Kraftwerk Irsching

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Kraftwerk Irsching
Kraftwerk Irsching, Block 1 (Vordergrund) bis 3
Kraftwerk Irsching, Block 1 (Vordergrund) bis 3
Lage
Kraftwerk Irsching (Bayern)
Kraftwerk Irsching
Koordinaten 48° 46′ 3″ N, 11° 34′ 48″ O48.767511.58Koordinaten: 48° 46′ 3″ N, 11° 34′ 48″ O
Land Deutschland
Daten
Primärenergie Fossile Energie
Brennstoff Erdgas, Mineralöl
Typ Gas-und-Dampf-Kraftwerk
Eigentümer E.ON Kraftwerke GmbH
Gemeinschaftskraftwerk Irsching GmbH (GKI)[1]
Betreiber E.ON Kraftwerke GmbH
Projektbeginn 1969[2]
Website www.kraftwerk-irsching.com

Das Kraftwerk Irsching liegt nahe der Stadt Vohburg an der Donau und besitzt insgesamt fünf Kraftwerksblöcke. Basis der Blöcke 1 bis 3 ist die Verfeuerung von Erdgas oder leichtem Heizöl in einem Feuerungskessel, wobei von diesen drei Blöcken derzeit nur der dritte Block mit 415 Megawatt in Betrieb ist. In den Blöcken 4 und 5 wird Erdgas in einem GuD-Prozess verheizt.

Geschichte[Bearbeiten]

Vohburg Eon1.jpg
Vohburg Eon2Bau.jpg
Kraftwerk Irsching (links: Block 1 bis 3; rechts: Block 5)

Das Kraftwerk Irsching wurde in den sechziger und siebziger Jahren auf einem Gelände zwischen Vohburg und Irsching errichtet. Im Jahr 1969 ging der 1. Block mit einer Leistung von 151 Megawatt in Betrieb. In den Folgejahren wurden die Blöcke 2 und 3 mit Leistungen von 312 und 415 Megawatt in Betrieb genommen. Ursprünglich waren die drei Blöcke auf die Verfeuerung von schwerem Heizöl aus der nahegelegenen Bayernoil-Raffinerie (damals noch BP) ausgelegt. Im Laufe der Zeit erfolgte der Umbau auf die schadstoffärmere Verbrennung von leichtem Heizöl bzw. Erdgas. Das Kraftwerk deckte bis zur Inbetriebnahme von Isar 1 die Grundlast der Netze der Isar-Amperwerke. Mittlerweile ist Block 1 vollständig stillgelegt, Block zwei befindet sich in Kaltreserve. Block 3 wird gelegentlich zur Spitzenlasterzeugung eingesetzt. Mit den neuen Blöcken 4 und 5 entstanden bzw. entstehen moderne Anlagen mit guten Wirkungsgraden um 60 %. Unter anderem ist in der Anlage die derzeit leistungsstärkste Gasturbine der Welt Siemens SGT5-8000H in Betrieb.

Am 31. Dezember 1987 kam es zu einem Zwischenfall, als eine der beiden Niederdruckturbinen während eines Kaltstarts zu Bruch ging und ein 1300 kg schweres Teil des Turbinenläufers 1,3 km weit geschleudert wurde. Verletzt wurde dabei niemand. Ein Teil der damals zerstörten Welle ist heute im Kraftwerk ausgestellt.

Im Jahr 2008 wurde nur Block 3 mit einer elektrischen Leistung von 415 MW betrieben.[3] Block 1 mit einer ehemaligen Kapazität von 150 MW ist stillgelegt. Block 2 mit einer Kapazität von 300 MW, wird als Kaltreserve vorgehalten.

Bis 2008 wurde am Standort eine Versuchsgasturbine der neuesten Generation von Siemens Energy[4] errichtet. Die Gasturbine des Typ SGT5-8000H wurde als Block 4[5] gebaut und nach Abschluss der Testreihen um eine Dampfturbine zu einem vollwertigen Einwellen-Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerksblock ergänzt. Der Wirkungsgrad liegt nominell bei 60,4 %; bei einem Testlauf im Mai 2011 wurden sogar 60,75 % erreicht, womit Irschings Block 4 einer der effizientesten weltweit ist.[6] Die Inbetriebnahme des als Kraftwerk Ulrich Hartmann bezeichneten Blockes erfolgte am 15. September 2011.[7] Im Jahr 2012 war das für wenigstens 4000 Betriebsstunden pro Jahr ausgelegte Kraftwerk nur 2000 Stunden am Netz. Der Betrieb gilt angesichts niedriger Börsenstrompreise als nicht kostendeckend.[8]

Ein weiteres GuD-(Gas- und Dampfturbinen)-Kraftwerk mit zwei Gasturbinen und einer Dampfturbine mit einem Wirkungsgrad von 59,7 % wurde als Block 5 gebaut und ging 2010 in Betrieb. Die Kamine der alten Blöcke sind 200 Meter hoch.

