Krates von Mallos

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Krates von Mallos (* wohl in Mallos; † um 145 v. Chr.) war Philosoph aus einer Stadt in Kilikien und einer der angesehensten griechischen Grammatiker des 2. Jahrhunderts v. Chr. Er war Vertreter der Stoa und gründete in Pergamon eine eigene Schule, die zu der alexandrinischen des Aristarchos in grundsätzlichem Gegensatz stand sowohl hinsichtlich der grammatischen Auffassung der Sprache als auch in der Interpretation des Homer.

Schematische Darstellung des kratetischen Weltbildes mit bewohnbaren (grün) und unbewohnbaren (grau) Zonen.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Um 167 v. Chr. (andere Quellen geben 169 oder 170 an) ging Krates als Gesandter des Königs Attalos II. von Pergamon nach Rom und hielt dort Vorträge, die den ersten Anstoß zu grammatischen Studien in Rom gaben. Wahrscheinlich starb er um 145.

Von seinen zahlreichen Schriften, von denen eine umfangreiche kritische Exegese Homers wohl das Hauptwerk war, sind nur die Titel und dürftige Fragmente erhalten.

Kratetisches Weltbild[Bearbeiten]

Krates beschäftigte sich auch mit der Kugelgestalt der Erde.[1] Seine These von einem viergeteilten Globus prägte die antike und abendländische Vorstellungswelt bis ins ausgehende Mittelalter. Demnach gliedert sich die Erde in fünf Klimazonen, von denen die beiden Polarregionen zu kalt, die Äquatorzone zu heiß für Menschen sind. Bewohnbar sind lediglich zwei gemäßigte Zonen. Die vier Kontinente entstehen durch die sich in rechtem Winkel schneidenden Weltozeane, von denen der eine sich rings um den Äquator erstreckt, der andere als Meridian die Pole verbindet.[2][3]

Die bekannte Weltgegend (Asien, Afrika und Europa) bezeichnet Krates als Ökumene und den eventuell über den Atlantik erreichbaren Kontinent als Periökumene. Die wegen des äquatorialen Hitzegürtels unerreichbaren Weltteile sind die Antökumene und der Antichthonenkontinent. Krates erkannte auch, dass die Jahreszeiten auf der Südhalbkugel denen der Nordhalbkugel entgegensetzt sein müssen.

Nach römischen Quellen soll Krates um 150 v. Chr. den ersten Globus gebaut haben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Crates. In: Encyclopædia Britannica. 11. Auflage. Bd 7. London 1910–1911, S. 381.
  • Crates of Mallos in Cilicia. In: Oskar Seyffert, Henry Nettleship (Hrsg.), J. E. Sandys (Hrsg.): A dictionary of classical antiquities, mythology, religion, literature and art. 3rd edition. Sonnenschein, London 1894, S. 169–170 (englisch).
  • Hans Joachim Mette: De Crate Mallota s. Pergameno. Noske, Leipzig-Borna 1931.
  • Hans Joachim Mette: Sphairopoiia: Untersuchungen zur Kosmologie des Krates von Pergamon. Beck, München 1936.
  • Hans Joachim Mette: Parateresis. Untersuchungen zur Sprachtheorie des Krates von Pergamon. Niemeyer, Halle 1952.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Strabon: Geography, ii.5.10 (englisch)
  2. Strabon: Geography, i.2.24 (englisch)
  3. Edward Luther Stevenson (1858-1944): Terrestrial and celestial globes; their history and construction, including a consideration of their value as aids in the study of geography and astronomy, New Haven, Pub. for the Hispanic society of America by the Yale university press, 1921, S. 7–10, auf archive.org (englisch)