Krimdeutsche

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Krimdeutsche ist die Bezeichnung für eine deutschsprachige Volksgruppe auf der Halbinsel Krim in der heutigen Ukraine.

Geschichte[Bearbeiten]

Ab 1783 erfolgte eine gezielte Ansiedlung von Russen, Ukrainern und Deutschen auf der Krim im ehemaligen Krim-Khanat, wo im Kolonisationsgebiet Neurussland ein Gouvernement Taurien eingerichtet wurde, um die Stellung der dort ansässigen Krimtataren zu schwächen.

1915 gab es 314 Kolonien auf der Halbinsel. 1926 lebten 43.631 Deutschstämmige auf der Krim, was 6,1 % Gesamtbevölkerung entsprach.[1]. 1939 waren von damals 1,1 Millionen Einwohnern etwa 60.000 deutscher Herkunft, was fast 5,5 % der Gesamtbevölkerung entsprach.

Am 18. Juli 1941, noch vor Eintreffen der deutschen Wehrmachtsverbände, ließ Stalin aus Furcht vor einer Kollaboration mit dem Feind (Deutsches Reich) fast 53.000 Volksdeutsche von der Krim „auf ewige Zeiten“ vertreiben. In aller Eile mussten sie das Nötigste zusammenpacken und wurden, zusammengepfercht in Viehwaggons, hauptsächlich nach Kasachstan transportiert. Viele starben schon an den Strapazen der tagelangen Fahrt.

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen im Jahr 1942 lebten auf der Krim nur noch 960 Deutschstämmige, die von September 1943 bis März 1944 zusammen mit deutschstämmigen Siedlern aus den Gebieten Cherson, Nikolaev Nikopol, Kiew, Charkow, Kriwoj-Rog, Melitopol, Mariupol, Dnjepropetrowsk, Kirowograd und Saporoshje als Administrativumsiedler[2] in den Warthegau umgesiedelt wurden.

Nach der Rückeroberung durch die Rote Armee wurden am 18. Mai 1944 weitere 181.000 Tataren deportiert, denen man kollektive Kollaboration mit den Deutschen vorwarf. Ihnen folgten 14.500 Griechen, 12.000 Bulgaren, 11.300 Armenier und 5.000 Italiener. An die Massendeportation der Volksdeutschen, Tataren, Griechen, Bulgaren und Armenier erinnert das Denkmal "gegen Grausamkeit und Gewalt" am Bahnhof von Kertsch. Vergessen wurden dabei die zirka 5.000 Italiener, die seit 1820 in Kertsch lebten.

Erst im Rahmen der Perestroika konnten Krimdeutsche wieder auf die Krim zurückkehren. Nach der russischen Annexion der Krim unterzeichnete Präsident Wladimir Putin im April 2014 einen Erlass, demzufolge die deportierten Deutschen, Tataren, Armenier, Bulgaren und Griechen „rehabilitiert“ und deren Nachfahren entschädigt werden sollen.[3]

Siedlungen[Bearbeiten]

Mutterkolonien[4][5][Bearbeiten]

Siedlungsgebiete der Krimdeutschen um 1890
  • Friedental (heute Kurortne/Курортне)
(gegründet 1805 von 25 Familien aus Württemberg und sieben Familien aus der Schweiz)
  • Heilbrunn (heute Prywitne/Привітне)
(gegründet 1805 von 40 Familien aus Württemberg)
  • Herzenberg (heute Pionerske/Піонерське)
(gegründet 1804)
  • Hoffnungstal (heute Newske/Невське)
  • Kronental (heute Koltschuhyne/Кольчугине)
(gegründet 1810 von 57 Familien, von denen fünf aus Württemberg und 52 aus Baden kamen)
(gegründet 1806 von 36 Familien, von den 27 aus Württemberg kamen)
  • Rosental (heute Aromatne/Ароматне)
(gegründet 1806 Familien aus Baden)
(gegründet 1805)
(gegründet 1805 von 16 Familien aus Württemberg)
(gegründet 1805 von 49 Familien aus der Schweiz)

Tochterkolonien[Bearbeiten]

(gegründet 1890 von Schwaben aus Berdjansk)
(gegründet 1871)
(gegründet 1874)
(gegründet 1849)
(gegründet 1879)
(gegründet 1885)

Aktuelle Situation[Bearbeiten]

Von den etwa 2,5 Millionen Bewohnern der heute völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden, aber de facto seit 2014 unter russischer Kontrolle stehenden Krim sind etwa 3.000 deutscher Herkunft. 255 Personen sprechen Deutsch als Muttersprache laut den Angaben der Volkszählung von 2001.[6] Heute ist die Krim gerade für jüngere Deutschstämmige nur eine Durchgangsstation nach Deutschland. Die deutsche Vereinigung Wiedergeburt stellt seit 1994 einen Abgeordneten im Parlament der Krim.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Germans from Crimea in Labor Camps of Swerdlowsk District English
  2. Administrativumsiedler waren ca. 228.000 Volksdeutsche, die nach einer Anordnung der Militär- und Zivilverwaltung des Dritten Reiches in den besetzten Gebieten der UdSSR (Reichskommissariat Ukraine, rumänisches Transnistrien) ohne einen zwischenstaatlichen Vertrag in den Jahren 1942-44 in den Warthegau oder ins Altreich umgesiedelt wurden. Fast alle von ihnen hatten bis Kriegsende die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen bekommen.
  3. Tim Neshitov: Unsere Halbinsel. Stalin vertrieb sie in Viehwaggons von der Krim – erst die Deutschen, dann die Tataren, die Armenier, die Bulgaren, die Griechen. Putin will sie nun entschädigen. In: Süddeutsche Zeitung vom 20. Oktober 2014, S. 11.
  4. Die deutschen Kolonien auf der Krim, abgerufen am 28. September 2014
  5. Liste der Mutter- und Tochterkolonien auf der Krim, abgerufen am 28. September 2014
  6. Bevölkerungverteilung in den Regionen der Ukraine nach Muttersprache (English)