Krauthausen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Krauthausen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Krauthausen führt kein Wappen
Krauthausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Krauthausen hervorgehoben
51.01722222222210.27230Koordinaten: 51° 1′ N, 10° 16′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Wartburgkreis
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Hainich-Werratal
Höhe: 230 m ü. NHN
Fläche: 18,48 km²
Einwohner: 1605 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 87 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99819
Vorwahlen: 036926, 03691 (OT Deubachshof)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: WAK, SLZ
Gemeindeschlüssel: 16 0 63 046
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Oberstr. 42 a
99819 Krauthausen
Webpräsenz: www.gemeinde-krauthausen.de
Bürgermeister: Frank Moenke
Lage der Gemeinde Krauthausen im Wartburgkreis
Kaltennordheim Bad Liebenstein Bad Salzungen Barchfeld-Immelborn Berka/Werra Berka vor dem Hainich Bischofroda Brunnhartshausen Buttlar Creuzburg Dankmarshausen Dermbach Diedorf Dippach Krayenberggemeinde Ebenshausen Empfertshausen Ettenhausen an der Suhl Kaltennordheim Frankenroda Frauensee Geisa Gerstengrund Gerstungen Großensee Hallungen Hörselberg-Hainich Ifta Barchfeld-Immelborn Kaltennordheim Kaltennordheim Kaltennordheim Krauthausen Lauterbach Leimbach Marksuhl Vacha Krayenberggemeinde Mihla Moorgrund Nazza Neidhartshausen Oechsen Ruhla Schleid Bad Liebenstein Seebach Stadtlengsfeld Bad Liebenstein Tiefenort Treffurt Unterbreizbach Urnshausen Vacha Vacha Weilar Wiesenthal Vacha Wolfsburg-Unkeroda Wutha-Farnroda Zella ThüringenKarte
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Krauthausen ist eine Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft Hainich-Werratal im thüringischen Wartburgkreis.

Geografie[Bearbeiten]

Die Gemeinde Krauthausen befindet sich etwa drei Kilometer nordwestlich der Stadt Eisenach im Werratal. Der Kernort Krauthausen hat eine Gemarkungsgröße von 682 Hektar.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde Krauthausen gehören die Ortsteile

sowie die früheren Gutshöfe Deubachshof und Lengröden. Bereits in der DDR-Zeit erfolgte die Vereinigung von Pferdsdorf und Spichra zur Gemeinde Pferdsdorf-Spichra.[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Gemeinde Krauthausen grenzt im Norden an die Stadt Creuzburg, im Nordosten an die Gemeinde Mihla, im Osten und Süden folgen die Eisenacher Stadtteile Neukirchen, Madelungen, Stregda, Stedtfeld und Hörschel. Im Westen grenzt Krauthausen an die hessische Gemeinde Herleshausen.

Geschichte[Bearbeiten]

Krauthausen

Die Urkundliche Ersterwähnung von Krauthausen erfolgte im Jahr 1250.

Das Dorf Krauthausen und die heutigen Ortsteile Pferdsdorf, Spichra und Ütteroda gehörten zu dieser Zeit zum Amt Creuzburg. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts gelangte Krauthausen in den Besitz der Familie von Nesselröden (später: von Nesselrodt), einem alten hessisch-thüringischen Rittergeschlecht. 1461 erwarb die Familie das benachbarte Gut Lengröden. Mit dem Obristen Wilhelm Friedrich Leberecht von Nesselrodt starb die Familie im Jahre 1799 im Mannesstamme aus. Mitglieder der Familie v. Nesselröden können über Jahrhunderte als Burgmannen der Creuzburg nachgewiesen werden, sie stellten auch Ratsmitglieder in Eisenach. Das Wappen derer von Nesselröden war eine fünfblättrige Brennnessel mit Wurzel.

Im Jahre 1709 fanden größere An- oder Umbauarbeiten an der Krauthäuser Kirche ihren Abschluss, wie die Inschrift über dem Portal zeigt. Der Turm ist jedoch wesentlich älter und könnte Teil von einer früheren Wasserburg gewesen sein. An und in der Kirche befinden sich drei Grabplatten der Familie von Nesselrodt.

Etwa 1716 wurde das Schloss (architektonisch eher ein Herrenhaus) von Johann Ernst Wilhelm von Nesselrodt erbaut. Nach dem Absterben der Familie v. Nesselrodt ging das Krauthäuser Gut durch verschiedene Hände, wie den Familien von Riedesel oder Weichberger. Am 5. März 1843 wurde hier der Maler Eduard Weichberger geboren. 1872 kam das Rittergut in den Besitz der Familie Eichel-Streiber, welche die zwei größten Bauerngüter des Ortes dazukaufte und mit dem Madelunger Gut vereinigte.