Block 5[Bearbeiten]

Der fünfte Block wurde von der Gemeinschaftskraftwerk Irsching GmbH (GKI) innerhalb von zwei Jahren errichtet und wird von der E.ON Kraftwerke GmbH betrieben. Der Block besteht aus zwei Gasturbinen und einer Dampfturbine.[9] Der Wirkungsgrad der Anlage beträgt 59,7 %, die elektrische Leistung 860 MW. Das Kraftwerk ist seit März 2010 in Betrieb.[10]

Neben der E.ON Kraftwerke gehört die GKI der N-ERGIE, der Mainova und der HSE.[1] Sie haben rund 400 Millionen Euro in Irsching 5 investiert.[11]

Im Dezember 2012 verkündeten Mainova, N-ERGIE und HSE in einem Brief an die Politik, den Block 5 für mindestens zwei Jahre stilllegen zu wollen, da ein rentabler Betrieb derzeit nicht möglich sei.[12] Dies wurde am nächsten Tag von N-ERGIE dementiert, es gebe keinen Beschluss für eine Stilllegung.[13] Grund für den nicht rentablen Betrieb ist die veränderte Situation am Strommarkt. Durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien einerseits und die stark rückläufige Stromnachfrage in Südeuropa infolge der Eurokrise fielen die Strompreise an der Strombörse auf ein sehr niedriges Niveau, während die Gaspreise deutlich höher liegen und die Kraftwerksbetreiber durch feste Mindestabnahmen gebunden sind. Zudem führt der massive Preisverfall der Emissionsrechte im EU-Emissionshandel dazu, dass statt Gaskraftwerken vermehrt Kohlekraftwerke zum Einsatz kommen und Gaskraftwerke nur noch selten benötigt werden.

E.ON kündigte im Rahmen des bayrischen Energiegipfels am 7. Dezember 2012 an, dass Irsching 5 mindestens bis März 2013 betriebsbereit gehalten werden soll und bis dahin eine Lösung für den Weiterbetrieb gefunden werden müsse.[14] Im Jahr 2011 produzierte das Kraftwerk Strom in mehr als 4.000 Betriebsstunden, 2012 waren es hingegen nur noch rund 1.600 Betriebsstunden (Stand Anfang November 2012).[15]

Im März 2013 erklärte der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP), Irsching 5 würde aus Gründen der Netzstabilität auf jeden Fall in Betrieb bleiben, notfalls auch gegen den Willen der Betreiber. Zugleich äußerte es sich kritisch gegenüber den Kraftwerksbetreibern, die seiner Meinung nach die Öffentlichkeit verunsicherten, um damit Druck auf die Politik aufzubauen.[16]

Im April 2013 forderte Eon-Chef Johannes Teyssen 100 Millionen vom Staat, um das Kraftwerk dauerhaft in Betrieb zu halten.[17]

Umweltauswirkungen[Bearbeiten]

Moderne GuD-Kraftwerke wie die Blöcke 4 und 5 gehören zu den effizientesten fossilen Kraftwerken. Aufgrund des hohen Wirkungsgrades und der damit einhergehenden guten Brennstoffausnutzung sowie des Einsatzes von Erdgas als Brennstoff liegen die Kohlendioxidemissionen verglichen mit Kohlekraftwerken auf relativ niedrigem Niveau. Diese betragen z. B. bei Block 4, der mit 60,4 % Wirkungsgrad derzeit den Weltrekord für Gaskraftwerke ohne Kraft-Wärme-Kopplung hält, nur knapp über 330 g CO2 pro kWh.[18] Damit liegen die Emissionen nur etwa bei einem Drittel eines Braunkohlekraftwerkes, allerdings auch deutlich höher als bei Stromerzeugung durch Erneuerbare Energien wie Windenergie oder Photovoltaik.

