Mondelēz International
| Mondelēz International, Inc. | |
|---|---|
| Rechtsform | Incorporated |
| ISIN | US6092071058 |
| Gründung | 1903 |
| Sitz | Northfield, Illinois, |
| Leitung | Irene Rosenfeld, CEO |
| Mitarbeiter | 126.000 (2011)[1] |
| Umsatz | 54,365 Mrd. US-Dollar (2011)[1] |
| Branche | Nahrungsmittel |
| Website | www.mondelezinternational.com |
Mondelēz International ist ein internationaler Lebensmittelkonzern, der 1903 in Chicago von James Lewis Kraft als Kraft Foods gegründet wurde. Derzeitiger Sitz ist in Northfield, Illinois. Mondelēz International ist nach Nestlé und PepsiCo der drittgrößte Nahrungsmittelhersteller der Welt. Das Unternehmen beschäftigte im Jahre 2011 weltweit rund 126.000 Mitarbeiter und beliefert Kunden in 155 Ländern.
Im Jahre 2011 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 54 Milliarden US-Dollar. Am 1. Oktober 2012 wurde Kraft Foods Inc. in Mondelez International Inc. umbenannt. Diese Umbenennung betrifft fast sämtliche Tochterfirmen und Niederlassungen, ausgenommen drei deutsche Firmen in München und den nordamerikanischen Lebensmittelzweig. Die Kraft Foods R&D Inc. und zwei Grundstücksverwaltungsgesellschaften werden bis auf weiteres unter der bisherigen Firmenbezeichnung weiter geführt.[2]
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Die Unternehmensgeschichte von Kraft begann 1903, als der Farmersohn James Lewis Kraft in Chicago mit einem Startkapital von 60 US-Dollar einen Käsehandel aufbaute.[3] In einer der bis dahin größten Akquisitionen in den USA bot Philip Morris, der später zur Altria Group umbenannte weltweit größte Hersteller von Tabakwaren (Philip Morris, Marlboro), am 30. Oktober 1988 einen Kaufpreis von 13,1 Milliarden US-Dollar für das Unternehmen.[4] Der Kauf wurde im Dezember für einen Betrag von 12,9 Milliarden US-Dollar getätigt.[5] Im März 1989 fusionierten Kraft und General Foods zu einer Firma, der Kraft General Foods Inc. Ein Jahr später übernahm der Mutterkonzern den Schokoladenhersteller und Kaffeeröster Jacobs Suchard. Kraft General Foods Europe und Jacobs Suchard wurden 1993 zu Kraft Jacobs Suchard zusammengeführt. 2000 erwarb der Konzern den Produzenten Nabisco, einen Weltmarktführer im Bereich Kekse, Kuchen und Snacks.
Ende März 2007 trennte sich die Altria Group von Kraft, unter anderem damit Kraft nicht von möglichen Klagen von Tabakkonsumenten gegen Altria betroffen wird.[6] Kraft ist somit wieder unabhängig, da Altria ihre Beteiligung an Kraft anteilig an die eigenen Aktionäre in Form einer Sachdividende weiterreichte.[7]
Am 29. Oktober 2007 gab Kraft Foods bekannt, einen Teil der Kekssparte von Danone mit Marken wie LU und Mikado für knapp 5,3 Milliarden Euro zu übernehmen.[8] Im Jahr 2007 wurde der Europasitz von London in den Glattpark bei Zürich (CH) verlegt. Das Unternehmen übernahm am 19. Januar 2010 für 11,5 Milliarden englische Pfund den britischen Süßwarenhersteller Cadbury. Finanziert wurde die Übernahme zum Teil mit dem Verkauf des Geschäftes mit Tiefkühlpizzen an den Konkurrenten Nestlé.[9]
Aufspaltung [Bearbeiten]
Am 1. Oktober 2012[10] wurde Kraft in zwei eigenständige börsennotierte Gesellschaften aufgespalten. Das Unternehmen Kraft Foods Group ist seither für die nordamerikanischen Lebensmittelaktivitäten zuständig, Mondelēz International umfasst die globalen Aktivitäten für Snacks und Süßwaren und die Aktivitäten für Lebensmittel außerhalb Nordamerikas. So sind beispielsweise die Oreo-Kekse überall von Mondelēz, während Philadelphia-Frischkäse je nach Region von einer der beiden Firmen verkauft wird. Die Aufspaltung sollte bis zum Jahresende 2012 abgeschlossen sein,[11] die Umfirmierung der Tochtergesellschaften wird sich aber nach Angaben von Kraft Foods Europe Procurement GmbH noch bis ins Jahr 2013 erstrecken.[12]
Mondelēz ist ein Kunstwort aus den romanischen Sprachen entlehnten Wörtern für Welt (mondo) und deliziös.[13] Schöpfer dieses Begriffes sind zwei Mitarbeiter, die den neuen Namen unabhängig voneinander bei einem firmeninternen, preislosen Wettbewerb einreichten: Der Wiener IT-Mitarbeiter Johannes Schmidt suchte etwas im Walzerrhythmus, dem in der US-amerikanischen Zentrale arbeitenden Mitarbeiter Marc Firestone fiel es auf einer Geschäftsreise von Brüssel nach Frankfurt ein.[14]
Produkte [Bearbeiten]
Eine vollständige Übersicht der europäischen Marken der Mondelēz International ist auf der Liste der europäischen Mondelēz-Marken zusammengestellt.