Vor Krauthausen versuchten deutsche Soldaten, überwiegend Offiziersschüler, am 2. April 1945 den Vormarsch der US-Armee aufzuhalten. Sie waren völlig chanchenlos gegen die amerikanischen Panzer und wurden durch den sofortigen Einsatz von deren Panzerkanonen "regelrecht massakriert". Neun von ihnen wurden auf dem Friedhof von Krauthausen beigesetzt, sechs auf dem Friedhof von Ütteroda.[3]

1946 wurde das Schloss Krauthausen abgerissen und seine Steine u.a. für neu entstandene Wohnhäuser genutzt. An seiner Stelle befindet sich heute das 1995 errichtete Dorfgemeinschaftshaus.[4]

1952 wurde die Flur Deubachshof aus Stedtfeld nach Krauthausen umgemeindet.[5] 1994 erfolgte die Eingemeindung von Ütteroda und Pferdsdorf-Spichra nach Krauthausen.[2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl:

  • 1994 – 1091
  • 1995 – 1277
  • 1996 – 1429
  • 1997 – 1567
  • 1998 – 1655
  • 1999 – 1703
  • 2000 – 1681
  • 2001 – 1698
  • 2002 – 1680
  • 2003 – 1674
  • 2004 – 1663
  • 2005 – 1693
  • 2006 – 1691
  • 2007 – 1655
  • 2008 – 1639
  • 2009 – 1633
  • 2010 – 1630
  • 2011 – 1632
  • 2012 – 1624
  • 2013 – 1605
  • 2014 –
Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik - Werte vom 31. Dezember

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ein bekanntes Bauwerk ist die Werratalbrücke bei Pferdsdorf und Hörschel. Die schlanken, bis zu 85 m hohen Pfeiler tragen den 732 m langen Fahrbahnabschnitt, welcher zu großen Teilen über Pferdsdorfer Flur verläuft.

1500 m nördlich der Brücke befindet sich das Wasserkraftwerk von Spichra. Das 1925 erbaute Technische Denkmal wurde von der E.ON-Thüringer Energie übernommen und ging nach einer Generalüberholung im Jahre 1998 wieder ans Netz.

Kirchen[Bearbeiten]

Die Dorfkirche Krauthausen bildet den Mittelpunkt der historischen Ortslage; der zugehörige massive Turm ist wesentlich älter als das in den Jahren 1709 bis 1717 errichtete Kirchenschiff. Im Inneren befinden sich die auf drei Seiten angebrachten zweigeschossigen Emporen, die um 1800 entstandene Kanzel und ein schlichter Taufstein. Das hölzerne Deckengewölbe ist eine weitere Zierde des Kirchenschiffs.[4] [6]

Die Dorfkirche Pferdsdorf wurde 1766 am Platz und aus Mauerresten einer vorreformatorischen Kapelle errichtet und ist ein schlichter Barockbau. Das Ostportal des ummauerten Kirchhofes, mit einem steinernen Rundbogen überwölbt, lässt im Scheitel nur undeutlich die Jahreszahl 1560 erkennen.[7]

In der Ortsmitte von Spichra befindet sich die Dreifaltigkeitskirche. In der heutigen Form entstand das Gotteshaus 1753 nach Umbauten aus einer bereits 1626 erbauten Kapelle. Im Inneren befindet sich ein aus dem 17. Jahrhundert datierender Taufstein mit den Familienwappen der Patronatsherren von Buttlar und von Herda. An der Südfassade befindet sich eine Sonnenuhr. Die Spichraer Kirche wurde bei den Kampfhandlungen am 1. April 1945 schwer beschädigt und konnte erst seit 1958 wieder von der Kirchgemeinde in vollem Umfang genutzt werden.[8]

Die am Nordrand des Ortsteils gelegene Dorfkirche Ütteroda wurde 1569 bis 1572 erbaut. Das kleine, aus leuchtend gelbem Sandsteinblöcken aufgemauerte Gotteshaus besitzt einen auf der Westseite aufgesetzten achteckigen verschieferten Dachreiter. Das heute steinsichtige Mauerwerk war ursprünglich verputzt und wohl auch getüncht. Das Innere wird von wenigen und relativ kleinflächigen Fenstern beleuchtet.[9]

Parks[Bearbeiten]

Im Krauthäuser Rieth entstand im Jahr 2010 eine Teichanlage als Erholungs- und Freizeitgebiet.[10]

