Kottenforst

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Kottenforst im Frühling

Der Kottenforst ist ein etwa 40 km² großes Waldgebiet südlich, westlich und nordwestlich von Bonn. Er gehört zum Naturpark Rheinland (1.045 km²) und bildet dessen Ostrand.

Geografie[Bearbeiten]

Der Kottenforst liegt auf einer Hochfläche von etwa 150 bis 180 m ü. NN, der sog. Ville, die nach Osten zum Rheintal steil abfällt, hingegen nach Westen zur Swist und Erft relativ flach ausläuft (Geologischer Halbhorst).

Der Kottenforst teilt sich auf in einen südöstlichen Teil zwischen Meckenheim, Bad Godesberg und Bonn, in den sich teilweise naturbelassene Freilandflächen, wie das Katzenlochbachtal, einfügen, sowie einen nordwestlichen Teil zwischen Heimerzheim, Buschhoven und Alfter. Zwischen beiden Teilen liegt das Dorf Witterschlick.

Bodenkunde[Bearbeiten]

Der Boden besteht aus Rheinschottern und Kiesen mit einer Pseudogleyschicht, die durch ihre Wasserundurchlässigkeit zusammen mit dem ebenen Gelände zu einer langanhaltenden Vernässung durch Niederschläge führt. In Bodenvertiefungen sammelt sich Wasser an; diese zahlreichen Tümpel werden Maare genannt. Im Bereich des „Großen Cent“ östlich von Heimerzheim besteht eine ausgedehnte Senke ohne natürlichen Abfluss. Dieses hochmoorartige, ausgedehnte Feuchtgebiet wurde jedoch in den letzten Jahrhunderten durch Entwässerungsmaßnahmen künstlich trockengelegt und aufgeforstet. Der natürliche Wasserhaushalt des Kottenforstes wurde in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend auch durch die stark gefallenen Grundwasserpegel infolge der Sümpfungsmaßnahmen für die Braunkohlentagebaue westlich von Köln beeinflusst.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Kottenforst stammt von dem keltischen Wort „coat“ für Wald ab. Erstmals urkundlich erwähnt wurde er bereits im 7. Jahrhundert als fränkisches Königsgut.

Zur Römerzeit wurde die Eifelwasserleitung zur Versorgung der Stadt Köln quer durch den nördlichen Kottenforst entlang der Ville gebaut. Der Verlauf der Leitung ist heute noch als Graben auf weiten Strecken im Wald leicht zu erkennen. In Teilstücken ist die Leitung sogar vollständig erhalten geblieben. Geborgene Abschnitte sind jetzt in mehreren der umliegenden Orte aufgestellt.

Der Kottenforst ist bis heute weitgehend unbesiedelt geblieben. Ausnahmen waren zu römischer Zeit einige Poststationen im Bereich von Buschhoven. Zudem gab es mehrere militärische Lager zwischen Dünstekoven und Oedekoven, etwa in der Gegend, wo heute Breite und Schmale Allee aufeinandertreffen. Zwischen etwa dem 8. und 15. Jahrhundert gab es mit „Hessekoven“ in letzterem Gebiet auch eine Siedlung mitten im Wald. Zum Schutz vor Ungarneinfällen um 954 ist der Ringwall Venne erhalten, der vom Kloster Marienforst bei Bad Godesberg errichtet wurde.

Im Jahr 973 bestätigte Otto II. dem Erzbischof von Köln das Jagdrecht und das Fischereirecht in dem bisherigen Reichsgut.[1]

Über lange Zeit, teilweise bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, wurde der Kottenforst auch zur Viehweide genutzt. Es bestanden größere Freiflächen mitten im Wald, die beweidet wurden. Zudem wurde ausgedehnte Eichelmast betrieben. So hatte beispielsweise um 820 die adlige Gernhilde, Besitzerin des Herrenhofes von Oberbachem, das Recht, 30 Schweine zur Mast in den Kottenforst treiben zu lassen. Noch heute zeugen ausgedehnte Lichtungen und Flurnamen wie „Dünstekovener Kuhweide“ von dieser Nutzungsform. Auch der Name des Bonner Ortsteils Schweinheim erinnert noch an diese früher im Kottenforst praktizierte Eichelmast. Die meisten Freiflächen des Kottenforst wurden jedoch, abgesehen von einigen Ackerflächen im nördlichen Teil, inzwischen weitgehend aufgeforstet.