Unternehmenszweige und Markennamen von Mondelēz:[15]
- Kaffee (u. a. Jacobs, Kaffee Hag, Maxwell House, Tassimo, Onko)
- Getränkepulver (u. a. Kaba, Kool-Aid, Suchard Express)
- Schokolade (u. a. Suchard Milka/Finessa, Côte d’Or, Tobler/Toblerone, Mirabell[16]/Echte Salzburger Mozartkugel, Bensdorp Schokoladen)
- Schokoladenriegel (u. a. Daim, 3-Bit, Prince Polo, Nussini)
- Gebäck (u. a. Nabisco, Bel Vita, Kolonada Oblaten)
- Fertigprodukte (bis 2012 u. a. Mirácoli; an Mars Inc. verkauft)
- Käse und Milchprodukte (u. a. Philadelphia)
- Gelatinöse Nachspeisen (Jell-O)
- Saucen und Würzmittel (Feinkostsaucen, Ketchup, Salatdressing, Miracel Whip, Vegemite)
- Frühstücksgetreideflocken
- Kartoffelchips
Mondelēz in Europa [Bearbeiten]
Das Unternehmen hat in 18 Ländern Europas eigenständige Tochterfirmen, die meist als GmbH oder in einer ähnlichen Form geführt werden.
Schweiz:
Der europäische Hauptsitz von Mondelēz ist in Opfikon bei Zürich.
Deutschland:
Die deutsche Zentrale von Mondelēz befindet sich in Bremen, dem Stammsitz der aufgekauften Kaffeerösterei Jacobs. In München ist das europäische Forschungs- und Entwicklungszentrum für Schokoladen- und Food-Produkte angesiedelt. In Berlin-Neukölln befindet sich Krafts weltweit größte Fabrik zur Herstellung von Trockenprodukten wie Kaffee und Tee.[17]
Griechenland:
In Athen befindet sich der Sitz von vier Tochterfirmen, die auch nach der Neustrukturierung des Unternehmens für das gesamte Geschäft im Land zuständig bleiben.
Österreich:
Die österreichische Zentrale von Mondelēz befindet sich in Wien. Hier war bis zur Umstrukturierung auch die zentrale Verwaltung für Ost- und Südost-Europa und Afrika angesiedelt. Insgesamt vier Tochterfirmen hat das Unternehmen in Österreich.
