Kraftwerk Irsching

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Kraftwerk Irsching
Kraftwerk Irsching, Block 1 (Vordergrund) bis 3
Kraftwerk Irsching, Block 1 (Vordergrund) bis 3
Lage
Kraftwerk Irsching (Bayern)
Kraftwerk Irsching
Koordinaten 48° 46′ 3″ N, 11° 34′ 48″ O48.767511.58Koordinaten: 48° 46′ 3″ N, 11° 34′ 48″ O
Land Deutschland
Daten
Primärenergie Fossile Energie
Brennstoff Erdgas, Mineralöl
Typ Gas-und-Dampf-Kraftwerk
Eigentümer E.ON Kraftwerke GmbH
Gemeinschaftskraftwerk Irsching GmbH (GKI)[1]
Betreiber E.ON Kraftwerke GmbH
Projektbeginn 1969[2]
Website www.kraftwerk-irsching.com

Das Kraftwerk Irsching liegt nahe der Stadt Vohburg an der Donau und besitzt insgesamt fünf Kraftwerksblöcke. Die Blöcke 1 bis 3 haben je einen Feuerungskessel zur Verbrennung von Erdgas oder leichtem Heizöl. Block 1 wurde 2006 stillgelegt, Block 2 wurde Ende 2012 – nach 17 Jahren Kaltreserve – stillgelegt. Block 3 (415 Megawatt, Wirkungsgrad 39 Prozent) dient ausschließlich dem Erhalt der Netzstabilität und wird durch Tennet gesteuert.[3] In den Blöcken 4 und 5 kann Erdgas in einem GuD-Prozess verstromt werden. Der Wirkungsgrad beträgt etwa 60 %. Die Gasturbine Siemens SGT5-8000H war bei ihrer Inbetriebnahme die leistungsstärkste weltweit.

Die Kamine der Blöcke 1 bis 3 sind 200 Meter hoch.

Geschichte[Bearbeiten]

Vohburg Eon1.jpg
Vohburg Eon2Bau.jpg
Kraftwerk Irsching (links: Block 1 bis 3; rechts: Block 5)

Das Kraftwerk Irsching steht auf einem Gelände zwischen Vohburg und Irsching. Im Jahr 1969 ging Block 1 (Leistung 151 Megawatt) in Betrieb. Später wurde Block 2 (415 Megawatt) und 1974 Block 3 in Betrieb genommen. Ursprünglich waren die drei Blöcke auf die Verfeuerung von schwerem Heizöl aus der nahegelegenen Bayernoil-Raffinerie (damals noch BP) ausgelegt. Im Laufe der Zeit erfolgte der Umbau auf die schadstoffärmere Verbrennung von leichtem Heizöl bzw. Erdgas. Das Kraftwerk deckte bis zur Inbetriebnahme von Isar 1 Ende der 1970er Jahre die Grundlast der Netze der Isar-Amperwerke.

Am 31. Dezember 1987 kam es zu einem Zwischenfall, als eine der beiden Niederdruckturbinen während eines Kaltstarts zu Bruch ging und ein 1300 kg schweres Teil des Turbinenläufers 1,3 km weit geschleudert wurde. Niemand wurde verletzt. Ein Teil der damals zerstörten Welle ist heute im Kraftwerk ausgestellt.

Bis 2008 wurde am Standort eine Versuchsgasturbine der neuesten Generation von Siemens Energy[4] errichtet. Die Gasturbine des Typ SGT5-8000H wurde als Block 4[5] gebaut und nach Abschluss der Testreihen um eine Dampfturbine zu einem vollwertigen Einwellen-Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerksblock ergänzt. Der Wirkungsgrad beträgt nominell 60,4 %; bei einem Testlauf im Mai 2011 wurden 60,75 % erreicht, womit Block 4 einer der effizientesten weltweit ist.[6] Der als Kraftwerk Ulrich Hartmann bezeichnete Block wurde am 15. September 2011 in Betrieb genommen.[7] Im Jahr 2012 war das für wenigstens 4000 Betriebsstunden pro Jahr ausgelegte Kraftwerk nur 2000 Stunden am Netz. Der Betrieb gilt angesichts niedriger Börsen-Strompreise als nicht kostendeckend.[8]

Block 5 ging 2010 in Betrieb. Er ist ein GuD-(Gas- und Dampfturbinen)-Kraftwerk mit zwei Gasturbinen und einer Dampfturbine mit einem Wirkungsgrad von 59,7 %.

