Kosovska Mitrovica

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Mitrovicë/Mitrovica1
Kosovska Mitrovica/Косовска Митровица2
Wappen von Kosovska Mitrovica
Kosovska Mitrovica (Kosovo)
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Basisdaten
Staat: Kosovo
Bezirk: Kosovska Mitrovica
Gemeinde: Mitrovicë (Mitrovica)
Koordinaten: 42° 53′ N, 20° 52′ O42.8920.87Koordinaten: 42° 53′ 24″ N, 20° 52′ 12″ O
Fläche: 350 km²
Einwohner: 107.045 (2003)
Bevölkerungsdichte: 306 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+381) 28
Kfz-Kennzeichen: 02
Struktur und Verwaltung (Stand: 2014[1])
Gemeindeart: Großgemeinde
Bürgermeister: Agim Bahtiri (AKR)
Webpräsenz:
1 albanisch (unbestimmte / bestimmte Form),
2 serbisch (lateinische / kyrillische Schreibweise)

Kosovska Mitrovica (serbisch-kyrillisch Косовска Митровица) oder kurz Mitrovica (albanisch auch Mitrovicë) ist eine Stadt im Norden des Kosovo. Sie wird durch den Ibar in einen nördlichen (serbischsprachigen) und in einen südlichen (albanischsprachigen) Teil gespalten. Auch administrativ bilden diese zwei Stadtteile seit 2008 eigenständige Gemeinden. Der größere Süden heißt Mitrovica e Jugut (alb.) bzw. Južna Kosovska Mitrovica (serb.), während der Norden Severna Kosovska Mitrovica (serb.) bzw. Mitrovica e Veriut (alb.) genannt wird.

Geographie[Bearbeiten]

Mitrovica liegt am südwestlichen Rand des Kopaonik-Gebirges im Hügelland zum südlich angrenzenden Amselfeld. Der Ibar durchfließt die Stadt aus Westen kommend und nimmt die von Süden kommende Sitnica gleich im Norden des Stadtgebiets auf und mündet bei Kraljevo in die Westliche Morava. Von allen Seiten ist Mitrovica von durchschnittlich 700 Meter hohen, bewaldeten Hügeln umgeben; nur im Südosten öffnet sich das Amselfeld.

Das kontinentale Klima herrscht hier im Hügelland vor.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Die Stadt war zunächst eine mittelalterliche Siedlung im serbischen Fürstentum Raszien, die später zu einer Stadt heranwuchs. Im 14. Jahrhundert wurde die serbisch-orthodoxe Kirche Sankt Dimitri gebaut. Das Dević-Kloster in der Umgebung der Stadt wurde von Đurađ Branković in Auftrag gegeben, aber erst 1576 erwähnt. Mitte des 15. Jahrhunderts kam die Stadt unter osmanische Herrschaft und blieb dies bis zum Ersten Balkankrieg (1912–1913).

Neuzeit[Bearbeiten]

Die bekannte Brücke über den Ibar, die die albanische mit der serbischen Stadthälfte verbindet.
Ausblick über den Nordteil der Stadt auf die Festung von Zvečan und den Schmelzereischornstein in Trepča
Die nach dem Kosovokrieg neu gebaute Zentralmoschee von Mitrovica

1873/74 erhielt Mitrovica seine erste Bahnverbindung. Ihren Ausgangspunkt hatte diese durch die von Baron Hirsch geleitete Compagnie des Chemins de Fer Orientaux gebaute und betriebene Strecke in der damals ebenfalls noch türkischen Hafenstadt Thessaloniki.

Einen weiteren Entwicklungsanstoß gab die Entdeckung von Bleierz, zu dessen Förderung mehrere Bergwerke geteuft wurden.

Als auf dem Berliner Kongress Serbien und Montenegro ihre Unabhängigkeit erlangten, verblieb Mitrovica im Sandschak von Novi Pazar, der weiterhin unter osmanischer Hoheit und Verwaltung stand, aber vertragsgemäß von österreichischen Truppen besetzt wurde. Nach dem Ersten Balkankrieg kam es 1913 zum Königreich Serbien, das am 29. Oktober 1918 im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen aufging, 1929 in Königreich Jugoslawien umbenannt. 1941 bis Herbst 1944 war die Gegend von Truppen der Wehrmacht besetzt; diese wurden 1944 von einer Offensive der Rote Armee vertrieben.

1981 lebten in der Stadt 105.000 Menschen, davon bezeichneten sich 66.500 als Albaner und 20.000 als Serben und Montenegriner.

Zwischen 1981 und 1989 hieß die Stadt Titova Mitrovica (alb. Mitrovica e Titos), nach Josip Broz Tito.[2]

Nach dem Kosovokrieg 1999 wurde die Stadt in einen Südteil mit fast ausschließlich albanischer Bevölkerung (ca. 60.000 Einwohner) und einen Nordteil mit überwiegend serbischer (ca. 13.000 Einwohner) Bevölkerung aufgeteilt. Die beiden Stadtteile sind durch zwei Straßenbrücken und einen Fußgängersteg über den Fluss Ibar verbunden. Die Stadt wird wie alle Städte des Kosovo von KFOR-Truppen bewacht.

