Korykos

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Korykos (Begriffsklärung) aufgeführt.
Festung Korykos

Korykos (Κώρυκος; auch Korikos, Corycos oder Gorigos) war eine antike Stadt an der Küste Kilikiens. Sie lag beim heutigen türkischen Ferienort Kızkalesi in der Provinz Mersin. Der Ort ist seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. bekannt und gehörte zunächst zum Seleukiden-, dann zum Römischen Reich. Nach einer unruhigen Zeit unter der Kontrolle der kilikischen Piraten war der Ort unter byzantinischer Herrschaft und blühte in christlicher Zeit wirtschaftlich auf. Im 10. und 11. Jahrhundert verfiel die Stadt, bis 1099 von Byzanz die Landburg errichtet wurde. Dem folgte ab dem 12. Jahrhundert die Zugehörigkeit zum Königreich Kleinarmenien mit der Erbauung der Seefestung, später zu Zypern, bis die Stadt schließlich von Karamaniden, Mamluken und 1482 vom Osmanischen Reich erobert wurde.

Von der bedeutenden Hafenstadt sind heute ausgedehnte Ruinenfelder mit zahlreichen Kirchen und einer weitläufigen Nekropole mit Felsengräbern und Sarkophagen zu sehen. Als Ruinen erhalten sind die Land- und Seeburg. Aus römischer Zeit sind nur wenige Gebäudereste vorhanden, in den christlichen Bauten sind jedoch zahlreiche Bauteile aus früherer Zeit in Spolien verbaut.

Geschichte[Bearbeiten]

Ruinen der Festungen und der Stadt um 1860
Inselburg Kızkalesı

Das zum Rauen Kilikien gehörige Gebiet zwischen den Flüssen Kalykadnos (heute Göksu) im Westen und Lamos (heute Limonlu Çayı) im Osten geriet nach der Eroberung Kilikiens durch Alexander den Großen nach 333 v. Chr. unter hellenistischen Einfluss. Im Zuge der Diadochenkriege nach Alexanders Tod wechselte die Herrschaft über die Region mehrfach. Korykos wird erstmals erwähnt, als 197 v. Chr. Antiochos III. Kilikien im Fünften Syrischen Krieg von Ptolemaios V. für das Seleukidenreich erobert. Als in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. die Seleukiden die Vorherrschaft an das Römische Reich abgeben müssen und die Römer das Gebiet vernachlässigen, lassen sich die Piraten des östlichen Mittelmeerraums in den kilikischen Küstengebieten nieder. 102 v. Chr. wurde Antonius als Prätor zum Kampf gegen die kilikischen Piraten ausgesandt, eroberte einen Teil Kilikiens und machte es zur römischen Provinz Cilicia. Erst nachdem Pompeius im Jahr 67 v. Chr. die Seeräuber besiegte, war das Problem beseitigt.[1] Dass Korykos in römischer Zeit bereits eine bedeutende Stadt war, die auch das Münzrecht ausübte,[2] belegen Erwähnungen durch Cicero,[3] Livius[4] und Plinius.[5] Auch einige Bauwerke dieser Zeit wie Tempel, Säulenstraßen, ein Nymphäum und ein in der Landburg verbautes Prunktor sind in Resten erhalten.

Korykos stand lange in Rivalität zum benachbarten Elaiussa Sebaste, im 3. Jahrhundert n. Chr. hatte es an Bedeutung verloren und war von der Polis zur Kome (Kleinstadt) abgestiegen. Nach der Belagerung der beiden Städte 260 durch den Sassanidenherrscher Schapur I. und den folgenden Kämpfen setzte in Kilikien zunächst eine unruhige Periode ein, verstärkt durch Aufstände der isaurischen Bergvölker. In der folgenden christlichen Periode, die in Kilikien schon vor Konstantin einsetzte, hatte die Region zunächst unter der Christenverfolgung zu leiden. Nachdem unter Konstantin das Christentum zur Staatsreligion wurde, erlangte Korykos wieder die Vorherrschaft, und das Gebiet erfuhr im 4. Jahrhundert einen wirtschaftlichen Aufschwung. Dieser zeigte sich unter anderem am Wiederaufbau des westlich nahegelegenen Ortes Korasion, an den Bauarbeiten zu der Wasserleitung, die Korykos und Elaiussa Sebaste mit Wasser vom Lamos versorgte und im Besonderen für Korykos an der einsetzenden regen Bautätigkeit im Stadtgebiet, in deren Rahmen zahlreiche bemerkenswerte Kirchenbauten entstanden. Stephanos von Byzanz bezeichnete Korykos als die wichtigste Stadt im Bezirk Seleukeia. Der Ort war Suffraganbistum von Tarsos. Der erste bezeugte Bischof war Germanus auf dem Konzil von Konstantinopel 381. Auch am Konzil von Ephesos 431 ebenso wie an der Synode von Konstantinopel 536 sowie den dortigen Konzilen 553 und 680/81 sind Bischöfe von Korykos als Teilnehmer verzeichnet.[6] Auf Veranlassung des Bischofs Indakos erließ Kaiser Anastasios I. um 500 eine Verordnung,[7] in der der Provinzregierung untersagt wurde, sich in die Wahlen des Defensors (ἕκδικος) - eines Beamten, der zwischen Stadt und Zentralregierung vermittelte[8] - und des Curators (ἕφορος) einzumischen.

