Krim Belkassem

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Krim Belkacem um 1945

Krim Belkassem (arabisch ‏كريم بلقاسم‎), auch Belkassem Krim geschrieben (* 1922 in Kabylei, Ostalgerien; † 20. Oktober 1970 in Frankfurt am Main), war ein algerischer Offizier und Politiker, der eine bedeutende Rolle im Algerienkrieg, dem Kampf für die Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich, spielte. Später wurde er im deutschen Exil von politischen Konkurrenten ermordet.

Berbischer Abstammung, geht Belkassem als junger Mann gegen den Willen seines Vaters nach Algier, ernährt sich als Arbeiter, wird mit der französischen Sprache und Lebensweise vertraut und fühlt sich der französischen Kultur enger verbunden als der islamischen. 1942 in die französische Armee eingetreten, kämpft er bis zum Kriegsende – zuletzt als Feldwebel – in einem Infanterieregiment. In diesen drei Jahren wandelt er sich vom Freund zum erbitterten Gegner der Franzosen. Die muslimischen Algerier sind durch den Code de l’indigénat gegenüber jüdischen und christlichen Franzosen diskriminiert und Belkassem gewinnt die Empfindung, in zu den Menschen zweiter Klasse zu gehören. Nach Kriegsende zunächst als Juwelier erwerbstätig, schließt sich Belkassem bald der nationalistischen „Algerischen Volkpartei“ an. Statt sich an den Streitigkeiten zwischen Messalisten und Zentralisten zu beteiligen, gründet er mit Genossen 1946/47 den geheimen Kampfverband O. S. (Organisation spéciale), der sich als Keimzelle der zukünftigen „Nationalen Befreiungsarmee“ (ALN) erweisen wird. In der algerischen Exilregierung ist er von 1958–62 Stellvertretender Ministerpräsident, außerdem Verteidigungsminister (bis 1960) und Außenminister (bis 1962).[1] In den innerparteilichen Machtkämpfen der Front de Libération Nationale (Nationale Befreiungsfront FLN) nach der Unabhängigkeit Algeriens (1962) der Fraktion um Ben Bella unterlegen, geht er 1963 ins Exil (Italien, Schweiz). 1967 gründet er in Paris eine Oppositionsgruppe gegen die Regierung Houari Boumediennes, des algerischen Staatschefs von 1965–78. Im April 1969 verurteilt ihn ein „Revolutionsgericht“ in Oran wegen Verschwörung gegen die algerische Regierung in Abwesenheit zum Tode. Anderthalb Jahre später wird er im Frankfurter Hotel „Intercontinental“ erdrosselt aufgefunden. Die Täter – vermutlich drei Marokkaner – können entkommen.[2]. Später wurde er vom algerischen Staat rehabilitiert. Sein Leichnam wurde 1984 auf dem Platz der Märtyrer bestattet. Der Flughafen der algerischen Stadt Hassi Messaoud ist nach ihm benannt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brockhaus Enzyklopädie, 19. Auflage, Band 3, 1987
  2. Webseite chroniknet, abgerufen am 23. Januar 2011