Kraftwerk Heyden

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Steinkohlekraftwerk Heyden
Kraftwerk Heyden aus der Luft
Kraftwerk Heyden aus der Luft
Lage
Steinkohlekraftwerk Heyden (Nordrhein-Westfalen)
Steinkohlekraftwerk Heyden
Koordinaten 52° 22′ 55,4″ N, 8° 59′ 54,1″ O52.3820578.998361Koordinaten: 52° 22′ 55,4″ N, 8° 59′ 54,1″ O
Land Nordrhein-Westfalen
Gewässer Weser
Daten
Primärenergie Steinkohle
Leistung 920 MW
Typ Dampfturbine
Eigentümer E.ON Kraftwerke GmbH
Betriebsaufnahme 7. Mai 1951
Schornsteinhöhe 225 m

Das Kraftwerk Heyden ist ein deutsches Steinkohlekraftwerk und eines von siebzehn Steinkohlekraftwerke des Betreibers E.ON AG. Es liegt in Lahde bei Petershagen im Kreis Minden-Lübbecke in Nordrhein-Westfalen und ist mit 875 Megawatt Nettoleistung das leistungsstärkste Steinkohlekraftwerk mit nur einem Block in Europa.

Geschichte[Bearbeiten]

Kraftwerk Heyden von Osten aus gesehen

Das Kraftwerk Lahde der PreussenElektra (1953 umbenannt in Kraftwerk Heyden) war das erste Kraftwerk, das in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Krieg ans Netz ging. Am 7. Mai 1951 produzierte es zum ersten Mal 120 Megawatt Leistung aus bis zu 54 Tonnen Steinkohle pro Stunde. Die Planungen für das Kraftwerk hatten schon 1939 durch die Vorläufer der Preussen Elektra begonnen.[1] Im April 1960 und August 1961 wurden zwei weitere Blöcke in Betrieb genommen um den steigenden Strombedarf zu decken. Mit der Stilllegung dieser drei Blöcke zu Beginn der 1980er Jahre begann zeitgleich der Bau von Block vier, der seit 1987 bis zu 875 Megawatt Energie (Netto) liefert. Am 3. Juli 2011 wurde im Werk das 60-jährigen Bestehen mit einem Tag der offenen Tür gefeiert.[2]

2012 ging das Kraftwerk wegen Revisionsarbeiten von Ende April bis Mitte Juli vom Netz. Dabei wurden bei 150 Tagen Stillstand die Technik für 40 Millionen Euro gewartet und modernisiert.[1] Die letzte Großrevision mit Stillstand der Anlage war 2005.[3]

Leistung[Bearbeiten]

Diese neue Anlage leistete zu Beginn 865 Megawatt. Durch ständige Modernisierung und Weiterentwicklung leistet der Steinkohle-Monoblock derzeit 920 Megawatt brutto und ist damit sowohl das leistungsstärkste Kohlekraftwerk der E.ON Kraftwerke GmbH als auch der derzeit größte Steinkohle-Monoblock Europas. Der Wirkungsgrad des Kraftwerkes liegt bei 42 Prozent.

Das Kraftwerk Heyden ist für den Einsatz in der Mittellast konzipiert. Abgesehen von Zeiten, in denen es nicht verfügbare Leistung zu ersetzen hat, wird es vorwiegend an Werktagen dem wechselnden Strombedarf entsprechend eingesetzt. Bei 3.000 bis 5.000 Volllastbenutzungsstunden pro Jahr leistet das Kraftwerk eine Jahresarbeit zwischen 2,5 und 4,2 Milliarden Kilowattstunden.