In der Regierungszeit des oströmischen Kaisers Justinian I. hatte das Gebiet nach einem erneuten Einfall der Perser in Kilikien (540) eine weitere Periode von Unruhen zu überstehen. Auch wenn Korykos nicht direkt von den Kampfhandlungen betroffen war, ging darauf die Bautätigkeit merkbar zurück. 698 gehörte der Ort zum byzantinischen Thema der Kibyrrhaiotai und war Flottenstützpunkt. Ab dem 9./10. Jahrhundert war er Teil des Themas Seleukeia. Danach verfiel der Ort. In einem arabischen Itinerar des 10. Jahrhunderts wird er als Qurquš zusammen mit Korasion unter den ruinösen griechischen Stätten der kilikischen Küste erwähnt. 1099 erbaute der Megas Drungarios (Flottenkommandant) Eustathios auf Befehl des byzantinischen Kaisers Alexios I. am Westrand des verfallenen Ortes, gleichzeitig mit der Burg von Seleukeia, eine Festung, die dem Reich die Überfahrt über Zypern ins Heilige Land sichern sollte.[6]

Eine späte Blütezeit erlebte die Stadt, als sie Anfang des 12. Jahrhunderts vermutlich vom armenischen König Konstantin I. erobert wurde und nach kurzer Rückeroberung durch Byzanz dem Königreich Kleinarmenien angehörte. Unter dessen König Leon I. entstand im 12./13. Jahrhundert die Seeburg,[9] wie aus einer dortigen Inschrift hervorgeht, die Victor Langlois 1861 veröffentlichte[10] und die heute verloren ist. Auf der Lehensliste Leons erscheint Simon von Kiwrikos, seine Nachfolger waren ein Gottfried und dessen Sohn Vahram. Wieder werden Kirchen und andere Gebäude gebaut. Nach Leons Tod und den folgenden Streitigkeiten folgte Oschin, der Begründer der Dynastie der Hethumiden, darauf sein Sohn Gregorios und dessen Sohn Hethum, der auch als Geschichtsschreiber bekannt ist. Für Korykos ist in dieser Zeit auch Handel mit Venezianern und Genuesen nachgewiesen, als Handelsplatz stand es allerdings hinter dem ebenfalls kleinarmenischen Lajazzo (heute Yumurtalık) zurück. Als Handelsgüter sind Teppiche und Safran aus den Korykischen Grotten bekannt. Nach einem ersten Vorstoß der Mamluken bis vor Korykos 1275 wurde Lajazzo 1322 von diesen erobert, worauf zahlreiche Einwohner nach Korykos flohen. Nach der Ermordung des letzten hethumidischen Fürsten Oschin von Korykos 1329 ging die Stadt wieder in den Besitz der Krone über.[6]

Als Korykos 1361 von den Karamaniden bedroht wurde und die Macht der armenischen Herrscher im Schwinden begriffen war, wandten sich die Einwohner an König Peter I. von Zypern um Hilfe. Dieser schickte den englischen Ritter Robert von Lusignan nach Korykos. Nach erfolgreicher Verteidigung schworen die Einwohner, wahrscheinlich in der Kathedrale, Peter den Lehenseid. Nochmals wurde 1367 ein Angriff von Karaman abgewehrt. König Peter I. ließ von seinen Feldzügen die eisernen Tore von Tripolis und Tortosa auf die Festung bringen. Da das Zollhaus von Korykos jährlich 3.000 bis 4.000 Dukaten einnahm, versuchte 1375 Thibald Belfarage, es als Lehen vom König zu erhalten, wurde aber abgewiesen. In demselben Jahr wurde Sis zusammen mit den letzten kleinarmenischen Besitzungen in Kilikien von den Mamluken eingenommen, Korykos blieb als einziger christlicher Ort unter den Lusignans in zyprischer Hand. 1448 gelang schließlich den Karamaniden die Eroberung,[11] 1482 kam es zum Osmanischen Reich.[12] Danach gibt es keine Nachrichten mehr über den Ort, lediglich auf Seekarten des Spätmittelalters ist der Ort noch als Κοῦρκος, Curcum, Curcho oder Churcho verzeichnet.[6]

Aufbau der Stadt[Bearbeiten]