Slowakei:
Mit der Umfirmierung wurde eine neue Firmenzentrale in Bratislava eingerichtet, über die zukünftig fast das gesamte Rechnungswesen in Europa abgewickelt werden soll.
| Ort | Tätigkeitsfeld | Anmerkung |
|---|---|---|
| → Deutschland | ||
| Bad Fallingbostel | Herstellung von Käse (Philadelphia, Jocca und Lindenberger), Fertiggerichten (Miracoli), Feinkost (Miracel Whip und Ketchup) und Tassimo-Produkten | größtes Werk von Mondelēz in Europa |
| Berlin | Herstellung von Kaffee (u. a. Jacobs Krönung, Meisterröstung, Kaffee Onko, Kaffee Hag und Tassimo) | Hauptlieferant für den deutschen Kaffeemarkt |
| Bremen-Hemelingen | Herstellung von löslichem Kaffee. Herstellung sämtlicher Röstkaffeesorten wie im Werk in Berlin. Sowie Herstellung von Entcoffeinierten Röstkaffe. Verpackung von Cappuccino | Um 2009/10 wurden 21 Millionen Euro in das Kaffeewerk investiert. |
| Bremen-Holzhafen | Entkoffeinierung von Kaffee | |
| Elmshorn | Herstellung von löslichem Kaffee (u. a. Jacobs Krönung, Maxwell und Kaffee Hag) | |
| Lörrach | Herstellung von Schokolade (Milka) | größter Produktionsstandort für Schokolade in Europa |
| München | europäisches Forschungs- und Entwicklungszentrum von Kraft Foods für Schokoladen- und Food-Produkte | |
| → Österreich | ||
| Bludenz | Herstellung von Schokolade (Bensdorp, Milka und Suchard) | |
| Wien | Herstellung von Röstkaffee | 2013 Produktion geschlossen |
| → Schweiz | ||
| Bern-Brünnen | Herstellung der Toblerone | |
| Glattpark | Vertrieb für die Schweiz | Hauptsitz in Europa[18] |
| Zug | Handel mit Rohkaffee, Kakaobohnen, Kakaoprodukten und Trockenfrüchten | |
Kritik [Bearbeiten]
Im Schwarzbuch Markenfirmen – Die Machenschaften der Weltkonzerne werden der Schokoladenindustrie und auch Kraft Foods schwere Menschenrechtsverletzungen wie Ausbeutung und Kindersklaverei bei den Kakao-Zulieferern der Elfenbeinküste vorgeworfen.[19] Eine Reportage der ARD kam 2010 zu dem Schluss, dass große Firmen wie Mars Inc. aber auch Kraft Foods oder Nestlé Kindersklaverei „zumindest dulden.“[20]
Am 18. Dezember 2009 verhängte das deutsche Bundeskartellamt gegen die Kaffeeröster Melitta, Dallmayr und Tchibo ein Bußgeld in Höhe von ca. 159,5 Millionen Euro wegen verbotener Preisabsprachen. Kraft ermöglichte durch einen Bonusantrag die Ermittlungen und wurde im Rahmen einer Kronzeugenregelung von einem Bußgeld verschont.[21]
Im Juni 2010 wurde dem Deutschen Kaffee-Verband Hamburg vom Bundeskartellamt vorgeworfen, mit einer Pressemitteilung im Februar 2005 ein Kartell von Kaffeeunternehmen gefördert zu haben, weswegen ein Bußgeld von bis zu 90.000 Euro verhängt wurde. Zu den beteiligten Kaffeeröstereien gehörten neben „Kraft Foods Außer-Haus-Service” die Unternehmen Tchibo (Hamburg), Luigi Lavazza Deutschland (Frankfurt), Seeberger (Ulm), Segafredo Zanetti Deutschland (München), Gebr. Westhoff (Bremen), Melitta System Service (Minden) und J. J. Darboven (Hamburg). Den letzteren beiden Unternehmen wurden die Geldbußen wegen ihrer Kooperation bei der Aufklärung der Vorwürfe reduziert. [22]
Die Verbraucherzentrale kritisierte im März 2010 das Strecken des Kaffees »Onko« mit billigen Zutaten wie Maltodextrin und Karamell, wodurch eine 500-Gramm-Packung nur noch 440 Gramm Kaffee enthält.[23] Im Juni 2011 änderte Kraft die Rezeptur und in den Onko-Packungen befindet sich wieder 100 Prozent Kaffee.[24]