Das Grundeigentum am Kottenforst besaß ab 1064 zusammen mit dem Gut Muffendorf (heute Siegburger Hof) die Abtei Siegburg. Als Vasallen dieser Abtei hatten die so genannten „Viermänner“, die Besitzer der Burgen Adendorf und Odenhausen sowie des Thurmhofs und des Binsfelderhofs in Friesdorf, Holz- und Weiderechte im Kottenforst. 1549 verkaufte die Abtei Siegburg das Grundrecht an die Erzbischöfe von Köln, die im Kottenforst bereits das Jagdrecht auf Hochwild sowie Jagdschlösser in Poppelsdorf und Buschhoven besaßen.

Um 1727 wurde der Kottenforst erstmals systematisch vermessen, um Alleen für die Parforcejagd anzulegen. Diese meist breiten Alleen wurden schnurgerade aufgeschüttet und wegen des nassen Untergrundes beiderseitig mit Gräben versehen. 1754 bis 1756 ließen die Erzbischöfe zu Köln in Röttgen das Jagdschloss Herzogsfreude in das Zentrum dieses Systems von Alleen bauen. Beachtlich ist die genaue Ausrichtung der Wege in Bezug auf das kurfürstliche Schloss sowie ebenfalls auf Schloss Brühl. Dieses Wegesystem ist bis heute weitgehend erhalten geblieben. Nach dem Einmarsch der Franzosen 1794 war die Zeit der fürstlichen Jagden vorbei; 1807 wurde das Jagdschloss abgebrochen, und der Kottenforst wurde zum Forêt Impériale und zur Zeit der Preußen zum Staatsforst.

1879 wurde im Kottenforst unweit von Röttgen die sogenannte „Kaisereiche“ vom damaligen Prinzen Wilhelm von Preußen, dem späteren Kaiser Wilhelm II., „allerhöchst eigenhändig“ gepflanzt. Sie sollte dem Andenken an seine in diesem Revier genossenen Waidmannsfreuden dienen. Neben der Kaisereiche steht die 1904 gepflanzte Prinz-Friedrich-Eiche. Beide Eichen befinden sich an der Wegekreuzung, an der auch das Jägerhäuschen steht. Die Eichen sind heute beliebte Ausflugsziele und befinden sich unweit des archäologischen Denkmals Ringwall Venne.

Naturpark[Bearbeiten]

Der Kottenforst war 1959 die Keimzelle des Naturparks Kottenforst, der nach einer Erweiterung 1967 in Naturpark Kottenforst-Ville umbenannt wurde und seit 2005 – nach diversen zusätzlichen Erweiterungen – Naturpark Rheinland heißt.

Ein Rothirsch im Kottenforster Wildpark

Schutzgebiet und Schutzgebietsbetreuung[Bearbeiten]

Weite Teile des Kottenforstes sind heute Naturschutzgebiete (Fauna-Flora-Habitat). Der Schutzgebietsbetreuer des FFH-Gebietes Kottenforst ist die Biologische Station Bonn e.V. Diese richtet ihre Betreuung in diesem großen Waldgebiet vor allem auf darin befindliche oder angrenzende Offenlandbiotope, wie Wiesen und Weiden, Wildäsungsflächen sowie Gewässer aus[2], zu denen auch das Katzenlochbachtal zählt.

Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Der Kottenforst befindet sich überwiegend in Landesbesitz, ein weiterer großer Teil ist Stadtwald der Stadt Bonn. Zuständig für die forstliche Bewirtschaftung des Landeswaldes ist das Regionalforstamt „Rhein-Sieg-Erft“, das in Bonn-Röttgen ein Dienstgebäude unterhält. Für den Wald der Stadt Bonn trägt das Amt für Stadtgrün die Verantwortung. Die Fläche des Kottenforstes verteilt sich auf die Gebiete der folgenden Gemeinden: Stadt Bonn - auf deren Gebiet der größte Teil des Waldes liegt - Alfter, Meckenheim, Swisttal, Wachtberg und Bornheim.

Die erste forstwirtschaftliche Waldbeschreibung von 1829 stellte den damals durch Raubbau heruntergekommenen Zustand des Waldes heraus: Nur 335 ha Eichen- und Buchen-Hochwald und 139 ha Kiefernkulturen waren noch forstwirtschaftlich wertvoll. Der Rest bestand aus ausgelichteten Mittel- und Niederwaldungen. Bereits in der Zeit des preußischen Besitzes wurde der Kottenforst systematisch wieder aufgeforstet. Dabei wurden aber häufig Fichten und Kiefern in Monokulturen gepflanzt. Diese Entwicklung wurde erst in den vergangenen Jahrzehnten wieder korrigiert, indem die Bestände zunehmend durch standorttypischen Laubmischwald ersetzt wurden. Im Jahr 1980 bestand der Wald aus:

  • Eiche (37 %)
  • Buche (16 %)
  • sonstigem Laubholz (10 %)
  • Fichte (24 %)
  • Kiefer und Lärche (13 %).