Block 5[Bearbeiten]

Der fünfte Block wurde von Siemens im Auftrag der Gemeinschaftskraftwerk Irsching GmbH (GKI) innerhalb von zwei Jahren schlüsselfertig errichtet.[9] Er wird von der E.ON Kraftwerke GmbH betrieben. Der Block besteht aus zwei Gasturbinen und einer Dampfturbine.[10] Sein Wirkungsgrad beträgt 59,7 %, die elektrische Leistung 860 MW. Der Block ist seit März 2010 in Betrieb.[11]

Eigentümer von GKI-Anteilen sind E.ON Kraftwerke, N-ERGIE, Mainova und HEAG Südhessische Energie (HSE).[1] Sie haben rund 400 Millionen Euro in Irsching 5 investiert.[12]

Im Dezember 2012 verkündeten Mainova, N-ERGIE und HSE in einem Brief an die Politik, den Block 5 für mindestens zwei Jahre[veraltet] stilllegen zu wollen, da ein rentabler Betrieb derzeit nicht möglich sei.[13] Dies wurde am nächsten Tag von N-ERGIE dementiert; es gebe keinen Beschluss für eine Stilllegung.[14] Grund für den nicht rentablen Betrieb ist die veränderte Situation am Strommarkt. Durch verschiedene Faktoren, darunter den Ausbau der Erneuerbaren Energien und die gesunkene Stromnachfrage in Südeuropa im Zuge der Eurokrise, sanken die Strompreise an der Strombörse auf ein sehr niedriges Niveau; die Gaspreise waren relativ hoch und die Kraftwerksbetreiber durch feste Mindestabnahmemengen gebunden. Zudem führt der geringe Preis der Emissionsrechte im EU-Emissionshandel dazu, dass statt Gaskraftwerken vermehrt Kohlekraftwerke zum Einsatz kommen und Gaskraftwerke nur noch selten benötigt werden.

E.ON kündigte im Rahmen des bayrischen Energiegipfels am 7. Dezember 2012 an, Irsching 5 mindestens bis März 2013 betriebsbereit zu halten; bis dahin müsse eine Lösung für den Weiterbetrieb gefunden werden.[15] Im Jahr 2011 produzierte das Kraftwerk Strom in mehr als 4.000 Betriebsstunden; Stand Anfang November 2012 waren es nur rund 1.600 Betriebsstunden.[16]

Im März 2013 erklärte der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP, Kabinett Seehofer I), Irsching 5 werde aus Gründen der Netzstabilität auf jeden Fall in Betrieb bleiben, notfalls auch gegen den Willen der Betreiber. Zugleich äußerte er sich kritisch über die Kraftwerksbetreiber: sie würden die Öffentlichkeit verunsichern, um damit Druck auf die Politik aufzubauen.[17]

Im April 2013 forderte Eon-Chef Johannes Teyssen 100 Millionen Euro pro Jahr, um das Kraftwerk dauerhaft in Betrieb zu halten.[18]

Ende März 2015 kündigten die Eigentümer an, Block 5 aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit infolge der aktuellen politischen Rahmenbedingungen des Energiemarktes, in dem Gaskraftwerke kaum mehr zum Einsatz kommen, zum 1. April 2016 stilllegen zu wollen. Selbiges kündigte E.on, Eigentümer des Blockes 4, für Block 4 an. Nach Angaben der Eigentümer kamen die Blöcke 4 und 5 im Jahr 2014 nicht am konventionellen Strommarkt zum Einsatz, sondern ausschließlich dann, "wenn ihre Leistung zur Stabilisierung des Stromsystems gebraucht wurde"[19].[20][21]

Ende Mai 2015 schaltet E.on das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld endgültig ab.[22] Der Wegfall seiner 1275 MW (netto) verändert die energiewirtschaftliche Situation in Bayern.

Umweltauswirkungen[Bearbeiten]

Moderne GuD-Kraftwerke wie die Blöcke 4 und 5 gehören zu den effizientesten fossilen Kraftwerken. Aufgrund des hohen Wirkungsgrades und der damit einhergehenden guten Brennstoffausnutzung sowie des Einsatzes von Erdgas als Brennstoff sind die Kohlendioxidemissionen deutlich geringer als bei Kohlekraftwerken. Diese betragen z. B. bei Block 4 knapp über 330 g CO2 pro kWh.[23] Damit liegen die Emissionen nur etwa bei einem Drittel eines Braunkohlekraftwerkes, allerdings auch deutlich höher als bei Stromerzeugung durch Erneuerbare Energien wie Windenergie oder Photovoltaik.

Daten der Kraftwerksblöcke[Bearbeiten]

Block Brenn­stoff Brutto­leistung Netto­leistung Fernwärme­leistung Netto­wirkungsgrad Bau­beginn Inbetrieb­nahme Bemerkung
1 Schweröl 151 MW 1969 2006 stillgelegt
2 Erdgas, leichtes Heizöl 312 MW 1972 2012 stillgelegt
3 Erdgas, leichtes Heizöl 415 MW 39 % 1974 bis März 2016 Betriebsbereitschaft
4 Erdgas 569 MW 561 MW 60,4 % 2006 2011 seit 2013 Reservekraftwerk im Auftrag von Tennet
5 Erdgas 860 MW 845 MW 59,7 % 2008 2010 seit 2013 Reservekraftwerk im Auftrag von Tennet

Angaben aus Quellen [6] [24] [25] [26] [27] [28] [29] [30]

Netzanschluss[Bearbeiten]

