Kra-Kanal

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Vorschläge zum Bau des Kra-Kanals

Kra-Kanal (auch: Thai-Kanal oder Kra-Isthmus Canal, Thai: โครงการคลองไทย) bezeichnet ein geplantes Projekt, einen Kanal durch den Isthmus von Kra in Südthailand zu graben, um den Seetransport zwischen Europa und Ostasien zu verkürzen, ähnlich dem Panamakanal oder dem Suez-Kanal.

Frühe Pläne[Bearbeiten]

Da der Schifffahrtsweg um die malaiische Halbinsel durch einen Kanal an der Landenge deutlich verkürzt würde, gab bereits König Narai im Jahr 1677 dem französischen Ingenieur de Lamar den Auftrag, eine Möglichkeit für die Verbindung von Songkhla nach Marid (heute Myanmar) zu suchen. Es ergab sich jedoch, dass die technologischen Möglichkeiten des 17. Jahrhunderts noch unzureichend für ein solches Projekt waren. Der Wunsch, die westlichen Küsten Siams durch die Marine besser schützen zu können, ergab eine Überlegung des jüngeren Bruders von König Phra Phutthayotfa Chulalok (Rama I.) für eine ähnliche Verbindung.

Nachdem Burma britische Kolonie geworden war mit dem Victoria Point (Kawthaung) in der heutigen Tanintharyi-Division als südlichstem Punkt, führten 1863 zwei britische Ingenieure eine Erkundung am Isthmus von Kra durch, kamen aber zu dem Schluss, dass aufgrund des hügeligen Landes ein Kanal zu graben undurchführbar sei. 1868 zeigte ein französisches Team Interesse, sogar Ferdinand de Lesseps, der Erbauer des Suez-Kanals untersuchte 1882 das Gebiet, allerdings wurde ihm die königliche Erlaubnis für ein derartiges Projekt verweigert.

Politische Bedenken[Bearbeiten]

Die Kanal-Pläne sind auch Politikum: Die immense Bedeutung des Seehafens von Singapur besteht in der Tatsache, dass ein großer Teil ost- und südostasiatischer Schiffsfracht rund um die malaiische Halbinsel, an Singapur vorbei und durch die Straße von Malakka führt. Daher lag es nicht mehr im britischen Interesse, wenn ein schiffbarer Kanal im Isthmus von Kra gebaut würde. So kamen 1897 Siam und das britische Königreich überein, auf den Bau zu verzichten.

Wegen der immensen Kosten und auch wegen der zu erwartenden Umweltprobleme ist es bislang bei Plänen geblieben, entweder an der engsten Stelle oder weiter südlich zwischen Surat Thani und Phangnga diesen Kanal zu bauen. Gegen einige Vorschläge sprechen aus Bangkoks Sicht zudem strategische Erwägungen. Die im 17. Jahrhundert geplante nördlichste Variante liegt bedenklich nah an der heutigen Grenze zum jahrhundertelangen Gegner Burma (Myanmar), die südlichste Variante wiederum zu dicht an der Grenze zum muslimischen Malaysia und inmitten der teils von malaiischen Rebellen bewohnten Grenzprovinzen.

Alternativen[Bearbeiten]

Alternativ sind eine Autobahn- bzw. eine Eisenbahnverbindung in der Diskussion.

Eine weitere Alternative stellt der geplante „Energiekorridor“ zwischen den nordmalaysischen Hafenstädten Yan (Bundesstaat Kedah) und Bachok (Bundesstaat Kelantan) dar: Ein von chinesischen, iranischen und saudi-arabischen Gesellschaften gefördertes Pipelineprojekt soll Öltankern den piratengefährdeten Seeweg um die Malaiische Halbinsel herum ersparen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolf Donner: The Five Faces of Thailand. An economic geography. A publication of the Institute of Asian Affairs, Hamburg. Hurst, London 1978, ISBN 0-903983-53-2 (Paperback Edition: University of Queensland Press, St. Lucia Queensland 1982, ISBN 0-7022-1665-8).
  • Dirk Ruppik: Kra-Kanal wird möglich. In: Deutsche Seeschifffahrt. Heft 4, 2009, ISSN 0948-9002, S. 26/27.

Weblinks[Bearbeiten]