Kraslice

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Kraslice
Wappen von Kraslice
Kraslice (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Sokolov
Fläche: 8132,9933[1] ha
Geographische Lage: 50° 20′ N, 12° 31′ O50.32916666666712.508611111111514Koordinaten: 50° 19′ 45″ N, 12° 30′ 31″ O
Höhe: 514 m n.m.
Einwohner: 6.952 (1. Jan. 2014) [2]
Postleitzahl: 358 01 - 358 03
Kfz-Kennzeichen: K
Verkehr
Straße: Sokolov - Klingenthal
Bahnanschluss: Sokolov–Klingenthal
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 15
Verwaltung
Bürgermeister: Zdeněk Brantl (Stand: 2007)
Adresse: náměstí 28. října 1348
358 01 Kraslice
Gemeindenummer: 560472
Website: www.kraslice.cz
Lageplan
Lage von Kraslice im Bezirk Sokolov
Karte
Innenstadt von Kraslice
Rathaus der Stadt
Blick auf die Zwota (Svatava)
Adolf Hitler 1938 bei einer Parade in Kraslice anlässlich des Anschlusses der sudetendeutschen Gebiete

Kraslice (deutsch Graslitz) ist eine zum Okres Sokolov der Karlsbader Region gehörende Stadt im Westen Tschechiens. In der Grenzstadt zu Sachsen hat der Musikinstrumentenbau traditionell eine große Bedeutung.

Geographie[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet von Kraslice liegt in 514 Metern über Meereshöhe im Tal der Svatava (deutsch: Zwota) zwischen dem Erzgebirge im Nordosten und dem Elstergebirge im Südwesten. Die Stadt liegt am Fuße des 715 m hohen Hradiště (deutsch: Hausberg), auf dem früher eine Burg stand. In den eingemeindeten Ortsteilen finden sich mit dem Počátecký vrch (deutsch: Ursprungberg, 818 m) und dem Tisovec (deutsch: Eibenberg, 807 m) auch noch höhere Berge.

Nordwestlich von Kraslice verläuft die Grenze zu Sachsen. Dort liegt etwa fünf Kilometer flussaufwärts im Tal der Svatava die deutsche Nachbarstadt Klingenthal im Vogtlandkreis. Karlsbad, die größte Stadt und der Verwaltungssitz der Region, befindet sich in 40 km Entfernung im Südosten.

Name[Bearbeiten]

In der Geschichte der Stadt finden sich verschiedene Bezeichnungen für den Ort. Es waren beispielsweise Schloss Greselin, Zum Greselin, Gresslens, Gresslas, Gresslitz und Graeslitz gebräuchlich. „Greselin“ bzw. Graslitz bedeutet „kleiner Nadelwald“ und war wohl die ältere Bezeichnung des Hausberges, der seinen Namen von dem auf ihm erbauten „Haus“, dem Schloss erhielt.[3] In der tschechischen Sprache bedeutet der Begriff "Kraslice" Osterei, was in keinem Zusammenhang mit der Namensherkunft steht.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfang des 12. Jahrhunderts war die Region noch ein unbesiedeltes Waldgebiet. Erstmals wird in einer Schutzurkunde des Papstes Lucius III. für den Besitz des Klosters Waldsassen aus dem Jahre 1185 eine Ansiedlung im oberen Zwodautal mit Namen Bernhausen (Bernhusin) erwähnt.[4] Nach und nach kamen unter der Aufsicht der Mönche aus dem Kloster Waldsassen deutsche Bauern in das Gebiet.

Am 15. August 1370 verlieh Kaiser Karl IV. dem Ort Gresslein die „gleichen Rechte und Gewohnheiten“ wie der Stadt Elbogen und erhob ihn damit zur Königsstadt. Trotz des verliehenen Stadtrechtes entwickelte sich Graslitz aber zunächst nur langsam. Das änderte sich als mit dem beginnenden Bergbau neue Siedler in die Stadt und die Umgebung kamen. 1541 wurde der Stadt Graslitz der Titel einer „Freien Bergstadt“ verliehen. In der Folge wuchs der Ort schnell. Wurden 1548 noch 29 Häuser gezählt, waren es 1575 bereits 50 und 1654 sogar 345 Anwesen. Damit wurde Graslitz zur zweitgrößten Bergstadt im böhmischen Erzgebirge.[3] Es wurden vor allem Kupfer, Blei, Zinn und Silber abgebaut.