In Kosovska Mitrovica, wo am 17. März 2004 die landesweiten, pogromartigen März-Ausschreitungen begannen und wo sich im Gegensatz zu vielen anderen Orten im Kosovo auch KFOR-Soldaten und UNO-Polizei den in den serbischen Nordteil der Stadt vordringenden Kosovo-Albanern entgegenstellten, gab es die meisten Toten während der März-Ausschreitungen.[3] Im Gegensatz zu allen anderen Regionen im Kosovo traf der gewalttätige kosovo-albanische Mob in Kosovska-Mitrovica auf bewaffnete kosovo-serbische Gegenwehr. Als etwa 3000 Kosovo-Albaner unter Einsatz von Schusswaffen die UN-Checkpoints an der Ibar-Brücke durchdrangen, wurden sie von serbischen Selbstverteidigungskräften am Eindringen in den serbische Nordteil gehindert.[4] Bereits am ersten Tag der Ausschreitungen wurden mindestens 200 Verletzte aus den bewaffneten Zusammenstössen gemeldet, darunter mindestens 13 französische KFOR-Soldaten. Noch am selben Abend verhängten UN-Kräfte eine Ausgangssperre unter der Androhung, bei Missachtung auf jede Person in der Straße zu schießen.[5] Das Personal der UNO wurde von der KFOR aus der Stadt evakuiert.[6][7][8]

Nach der Trennung lag die serbisch-orthodoxe Kirche Sankt Dimitri im albanischen Teil der Stadt und ist seit den Unruhen vom März 2004 unzugänglich. Als Ersatz wurde auf einem Hügel im serbischen Stadtteil eine neue Kirche gebaut und 2005 eingeweiht.

Auf den Trümmern von 2004 ebenfalls zerstörten Häusern am Westrand der Stadt wurde mit internationalen Hilfsgeldern eine Siedlung für Roma-Flüchtlinge angelegt. September 2007 waren dort etwa ein Dutzend Ziegelhäuser fertiggestellt.

Nach der Räumung des von Serben besetzten Gerichtsgebäudes im Nordteil von Mitrovica am 17. März 2008 wurden bei gewalttätigen Ausschreitungen etwa 140 Menschen verletzt. Ein ukrainischer UN-Polizist erlag seinen schweren Verletzungen. Die UN-Polizei war zuvor angeblich mit Feuerwaffen angegriffen worden.[9]

Seit Juni 2008 ist der Nordteil von Kosovska Mitrovica de facto Sitz des Parlaments der serbischen Gemeinschaft der Gemeinden der Autonomen Provinz Kosovo und Metochien, welches von der Regierung in Priština nicht anerkannt wird.

Kultur[Bearbeiten]

In Mitrovica befinden sich die drei Gemeindebibliotheken Latif Berisha, welche man in der Stadt sowie in den Dörfern Bare und Tunel i Parë findet. Die Besucherzahl im Stadtmuseum, welches sich in den Räumlichkeiten des ehemaligen Hammāms von Mitrovica befindet, steigt stetig. Im Dorf Boletin befindet sich die Boletin-Festung, welche im Jahr 2010 restauriert wurde. Das Kulturhaus Rexhep Mitrovica wird zur Zeit nicht genutzt. Außerdem befinden sich in Mitrovica das Stadttheater Sandër Prosi sowie die Amateurtheater Aleksandër Moisiu, Kacageli, Showmeselation und weitere. Eine Musik- und Tanzgruppe sowie die Literaturgruppe Lumi i Bardhë findet man ebenfalls in der Stadt.

In der Stadt sind drei Radiostationen sowie der Privatfernsehsender TV Mitrovica aktiv.

Wirtschaft[Bearbeiten]

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Die Stadt lebte im 20. Jahrhundert nahezu vollständig vom inzwischen geschlossenen Industriekomplex Trepça, in dem Gold, Silber, Kupfer, Blei und Bismut abgebaut wurden. 1999 wurden in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Industriekombinats mehrere UN-Flüchtlingslager eingerichtet.

Die Mine, die das größte unterirdische Bergwerk in Europa ist, wurde nach dem Kosovokrieg durch die KFOR aus Umweltschutzgründen geschlossen. Heute ist sie in beschränktem Rahmen wieder in Betrieb und stellt ausschließlich Blei- und Zinkkonzentrat her, das aber nicht wie früher vor Ort eingeschmolzen und weiterverarbeitet wird. Teile der ehemaligen Abraumhalden enthalten eine so hohe Konzentration an seltenen Erden, dass sich ein Verkauf des Abraums zur Weiterverarbeitung lohnt. Der Abraum ist aber so stark kontaminiert, dass er nicht via Landweg durch die Europäische Union transportiert werden darf. Alle ehemaligen weiterverarbeitenden lokalen Industrien (Zink- und Bleiwerke) sind nach wie vor geschlossen.

Mitrovica liegt an der zur Eisenbahngesellschaft Hekurudhave të Kosovës gehörenden, zur Zeit nicht durchgängig betriebenen Bahnverbindung von Kraljevo über Kosovo Polje nach Skopje.