Der Netzanschluss der Blöcke 3 bis 5 erfolgt auf der 380-kV-Höchstspannungsebene in das Stromnetz des Übertragungsnetzbetreibers Tennet TSO.[31]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kraftwerk Irsching – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Kraftwerk Irsching. E.ON Kraftwerke GmbH, abgerufen am 1. Juni 2011: „Der Standort Irsching stellt sich vor“

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Hocheffizientes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk setzt neue Maßstäbe – 860 MW-Kraftwerk erreicht Wirkungsgrad von 59,7 Prozent Pressemitteilung vom 17. Mai 2010 von E.ON. Abgerufen am 27. Juli 2011.
  2. Kraftwerk Irsching - Porträt. Abgerufen am 12. Februar 2011.
  3. eon.com Zitat: „Für beide Blöcke - insgesamt rund 1.400 MW Kapazität – wurde mit dem Netzbetreiber TenneT und der Bundesnetzagentur eine Vereinbarung getroffen, die bis zum 31. März 2016 gilt: Die Kraftwerke werden einerseits dem Markt und gleichzeitig der TenneT zur Sicherung der Netzstabilität bereitgestellt.“ (abgerufen am 7. März 2015)
  4. [1] Pressemitteilung von Siemens
  5. [2] Vortrag Optimierung des Erzeugungsportfolios
  6. a b J. Hofer, A. Höpner: Riesen-Turbine von Siemens knackt Weltrekord. In: Handelsblatt. vom 20. Mai 2011
  7. Kraftwerk Ulrich Hartmann im bayerischen Irsching eingeweiht. Pressemitteilung von E.ON. Abgerufen am 15. September 2011.
  8.  J. Flauger, A. Höpner: Die Abrechnung. In: Handelsblatt. 8. Juli 2013, ISSN 0017-7296, S. 4.
  9. siemens.de: Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk setzt neue Maßstäbe
  10. Irsching 5 Großkraftwerk geht ans Netz. in: BR Alpha - Wissen - Forschung. Abgerufen am 26. Juni 2011.
  11. Porträt des Kraftwerks Irsching Abgerufen am 6. März 2013.
  12. mainova.de
  13. Gaskraftwerk Irsching 5 soll zeitweise ruhen. Stromproduktion aus Gas nicht mehr rentabel. In: tagesschau.de. Norddeutscher Rundfunk, 5. Dezember 2012, abgerufen am 5. Dezember 2012.
  14. N-Ergie dementiert Stilllegung: Irsching 5 bleibt am Netz. In: Nürnberger Zeitung, 6. Dezember 2012. Abgerufen am 6. Dezember 2012.
  15. Irsching 5 bleibt am Netz. In: Donaukurier, 7. Dezember 2012. Abgerufen am 7. Dezember 2012.
  16. Gaskraftwerk Irsching 5 bleibt am Netz Abgerufen am 21. Dezember 2012.
  17. Irsching 5 bleibt am Netz. In: MittelbayerischeZeitung, 13. März 2013. Abgerufen am 13. März 2013.
  18. Gaskraftwerk Irsching gerettet - Stromkunden zahlen. In: Manager-Magazin, 18. April 2013. Abgerufen am 15. Juni 2013.
  19. Gemeinsame Presseerklärung (30. März 2015) Keine wirtschaftliche Perspektive: Eigentümer der Gaskraftwerke Irsching 4 und 5 zeigen Stilllegung an.
  20. Seehofer sieht noch Perspektive für Irsching. In: Nordbayerische Zeitung, 6. April 2015. Abgerufen am 6. April 2015.
  21. Warum das modernste Gaskraftwerk im Land keinen Strom produziert. In: Süddeutsche Zeitung, 6. März 2015. Abgerufen am 6. April 2015.
  22. Pressemitteilung vom 28. März 2014
  23. Gas und Dampfturbinenkraftwerk Irsching bietet bisher unerreichte Effizienz. In: VDI Nachrichten. Abgerufen am 10. Juni 2011.
  24. Kraftwerk Irsching - Porträt. Abgerufen am 14. Juli 2011.
  25. Kraftwerk Irsching - Daten & Fakten. Abgerufen am 14. Juli 2011.
  26. Kraftwerk Irsching - Historie. Abgerufen am 14. Juli 2011.
  27. Kraftwerk Irsching - Technische Daten Block 4 (Kraftwerk Ulrich Hartmann). Abgerufen am 14. Juli 2011 (PDF; 659 kB).
  28. Kraftwerk Irsching - Technische Daten Block 5. Abgerufen am 14. Juli 2011.
  29. Erdgas statt Atomkraft. Sauber, aber teuer. In: Spiegel Online, 13. Juli 2011. Abgerufen am 13. Juli 2011.
  30. http://www.eon.com/content/eon-com/de/about-us/structure/asset-finder/irsching.html
  31. Kraftwerksliste Bundesnetzagentur (bundesweit; alle Netz- und Umspannebenen) Stand 02.07.2012. Abgerufen am 21. Juli 2012 (Microsoft-Excel-Datei, 1,6 MiB).