Plan der Ruinen

Die Ruinen von Korykos schließen sich östlich an das Gebiet von Kızkalesi an und liegen beiderseits der modernen Straße bis ans Meer im Süden. Im Westen begann im heute modern überbauten Gebiet die Stadtmauer, die sich in einem weiten Bogen nach Nordosten und wieder nach Süden bis an die Küste etwa einen Kilometer weiter östlich zog. Direkt am Meer liegt am heutigen Badestrand die Landfestung, die wahrscheinlich über einem römischen Forum errichtet wurde. Östlich davon finden sich Reste zweier Tempel, diverse nicht identifizierbare Gebäude und eine große offene Zisterne. Nördlich der Straße liegen innerhalb der Stadtmauern die Kathedrale, zwei kleinere, vermutlich armenische Kirchen und die Kirche über der Zisterne. An nichtsakralen Bauten erwähnt Herzfeld in diesem Bereich ein Nymphäum, Reste einer Säulenstraße und ein unklares Gebäude. Außerhalb der Stadtmauer verläuft in etwa östlicher Richtung ein als Via Sacra bezeichneter Weg, an dem sich drei bemerkenswerte Kirchen befinden, von Osten nach Westen die Querschiffbasilika, die Grabeskirche und die Klosterkirche. Nahe dabei stehen noch Reste der Großen armenischen Kirche. Sarkophage und einzelne Felsengräber sind beidseits entlang der westlichen Stadtmauer verteilt, im Norden liegt eine weitere umfangreiche Nekropole. Auch entlang der Via Sacra stehen zahlreiche gut erhaltene Sarkophage. Etwa 600 Meter südwestlich der Landburg liegt auf einer vorgelagerten Insel die Seefestung. Beide Burgen waren über eine Mole verbunden.

Umgebung[Bearbeiten]

In der Nähe des Ortes Narlıkuyu, etwa sieben Kilometer westlich von Korykos, befinden sich die sogenannten Korykischen Grotten (heute Cennet ve Cehennem), wo nach der griechischen Mythologie das Ungeheuer Typhon gehaust hat. Im Dorf Narlıkuyu ist ein römisches Fußbodenmosaik mit einer Darstellung der drei Grazien zu besichtigen. Etwa acht Kilometer östlich liegt die antike Stadt Kanytelleis (heute Kanlıdivane). Bei Kızkalesi liegen in der Teufelsschlucht (Şeytan deresi) die römischen Felsengräber namens Adamkayalar.

Berühmte Bürger[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Herzfeld; Samuel Guyer: Meriamlik und Korykos. Zwei christliche Ruinenstädte des Rauhen Kilikiens, Monumenta Asiae minoris antiqua 2, Manchester 1930.
  • Alois Machatschek: Die Nekropolen und Grabmäler im Gebiet von Elaiussa Sebaste und Korykos im rauhen Kilikien, Wien 1967.
  • Theodora Stillwell MacKay: Korykos Rough Cilicia, Turkey. In: Richard Stillwell u. a. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. Princeton University Press, Princeton, N.J. 1976, ISBN 0-691-03542-3.
  • Hansgerd Hellenkemper: Burgen der Kreuzritterzeit in der Grafschaft Edessa und im Königreich Kleinarmenien. Studien zur historischen Siedlungsgeographie Südost-Kleinasiens (Geographica historica Band 1). Habelt, Bonn 1976, ISBN 377491205-X S. 242–249.
  • Friedrich Hild, Hansgerd Hellenkemper: Kilikien und Isaurien. Tabula Imperii Byzantini Band 5. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1990, ISBN 3-7001-1811-2, S. 315–320.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Korykos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alois Machatschek: Die Nekropolen und Grabmäler im Gebiet von Elaiussa Sebaste und Korykos im rauhen Kilikien. Böhlau, Wien 1967 S. 13f.
  2. Ernst Herzfeld, Samuel Guyer: Meriamlik und Korykos. Zwei christliche Ruinenstädte des Rauhen Kilikiens, Monumenta Asiae minoris antiqua 2, Manchester 1930 S. 91
  3. Ad Familiares XII,XIII
  4. Ab Urbe condita XXXIII,20
  5. Naturalis Historia V, 92
  6. a b c d Friedrich Hild, Hansgerd Hellenkemper: Kilikien und Isaurien. Tabula Imperii Byzantini Band 5. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1990, ISBN 3-7001-1811-2, S. 315–320.
  7. Josef Keil, Adolf Wilhelm: Denkmäler aus dem rauhen Kilikien, (= MAMA 3), Manchester 1931, S. 122–129
  8.  Sviatoslav Dmitriev: City Government in Hellenistic and Roman Asia Minor. Oxford University Press, 2005, ISBN 0-19-534690-4, S. 213 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Nach Herzfeld S. 92 wurde die Burg bereits 1099 von Eustathios erbaut, was aber von Hild/Hellenkemper S. 319 korrigiert wird.
  10.  Victor Langlois: Voyage dans la Cilicie et dans les montagnes du Taurus: exécuté pendant les années 1851-1853 .... B. Duprat, 1861, S. 215 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11. Hansgerd Hellenkemper: Burgen der Kreuzritterzeit in der Grafschaft Edessa und im Königreich Kleinarmenien. Studien zur historischen Siedlungsgeographie Südost-Kleinasiens (Geographica historica Band 1). Habelt, Bonn 1976, ISBN 377491205-X S. 244–245
  12. Ernst Herzfeld, Samuel Guyer: Meriamlik und Korykos. Zwei christliche Ruinenstädte des Rauhen Kilikiens, Monumenta Asiae minoris antiqua 2, Manchester 1930 S. 93

36.46527777777834.154166666667Koordinaten: 36° 28′ N, 34° 9′ O