Im Oktober 2011 erhielt der Konzern vom Bundeskartellamt erneut eine Strafe. Zusammen mit dem Kaffeehersteller Krüger wurde Kraft Foods Deutschland mit einer Geldstrafe in Höhe von neun Millionen Euro belegt. Die beiden Unternehmen hatten zum Jahreswechsel 2007/2008 bei Instant-Cappuccino eine Preiserhöhung von 20 bis 40 Cent je Packung abgesprochen.[25] Dem Unternehmen wurde aufgrund der Kooperation bei der Aufklärung eine Minderung der Geldbuße gewährt. Das Bußgeldverfahren wurde auf Antrag der Melitta Kaffee GmbH aus Bremen eingeleitet, die als Kronzeuge fungierte.[26]
Weblinks [Bearbeiten]
- Website von Kraft Foods Deutschland
- Website von Kraft Foods Österreich
- Website von Kraft Foods Schweiz
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b http://www.kraftfoodscompany.com/SiteCollectionDocuments/pdf/kraft_foods_fact_sheet.pdf
- ↑ http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/kraft-foods-nennt-sich-um-oreo-mutter-heisst-bald-mondelez/6357476.html
- ↑ Unternehmen / Historie / 1900-1949 , kraftfoods.de
- ↑ http://books.google.de/books?um=1&ie=ISO-8859-1&output=html&q=%22Philip+Morris%22+Kraft+1988+%22October+30%22+-Wikipedia&btnG=Nach+B%FCchern+suchen
- ↑ http://www.fundinguniverse.com/company-histories/Kraft-Foods-Inc-Company-History.html
- ↑ Manager Magazin
- ↑ Vollständige Trennung Altria stößt Kraft ab. handelsblatt.com, 31. März 2007, abgerufen am 21. Dezember 2009.
- ↑ EU-Entscheidung Danone Kekse gehen an Kraft. handelsblatt.com, 9. November 2007, abgerufen am 21. Dezember 2009.
- ↑ Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 20. Januar 2010, S. 11
- ↑ http://www.fr-online.de/wirtschaft/kraft-foods-gibt-milka-schokolade-an-mondelez-ab,1472780,16791794,view,asTicker.html fr-online.de: Kraft Foods gibt Milka-Schokolade an Mondelez ab]
- ↑ finanzen.net: Kraft Foods schlägt Erwartungen, erhöht Ausblick, plant Aufspaltung
- ↑ Rundschreiben von Kraft Foods Europe Procurement GmbH, Niederlassung Deutschland, März 2013
- ↑ Österreicher erfand Mondelez (orf.at, 2. Oktober 2012)
- ↑ Stephanie Strom: For Oreo, Cadbury and Ritz, a New Parent Company New York Times online 23. Mai 2012; New York edition, S. B3, 24. Mai 2012
- ↑ Largest Brands, kraft.com – alphabetisches Markenverzeichnis der Kraft-Gruppe
- ↑ http://www.mozartkugel.at/
- ↑ Tagesspiegel vom 24. Oktober 2011: Deutschlands beliebtester Kaffee kommt aus Neukölln
- ↑ http://www.moneyhouse.ch/firmensuche.htm?f=Kraft+Foods&o=&fr=on&ge=on
- ↑ Klaus Werner Lobo, Hans Weiss: Das neue Schwarzbuch Markenfirmen – Die Machenschaften der Weltkonzerne. Ullenstein, Berlin 2010, ISBN 978-3-548-37314-0, S. 160-162, 312 f.
- ↑ Schmutzige Schokolade. Reportage/Dokumentation von Miki Mistrati im Auftrag des NDR, 43:23 Minuten, deutsche Erstausstrahlung am 6. Oktober 2010 in Das Erste, abrufbar unter http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=8577084, Stelle: 40:02−41:30
- ↑ Pressemitteilung B11-18-08 des Bundeskartellamtes (PDF; 78 kB)
- ↑ Erneut Bußgelder gegen Kaffeeröster, dpa-Meldung vom 10. Juni 2010
- ↑ derwesten.de: Verbraucherzentrale warnt vor gestrecktem Kaffee
- ↑ verbraucher.de: Kaffee Melange: Weniger Kaffee – doppelter Gewinn
- ↑ Kaffeehersteller haben ihre Preise abgesprochen. In: Frankfurter Rundschau online vom 18. Oktober 2011, abgerufen am 18. Oktober 2011
- ↑ Cappuccino-Kartell muss neun Millionen Euro Geldbuße zahlen, dpa-Meldung vom 19. Oktober 2011
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