Krankheitsprävention

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Prophylaktisch ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Prävention aufgeführt.

Ziel der Krankheitsprävention (lateinisch praevenire ‚zuvorkommen‘, ‚verhüten‘), meist (im Gesundheitswesen) verkürzt auch nur Prävention genannt, ist die Vermeidung des Auftretens von Krankheiten und damit die Verringerung ihrer Verbreitung und die Verminderung ihrer Auswirkungen auf Morbidität und Mortalität der Bevölkerung. Die zentrale Strategie ist, die Auslösefaktoren von Krankheiten zurückzudrängen oder ganz auszuschalten.[1]

Prävention ist ethisch-normativ und ökonomisch begründet. Individuelles Leid soll so weit wie möglich verhindert, die Lebensqualität der Menschen verbessert und das Leben selbst verlängert werden. Gleichzeitig soll Prävention die ökonomischen Lasten für dann unnötig gewordene Krankenbehandlungen verringern.[2]

Insbesondere in der Zahnmedizin und der Krebsmedizin wird auch der Begriff Prophylaxe (von griechisch προφύλαξις prophýlaxis ‚die vor etwas aufgestellte Wache, Vorposten, Schutz‘) als Synonym für die Krankheitsprävention verwendet. Siehe hierzu die Artikel Prophylaxe (Zahnmedizin) und Krebsprävention.

Abgrenzung[Bearbeiten]

Vom Begriff der Prävention abzugrenzen ist der Begriff der Gesundheitsförderung, der erheblich jünger ist (Ottawa-Charta der WHO, 1986). Während es bei der Prävention um die Verringerung und Vermeidung von Risikofaktoren geht, will die Gesundheitsförderung vor allem die Schutzfaktoren erhöhen und die gesundheitlichen Lebensbedingungen stärken (mit den ökonomischen, kulturellen, sozialen, bildungsmäßigen und hygienischen Aspekten). Das salutogenetische Modell von Antonovsky geht davon aus, dass es ein Kontinuum gibt, dessen Pole Gesundheit und Krankheit sind, das so genannte G/K-Kontinuum.

  • Prävention zielt darauf ab, dass sich die Position des Individuums auf dem Kontinuum nicht nach rechts in Richtung Krankheit verschiebt. Grundsatzfrage: Was macht krank? (Pathogenese).
  • Gesundheitsförderung ist darauf ausgerichtet, die Position des Individuums nach links in Richtung Gesundheit zu verschieben.Grundsatzfrage: Was hält gesund? (Salutogenese)[3]

Prävention und Gesundheitsförderung ergänzen sich und haben als gemeinsames Ziel, die Gesundheit zu verbessern und zu erhalten.

Unterscheidungen[Bearbeiten]

Krankheitsprävention setzt normalerweise vor dem Auftreten einer Erkrankung ein und unterscheidet sich dadurch von der Kuration oder der Therapie.

Gerald Caplan unterschied bereits 1964 drei Arten der Prävention:

  • Primärprävention
  • Sekundärprävention
  • Tertiärprävention

Diese wurden 1986 von Marc Jamoulle um das Konzept der quartären Prävention ergänzt.

  • Quartärprävention

Primärprävention[Bearbeiten]

Primärprävention setzt vor Eintreten der Krankheit ein und zielt darauf ab, ein Neuauftreten einer Erkrankung zu verhindern. Die Primärprävention richtet sich an Risikogruppen, Gesunde und Personen ohne Krankheitssymptome. Beispiele für Primärprävention sind Impfungen, schulische Maßnahmen zur Ernährung, Bewegung, Stressbewältigung oder Suchtprävention. Von der Primärprävention kann nach Caplan noch die primordiale Prävention abgegrenzt werden, die noch früher einsetzt. Bei ihr geht es darum, bereits dem Auftreten von Risikofaktoren vorzubeugen.