Im Jahre 1666 ging der Besitz von Stadt und Herrschaft Graslitz an den streng katholischen Grafen Hans Hartwig von Nostitz über. Dieser versuchte im Jahre 1671 die Gegenreformation durchzuführen, indem er die fast durchweg evangelische Bevölkerung vor die Wahl stellte, sich entweder zum katholischen Glauben zu bekennen oder auszuwandern. Zwischen 1671 und 1676 verließen daraufhin zwei Drittel der Bewohner, etwa 2000 Menschen, die Herrschaft Graslitz, um weiterhin beim protestantischen Bekenntnis bleiben zu können. Beispielsweise ließen sich zwölf Graslitzer Geigenmacher im sächsischen Markneukirchen nieder und gründeten dort 1677 die erste Geigenmacherinnung Deutschlands.[5] Auch das benachbarte Klingenthal profitierte vom Bevölkerungszuwachs durch die böhmischen Exulanten.

Als in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts der Bergbau immer weiter zurückging, setzte ein Strukturwandel in der Wirtschaft ein. Zwischen 1770 und 1800 wurde die Baumwollweberei in Graslitz eingeführt. 1808 wurde im heutigen Ortsteil Grünberg (tschech.: Zelená Hora) die erste mechanische Baumwollspinnerei errichtet. Sie diente der Versorgung der zahlreichen Hausweber von Graslitz und Umgebung mit Baumwollgarn. Im Laufe des 19. Jahrhunderts folgten weitere mechanische Textilbetriebe, Leinen- und Baumwollwebereien sowie 1881 auch ein Unternehmen der Stickerei- und Spitzenindustrie. Gleichzeitig entwickelte sich die Herstellung von Musikinstrumenten. Vor allem die Blechblas- und Holzblasinstrumentenindustrie bestimmte ab 1850 das wirtschaftliche Gesicht der Stadt. Aber auch Mundharmonikas (Firma Koestler) und andere Musikinstrumente aller Art wurden hergestellt. 1899 wurde der stillgelegte Bergbau von Klingenthal in Sachsen aus durch die sächsische Gewerkschaft Klingenthal-Graslitzer Kupferbergbau wieder aufgenommen und danach grenzüberschreitend ausgebaut.

In Verbindung mit dem 1876 erfolgten Anschluss an das Eisenbahnnetz brachten die beiden wirtschaftlichen Standbeine Musikinstrumenten- und Textilindustrie dem Ort bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Graslitz 86 mittlere und kleinere Textilbetriebe sowie 11 Musikinstrumentenfabriken. Außerdem existierten 40 selbstständige Betriebe, die entweder Musikinstrumente oder deren Bestandteile herstellten.[6]

In den Jahren des Ersten Weltkrieges stagnierte der wirtschaftliche Aufschwung. Im Jahre 1918 zerfiel Österreich-Ungarn, zu dem Graslitz bis dahin gehört hatte, und es wurde die Tschechoslowakische Republik gegründet. In den ersten Nachkriegsjahren verbesserte sich zunächst die Konjunktur. Eine Wirtschaftskrise 1922 und die Weltwirtschaftskrise am Anfang der dreißiger Jahre führten zu hohen Arbeitslosenzahlen und erheblichen Schwierigkeiten vor allem für die in Graslitz ansässigen exportabhängigen Industriezweige.

Im Ergebnis des Münchner Abkommens wurde Graslitz 1938 in das Deutsche Reich eingegliedert. Der bis dahin zur Tschechoslowakei gehörige politische Bezirk Kraslice war von da an bis 1945 der Landkreis Graslitz im Regierungsbezirk Eger des Reichsgaus Sudetenland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Deutschen enteignet und vertrieben, wodurch die Bevölkerungszahl in den sudetendeutschen Gemeinden drastisch zurückging.

Im Jahre 1960 verlor Kraslice den Status als Bezirksstadt (okresní město), als der bis dahin existierende Okres Kraslice in den Nachbarbezirken Okres Cheb und Okres Sokolov aufging.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (zum jeweiligen Gebietsstand):

Jahr 1821 1847 1870 1877 1900 1908 1910 1921 1930 1939 1947 2001 2007
Bevölkerung 4090 5590 6335 7850 11464 12538 13857 12526 13936 11597 6294 7273 7299

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Kraslice gliedert sich in 15 Ortsteile (části obce):

Name
tschechisch
Name
deutsch
Fläche
ha[7]
Bevölkerung
1930[8]
Bevölkerung
2001
Bemerkungen
Černá u Kraslic Schwarzenbach b. Frankenhammer 654,26 234 0  
Čirá Lauterbach b. Graslitz 405,99 130 27 früher Litrbachy
Hraničná Markhausen 386,84 1253 -  
Kámen Stein am Hohen Stein 248,73 251 11  
Kostelní Kirchberg am Hohen Stein 503,29 371 12  
Kraslice Graslitz 1301,43 13524 6797  
Krásná u Kraslic Schönwerth 729,46 1100 104  
Liboc u Kraslic Frankenhammer 656,87 471 2 früher Čtyřdomí
Mlýnská Konstadt 716,92 326 18  
Počátky Ursprung 745,75 364 17  
Sklená Glasberg 1) 412 36  
Sněžná Schönau b. Graslitz 821,96 575 14  
Tisová u Kraslic Eibenberg 203,20 1794 88  
Valtéřov u Kraslic Waltersgrün 574,65 143 8 erstmals 1184 erwähnt als Ullersgrün, ab 1348 Valtéřov[9]
Zelená Hora u Kraslic Grünberg 186,07 1362 103  
Stadt Kraslice Stadt Graslitz 8135,42 22310 7237  

