Kraus-Fandor

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Firmenlogo aus dem Katalog 18, 1932

Die Firma Jos. Kraus u. Co. wird umgangssprachlich als Kraus-Fandor bezeichnet und war ein Spielwarenhersteller, die 1910 von Josef Kraus und dessen Neffen Milton und Julius Forcheimer in Nürnberg als offene Handelsgesellschaft gegründet worden war. Der Name des Unternehmens beinhaltet ein Akronym, das aus der Vornamenszusammensetzung der Mutter und Tante des Gründers, Dora and Fanny, resultiert. Die Fa. war ein typischer Vertreter der "Nürnberger Hersteller" von sogenannten Blecheisenbahnen. Kraus-Fandor stellte uhrwerkbetriebene und elektrische Modelleisenbahnen aus Blech in Spur 0 und 1 her. Der Vertrieb erfolgte weitgehend über Kaufhaussortimente. Die Firmenmarke lautete KRAUS FANDOR JKCo N Germany, KRAUS oder FANDOR. Die Bezeichnung FANDOR wurde meist nur für den Export verwendet. Der Betrieb wurde 1938 bereits wieder eingestellt, nachdem Jos. Kraus schon 1933 vermutlich aus politischen Gründen Deutschland verlassen hatte.[1] Kraus-Fandor wurde 1943 per Gesetz unter Zwangsverwaltung gestellt. 1963 erfolgte die Löschung aus dem Handelsregister Nürnberg.

Fandor / Dorfan[Bearbeiten]

elektrische Lok Nr. 1015/16 der Fa., ca. 1930; die Ausführung mit Windleitblechen wurde 1932 für 10,50 Mark und Tender 1,00 Mark lt. Preisliste Katalog Nr. 18 verkauft

Die produzierten Spielzeugeisenbahnen waren teilweise am amerikanischen Vorbild ausgerichtet, weshalb in den USA eine hohe Nachfrage bestand. Schutzzölle erschwerten es allerdings der Firma nach dem Ersten Weltkrieg, mit amerikanischen Spielwarenherstellern zu konkurrieren, weswegen die Forcheimer-Brüder zusammen mit einem Ingenieur nach Amerika auswanderten, wo sie in Newark (New Jersey) die Firma Dorfan (lediglich versetzte Buchstabenreihung von Fandor) gründeten.[2] Mit dieser Firma spezialisierten sie sich auf Eisenbahnen der Nenngröße 0 sowie Standardnenngrößen (Standard Gauge). Produziert wurde im zinkpestanfälligen Druckguss-Verfahren. Bereits 1934 musste auch dieser Betrieb seine Produktion einstellen, wobei der Vertrieb bis 1936 aufrechterhalten blieb.

Patente[Bearbeiten]

Kraus Fandor Güterbahnanlage

Zwischen 1910 und 1934 wurden zahlreiche Patentschriften beim Kaiserlichen Patentamt später Reichspatentamt (heute: Deutsches Patent- und Markenamt) angemeldet. Am 1. Februar 1910 wurde die „Schienenstoß-Verbindung für Spielzeug-Eisenbahnen mit Federsicherung für den in den Kopf des einen Schienenendes gehenden Steckstift“. (Originalbeschreibung aus der Patentschrift) patentiert. Im gleichen Jahr wurde ein spezielles Patent für die Verbindung zwischen Schiene und Schwelle bei Spielzeugeisenbahnen erteilt. Ein weiteres bemerkenswertes Patent besteht in der Erfindung einer selbsttätigen mechanischen Kupplung zwischen Spielzeugeisenbahnen.

Oberleitungsbahnen[Bearbeiten]

1B1-Oberleitungslok, ca. 1935

Das Unternehmen fertigte als einer der wenigen damaligen Spielzeughersteller sogenannte Oberleitungsbahnen. Mit den Uhrwerkgleisen und einem Fahrdraht konnte im Spiel die moderne und reale Technik dieser Zeit abgebildet werden. Der damals übliche Mittelleiterstrang bei den elektrischen Gleisen wurde eingespart. Der Gleisaufbau entsprach somit der Wirklichkeit. Die Stromzufuhr erfolgte über das Uhrwerkgleis und dem flexiblen Dachstromabnehmer auf der Lok. Durch den flexiblen Dachstromabnehmer konnten Ungleichheiten bei den Gleisen problemlos ausgeglichen werden. Bei Verwendung eines üblichen Dreileiter-Gleises war es nun möglich, zwei Züge auf einer Anlage unabhängig voneinander zu steuern.

Stromlinienlokomotiven 05001[Bearbeiten]

Stromlinienlok; die 05001 DR-Lok soll damals die schnellste Dampflok der Welt gewesen sein. Vorne am Schornstein ist ein Feuerstein eingebaut, der bei Fahrt an einem Rad reibend, Funkenflug erzeugt

Das Unternehmen passte sich dem Trend und dem technischen Fortschritt der Zeit an und stellte ab Mitte der 1930er Jahre eine Stromliniendampflok her. Diese in sehr vereinfachter Ausführung im Blechdruckverfahren. An der Stirnseite der Lok waren die Zahlen "05001" aufgedruckt, in Anlehnung an das Reichsbahn Vorbild. Das gleiche Modell gab es von dem Unternehmen in silberner Farbausführung und eine etwas kleinere Stromliniendampflok in roter Farbausführung. Die Lokomotiven wurden sowohl in Uhrwerkbetrieb als auch für Wechselstrombetrieb angeboten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Reder: Mit Uhrwerk, Dampf und Strom. Alba Buchverlag, 1970
  • Huber, Rudger: Blechspielzeug. Autos - Motorräder, Weltbild 1995. ISBN 3-8289-0794-6

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die kurze Zeit der Firma Fandor in Nürnberg
  2. Richard O'Brien, Richard C'Brien, Collecting Toy Trains: Identification and Value Guide, Ausgabe 4