Jährlich werden im Kottenforst etwa 20.000 Festmeter Holz geschlagen und in Sägewerken der näheren Umgebung weiterverarbeitet – unter anderem für den Treppenbau in Wachtberg-Fritzdorf. Auch die Bonner Firma Johannes Klais Orgelbau verwendet teilweise Holz aus dem Kottenforst.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Personennahverkehr[Bearbeiten]

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Ehemaliges Empfangsgebäude des Bahnhofs Kottenforst, Gleisseite

Der Bahnhof Kottenforst liegt an der Voreifelbahn (BonnEuskirchen), auf der im Schienenpersonennahverkehr die Regional-Bahn 23 verkehrt. Der Bahnhof wird nur samstags und an Sonn- und Feiertagen als Bedarfshalt bedient. Durchgeführt wird der Schienenpersonennahverkehr von der DB Regio NRW, die für die Voreifelbahn Diesel-Triebwagen der DB-Baureihe 644 in Ein- bis Dreifachtraktion für Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h einsetzt.

Der Bahnhof liegt auf Meckenheimer Gebiet im Stadtteil Lüftelberg in unmittelbarer Nähe zum Gebiet der Gemeinde Alfter. Das ehemalige Empfangsgebäude ist ein beliebtes sommerliches Ausflugsziel mit großer Außengastronomie. 2012 wurde der Haltepunkt der Deutschen Bahn auf den aktuellen Bahnhofsstandard umgebaut und mit einem Hochbahnsteig ausgestattet.[3]

Der Bahnhof verlor im Jahr 2011 im Zuge der Umstellung der Voreifelbahn auf elektronisches Stellwerk seinen bislang dort tätigen Fahrdienstleiter. Dies hatte zur Folge, dass der östliche Hochbahnsteig nur durch einen sehr langen Umweg über den nächsten Bahnübergang erreicht werden kann, weil eine ebenerdige Gleiskreuzung im Bahnhof wegen der fehlenden Aufsicht durch den örtlichen Fahrdienstleiter nicht mehr zulässig ist. Um Fahrgäste am Abkürzen des langen Umweges zu hindern, wurde die Zuwegung zum östlichen Bahnsteig großflächig eingezäunt, was neben den Hochbahnsteigen selber das historische Ambiente des Bahnhofs optisch stark beeinträchtigt.

Busverkehr[Bearbeiten]

Der Kottenforst kann mit mehreren Buslinien gut direkt erreicht werden, so z.B. die VRS-Linien 602 (Waldau), 603 (Röttgen), 615, 800, 843, 845, 855.

Es gilt der Tarif des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) und tarifraumüberschreitend der NRW-Tarif.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Clemens Dasler: Forst und Wildbann im frühen deutschen Reich. Wildbahnurkunde von 973, 2001, ISBN 978-3-412-12800-5 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  2. http://www.biostation-bonn.de/_con02/upload/downloads/Bericht-2011.pdf
  3. Modernisierungsoffensive 2: DB modernisiert in NRW 108 Bahnhöfe in den nächsten Jahren, Deutsche Bahn, Pressemitteilung vom 16. Dezember 2011

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner D´hein: Kottenforst. 13 Wanderungen durch eine historische Kulturlandschaft. Gaasterland-Verlag, Düsseldorf 2008, ISBN 978-3-935873-21-5
  • Bruno P. Kremer (auch Hrsg.): Der Kottenforst. Eine rheinische Kultur- und Erholungslandschaft. Wienand, Köln 1999, ISBN 3-87909-648-1
  • Albert Hexges: Der Kottenforst. Ein Beitrag zur Forstgeschichte Kurkölns unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung des Waldeigentums, des Forstrechts, der Forstorganisation und der Waldnutzung, in: Bonner Geschichtsblätter, Band 35. Bonn 1984, S. 23-98
  • Gemeinde Swisttal, Heinz Doepgen (Hrsg.): 900 Jahre Heimerzheim. G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung, Köln und Berlin, ISBN 3-7745-6333-0
  • Arbeitskreis Heimat im Ortsausschuss Heimerzheim (Hrsg.): Heimerzheim im Wandel der Zeiten

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kottenforst – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

50.66777.0227Koordinaten: 50° 40′ 4″ N, 7° 1′ 22″ O