In der Primärprävention hat die Deutsche Krebshilfe Maßstäbe gesetzt und für den Zeitraum 2010 bis 2014 einen Förderschwerpunkt mit bisher 4,2 Millionen Euro aus Spendengeldern eingerichtet. Damit werden fünf Primärpräventions-Projekte „Suchtmittelkonsum“ (Rauchen und Alkohol)"mit bundesweiter Auswirkung finanziert. Zu den positiven Ergebnissen zählt eine aktuelle Studie mit 2.500 Schülerinnen und Schülern zum Thema Vermeidung des Rauchens, die das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) in Kiel befragt hat. [4].

Sekundärprävention[Bearbeiten]

Sekundärprävention setzt beim Frühstadium einer Krankheit an. Sie dient der Früherkennung von Krankheiten und der Eindämmung ihres Fortschreitens (Progredienz) oder der Chronifizierung der Erkrankung. Oft ohne eine für die Betroffenen wahrnehmbare Krankheitssymptomatik hat der pathogenetische Prozess hier bereits seinen Anfang genommen. Zielgruppe sind Personen, die zwar als Gesunde oder Symptomlose an der Präventionsmaßnahme teilnehmen, durch die diagnostische Maßnahme aber zu Patienten werden. Beispiele sind die Massen-Screenings im Bereich Brustkrebs oder Darmkrebs, aber auch Programme für Jugendliche, die bereits Kontakt zu Drogen hatten, um eine Abhängigkeit oder Sucht zu verhindern[5].

Tertiärprävention[Bearbeiten]

Tertiärprävention findet nach einer Akutbehandlung oder der Manifestation einer Erkrankung statt. Mit ihr sollen Folgeschäden und Rückfälle verhindert werden. Sie richtet sich an Patienten mit chronischen Beeinträchtigungen und an Rehabilitanden. Ein Beispiel ist hier die Verhinderung von Nierenversagen bei insulinpflichtigem Diabetes. Der Begriff der Tertiärprävention deckt sich weitgehend mit dem der Rehabilitation, wenn dieser auf ganze Populationen angewandt wird.

Quartärprävention[Bearbeiten]

Neben der Primären, Sekundären bzw. Tertiären Prävention gibt es noch die Quartäre Prävention, die die Verhinderung unnötiger Medizin oder Verhinderung von Übermedikalisierung zum Ziel hat und das Prinzip des «primum non nocere» als einen Grundpfeiler aller Medizin berücksichtigt[6].

Übersicht[Bearbeiten]

In einer tabellarischen Übersicht mit den Dimensionen "persönlich" (Patient, Klient, Ratsuchender) und "fachlich" (Arzt, Therapeut, Berater) lassen sich die vier Bereiche der Prävention wie folgt darstellen:

Arten der Prävention Fachliche Seite
Krankheit
nicht vorhanden vorhanden
Persönliche
Seite
Gesundheits-
störung
nicht
vorhanden
Primäre Prävention
(Gesundheitsstörung nicht vorhanden
Krankheit nicht vorhanden)
Sekundäre Prävention
(Gesundheitsstörung nicht vorhanden
Krankheit vorhanden)
vorhanden Quartäre Prävention
(Gesundheitsstörung vorhanden
Krankheit nicht vorhanden)
Tertiäre Prävention
(Gesundheitsstörung vorhanden
Krankheit vorhanden)

Strategien[Bearbeiten]

Bei der Krankheitsprävention gibt es sowohl universelle Strategien, die versuchen, flächendeckend Risiken zu minimieren (Impfungen), als auch zielgruppenspezifische Ansätze (mit meist risikobezogener Zielgruppenauswahl).

