Krailling

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Krailling
Krailling
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Krailling hervorgehoben
48.111.4548Koordinaten: 48° 6′ N, 11° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Starnberg
Höhe: 548 m ü. NHN
Fläche: 16 km²
Einwohner: 7505 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 469 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 82152,
82205 (Hüll),
82349 (Frohnloh, Pentenried)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 089
Kfz-Kennzeichen: STA, WOR
Gemeindeschlüssel: 09 1 88 127
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rudolf-von-Hirsch-Str. 1
82152 Krailling
Webpräsenz: www.krailling.de
Bürgermeisterin: Christine Borst (CSU)
Lage der Gemeinde Krailling im Landkreis Starnberg
Ammersee Starnberger See Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landkreis Fürstenfeldbruck Landkreis Landsberg am Lech Landkreis München Landkreis Weilheim-Schongau München Andechs Berg (Starnberger See) Feldafing Gauting Gilching Herrsching am Ammersee Inning am Ammersee Krailling Pöcking Seefeld (Oberbayern) Starnberg Tutzing Weßling Wörthsee (Gemeinde)Karte
Über dieses Bild
Schloss und Hofmark Krailling, ca. 1700
Rathaus Krailling

Krailling ist eine Gemeinde im nordöstlichen Landkreis Starnberg, Oberbayern. Sie grenzt unmittelbar an den Landkreis München und gilt auch als Vorort der Stadt München.

Geographie[Bearbeiten]

Krailling liegt in der Planungsregion München. Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 16,0 km². Der Ort liegt im Würmtal, etwa 14 Kilometer nördlich der Kreisstadt Starnberg und vier Kilometer südwestlich von München.

Das Siedlungsgebiet ist mit dem der Gemeinde Planegg zusammengewachsen, gehört auch zur Pfarrei Planegg und hat dieselbe Postleitzahl, gehört aber im Gegensatz zu Planegg nicht zum Landkreis München, sondern zum Landkreis Starnberg. Krailling ist der nördlichste Ort des Landkreises Starnberg, ist jedoch der Telefonvorwahl von München (089) zugeordnet. Die weit verstreuten Ortsteile von Krailling sind Pentenried, Frohnloh, Gut Hüll, sowie das mitten in dem Waldgebiet Kreuzlinger Forst liegende Gewerbegebiet „KIM“ (Kraillinger Innovations-Meile). Es existieren folgende Gemarkungen: Frohnloh, Krailling.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ältesten nachgewiesenen Besiedlungsspuren in Krailling stammen aus der Zeit von 150 bis 100 v. Chr. Auf dem Grundstück der Linner-Mühle wurden mehrere keltische Schmuckstücke, Scherben und Hauspfosten gefunden. Damit ist Krailling zusammen mit Buchendorf und Steinebach am Wörthsee eine der wenigen keltischen Siedlungen im Süden Münchens.[2]

Aus der Zeit von 200 bis 300 n. Chr. stammt ein ebenfalls dort gefundener Töpferofen sowie eine Abfallgrube. Römische Siedlungsspuren wurden allerdings nicht gefunden. Zahlreiche Funde belegen auch eine bajuwarische Siedlung am Würmufer von 600 bis 900 n. Chr.[3] Bis Ende des 18. Jahrhunderts war Krailling Sitz einer Hofmark der Freiherren von Ruffin. Diese Hofmark war Teil des Kurfürstentums Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene im Gemeindeteil Pentenried an, der seither maßgeblich von dieser Bevölkerungsgruppe geprägt wurde. Seit 1975 besteht eine Städtepartnerschaft mit Paulhan im Département Hérault/Südfrankreich.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Kraillinger Innovations-Meile[Bearbeiten]

Die Kraillinger Innovations-Meile (KIM) ist ein 1996 gegründetes Gewerbegebiet, das etwa 100 kleinen und mittleren Unternehmen Platz bietet. Das ca. 90.000 m² große Areal ist auf dem ehemaligen Pionierübungsplatz der Bundeswehr im Kreuzlinger Forst platziert und grenzt an die Nachbargemeinden Gauting und Germering. Über ein Anschlussgleis, das am Bahnhof München-Freiham von der Bahnstrecke München–Herrsching abzweigt, ist die KIM an das Schienennetz der Deutschen Bahn angeschlossen.

Verkehr[Bearbeiten]

Krailling wird im öffentlichen Nahverkehr durch Linienbusse erschlossen. Die nächsten Bahnhöfe in Planegg, Stockdorf und Gauting gehören zum Netz der S-Bahn München. Auf Kraillinger Gebiet befindet sich kein Bahnhof.

Hauptdurchgangstraße des Kraillinger Zentrums ist die Gautinger Straße, die parallel zur Würm verläuft. Die westlich gelegenen Teile werden unter anderem durch die Pentenrieder Straße mit dem Kraillinger Zentrum verbunden, wobei diese Ortsteile seit langem infrastrukturell eher in Richtung Gauting orientiert sind.

