 Punkte) und vor Japan (7,6 Punkte). Die USA belegen zusammen mit Chile und Belgien Rang 20. Die letzten Ränge mit 2 oder weniger Punkten belegen Bangladesch, Tschad, Demokratische Republik Kongo, Sudan, Guinea, Irak, Myanmar und zuletzt auf Rang 163 Haiti.

120 Länder liegen unterhalb des Schwellwertes von 5 Punkten, davon 71 sogar unter 3 Punkten. 43,6 % aller beteiligten Länder leiden unter tief verwurzelter Korruption.

Erkenntnis 2006: Es lässt sich ein Zusammenhang zwischen Korruption und Armut entdecken. Viele der ärmsten Länder belegen die letzten Ränge. Aber einige ärmere Länder wie Barbados, Botswana, Bhutan, Chile, Jordanien und Uruguay belegen, dass auch ärmere Länder relativ gut abschneiden können. Dem gegenüber werden viele rohstoffreiche Länder trotz eines hohen Pro-Kopf Einkommens als relativ korrupt eingeschätzt.

Eine zum Teil starke Verschlechterung zu den Vorjahren ließ sich in den Ländern Brasilien, Israel, Jordanien, Kuba, Laos, Seychellen, Trinidad und Tobago, Tunesien und den USA beobachten. Länder, in denen Verbesserungen wahrgenommen wurden, sind Algerien, Indien, Japan, Lettland, Libanon, Mauritius, Paraguay, Slowenien, Türkei, Turkmenistan, Tschechische Republik und Uruguay.

2007[Bearbeiten]

Korruptionswahrnehmungsindex, 2007

Im Jahr 2007 wurden Somalia, Myanmar und der Irak als korrupteste Staaten ausgewiesen; am wenigsten Korruption gab es in Dänemark, Finnland und Neuseeland. Die Schweiz bleibt unverändert auf dem 7. Platz, zusammen mit den Niederlanden. Deutschland blieb stabil auf einem 16. Platz und gilt demnach als wenig korrupt. Österreich liegt davor auf Platz 15 und hat sich damit seit 2006 um 4 Plätze verschlechtert.

2008[Bearbeiten]

Auch im Jahr 2008 belegten Somalia, Myanmar und der Irak die hintersten Plätze auf dem Internationalen Korruptionsindex. Als die am wenigsten korrupten Länder, mit einem Indexwert von jeweils 9,3, galten Dänemark, Schweden und Neuseeland, dicht gefolgt von Singapur. Die Schweiz verbesserte sich auf Rang 5, Österreich nahm Platz 12, Deutschland Platz 14 ein.

2009[Bearbeiten]

Im Jahr 2009 belegten Somalia, Afghanistan, Myanmar, der Sudan und der Irak die hintersten Plätze. Der Wahrnehmung nach die geringste Korruption gab es in Neuseeland, Dänemark, Singapur, Schweden. Die Schweiz belegte mit 9,0 Punkten wieder den 5. Platz, Österreich verschlechterte sich erneut und liegt mit 7,9 Punkten jetzt auf Platz 16. Transparency International spricht diesbezüglich von einer „signifikanten Verschlechterung binnen mehrerer Jahre“. Während die Alpenrepublik in diesem Jahrzehnt bislang im deutlich gehobenen Mittelfeld der entwickelten demokratischen Industriestaaten lag, droht es nunmehr nachhaltig zurückzufallen.[2] Erstmals seit 1999 liegt Österreich im Ranking wieder hinter Deutschland, das mit 8,0 Punkten (Vorjahr: 7,9 Punkte) erneut auf Platz 14 landete.

2010[Bearbeiten]

Drei Viertel der 178 untersuchten Länder erzielten 2010 auf einer Skala von null (als sehr korrupt wahrgenommen) bis zehn (als wenig korrupt wahrgenommen) weniger als fünf Punkte. Schlusslichter waren erneut Irak, Afghanistan, Myanmar und Somalia; kaum besser war die Situation in Usbekistan, Turkmenistan und im Sudan. Den ersten Platz teilten sich wiederum die Länder Dänemark, Neuseeland und Singapur, die jeweils 9,3 Punkte erhielten. Finnland und Schweden (9,2 Punkte) folgten auf den nächsten Plätzen. Deutschland verlor einen Platz und lag gemeinsam mit Österreich auf Rang 15 (7,9 Punkte). Die Schweiz schnitt mit 8,7 Punkten und Rang 8 besser ab.[3]

2011[Bearbeiten]

