Kreis Hümmling

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Basisdaten
Preußische Provinz Hannover
Regierungsbezirk Osnabrück
Kreissitz Sögel
Bestandszeitraum 1885–1932
Fläche 782,21 km²
Einwohner 25.137 (1932)
Bevölkerungsdichte 24 Einw./km²
Städte keine
Gemeinden 34 (1932)
Kfz-Kennzeichen: I S
Lage des Kreises in der ehemaligen Provinz Hannover (1905)
Lage des Kreises Hümmling in der Provinz Hannover (1905)
Der Kreis vor der preußischen Gebietsreform 1932
Kreis Hümmling 1932

Der Kreis Hümmling war ein preußischer Landkreis im Westen der Provinz Hannover.

Geografie[Bearbeiten]

Der Kreis lag etwa 22 km nördlich von Meppen und war benannt nach dem bis zu (73 m ü. NN) hohen Geestrücken Hümmling.

Nachbarkreise[Bearbeiten]

Im Norden grenzte er an den damaligen Kreis Leer, im Osten an das Großherzogtum Oldenburg (Ämter Friesoythe und Cloppenburg), im Süden an den Kreis Meppen und im Westen an den Kreis Aschendorf.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Region Hümmling war bis 1803 Teil des Niederstift Münster, kam dann an das Herzogtum Arenberg-Meppen (1803 bis 1810), war Teil des Kaiserreiches Frankreich (1810 bis 1814) und kam 1814 an das Königreich Hannover, mit diesem 1866 an Preußen. Die Preußen waren hier allerdings sehr unbeliebt, so dass der Hümmling, eigentlich eine Domäne der katholischen Zentrumspartei, zur Reichstagswahl 1928 infolge der Agrarkrise eine Hochburg der Welfenpartei wurde. Der Hümmling wurde im Alten Reich auch als freier Hümmling bezeichnet, da die Bauern in ihm nicht persönlich abhängig waren. Sie behaupteten dies zumindest in einem langen Prozess, der wegen des Versuchs des Fürstbischofs von Münster, sie zu Fronarbeiten zum Bau seines Schlosses Clemenswerth heranzuziehen, vor dem Reichskammergericht in Wetzlar geführt wurde.

Nach der Annexion Hannovers 1867 durch Preußen wurde 1885 aus dem Amt Hümmling und Teilen des Amtes Haselünne (Gemeinden Ahmsen, Groß Berßen, Klein Berßen, Groß-Stavern, Klein-Stavern, Herßum, Holte, Lähden, Lastrup, Vinnen und Wachtum) der Kreis Hümmling gebildet. Vor 1815 war das Kreisgebiet Teil des Herzogtums Arenberg, das 1803 aus Teilen des Niederstiftes Münster entstanden war.

Am 1. August 1932 wurden durch Verordnung des preußischen Staatsministeriums der Kreis Aschendorf und der Kreis Hümmling mit Wirkung zum 1. Oktober 1932 aufgelöst. Der Kreis wurde mit dem Kreis Aschendorf zum Kreis Aschendorf-Hümmling vereinigt. Die bis zu diesem Zeitpunkt zum Kreis Hümmling gehörenden Gemeinden Ahmsen, Groß Berßen, Klein Berßen, Groß-Stavern, Klein-Stavern, Herßum, Holte, Lähden, Lastrup, Vinnen und Wachtum wurden in den Kreis Meppen eingegliedert.

Heute ist das Gebiet des ehemaligen Kreises Hümmling Teil des 1977 entstandenen Landkreises Emsland, jedoch ohne die Ortschaften Wachtum (heute Stadt Löningen, Landkreis Cloppenburg), Gehlenberg und Neuvrees (beide heute Stadt Friesoythe, Landkreis Cloppenburg).

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl Jahr Einwohnerzahl
1871 15.928 1885 15.719
1905 17.608 1925 22.041

Landräte[Bearbeiten]

  • 1885–1915: August Peus (1855–1939)
  • 1915–1916: Walter von Hove (vertretungsweise)
  • 1916–1931: Franz-Fritz Freiherr von Fürstenberg
  • 1931–1932: Hermann Mersmann

Städte und Gemeinden des Kreises[Bearbeiten]

Vor dem Zusammenschluss mit dem Kreis Aschendorf setzte sich der Kreis aus 34 Gemeinden zusammen. Die bedeutendsten waren Sögel und Werlte. Die übrigen sind hier in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt:

Ahmsen, Bockholte, Bockhorst, Börger, Börgermoor, Börgerwald, Breddenberg, Eisten, Esterwegen, Gehlenberg, Groß Berßen, Groß Stavern, Harrenstätte, Herßum, Holte, Hüven, Klein Berßen, Klein Stavern, Lähden, Lahn, Lastrup, Lorup, Neuvrees, Ostenwalde, Spahn, Vinnen, Vrees, Wachtum, Wahn, Wehm, Werpeloh, Wieste.

Die heutige Gemeinde Rastdorf (zwischen Werlte und Gehlenberg) existierte damals noch nicht.

Region Hümmling[Bearbeiten]

Der Hümmling ist nicht nur ein Geestrücken, er ist auch Quelle der regionalen Identität seiner Einwohner. Die Bewohner fühlen sich als Hümmlinger und grenzen sich gerne vom übrigen Emsland ab.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Eine typische Hümmlinger Spezialität ist der „Baukweiten Janhinnerk“, ein Pfannkuchen aus Buchweizenmehl mit Sirup, Apfelmus, Preiselbeeren, Ei, Käse, Brot oder Schwarzbrot.

Die „Nationalhymne“ des Hümmlings ist der „Hümmelske Bur“, ein Lied, welches die charakteristischen Eigenschaften der lokalen Bevölkerung preist.

Die Umgangssprache ist auch heute noch das Hümmlinger Platt, das zu den nordniedersächsischen Dialekten des Niedersächsischen gezählt wird. Erst die Generation der nach etwa 1975 Geborenen ist hochdeutsch aufgewachsen.

Eine besondere technische Attraktion im Hümmling ist die Hüvener Mühle, die heute die letzte komplett erhalten kombinierte Wind- und Wassermühle Europas darstellt.

Religion[Bearbeiten]

Der Hümmling ist wie auch das Emsland traditionell römisch-katholisch (93 % der Bevölkerung). Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen viele Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten und seit 1990 Russlanddeutsche in den Hümmling, die neben dem katholischen Glauben auch der Neuapostolischen Kirche und evangelikalen Glaubensrichtungen angehören (Pfingstbewegung, Baptisten).

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Franke, Josef Grave, Heiner Schüpp, Gerd Steinwascher (Hrsg.): Der Landkreis Emsland. Geographie, Geschichte, Gegenwart. Eine Kreisbeschreibung. Landkreis Emsland, Meppen 2002, ISBN 3-930365-13-8.
  • Karl-Eberhard Nauhaus: Das Emsland im Ablauf der Geschichte. Emsländ. Landschaft für d. Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim, Sögel 1984, ISBN 3-925034-00-5.

Weblinks[Bearbeiten]