Biopsychosoziales Krankheitsmodell

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Das biopsychosoziale Krankheitsmodell wurde Ende der 1970er Jahre vom amerikanischen Psychiater George L. Engel (1914 - 1999) entwickelt. Es ist neben dem Konversionsmodell von Sigmund Freud, dem Stress-Modell von Hans Selye oder den neueren psychobiologischen Ansätzen eines der international anerkannten Krankheitsmodelle.[1] Es bezieht biologische, psychologische und soziale Faktoren[2] mit ein und erfasst das Krankheitsgeschehen in mehreren Dimensionen[3]:

  • biologische Dimension
  • intraspychische Dimension
  • interpersonelle Dimension
  • soziokulturelle Dimension

Geschichte[Bearbeiten]

In den 1950er Jahren begann die Erforschung von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren, welche Auswirkungen auf die Entwicklung und den Verlauf von psychischen und körperlichen Erkrankungen haben können. Untersucht wurden unter anderem die genetische Disposition, die soziale Schicht, das Vorhandensein von kritischen Lebensereignissen und von Persönlichkeitseigenschaften des Erkrankten.

Diese Risikofaktorenforschung war ein wichtiger Wegbereiter für das biopsychosoziale Krankheitsmodell, ebenso wie die allgemeinen Systemtheorien (General Systems Theory, GST), welche in der Biologie wie auch in den Sozialwissenschaften entstanden. Die Systemtheorie führte weg von der Annahme, dass linear-kausale und analytische Zusammenhänge zu erforschen wären und rückte nicht-lineare und zirkuläre Verursachungszusammenhänge in den Forschungsfokus. Weitere Einflüsse kamen von der Stressforschung. Es wurde beobachtet, dass sowohl physische wie auch soziale Stressoren (z. B. Kälte, Nahrungsmangel, Tod des Partners) das gleiche dreiphasische Adaptationssyndrom hervorrufen.

Walter Cannon und andere Pioniere der Stressforschung haben darauf aufmerksam gemacht, dass die Funktion der allgemeinen Stressreaktion zunächst nicht nach der Art der Stressquelle differenziert werden kann, sondern dass der Organismus mit der gleichen unspezifischen Anpassungsreaktion auf diese Stressoren reagiert. Dies führte zunehmend zu einer Ablehnung des materialistisch-reduktionistischen ausgerichteten biomedizinischen Krankheitsmodells und legte die Einbeziehung von mikrosozialen und makrosozialen Variabeln nahe. Aufbauend auf diese Betrachtungsweisen, formulierte der Psychiater George L. Engel in den 1970er Jahren das biopsychosoziale Krankheitsmodell.

Modell[Bearbeiten]

Das biopsychosoziale Krankheitsmodell geht davon aus, dass Biologisches, Psychisches und Soziales nicht eigenständig sind, sondern Teile eines verflochtenen Ganzes darstellen, welche interagieren. Diese dynamischen Wechselbeziehungen sind gemäß dem biopsychosozialen Modell kausal für die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten.

Symptome von Krankheiten spielen sich zwar immer auf der Ebene der Person ab, aber Menschen sind selbst wiederum ein System aus vielen Subsystemen bis hinab zur molekularen Ebene. Systeme können gemäß der Systemtheorie emergente Eigenschaften besitzen und durch Selbstorganisation höhere Qualitäten hervorbringen. Gleichzeitig ist der einzelne Mensch Teil umfassender Systeme (z.B. Familie, Gesellschaft), wobei der menschliche Geist planerisch auf biologische und soziale System einwirken und diese verändern kann.

Für eine erfolgreiche Behandlung und den Verlauf der Krankheit sind somit neben der medizinischen Ebene weitere Faktoren entscheiden. Es treten die interpersonale, die familiäre und die gesellschaftliche Ebene hinzu. Deswegen ist der Erfolg einer Behandlung oft abhängig von einer funktionierenden biopsychosozialen Gesamtkonzeption gemäß dem bisopsychosozialen Modell.

Das Modell ist anerkannt im psychologisch-psychotherapeutischer Bereich, unter Sozialarbeitswissenschaftlern und in der Ausbildung von Heilhilfsberufen. Im wissenschaftlichen Mainstream der Medizin und Psychiatrie herrscht weiterhin eine biologisch-naturwissenschaftliches Erklärungsmodell vor.

Siehe auch[Bearbeiten]

Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulrich Tiber Egle: Handbuch chronischer Schmerz: Grundlagen, Pathogenese, Klinik und Therapie aus bio-psycho-sozialer Sicht ; mit 106 Tabellen. Schattauer Verlag, 2003, ISBN 978-3-7945-2045-9, S. 1–.
  2. Georg Jungnitsch: Klinische Psychologie. W. Kohlhammer Verlag, 2009, ISBN 978-3-17-020054-8, S. 33–.
  3. Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege. Springer-Verlag, 1 January 2013, ISBN 978-3-642-36984-1, S. 412–.