Im Jahr 2011 wurden insgesamt 183 Länder untersucht. Schlusslichter waren Somalia und Nordkorea; gefolgt von Myanmar, Afghanistan, Turkmenistan, Usbekistan, Sudan und dem Irak. Auf dem ersten Platz landete Neuseeland, gefolgt von Dänemark und Finnland. Die Schweiz lag gemeinsam mit Australien auf Platz 8, Deutschland und Japan teilten sich Platz 14. Österreich belegte Platz 16.[4]

2012[Bearbeiten]

Korruptionswahrnehmungsindex, 2012

Unter den 176 Ländern, die 2012 untersucht wurden, belegen Dänemark, Finnland und Neuseeland den ersten Rang, gefolgt von Schweden und Singapur. Die Schweiz konnte sich um zwei Ränge verbessern und landete auf Platz sechs. Deutschland verbesserte sich ebenfalls um einen Platz und ist neu auf Platz 13 zu finden. Österreich ist vom Rang 16 abgerutscht auf 25. Afghanistan, Nordkorea und Somalia teilen sich den letzten 174. Rang.[5]

2013[Bearbeiten]

Dänemark, Neuseeland und Finnland erreichen erneut die besten Werte. Deutschland verliert einen Punkt, landet damit aber dennoch um einen Platz höher als im Vorjahr und erreicht somit Platz 12. Österreich erreicht wie im Vorjahr 69 Punkte, verschlechtert sich damit aber erneut leicht auf Rang 26. Somalia, Nordkorea und Afghanistan teilen sich wie im Jahr zuvor den letzten Rang.[6]

2014[Bearbeiten]

Erneut führen Dänemark, Neuseeland und Finnland die Liste an. Deutschland liegt gleichbleibend auf Platz 12. Österreich kann sich auf 72 Punkte verbessern und erreicht nun Platz 23. Das Schlusslicht bilden Somalia, Nordkorea und Sudan.[7]

Rangliste des Korruptionsindex der ersten 26 und einiger weiterer Länder:

Rang[8] Land CPI 2014 Score CPI 2013 Score
1 DanemarkDänemark Dänemark 92 91
2 NeuseelandNeuseeland Neuseeland 91 91
3 FinnlandFinnland Finnland 89 89
4 SchwedenSchweden Schweden 87 89
5 NorwegenNorwegen Norwegen 86 86
5 SchweizSchweiz Schweiz 86 85
7 SingapurSingapur Singapur 84 86
8 NiederlandeNiederlande Niederlande 83 83
9 LuxemburgLuxemburg Luxemburg 82 80
10 KanadaKanada Kanada 81 81
11 AustralienAustralien Australien 80 81
12 DeutschlandDeutschland Deutschland 79 78
12 IslandIsland Island 79 78
14 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 78 76
15 BelgienBelgien Belgien 76 75
15 JapanJapan Japan 76 74
17 BarbadosBarbados Barbados 74 75
17 HongkongHongkong Hongkong 74 73
17 IrlandIrland Irland 74 75
17 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 74 72
21 ChileChile Chile 73 71
21 UruguayUruguay Uruguay 73 73
23 OsterreichÖsterreich Österreich 72 69
24 BahamasBahamas Bahamas 71 71
25 Vereinigte Arabische EmirateVereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate 70 69
26 EstlandEstland Estland 69 71
26 FrankreichFrankreich Frankreich 69 68
26 KatarKatar Katar 69 68
31 Zypern RepublikRepublik Zypern Zypern 63 63
31 PortugalPortugal Portugal 63 62
35 PolenPolen Polen 61 60
37 IsraelIsrael Israel 60 61
37 SpanienSpanien Spanien 60 59
39 LitauenLitauen Litauen 58 57
64 TurkeiTürkei Türkei 45 50
67 SudafrikaSüdafrika Südafrika 44 42
69 GriechenlandGriechenland Griechenland 43 40
69 ItalienItalien Italien 43 43
100 China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 36 40
126 PakistanPakistan Pakistan 29 28
136 RusslandRussland Russland 27 28
142 UkraineUkraine Ukraine 26 25
173 SudanSudan Sudan 11 11
174 Korea NordNordkorea Nordkorea 8 8
174 SomaliaSomalia Somalia 8 8

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mitteilung Lambsdorffs, den Index künftig nicht mehr zu erstellen.
  2. Deutliche Verschlechterung von Österreichs Position im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International, Transparency International Österreich
  3. Tabellarisches Ranking 2010 transparency.de, 26. Oktober 2010
  4. Corruption Perceptions Index 2011 (abgerufen am 3. August 2012).
  5. Corruption Perceptions Index 2012 (abgerufen am 6. Dezember 2012).
  6. Corruption Perceptions Index 2013 (abgerufen am 8. Dezember 2013).
  7. Corruption Perceptions Index 2014 (abgerufen am 3. Dezember 2014).
  8. http://www.transparency.org/cpi2014/results