Daten der Kraftwerksblöcke[Bearbeiten]

Block Brenn­stoff Brutto­leistung Netto­leistung Fernwärme­leistung Netto­wirkungsgrad Bau­beginn Inbetrieb­nahme Bemerkung
1 Schweröl 151 MW 1969 2006 stillgelegt
2 Erdgas, leichtes Heizöl 312 MW 1972 2012 stillgelegt
3 Erdgas, leichtes Heizöl 415 MW 39 % 1974 bis März 2016 betriebsbereitschaft
4 Erdgas 569 MW 561 MW 60,4 % 2006 2011 seit 2013 Reservekraftwerk im Auftrag von Tennet
5 Erdgas 860 MW 845 MW 59,7 % 2008 2010 seit 2013 Reservekraftwerk im Auftrag von Tennet

Angaben aus Quellen [6] [19] [20] [21] [22] [23] [24] [25]

Netzanschluss[Bearbeiten]

Der Netzanschluss der Blöcke 3 bis 5 erfolgt auf der 380-kV-Höchstspannungsebene in das Stromnetz des Übertragungsnetzbetreibers Tennet TSO.[26]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kraftwerk Irsching – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Kraftwerk Irsching. E.ON Kraftwerke GmbH, abgerufen am 1. Juni 2011: „Der Standort Irsching stellt sich vor“

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Hocheffizientes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk setzt neue Maßstäbe – 860 MW-Kraftwerk erreicht Wirkungsgrad von 59,7 Prozent Pressemitteilung vom 17. Mai 2010 von E.ON. Abgerufen am 27. Juli 2011.
  2. Kraftwerk Irsching - Porträt. Abgerufen am 12. Februar 2011.
  3. Daten & Fakten. Website des Betreibers, abgerufen am 21. Februar 2012
  4. [1] Pressemitteilung von Siemens
  5. [2] Vortrag Optimierung des Erzeugungsportfolios
  6. a b J. Hofer, A. Höpner: Riesen-Turbine von Siemens knackt Weltrekord. In: Handelsblatt. vom 20. Mai 2011
  7. Kraftwerk Ulrich Hartmann im bayerischen Irsching eingeweiht. Pressemitteilung von E.ON. Abgerufen am 15. September 2011.
  8.  J. Flauger, A. Höpner: Die Abrechnung. In: Handelsblatt. 8. Juli 2013, ISSN 0017-7296, S. 4.
  9. Irsching 5 Großkraftwerk geht ans Netz. in: BR Alpha - Wissen - Forschung. Abgerufen am 26. Juni 2011.
  10. Porträt des Kraftwerks Irsching Abgerufen am 6. März 2013.
  11. http://www.mainova.de/unternehmen/presse/2835.html
  12. Gaskraftwerk Irsching 5 soll zeitweise ruhen. Stromproduktion aus Gas nicht mehr rentabel. In: tagesschau.de. Norddeutscher Rundfunk, 5. Dezember 2012, abgerufen am 5. Dezember 2012.
  13. N-Ergie dementiert Stilllegung: Irsching 5 bleibt am Netz. In: Nürnberger Zeitung, 6. Dezember 2012. Abgerufen am 6. Dezember 2012.
  14. Irsching 5 bleibt am Netz. In: Donaukurier, 7. Dezember 2012. Abgerufen am 7. Dezember 2012.
  15. Gaskraftwerk Irsching 5 bleibt am Netz Abgerufen am 21. Dezember 2012.
  16. Irsching 5 bleibt am Netz. In: MittelbayerischeZeitung, 13. März 2013. Abgerufen am 13. März 2013.
  17. Gaskraftwerk Irsching gerettet - Stromkunden zahlen. In: Manager-Magazin, 18. April 2013. Abgerufen am 15. Juni 2013.
  18. Gas und Dampfturbinenkraftwerk Irsching bietet bisher unerreichte Effizienz. In: VDI Nachrichten. Abgerufen am 10. Juni 2011.
  19. Kraftwerk Irsching - Porträt. Abgerufen am 14. Juli 2011.
  20. Kraftwerk Irsching - Daten & Fakten. Abgerufen am 14. Juli 2011.
  21. Kraftwerk Irsching - Historie. Abgerufen am 14. Juli 2011.
  22. Kraftwerk Irsching - Technische Daten Block 4 (Kraftwerk Ulrich Hartmann). Abgerufen am 14. Juli 2011 (PDF; 659 kB).
  23. Kraftwerk Irsching - Technische Daten Block 5. Abgerufen am 14. Juli 2011.
  24. Erdgas statt Atomkraft. Sauber, aber teuer. In: Spiegel Online, 13. Juli 2011. Abgerufen am 13. Juli 2011.
  25. http://www.eon.com/content/eon-com/de/about-us/structure/asset-finder/irsching.html
  26. Kraftwerksliste Bundesnetzagentur (bundesweit; alle Netz- und Umspannebenen) Stand 02.07.2012. Abgerufen am 21. Juli 2012 (Microsoft-Excel-Datei, 1,6 MiB).