Kriegsschauplatz

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Einteilung eines Kriegsschauplatzes nach einem Schaubild des amerikanischen Kriegsministeriums von 1940

Ein Kriegsschauplatz ist ein Landgebiet mit angrenzenden Randmeeren und dem darüber befindlichen Luftraum oder ein Seegebiet mit Inseln und angrenzenden Festlandsküsten und dem darüber befindlichen Luftraum, in dem Streitkräfte zum Zwecke des Krieges bewegt werden und Kampfhandlungen zwischen Streitkräften verschiedener Staaten stattfinden.

Das gesamte Kriegsgebiet wird in verschiedene Kriegsschauplätze unterteilt, wenn in räumlich getrennten Gebieten, Operationen oder Gefechte von Streitkräften desselben Landes stattfinden, die sich aufgrund der räumlichen Trennung nicht mehr auf taktischer oder operativer Ebene gegenseitig beeinflussen, sondern nur noch auf strategischer Ebene Einflüsse aufeinander ausüben. Je nach Intensität der Auseinandersetzungen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen, oder in Abhängigkeit von der Menge der den verschiedenen Kriegsschauplätzen zugewiesenen Truppen und Mitteln, können Haupt- und Nebenkriegsschauplätze unterschieden werden. Häufig werden auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen unabhängig von eigenen Truppenkommandos Oberbefehlshaber eingesetzt, die die Gesamtverantwortung im jeweiligen Kriegsgebiet tragen. Im Zweiten Weltkrieg hatten die Alliierten als Oberbefehlshaber auf dem europäischen Kriegsschauplatz General Dwight D. Eisenhower, während der pazifische Kriegsschauplatz von General Douglas MacArthur und Admiral Chester W. Nimitz geleitet wurde.

Die Einteilung des Kriegsgebiets in Kriegsschauplätze dient auch der militärischen Ordnung des Raumes. Dabei werden die Kriegsschauplätze selbst in eine rückwärts gelegene Verbindungszone und eine feindwärts gelegene Kampfzone unterteilt.[1] In der Kampfzone (NATO-Begriff: Combat-Zone) führen die Armeegruppen mit ihren Großverbänden (Korps, Divisionen, Brigaden) die Gefechte und Operationen. In der Verbindungszone (NATO-Begriff: Communications-Zone) befinden sich unter anderem auch die Aufmarschwege und zentralen Versorgungseinrichtungen. Jeder Kriegsschauplatz hat seine eigene Operationsbasis und verfügt über eigene Operationslinien, die in der Verbindungszone enden.

Geschichte des Begriffs[Bearbeiten]

Der Begriff theatrum belli („Kriegstheater“) wird seit Ende des 17. Jahrhunderts[2] und im Deutschen seit dem Ende des 18. Jahrhunderts benutzt[3], zunächst in der Form Kriegstheater, die auch heute noch in vielen Sprachen gebräuchlich ist (engl. theater, frz. théâtre militaire, span. teatro de operaciones, poln. Teatr działań wojennych). Bekannt wurde der Begriff vor allem durch Carl von Clausewitz, in dessen Buch Vom Kriege er eine zentrale Stellung einnimmt. Dort ist auch die erste Definition zu finden:

Die Lübeckischen Anzeigen veröffentlichten 1917 obiges Bild unter der Rubrik Aus dem Felde
Kriegstheater: Eigentlich denkt man sich darunter einen solchen Teil des ganzen Kriegsraumes, der gedeckte Seiten und dadurch eine gewisse Selbständigkeit hat. Diese Deckung kann in Festungen liegen, in großen Hindernissen der Gegend, auch in einer beträchtlichen Entfernung von dem übrigen Kriegsraum. - Ein solcher Teil ist kein bloßes Stück des Ganzen, sondern selbst ein kleines Ganze, welcher dadurch mehr oder weniger in dem Fall ist, daß die Veränderungen, welche sich auf dem übrigen Kriegsraum zutragen, keinen unmittelbaren, sondern nur einen mittelbaren Einfluß auf ihn haben. Wollte man hier ein genaues Merkmal, so könnte es nur die Möglichkeit sein, sich auf dem einen ein Vorgehen zu denken, während auf dem anderen zurückgegangen würde, eine Defension, während auf dem anderen offensiv verfahren würde. Diese Schärfe können wir nicht überall mitnehmen, sie soll bloß den eigentlichen Schwerpunkt andeuten. [4]

Die Notwendigkeit eines solchen Begriffes hatte sich ergeben, nachdem sich das Kriegsbild im Laufe der Neuzeit allmählich aber grundlegend gewandelt hatte. Wurden zu Beginn der Neuzeit, wie schon zuvor im Mittelalter, die Heere konzentriert gegen ein Ziel mit einem Zweck verwendet, hatte sich spätestens in den Schlesischen Kriegen die Notwendigkeit ergeben, Teile der Gesamtstreitmacht mit anderem Auftrag zu detachieren. Während Friedrich der Große mit seiner Hauptarmee im Süden oder Osten operierte, stand eine Observationsarmee im Westen, wodurch sich im Kriegsgebiet zwei Kriegsschauplätze befanden. Betrachtet man die britischen Operationen dieser Zeit, kommt man sogar auf vier Kriegsschauplätze: Mitteleuropa, Nordamerika, Indien, Karibik. Freilich hatten auch schon die großen Mächte der Antike ihre Kriege auf mehreren Kriegsschauplätzen gleichzeitig geführt, so zum Beispiel das Römische Reich im Zweiten Punischen Krieg, in dem römische Truppen zeitgleich in Spanien und Italien gegen Karthago kämpften. Die Notwendigkeit eines eigenen Begriffs scheint sich aber nicht ergeben zu haben. Erst in der Neuzeit erforderten die strategischen Realitäten ein angemessenes begriffliches Instrumentarium, um auch in der immer weiter zunehmenden theoretischen Durchdringung des Krieges die damit verbundenen Phänomene hinreichend präzise ansprechen zu können.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verdrängte das neuere Wort Kriegsschauplatz das ältere Wort Kriegstheater. Im Ersten Weltkrieg wurde analog zu anderen Einteilungen (vgl. Hauptkampflinie) auch die Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenkriegsschauplätzen eingeführt [5].

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Steindorff (Hrsg.), Kriegstaschenbuch - Ein Handlexikon über den Weltkrieg, Leipzig und Berlin 1916
  • Heeresdienstvorschrift 100/100 Führung im Gefecht, Bonn 1973
  • Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Militärlexikon, Berlin 1973
  • Ernst Lutz, Lexikon zur Sicherheitspolitik, München 1980
  • Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Berlin 1993, ISBN 3-423-03358-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Kriegsschauplatz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heeresdienstvorschrift 100/100 Führung im Gefecht (TF/G), Bonn 1973; Anlage 1
  2. Marian Füssel: Theatrum Belli – Der Krieg als Inszenierung und Wissensschauplatz im 17. und 18. Jahrhundert (PDF; 1,3 MB), in: metaphorik.de 14/2008, S. 205–230
  3. Wolfgang Pfeifer (Hrsg.), Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Berlin 1993
  4. Carl von Clausewitz, Vom Kriege, Zweiter Teil, Fünftes Buch, Zweites Kapitel
  5. Ulrich Steindorff (Hrsg.), Kriegstaschenbuch - Ein Handlexikon über den Weltkrieg, Leipzig und Berlin 1916