Nach der Energiewende 2011 wurde das Kraftwerk nicht mehr nur wie bisher im Mittellastbereich eingesetzt, sondern diene derzeit auch der Netzstabilisierung und arbeite im Grundlastbereich.[4]

Im Kraftwerk Heyden werden täglich bis zu drei Züge à 44 Waggons mit je 60 Tonnen Kohle angeliefert, zudem kann auch eine Anlieferung per Schiff erfolgen. Auf den Kohlehalden des Kraftwerkes können bis zu 143.000 Tonnen Steinkohle gelagert werden, der Tagesverbrauch liegt bei maximal 7000 Tonnen. Die Förderleistung der Großgeräte und Bandanlagen zum Beschicken der Halden und der Kohlebunker beträgt 1000 Tonnen pro Stunde.

Netzanschluss[Bearbeiten]

Der Netzanschluss erfolgt auf der 380-kV-Höchstspannungsebene in das Netz des Übertragungsnetzbetreibers Tennet TSO.[5]

Personal[Bearbeiten]

Das Kraftwerk Heyden wird seit 2009 im Verbund mit dem Kraftwerke Wilhelmshaven und dem Kraftwerk Huntdorf gefahren und nennt sich jetzt Kraftwerksgruppe Nord. Leiter von Heyden ist seit dem 1. Oktober 2009 Thomas Hohmann, nachdem er diese Stellung seit 2008 auch kommissarisch innehatte.[6] Kraftwerksleiter im Jahr 2012 ist Jörn Neumann.

Emission von Schadstoffen und Treibhausgasen[Bearbeiten]

Kritiker bemängeln am Kraftwerk Heyden die hohen Emissionen an Stickstoffoxiden, Schwefeloxiden, Quecksilber und Feinstaub, an dem Krebs erzeugende Substanzen (Blei, Cadmium, Nickel, PAK, Dioxine und Furane) haften können.[7] Eine von Greenpeace bei der Universität Stuttgart in Auftrag gegebene Studie kommt 2013 zu dem Ergebnis, dass die 2010 vom Kraftwerk Heyden ausgestoßenen Feinstäube und die aus Schwefeldioxid-, Stickoxid- und NMVOC-Emissionen gebildeten sekundären Feinstäube statistisch zu 40 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr führen (Rang 17 der deutschen Kohlekraftwerke, 432 "Years of Life Lost").[8][9]

Außerdem stehen angesichts des Klimawandels die CO2-Emissionen des Kraftwerkes in der Kritik von Umweltverbänden.[10][11]

Das Kraftwerk Heyden meldete folgende Emissionen im europäischen Schadstoffregister "PRTR":

Emissionen des Kraftwerks Heyden[12]
Luftschadstoff Emissionsmenge PRTR 2007 Emissionsmenge PRTR 2008 Emissionsmenge PRTR 2009 Emissionsmenge PRTR 2010 Emissionsmenge PRTR 2011 Emissionsmenge PRTR 2012
Kohlenstoffdioxid (CO2) 3.680.000.000 kg 3.970.000.000 kg 3.960.000.000 kg 3.870.000.000 kg 4.230.000.000 kg 2.540.000.000 kg
Stickstoffoxide (NOx/NO2) 2.560.000 kg 2.780.000 kg 2.610.000 kg 2.920.000 kg 3.250.000 kg 1.910.000 kg
Schwefeldioxide (als SOx/SO2) 1.900.000 kg 1.860.000 kg 1.660.000 kg 1.380.000 kg 2.050.000 kg 1.250.000 kg
Feinstaub (PM10) keine Angaben 59.200 kg 58.800 kg 86.700 kg 60.500 kg keine Angaben
Anorganische Fluorverbindungen (als HF) 72.800 kg 96.000 kg 77.200 kg 55.900 kg 70.500 kg 44.800 kg
Anorganische Chlorverbindungen (als HCl) 15.400 kg 16.300 kg keine Angaben 39.100 kg 66.500 kg 39.700 kg
Ammoniak (als NH3) 12.000 kg keine Angaben keine Angaben keine Angaben keine Angaben keine Angaben
Quecksilber und Verbindungen (als Hg) 28,6 kg 31,3 kg 28,4 kg 28,4 kg keine Angaben keine Angaben