Ansatzpunkte präventiver Maßnahmen[Bearbeiten]

Eine weitere Unterscheidung ist beim Ansatz von präventiven Maßnahmen gegeben. Es wird unterschieden zwischen Verhaltens- und Verhältnisprävention. Hierbei handelt es sich um unterschiedliche Ansätze, um Veränderungen zu erreichen:

  • die Verhaltensprävention (auch personale Prävention genannt) nimmt Einfluss auf das individuelle Gesundheitsverhalten oder den individuellen Gesundheitszustand. Durch Aufklärung oder Information, Stärkung der Persönlichkeit, oder auch Sanktionen, soll der Einzelne dazu motiviert werden, Risiken zu vermeiden. Beispiel: Auf der Zigarettenschachtel steht: "Rauchen gefährdet die Gesundheit".
  • die Verhältnisprävention (auch strukturelle Prävention genannt) hingegen nimmt Einfluss auf Gesundheit bzw. Krankheit, indem sie Veränderungen der Lebensbedingungen der Menschen anstrebt (Arbeit, Familie, Freizeit oder auch Umweltbedingungen), um diese möglichst risikoarm zu gestalten. Beispiel: Das Rauchen in den Gaststätten ist verboten.

Methoden der Prävention[Bearbeiten]

Im Wesentlichen lassen sich alle Präventionsmethoden auf folgende Methoden zurückführen:[7]

  • Stärkung der Motivation und der Gesundheitskompetenz der Menschen mit dem Ziel gesundheitsschädliches Verhalten zu reduzieren und gesundheitsförderliches Verhalten zu stärken.
  • Maßnahmen des Gesetzgebers, um mit Hilfe von Gesetzen und Vorschriften, sowie entsprechenden Sanktionsmaßnahmen, präventives Verhalten durchzusetzen.
  • Ökonomische Anreiz- und Bestrafungssysteme, mit denen das Verhalten des Einzelnen und die Verhältnisse präventiv beeinflusst werden sollen.

Organisationen in Deutschland[Bearbeiten]

In der Bundesrepublik Deutschland leisten staatliche, private und wissenschaftliche Organisationen umfassende Präventionsarbeit zum Nutzen der Bevölkerung. Dabei stellt die Deutsche Krebshilfe mit ihrer regelmäßig aktualisierten Serie Die Blauen Ratgeber kostenloses Informationsmaterial den Bürgern darüber zur Verfügung, wie sie sich gegen die Volkskrankheit Krebs schützen können. 2012 hat sie den ersten aktuellen Präventionsratgeber „Krebsrisikofaktor Solarium“ publiziert. Die Ratschläge zur Vermeidung von Hautkrebs basieren auf der seit 2012 geltenden Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen künstlicher ultravioletter Strahlung (UVSV).[8]

Weitere führende Einrichtungen im Präventionsbereich sind:

  • gesundheitsziele.de – Forum zur Entwicklung und Umsetzung von Gesundheitszielen in Deutschland
  • Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e. V. (BVPG)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
  • Wissenschaftliches Institut für Prävention im Gesundheitswesen (WIPIG)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerald Caplan: Principles of preventive psychiatry (1964)
  • Aaron Antonovsky: Salutogenese – Zur Entmystifizierung der Gesundheit (1997, US-amerikanisches Original 1987)
  • Klaus Hurrelmann, Theodor Klotz, Jochen Haisch: Lehrbuch Prävention und Gesundheitsförderung (2009) ISBN 978-3-456-84486-2
  • Curriculum Fachstudium zum Präventologen, hg. vom Berufsverband der deutschen Präventologen (2010)

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Hurrelmann, S. 11
  2. Curriculum
  3. Curicculum
  4. Professor Reiner Hanewinkel, IFT-Nord, zum Abschluss der Studie 14. April 2014.
  5. Hurrelmann, S. 32
  6. Kuehlein T, Sghedoni D, Visentin G, Gérvas J, Jamoule M. Quartäre Prävention, eine Aufgabe für Hausärzte. PrimaryCare. 2010; 10(18):350-4. (PDF; 216 kB)
  7. Hurrelmann, S: 37/38
  8. Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer Deutsche Krebshilfe, 15. Oktober 2012
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