Große Teile der Bevölkerung sind wie im ganzen Land arbeitslos. Sozialhilfe gibt es im Kosovo wenig bis kaum. Die wenigen Erwerbstätigen arbeiten im Handelssektor, viele sind auch in Dienstleistungen tätig. Die Landwirtschaft hat viel an Bedeutung verloren, heute ist nur ein Bruchteil in diesem Bereich tätig.

Verkehr[Bearbeiten]

Mitrovica besitzt gute Straßenverbindungen mit Zvečan (Norden), Podujeva (Nordosten), Vushtrri (Südosten), Skënderaj (Süden) und Zubin Potok (Westen). Es liegt an einer wichtigen Hauptstraße, die Kosovo mit Serbien verbindet. Auch die E 65 führt im Süden um die Stadt.

Mitrovica liegt an der Bahnstrecke von Lapovo über Kraljevo und Kosovo Polje nach Skopje, die einst eine wichtige jugoslawische Transversale darstellte und auf der sogar der internationale Schnellzug Akropolis-Express verkehrte. Auf der Strecke nach Kosovo Polje betreibt die Eisenbahngesellschaft Hekurudhave të Kosovës unregelmäßigen Güterverkehr, Personenzüge verkehrten derzeit nicht. Vom Nachbarort Zvečan nach Kraljevo betreibt die serbische Bahngesellschaft Železnice Srbije sowohl Güter- als auch zweimal täglich Personenverkehr mit modernen Dieseltriebwagen. Zwischen Mitrovica und Zvečan ist die Strecke zur Zeit komplett eingestellt.

Bildung[Bearbeiten]

Im Nordteil der Stadt befindet sich die Technische Hochschule Mitrovica, die einzige höhere Lehranstalt im Kosovo mit überwiegend serbischsprachigem Kursangebot. Im Juli beherbergt sie eine englischsprachige Summer School.

Sport[Bearbeiten]

In der Gemeinde gibt es 23 Vereine, die in 17 verschiedene Sportarten gegliedert sind. Mitrovica ist mit der KF Trepça'89 und KF Trepça neben der Hauptstadt Priština die einzige Stadt in Kosovo, welche mehr als einen Fußballverein in der Raiffeisen Superliga darstellt. Neben den lokalen Fußballvereinen stellt Mitrovica auch in Sportarten wie Handball und Basketball Mannschaften in den besten Ligen.

In Mitrovica findet man folgende Sportspielstätten:

  • Die Minatori-Mehrzweckhalle
  • Kleinsportstadion Fatime Xhaka
  • Olympisches Stadion Trepça, auch bekannt als Stadion Adem Jashari
  • Fußballstadion Riza Lushta
  • Fußballstadion Ismet Sejdiu im Dorf Bair
  • Stadion Nexhat Taraku
  • Fußballstadion im Dorf Kçiq i Madh
  • Fußballstadion im Dorf Koshtovë

Stadtgemeinde[Bearbeiten]

Großgemeinde innerhalb Kosovos

Neben der Stadt Mitrovica besteht die Großgemeinde aus 43 Dörfern.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kosovska Mitrovica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Agim Bahtiri: Kryetari i Mitrovicës do të jetë më i fuqishëm se kryeministri i vendit. In: Bota Sot. 2. März 2014, abgerufen am 25. März 2014 (albanisch).
  2. Eintrag in der Enzyklopädie des europäischen Ostens der Universität Klagenfurt
  3. Die Hasen vom Amselfeld, Der Spiegel, 3. Mai 2004, von Renate Flottau, Olaf Ihlau, Alexander Szandar und Andreas Ulrich, archiviert vom Original am 26. Februar 2013. PDF-Version, archiviert vom Original am 26. Februar 2013. Englische Übersetzung, archiviert von der Internetfassung von ERP KIM Newsletter am 26. Februar 2013.
  4. »Kristallnacht« im Kosovo, Telepolis, 19. März 2004, von Jürgen Elsässer, archiviert vom Original am 22. Februar 2013.
  5. Kosovo on the Brink - Day of ethnic conflict dwarfs anything seen in the region since Serb withdrawal over four years ago, IWPR, BCR Issue 485, 21. Februar 2005 [17. März 2004], von Marcus Tanner, archiviert vom Original am 12. März 2013.
  6. Unmut in UNMIKistan, Neues Deutschland, 24. März 2004, von Markus Bickel, archiviert von der Internetversion auf ag-friedensforschung.de am 7. Februar 2013.
  7. Hronologija događaja (16 - 22. mart 2004) (serbisch), B92 Specijal: Nasilje na Kosovu, B92, archiviert vom Original am 14. Februar 2013.
  8. Wolfgang Petritsch, Robert Pichler, Kosovo - Kosova - Der lange Weg zum Frieden, Wieser, Klagenfurt u. a. 2004, ISBN 3-85129-430-0, S. 333f.
  9. Ein Toter nach Krawallen: Mitrovica unter Militärrecht, ntv.de 18. März 2008.