Landkreis Blankenburg

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Dieser Artikel behandelt den braunschweigischen Landkreis Blankenburg (1815–1945) und den Landkreis Blankenburg im Land Sachsen-Anhalt (1945–1950). Für den niedersächsischen Landkreis Blankenburg (1945–1972) siehe Landkreis Blankenburg (Niedersachsen).
Basisdaten[1]
Kreisstadt Blankenburg
Fläche 475 km² (1939)
Einwohner 40.674 (1939)
Bevölkerungsdichte 85,6 Ew./km² (1939)
Gemeinden 24 (1939)
Harz 1945.jpg
Der Raum Braunschweig-Harz mit Vorkriegsgrenzen
und der späteren Zonengrenze

Der Landkreis Blankenburg war ein Landkreis im Osten des Herzogtums und späteren Freistaates Braunschweig und bestand aus den Ämtern Blankenburg, Hasselfelde und Walkenried. Der Landkreis wurde 1945 zwischen der britischen und der sowjetischen Besatzungszone aufgeteilt und lag dadurch später zu Teilen in der BRD und der DDR. 1950 wurde der Ostteil in die DDR-Kreise Quedlinburg und Wernigerode eingegliedert. Der westliche Teil gehörte als Landkreis Blankenburg mit der Kreisstadt Braunlage zu Niedersachsen, bis er am 1. Juli 1972 auf die Landkreise Goslar und Osterode am Harz aufgeteilt wurde.

Geographie[Bearbeiten]

Das Kreisgebiet erstreckte sich vom nördlichen Harzvorland bei Blankenburg bis in den Oberharz bei Braunlage und den Südharz bei Walkenried. Im Nordwesten des Kreisgebiets lag der Wurmberg.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Landkreis war von Hüttenwesen und Bergbau geprägt. Auch der Tourismus spielt eine prägende Rolle, es gab mehrere Kur- und Erholungsorte. Im Landkreis gab es einige sehr bekannte Unternehmen, wie die Harzer Werke in Rübeland und Zorge (später in Blankenburg) und die Tanner Hütte in Tanne. Auch zahlreiche Steinbrüche existierten im Kreisgebiet. Eine Besonderheit war die Braunkohlengrube „Hercynia“ bei Wienrode am nördlichen Harzrand.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Kreis wurde unter anderem durch die Harz-Zahnradbahn Blankenburg–RübelandTanne (Harz) (erbaut 1885–1886) erschlossen. Den westlichen Kreisteil erschloss, ab 1899, die ebenfalls private Südharz-Eisenbahn-Gesellschaft (SHE) mit der Schmalspurbahn Walkenried–Braunlage/Tanne. Außerdem verlief die Harzhochstraße durch das Kreisgebiet und verband die Orte Stiege, Hasselfelde, Trautenstein, Tanne und Braunlage untereinander.

Denkmal für den ehemaligen Landkreis Blankenburg nahe dem Heimatmuseum in Braunlage

Geschichte[Bearbeiten]

Der Kreis Blankenburg bestand aus Teilen des ursprünglichen Braunschweiger Harzgebietes und der ehemaligen Grafschaft Blankenburg, die nach dem Aussterben der dortigen Grafen 1599 an Braunschweig fiel. Nach dem Wiener Kongress wurde der Landkreis Blankenburg 1815 neu geschaffen.

Bei der Einteilung Deutschlands in Besatzungszonen 1945 wurde der Kreis Blankenburg zwar nach dem Londoner Protokoll von 1944 zunächst der Britischen Besatzungszone zugeordnet, da der größere Ostteil des Kreises aber nur durch eine Straße (die heutige B 242) und eine Bahnstrecke der Südharz-Eisenbahn mit dem Rest der Britischen Zone verbunden war, wurde im Juli 1945 die Grenzziehung korrigiert und der Kreis an seiner schmalsten Stelle westlich von Sorge geteilt: Der größere Ostteil des Kreises mit der Kreisstadt Blankenburg wurde der Sowjetischen Besatzungszone, später der DDR und dem Land Sachsen-Anhalt zugeordnet, der kleinere Westteil mit der Stadt Braunlage und den Gemeinden Hohegeiß, Neuhof, Walkenried, Wieda und Zorge kam zur Britischen Zone und damit zu Niedersachsen. Dieser Landkreis Blankenburg (mit der nunmehrigen Kreisstadt Braunlage) wurde 1972 mit der niedersächsischen Gebietsreform aufgelöst und den Landkreisen Goslar und Osterode zugeordnet.

Der Ostteil des alten Landkreises Blankenburg bestand bis zum 30. Juni 1950 als eigenständiger Landkreis (ohne Braunlage und die in Niedersachsen liegenden Gemeinden) weiter und wurde dann zwischen den Landkreisen Quedlinburg und Wernigerode aufgeteilt. Seit 1990 gehörte die ehemalige Grafschaft Blankenburg bis auf Allrode, das erst 1994 dazu kam, vollständig zum Landkreis Wernigerode, der 2007 im Landkreis Harz aufging.

Städte und Gemeinden[Bearbeiten]

Die Städte und Gemeinden des Kreises Blankenburg, ihre Einwohnerzahl von 1939 und ihr Verbleib nach der Auflösung des Kreises:[2][3][4]

Gemeinde Einwohner
1939
Verbleib
Allrode 706 1950 zum Landkreis Quedlinburg
Altenbrak 533 1950 zum Landkreis Wernigerode
Benzingerode 967 1950 zum Landkreis Wernigerode
Blankenburg (Harz), Stadt 13.195 1950 zum Landkreis Wernigerode
Börnecke 782 1950 zum Landkreis Wernigerode
Braunlage, Stadt 4.049 1945 zum Landkreis Blankenburg (Niedersachsen)
Cattenstedt 949 1950 zum Landkreis Wernigerode
Hasselfelde, Stadt 2.951 1950 zum Landkreis Wernigerode
Heimburg 1.171 1950 zum Landkreis Wernigerode
Hohegeiß 971 1945 zum Landkreis Blankenburg (Niedersachsen)
Hüttenrode 1.788 1950 zum Landkreis Wernigerode
Michaelstein 1.024 1950 zum Landkreis Wernigerode
Neuhof 430 1945 zum Landkreis Blankenburg (Niedersachsen)
Neuwerk 524 1950 zum Landkreis Wernigerode
Rübeland 1.283 1950 zum Landkreis Wernigerode
Stiege 1.518 1950 zum Landkreis Wernigerode
Tanne 861 1950 zum Landkreis Wernigerode
Timmenrode 1.410 1950 zum Landkreis Quedlinburg
Trautenstein 631 1950 zum Landkreis Wernigerode
Treseburg 253 1950 zum Landkreis Wernigerode
Walkenried 1.548 1945 zum Landkreis Blankenburg (Niedersachsen)
Wieda 1.393 1945 zum Landkreis Blankenburg (Niedersachsen)
Wienrode 752 1950 zum Landkreis Wernigerode
Zorge 1.116 1945 zum Landkreis Blankenburg (Niedersachsen)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMichael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte. Abgerufen am 22. Mai 2009.
  2. Gemeindeverzeichnis 1910: Kreis Blankenburg
  3. territorial.de: Kreis Blankenburg
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMichael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte. Abgerufen am 12. Januar 2015.