Weitere typische Schadstoffemissionen wurden nicht berichtet, da sie im PRTR erst ab einer jährlichen Mindestmenge meldepflichtig sind, z.B. Dioxine und Furane ab 0,0001 kg, Cadmium ab 10 kg, Nickel ab 50 kg, Chrom sowie Kupfer ab 100 kg, Blei sowie Zink ab 200 kg, Ammoniak und Lachgas (N2O) ab 10.000 kg, Feinstaub (PM10) ab 50.000 kg, flüchtige organische Verbindungen außer Methan (NMVOC) ab 100.000 kg und Kohlenmonoxid ab 500.000 kg.[13]

Die Europäische Umweltagentur hat die Kosten der Umwelt- und Gesundheitsschäden der 28.000 größten Industrieanlagen in der Europa anhand der im PRTR gemeldeten Emissionsdaten mit den wissenschaftlichen Methoden der Europäischen Kommission abgeschätzt.[14] Danach liegt das Kraftwerk Heyden auf Rang 107 der Schadenskosten aller europäischen Industrieanlagen.[15]

Umwelt- und Gesundheitsschäden[15]
Verursacher Schadenskosten Einheit Anteil
Kraftwerk Heyden 181 - 264 Millionen Euro 0,2 - 0,3 %
Summe 28.000 Anlagen 102 - 169 Milliarden Euro 100 %

Literatur[Bearbeiten]

Kraftwerk Heyden, Informationsheft von E.ON, Stand Juni 2011

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kraftwerk Heyden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Mindener Tageblatt: Vom Feuer zum Strom Ausgabe vom 4. Februar 2013, abgerufen am 16. April 2013
  2. Homepage des Kraftwerks Heyden abgerufen 11. Juli 2011.
  3. Kraftwerk Heyden bleibt weiter zukunftsträchtig. In: Mindener Tageblatt. Printausgabe, 31. Mai 2012, S. 17.
  4. Petershagen / Steinkohlekraftwerk: „Sehr, sehr beeindruckend“. In: Schaumburger Nachrichten. zum Tag der Offenen Tür 2011. 5. Juli 2011, abgerufen am 1. Juni 2012
  5. Kraftwerksliste Bundesnetzagentur (bundesweit; alle Netz- und Umspannebenen) Stand 02.07.2012. Abgerufen am 23. Juli 2012 (Microsoft-Excel-Datei, 1,6 MiB).
  6. Neuer Leiter im Kraftwerk Heyden. In: Mindener Tageblatt. 12. Oktober 2009, abgerufen am 1. Juni 2012.
  7. Feinstaub-Quellen und verursachte Schäden, Umweltbundesamt (Dessau)
  8. Tod aus dem Schlot - Wie Kohlekraftwerke unsere Gesundheit ruinieren (PDF 3,3 MB) Greenpeace, Hamburg, 2013
  9. Assessment of Health Impacts of Coal Fired Power Stations in Germany - by Applying EcoSenseWeb (Englisch, PDF 1,2 MB) Philipp Preis/Joachim Roos/Prof. Rainer Friedrich, Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung, Universität Stuttgart, 28. März 2013
  10. Kohlestrom hat keine Zukunft – Klimaschutz jetzt! Internetinformation zur Stromgewinnung aus Kohlekraftwerken, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Zugriff am 21. April 2014
  11. Energiepolitik - Die Zeit drängt Internetinformation zur Energiewende in Deutschland, WWF, Zugriff am 21. April 2014
  12. PRTR - Europäisches Emissionsregister
  13. PRTR-Verordnung 166/2006/EG über die Schaffung eines Europäischen Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregisters und zur Änderung der Richtlinien 91/689/EWG und 96/61/EG des Rates
  14. Kosten-Nutzen-Anlalyse zur Luftreinhaltepolitik, Clean Air for Europe (CAFE) Programm, Europäische Kommission
  15. a b Revealing the costs of air pollution from industrial facilities in Europe (Offenlegung der Kosten der Luftverschmutzung aus Industrieanlagen in Europa), Europäische Umweltagentur, Kopenhagen, 2011