1) In Kraslice enthalten

Mit Ausnahme von Sklená (Glasberg) waren alle bis 1945 selbstständige Gemeinden des früheren Landkreises Graslitz. Sie entsprechen den heutigen 14 Katastralgemeinden (katastrální území). Glasberg war bereits damals ein Stadtteil von Graslitz, noch früher jedoch eine separate Gemeinde.

Grundsiedlungseinheiten sind Černá, Čirá, Hraničná, Kámen, Kostelní, Kraslice-jih, Kraslice-sever, Kraslice-sever-sídliště, Kraslice-východ, Krásná, Liboc, Mlýnská, Na Stráni, Počátky, Pod Ptačincem, Sklená-Smolná, Sněžná, Střed, Tisová, U Kamenného potoka, Valtéřov, Za tratí und Zelená Hora.[10]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Kraslice besitzt einen Bahnhof an der grenzüberschreitenden Bahnstrecke Sokolov–Klingenthal. Direkte Zugverbindungen bestehen mit den Zügen der GW Train Regio nach Sokolov bzw. Karlovy Vary (Karlsbad) und mit der Vogtlandbahn nach Zwickau.

Im Tal der Svatava verläuft die II/210 (Bezirksstraße 2. Klasse) aus Richtung Sokolov kommend durch Kraslice bis zu dem für KFZ bis 3,5 t und Busse freigegebenen Grenzübergang nach Klingenthal. Im Stadtgebiet wird sie von der II/218 gekreuzt, die von Luby kommt und über Stříbrná nach Nejdek führt.

Gewerbe[Bearbeiten]

Größter Arbeitgeber in Kraslice ist der Musikinstrumentenhersteller Amati-Denak. Die Firma wurde 1945 als Genossenschaft gegründet und 1948 verstaatlicht. Bei der Privatisierung im Jahr 1993 gab man dem Firmennamen den Zusatz Denak (Dechové stroje Kraslice. übersetzt: Blasinstrumente Kraslice). Die Gesellschaft hat ihren Sitz in Kraslice und stellt vor allem Holz- und Blechblasinstrumente her (Saxofone, Klarinetten, Flöten und Fagotte, Trompeten, Hörner, Posaunen und Tuben). Ein Zweigbetrieb befindet sich in Hradec Kralové. Insgesamt sind rund 500 Personen bei AMATI-Denak beschäftigt, das sich zu den drei größten Musikinstrumentenherstellern in Europa zählt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Fronleichnamskirche im Zentrum

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Partnerstadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • G. Dullat: Der Musikinstrumentenbau und die Musikfachschule in Graslitz von den Anfängen bis 1945. Nauheim 1997
  • Adolf Gütter: Graslitz. Westsudetenland. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1963
  • Emil Kolb: Graslitz, die klingende Stadt. Ein Blick in die verlorene Heimat. Kolb-Verlag, Dettingen 1956
  • Alfred Riedl: Geschichte der Herrschaft Graslitz und ihrer Nachbargebiete. 1971
  • Alfred Riedl: Zur Geschichte der Kirchen in Graslitz. Kolb-Verlag, Dettingen 1967
  • Theoderich Schmidt: Graslitz. Die Bevölkerung einer sudetendeutschen Stadt - einst und jetzt. Kolb-Verlag, Karlstein 1983

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kraslice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/560472/Kraslice
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  3. a b Alfred Riedl: Die Gründung der Stadt Graslitz vor 600 Jahren, in Festschrift zur 600-Jahrfeier der Stadt Graslitz verbunden mit dem 6. Heimatkreistreffen der Graslitzer Juli 1970 (6. Festschrift/1970), Dettingen 1970
  4. Alfred Riedl: Die Geschichte unserer Heimatstadt Graslitz, in:Graslitz – Die klingende Stadt, Dettingen 1956
  5. Alfred Riedl: Die Gegenreformation in der Herrschaft Graslitz vor 300 Jahren, in: 7. Festschrift/1972, Dettingen 1972
  6. Alfred Riedl: Graslitz vor 100 Jahren, in: 8. Festschrift/1974, Dettingen 1974
  7. Územně identifikační registr ČR
  8. http://www.verwaltungsgeschichte.de für die Stadt Graslitz insgesamt umgerechnet auf den heutigen Gebietsstand (Stadtgrenzen)
  9. Informationen von zanikleobce.cz
  10. http://www.uir.cz/zsj-obec/560472/Obec-Kraslice