Gutshaus Lengröden[Bearbeiten]

Das an der Straße nach Creuzburg gelegene Gutshaus Lengröden war ursprünglich eine repräsentative vierflügelige Hofanlage, von weiteren Wirtschaftsgebäuden und einer Mühle umgeben. Am Haupthaus erkennt man noch die Wappensteine der letzten adeligen Besitzer. Der denkmalgeschützte Gebäudekomplex ist durch jahrzehntelange Vernachlässigung augenscheinlich in einem schlechten baulichen Zustand. Die große Gutsscheune, welche die jetzt offene Ostseite des Gehöftes einnahm (Grundmauern teilweise noch erkennbar), soll erst nach Kriegsende durch Brandstiftung zerstört worden sein. Der alte Baumbestand östlich vor dem Hauptgebäude erinnert an den hier befindlichen Park. Etwa 500 m östlich des Gutes befand sich am Rand des Lengröder Holzes über dem Molkenbach das Buttlarsche Erbbegräbnis der Gutsherren, von dem heute nur noch spärliche Reste erkennbar sind.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat von Krauthausen setzt sich aus 12 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen:

  • Wählergruppe Krauthausen: 5 Sitze
  • Wählergruppe Pferdsdorf-Spichra: 2 Sitze
  • Bürger Aktiv: 2 Sitze
  • Freiwillige Feuerwehr e.V. Ütteroda: 1 Sitz
  • RGZV e.V.: 1 Sitz
  • Zukunft Krauthausen: 1 Sitz

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)[11]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister ist Herr Frank Moenke.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Gewerbe[Bearbeiten]

Das Gewerbegebiet Deubachshof befindet sich südwestlich von Krauthausen unmittelbar an der Bundesautobahn 4. Es verfügt über eine Gesamtfläche von knapp 60 ha (Stand 2009). Der Standort Krauthausen/Deubachshof ist zudem ein wichtiges Dienstleistungs- und Logistikzentrum für die benachbarte Stadt Eisenach.[12]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch das Gemeindegebiet verläuft die Bundesautobahn 4 mit der Anschlussstelle Eisenach-West sowie die Bundesstraße 7. An der Anschlussstelle Eisenach-West beginnt im Gemeindegebiet die Bundesstraße 19. Die Ortsteile Deubachshof, Pferdsdorf und Spichra erreicht man über die von der B7 abzweigende Landesstraße L 1017 (bis 2009: Bundesstraße 7a). Eisenbahnanschluss besteht am Eisenacher Bahnhof. Der Ortsteil Pferdsdorf hatte bis in die 1960er Jahre einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Schwebda–Wartha.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürgermeister[Bearbeiten]

  • Werner Nowatzky - ausgezeichnet im Februar 2010 für seine Arbeit und bleibende Verdienste als ehemaliger Bürgermeister.[13]

Literatur[Bearbeiten]

  • Petra Dietzel: "Festschrift zum 300-jährigen Kirchenjubiläum der Kirche zu Krauthausen 1709-2009" (Hrsg.: Kirchgemeinde Krauthausen), 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Krauthausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. a b Thüringer Verordnung über die Auflösung und Zusammenlegung der Gemeinden Krauthausen, Pferdsdorf-Spichra und Ütteroda vom 25. März 1994 (GVBl S. 391)
  3. Rainer Lämmerhirt: Der Kampf um die Werralinie im April 1945. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2005. ISBN 3-937135-64-2. S. 77-78
  4. a b  Petra Dietzel, Kirchgemeinde Krauthausen (Hrsg.): Festschrift zum 300-jährigen Jubiläum der Kirche zu Krauthausen 1709-2009. Krauthausen 2009.
  5. http://www.stedtfeld.eisenachonline.de/chronik.html
  6.  Gerhard Kühn: Kirchen .... S. 72.
  7.  Gerhard Kühn: Kirchen im Eisenacher Land. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1989, S. 111.
  8.  Gerhard Kühn: Kirchen .... S. 112.
  9.  Gerhard Kühn: Kirchen .... S. 73.
  10. Thüringer Allgemeine, Kreisseite Eisenach, Ausgabe vom 1. März 2010.
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKommunalwahlen in Thüringen am 25. Mai 2014. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 26. Mai 2014.
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGewerbegebiete in der Wartburgregion. In: Wartburgkreis-Online. Abgerufen am 18. Februar 2010.
  13. Thüringer Allgemeine, Kreisseite Eisenach, Ausgabe vom 1. März 2010.