Politik[Bearbeiten]

Die Sitzverteilung im Gemeinderat.
Jahr CSU SPD Grüne FDP FBK UWK gesamt Wahlbeteiligung in %
2008 10 2 3 2 2 1 20 64,0
2002 11 3 1 1 2 2 20 66,8

FBK = Freie Bürgergemeinschaft Krailing
UWK = Unabhängige Wähler Krailing

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch Liste der Baudenkmäler in Krailling

Bauwerke[Bearbeiten]

Das Wahrzeichen des Ortes ist die Margaretenkirche. Sie wurde 1315 erstmals urkundlich erwähnt. 1747 erhielt sie heutiges Erscheinungsbild mit dem markanten Zwiebelturm. Die Kirche wurde in den Jahren 2005/2006 von außen komplett renoviert.

Fundamente und Keller des ehemaligen Schlosses wurden bei archäologischen Ausgrabungen im Jahr 2005 gefunden. Die Kellerfundamente wurden freigelegt und mit einer Überdachung konserviert. Steinbegrenzungen zeigen die frühere Ausdehnung und eine Tafel erläutert die Geschichte des Hofmarkschlosses.

Die Villa des Architekten Martin Dülfer (1902), einem der Wegbereiter des Jugendstils in Deutschland, hat eine reizvolle barockisierende Jugendstilfassade. Leider ist die organisch-abstrakte Stuckdekoration nicht mehr erhalten.

Architektonisch bemerkenswert ist das „Schwarze Haus“, ein Einfamilienhaus der Stammarbeitersiedlung der Oberbayerischen Heimstätte (1936–1937), das 2006 von Peter Haimerl mit einer veränderten Fensteranordnung versehen und mit Bitumenschindeln verkleidet wurde.

Denkmal[Bearbeiten]

Todesmarsch aus dem KZ Dachau[4]

Seit 1989 erinnert eine Bronze-Skulptur des Bildhauers Hubertus von Pilgrim an der Gautinger Straße an den von der SS überwachten Todesmarsch Tausender Häftlinge aus dem KZ Dachau vom April 1945. 20 identische Plastiken stehen weiterhin an der gesamten Marschroute.[5] Eine Kopie des Denkmals steht seit 1992 als Geschenk der Gemeinde Gauting in der Shoa-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.[6]

Schulen[Bearbeiten]

Krailling hat eine Grundschule (Grundschule Krailling) sowie ein gemeinsames Gymnasium mit Planegg (Feodor-Lynen-Gymnasium).

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Der Maler Otto Ackermann-Pasegg (1882–1959)[7] verstarb in Krailling.
  • Der Volksschauspieler Gustl Bayrhammer (1922–1993) verstarb in Krailling und wurde dort beigesetzt.
  • Der ehemalige Reichsdozentenführer und Nationalsozialist der ersten Stunde Walter Schultze (1894-1979) verstarb in Krailling.
  • Der Bildhauer Rudolf Belling (1886–1972) lebte und starb in Krailling.
  • Der Architekt Martin Dülfer (1859–1942) lebte in Krailling.
  • Der Bariton Hermann Prey (1929–1998) wohnte in Krailling (Fichtenstr. 14), starb hier und ist auf dem Kraillinger Friedhof beerdigt.
  • Der exilrussische Journalist und Kirchenhistoriker Gleb Rahr (1922–2006) lebte von 1980 bis 1991 in Krailling.
  • Der Verleger Erich Wewel (1894–1974) wohnte mit seiner Familie und seinem Verlag von 1937 bis 1951 in Krailling.
  • Der Kunsthistoriker Wolfgang Braunfels (1911–1987) wohnte und starb in Krailling.

Wappen[Bearbeiten]

Schild „Burgfrieden“ in Krailling[8]

Auf blauem Hintergrund quert diagonal von links oben nach rechts unten ein silberner Wellenfluss, der die Würm symbolisiert. Links unten und rechts oben stehen je eine silberne Tanne für die Wälder Kreuzlinger Forst und Forst Kasten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Gemeinde Krailling (2010): Zeitfenster der Vergangenheit. Die Geschichte des Linner-Grundstückes an der Würm in Krailling. Krailling. S. 6–9.
  3. Zeitfenster der Vergangenheit. S. 10–13.
  4. Bronze-Skulptur des Bildhauers Hubertus von Pilgrim in Krailling an der Gautinger Straße, neben dem Fluss Würm. Die Inschrift lautet: HIER FÜHRTE IN DEN LETZTEN KRIEGSTAGEN IM APRIL 1945 DER LEIDENSWEG DER HÄFTLINGE AUS DEM KONZENTRATIONSLAGER DACHAU VORBEI INS UNGEWISSE. Die Aufnahme machte Meinolf Wewel, bei einem Erinnerungsbesuch am 24. November 2006. Mit seinem Bruder Godehard begegnete er am 27. April 1945 auf dem Weg nach Gauting dem "Todesmarsch" etwa an dieser Stelle. Ihr Vater Erich Wewel schrieb damals nach ihrem Bericht in sein Tagebuch: "Ein grausiges Geschehen, das zu schildern nicht möglich ist."
  5. Liste der Mahnmale zur Erinnerung an die Todesmärsche von Dachau
  6. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 156.
  7. Universitätsbibliothek Gießen
  8. Wappen der Gemeinde Krailling

Literatur[Bearbeiten]

  • Heike Werner: Architektur-Ausflüge ab München: Würmtal & Umgebung, München, 2011, ISBN 978-3-9809471-4-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Krailling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien