Krauss-Maffei ML 4000 C’C’

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Krauss-Maffei ML 4000 C’C’
Southern Pacific 9011 („Hood Unit“) in Enzen (August 1964)
Southern Pacific 9011 („Hood Unit“) in Enzen (August 1964)
Nummerierung: Denver & Rio Grande Western:
4001, 4002, 4003
Southern Pacific:
erste Serie: 9000, 9001, 9002
zweite Serie: 9003 – 9017
von D&RGW übern.: 9021, 9022, 9023
Nach 1965: 9100 – 9120
Estrada de Ferro Vitória a Minas:
701 – 716
Anzahl: Erste Serie (Cab Units): 6
Zweite Serie (Hood Units): 15
Brasilien: 16
Hersteller: Krauss-Maffei
Baujahr(e): Erste Serie: 1961
Zweite Serie: 1964
Brasilien: 1966
Ausmusterung: bis 1968 (USA)
bis 1980er Jahre (Brasilien)
Achsformel: C’C’
Spurweite: 1435 mm (USA)
1000 mm (Brasilien)
Länge: Erste Serie: 20 100 mm
Zweite Serie: 20 610 mm
Höhe: 4729 mm
Breite: 3275 mm
Dienstmasse: Erste Serie: 150 t
Zweite Serie: 162 t
jeweils mit vollen Vorräten
Radsatzfahrmasse: Erste Serie: 25 t
Zweite Serie: 27 t
Höchstgeschwindigkeit: 113 km/h
Installierte Leistung: 2 x 1470 kW (4000 PS)
Traktionsleistung: 2604 kW (3560 PS)
Anfahrzugkraft: 400 kN
Treibraddurchmesser: 1016 mm
Motorentyp: Maybach 870
Motorbauart: 2 x 16-Zylinder-V-Motor mit Abgasturbolader und Ladeluftkühlung, 4-Takt, wassergekühlt
Nenndrehzahl: 1585/min
Leistungsübertragung: hydraulisch

Die ML 4000 C’C’ war eine von Krauss-Maffei gebaute Diesellokomotive, die ab 1961 von den US-amerikanischen Eisenbahngesellschaften Denver and Rio Grande Western Railroad (D&RGW) und Southern Pacific Railroad (SP) beschafft wurde. Hergestellt wurden 21 Lokomotiven in zwei Serien. Des Weiteren wurden 16 Lokomotiven für die brasilianische Bahngesellschaft Estrada de Ferro Vitória a Minas auf Meterspur gebaut.

Entwicklung[Bearbeiten]

Wegen der stetig wachsenden Anhängelasten der Güterzüge suchten die beiden Eisenbahngesellschaften Anfang der 1960er Jahre neue Wege, um leistungsfähigere Lokomotiven zu bekommen. Die Anforderungen im Betrieb waren enorm: Es waren Zuggewichte bis 12.000 t über die Rampen der Sierra Nevada oder den Rocky Mountains zu befördern. Dabei waren im Streckennetz der D&RGW auf der Strecke durch den knapp 10 Kilometer langen Moffat-Tunnel Höhenlagen von 2.800 Meter zu überwinden. Diese wurden bis dato mit sieben bis zwölf dieselelektrischen Lokomotiven der Typen EMD F9 und EMD GP9 mit 1750 PS bzw. EMD SD24 mit je maximal 2400 PS bewältigt.[1]

Obwohl die amerikanischen Bahngesellschaften von EMD die Entwicklung leistungsstärkerer Lokomotiven forderten, kam EMD diesen Wünschen (vorerst) nicht nach. Mit dem Bau der dieselhydraulischen Krauss-Maffei ML 3000 wurden die Gesellschaften jedoch auf eine 3000 PS starke Lokomotive des deutschen Herstellers aufmerksam. Die hydraulische Kraftübertragung versprach neben der benötigten Leistung weitere Vorteile zudem durch ein geringeres Leistungsgewicht und eine bessere Ausnutzung der Rad-Schiene Reibung, als es Anfang der 1960er Jahre bei den dieselelektrischen Lokomotiven amerikanischer Hersteller möglich war. Man konnte so bei einem vorgegebenen maximal möglichen Gewicht eine stärkere und zugkräftigere Lokomotive konstruieren und bauen.

Mit dieser Perspektive trat zunächst die D&RGW an Krauss-Maffei heran. Der Hersteller brauchte aber aus wirtschaftlichen Gründen noch eine weitere Bestellung, weshalb auch die Southern Pacific sich an der Beschaffung beteiligte. Beide Bahnen kauften zuerst je drei Lokomotiven. Die Fahrzeuge verfügten über eine Nennleistung von 4000 PS und waren damit die weltweit stärksten Einrahmen-Diesellokomotiven ihrer Zeit. Auch die Tatsache, dass eine amerikanische Bahngesellschaft in Deutschland Triebfahrzeuge beschafft, war in Amerika sowie in Europa seinerzeit in Fachkreisen eine Sensation.

Erprobung in Europa[Bearbeiten]

Krauss-Maffei testete die erste Lokomotive auf der Strecke Münster-Emden sowie auch auf der Semmeringbahn in Österreich, die Steigungen mit 2,5 % aufweist. Die Lokomotive fuhr dort in solch einer Steigung einen Zug mit 867 t aus dem Stand an und beschleunigte ihn auf 26,5 km/h. Die Probefahrten waren im Juli 1961 erfolgreich abgeschlossen. Noch 1961 wurden alle sechs Lokomotiven in die USA ausgeführt.

Betrieb[Bearbeiten]

USA[Bearbeiten]

Denver & Rio Grande Western[Bearbeiten]

Die Lokomotiven wurden unter den Nummern 4001 bis 4003 eingeordnet und meist zu zweit oder zu dritt vor Güterzügen mit 4000 t und 7000 t Anhängelast auf den Strecken über die Rocky Mountains eingesetzt. Im Dauerbetrieb erwiesen sich die Maschinen jedoch als störanfällig. Ein Hauptproblem war der vergleichsweise hohe Anteil an Volllast-Betriebsstunden. Bei der D&RGW belief er sich auf bis zu 45% der Betriebsstunden, während Krauss-Maffei bei der Entwicklung der ML 4000 basierend auf dem Erfahrungen im Betrieb der Deutschen Bahn nur von einem Anteil von bis zu 10% ausgegangen war. Deshalb führten die Lokomotiven nur eine geringe Menge an Kühlwasser mit. Diese Menge reichte während der Volllast-Gebirgsfahrten durch den Moffat-Tunnel nicht aus, so dass die Motoren überhitzten. Probleme ergaben sich auch durch die mangelhafte Kompatibilität der verbauten Kompressoren von Gardner Denver, die für langsamlaufende US-Diesel mit etwa 800 Umdrehungen/Minute ausgelegt waren, während die Maybach-Motoren der ML 4000 mit bis zu 1600 Umdrehungen/Minute liefen. Hinzu kamen Probleme mit der Schmierung der Abgasturbine.

Auf dem anspruchsvollen Streckennetz der D&RGW, das auf der Strecke von Denver nach Salt Lake City Höhen von 2800 Meter (Moffat-Tunnel) bzw. 2270 Meter (Soldier Summit) erreichte und zahlreiche Tunnel umfasste, wurden die ML 4000 über ihre Leistungsgrenzen hinaus belastet, so dass sich rasch Maschinenausfälle häuften. Das Personal von D&RGW bezeichnete die Lokomotiven abwertend als "Damned Krauts" ("verdammte Deutsche").[2]

Die drei Maschinen wurden deshalb schon im Februar 1964 an die Southern Pacific weiterverkauft. Die Lokomotiven waren im gelb/silber/schwarzen Farbschema der D & RGW geliefert und sie behielten diese Farbgebung auch nach dem Verkauf.

Southern Pacific[Bearbeiten]

Southern Pacific 9104 („Cab Unit“)

Die Southern Pacific erhielt ebenfalls 1961 ihre ersten drei Lokomotiven, die mit der üblichen roten und dunkelgrauen Farbgebung dieser Gesellschaft versehen waren. Anfangs hinterließen die Lokomotiven einen starken Eindruck. Es war möglich, den Zugbetrieb mit den leistungsstärkeren Lokomotiven effizienter zu gestalten. Daher bestellte man 1963 bei Krauss-Maffei 15 Lokomotiven der zweiten Serie und übernahm 1964 auch die drei Maschinen der D&RGW, die ihr ursprüngliches Farbkleid behielten, allerdings die Southern Pacific Beschriftung bekamen.

Die SP stationierte alle ihre dieselhydraulischen Loks gemeinsam in Roseville (Kalifornien). Anfangs fuhren sie in den Sierra Nevada- and Oregon-Gebirgsstrecken, aber wegen der zunehmenden Schwierigkeiten mit der Luftansaugung in den zahlreichen Galerien und Tunnels wurden ab 1965 die Lokomotiven auf den Flachlandstrecken des San Joaquin Valley eingesetzt. Meist wurde ein Güterzug von einer Krauss-Maffei und einer EMD GP9 oder einer EMD F7 geführt.

Immerhin beschäftigten sich nach der Inbetriebnahme der deutschen Loks auch amerikanische Hersteller mit dem Bau von dieselhydraulischen Lokomotiven, die mit Getrieben von Voith ausgestattet wurden. Beispielsweise beschaffte die SP 1964 auch drei ALCO DH-643 Lokomotiven zum Vergleich mit der ML 4000 C’C’.

Die Southern Pacific nahm 1967 bis 1968 alle Krauss-Maffei Lokomotiven aus dem Dienst, als eine umfangreiche Überholung anstand. Man bescheinigte zwar dem dieselhydraulischen Antrieb, dass er zuverlässig und von den Unterhaltskosten her konkurrenzfähig sei, aber die Motoren der Loks waren den amerikanischen Mechanikern zu kompliziert und zu schwer zugänglich.

Verbleib nach Betriebsende[Bearbeiten]

1969 wurde eine KM, die Nr 9113, vormals die 9010 zu einem Kamerawagen (camera car) umgebaut. Die SP wollte damit ihre Strecken für einen computerunterstützten Fahrsimulator filmen. Man versah die Lokomotive an der Führerstandseite mit einem stabilen Aufbau für die Filmkamera. Eine Antriebseinheit wurde ausgebaut. An deren Stelle wurde ein Generator, der die Filmausrüstung mit Strom versorgte, installiert. Der Kraftstoff dafür wurde dem originalen Lokomotivtank entnommen. Der zweite Motor am hinteren Ende wurde stillgelegt, blieb aber in der Lokomotive eingebaut. Die Einrichtung des Führerstands blieb erhalten, weil man die Schublokomotive vom Kamerawagen aus steuern wollte. 1984 nahm man den Kamera-Wagen außer Betrieb und übergab ihn 1986 dem California State Railroad Museum. 2008 wurde die Lokomotive von der Pacific Locomotive Association erworben und mit der Restaurierung begonnen. Sie ist damit die einzige dieselhydraulische Lokomotive, die in den USA erhalten geblieben ist.

Brasilien[Bearbeiten]

Die Bahngesellschaft Estrada de Ferro Vitória a Minas (EFVM) beschaffte zwischen 1966 und 1969 sechzehn Lokomotiven des Typs ML 4000 C’C’ mit einer Spurweite von 1 Meter, die die Nummern #701 bis 716 trugen.[3] Diese waren für eine Höchstgeschwindigkeit von 78 km/h zugelassen und waren zum Beschaffungszeitpunkt die stärksten Diesel-Lokomotiven auf Meterspur. Die Lokomotiven blieben bis in die 1980er Jahre im Dienst.

Technik[Bearbeiten]

Motor[Bearbeiten]

Die Lokomotive erhielt zwei 16-Zylinder-Maybach-870-Dieselmotoren. Deren Leistung wurde mit Hochaufladung auf je 1470 kW bei 1585/min gesteigert. Für die amerikanischen Verhältnisse war die Drehzahl dieses Motors ungewohnt hoch, arbeitete man dort meist mit Drehzahlen bis maximal 1000/min. Die Motoren betrieben zwei Antriebseinheiten, die je auf drei Achsen eines Drehgestells wirkten. Jede Zylinderreihe verfügte über einen eigenen Turbolader.

Getriebe[Bearbeiten]

Jede Antriebseinheit war mit einem dreistufigen Voith-Strömungsgetriebe ausgerüstet. Diese waren mit einer hydrodynamischen Bremse und dem Wendegetriebe versehen.

Kühlung[Bearbeiten]

Die Wärmeabfuhr erfolgte über hydrostatisch angetriebene Lüfter, die unter dem Dach des Maschinenraums saßen. Der Kühlwasserkreislauf schloss die Motorblöcke, die Wärmetauscher für das Hydrauliköl des Strömungsgetriebes und die Wärmetauscher für das Motorenöl mit ein. Bei Fahrten durch Tunnel konnte durch eine Wassersprühanlage die Kühlung verstärkt werden, wenn heiße Auspuffgase dies erforderlich machten. Mittels Saugleitungen wurde in Tunneln die kühlere Bodenluft angesaugt.

Steuerung[Bearbeiten]

Die Lokomotiven verfügten ursprünglich über eine pneumatische Vielfachsteuerung. Später ersetzte man diese durch eine elektropneumatische, damit die Lokomotiven auch zusammen mit anderen Lokomotivenbauarten der Bahngesellschaft betrieben werden konnten. Die Steuerung bereitete allerdings einige Probleme, die mit zur frühen Außerdienststellung 1968 beitrugen.

Aufbau und Fahrwerk[Bearbeiten]

Hier unterschieden sich die erste und die zweite Serie voneinander. Die erste Serie hatte einen selbsttragenden Aufbau mit Maschinenraum und einem Endführerstand. Die zweite Serie wurde mit schmaleren, abnehmbaren Vorbauten und einem beidseitigen Umlauf ausgeführt. Die Lokomotiven der ersten Serie wurden Cab-Units, die der zweiten Serie auch Hood-Units genannt. Bei den Lokomotiven der zweiten Serie verwendete man statt der Krauss-Maffei-Drehgestelle eine angepasste Ausführung von ALCO.

Bremse[Bearbeiten]

Die Druckluftbremse wurde vom Besteller vorgeschrieben. Somit setzte man den Type 26 L von Westinghouse Airbrake Company ein. Jede Lokomotive besaß zwei Bremskompressoren, welche vom Hilfsgetriebe angetrieben wurden. Bei der ersten Serie mit Keilriemen angetrieben, bei der zweiten Serie unter Verwendung einer Zwischenschaltung mit einer hydraulischen Regelkupplung. Jedes Drehgestell besaß vier Bremszylinder, jeder wirkte auf 3 Bremsklötze. Die beiden Bremsklötze des äußeren Rades sowie ein Bremsklotz der mittleren Achse wurden von einem Zylinder betätigt. Somit waren auf jeder Drehgestellseite zwei Zylinder vorhanden.

Das Handrad der Handbremse befand sich an der Führerhausrückwand und übertrug als Spindelhandbremse über eine Kette seine Kraft auf die beiden Klötze eines Rades der mittleren Achse. Sie war schwach dimensioniert und in erster Linie als Feststellbremse (Sichern der stillstehenden Lokomotive) gedacht, und nicht zum Anhalten der Lokomotive.

Neben der pneumatischen Bremse war noch eine hydrodynamische Bremse eingebaut, welche als Beharrungsbremse im Gefälle verwendet wurde. Diese war mit einer hydraulischen Doppelkupplung mit jedem Strömungsgetriebe verbunden. Die primären Schaufelräder sitzen auf der verlängerten Turbinenwelle des hydraulischen Getriebes, während die sekundären Schaufeln fest im Gehäuse eingebaut sind.

Literatur[Bearbeiten]

  • Chronik der Eisenbahn – 1945 bis zum neuen Jahrtausend. Heel Verlag, Königswinter 2006, ISBN 978-3-89880-548-3, S. 160–161.
  • Jahrbuch des Eisenbahnwesens 18. Folge, Hestra-Verlag Darmstadt 1967, S. 91–105.
  • Stefan Alkofer: Das große Missverständnis. in: Modelleisenbahner Spezial Nr. 15 Hightech aus Deutschland, Fürstenfeldbruck 2012, S. 6-23
  • B. Hollingsworth, A. Cook: Das Handbuch der Lokomotiven. Orbis-Verlag für Publizistik, München 1993, ISBN 978-3-572-00626-7, S. 326–327.
  •  Louis A. Marre: Diesel Locomotives: The first 50 years. Kalmbach Publishing Co., Waukesha, WI 1995, ISBN 0-89024-258-5, S. 384–385.
  • Horst J. Obermayer: Die Baureihe V 200 (EJ Special 5/93). Merker-Verlag, Fürstenfeldbruck 1993, ISBN 3-922404-46-4, Tabelle S. 81.
  • Brian Solomon: Southern Pacific Railroad. MBI Publishing 1999, ISBN 0-7603-0614-1, S. 118.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Krauss-Maffei ML 4000 C'C' – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stefan Alkofer: Das große Missverständnis. in: Modelleisenbahner Spezial Nr. 15: Hightech aus Deutschland, Fürstenfeldbruck 2012, S. 10
  2. Stefan Alkofer: Das große Missverständnis. in: Modelleisenbahner Spezial Nr. 15: Hightech aus Deutschland, Fürstenfeldbruck 2012, S. 12
  3. Jahrbuch des Eisenbahnwesens, Verlag W. Teigeler, 1970, S. 173