Kripp

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Dieser Artikel behandelt einen Ortsteil der Gemeinde Remagen. Zum österreichischen Diplomaten siehe Bernhard Joseph Kripp.

50.5612944444447.265911111111165Koordinaten: 50° 33′ 41″ N, 7° 15′ 57″ O

Kripp
Stadt Remagen
Wappen von Kripp
Höhe: 65 m ü. NN
Einwohner: 3025 (30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 53424
Vorwahl: 02642
Kripp (Rheinland-Pfalz)
Kripp

Lage von Kripp in Rheinland-Pfalz

Kripp – Ansicht von der anderen Rheinseite
Rheinpromenade in Kripp

Kripp ist einer von sechs Ortsbezirken und zugleich einer von acht Ortsteilen[2] der verbandsfreien Stadt Remagen im Landkreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz. Am 30. Juni 2014 betrug die Einwohnerzahl des Ortsbezirks 3025.[1]

Luftaufnahme von Kripp aus südlicher Richtung

Der Name der Ortschaft ist auf die Zeit der Treidelschiffahrt zurückzuführen, da an der Stelle eine Futterstelle (Krippe) für die Treidelpferde eingerichtet war. Urkundlich erstmals 1474 erwähnt, als im burgundischen Krieg kaiserliche Truppen die gegenüberliegende Stadt Linz beobachteten, wurde der Ort Kripp erst Anfang des 18. Jahrhunderts stärker besiedelt. Das erste Haus wurde 1706 vom Linzer Bürger Johann Breuer errichtet, diese Jahr gilt als Gründungsdatum des Ortes Kripp.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Kripp war eine bedeutende Zwischenstation der Treidelschifffahrt zwischen Köln und Koblenz. Treideln bedeutet, dass man Schiffe mit Pferden flussaufwärts zieht. Aus heutiger Sicht würde man Treideln als Tierquälerei bezeichnen. Die Pferde wurden auf dem linken Auge blind wegen der Reflexion der Sonne auf dem Wasser. Außerdem wurden sie nach wenigen Jahren kreuzlahm wegen des seitlichen Zuges des Seiles. Bisweilen wurden sie auch ins Wasser gerissen, wenn der Steuermann das Schiff in die Strömung geraten ließ und der Pferdeführer es nicht schaffte, das Seil rechtzeitig zu kappen. Auch sonst war es ein mühsames Geschäft, weil die Schiffe häufig auf Grund liefen. Dann musste die Ladung auf ein Beiboot umgeladen werden, bis das Hauptschiff wieder loskam.

Als endlich Dampfschiffe verfügbar waren, und auch den Rhein befuhren, ließen es die Treidler an Einsicht für die notwendigen strukturellen Veränderungen mangeln und beschossen 1848 die Dampfschiffe. Es ist sogar eine Kanone zum Einsatz gekommen. Versenkt wurde jedoch keines der Schiffe. Die Kanone ist noch heute als Denkmal eines unbeugsamen Willens, oder einer „halsstarrigen Fortschrittsfeindlichkeit“ am Rhein auf einem Sockel nahe der Fähranlegestelle zu sehen. Der Aufstand griff auch auf andere Treidelstationen von Wesseling bis Weißenthurm über. Es ist ebenfalls überliefert, dass die alten Kripper „wilde Gesellen“ gewesen sein müssen – an die Obrigkeit in Remagen wurden entsprechende Beschwerden herangetragen.

Zur Blüte gelangte Kripp mit dem Brennen von Ziegelsteinen aus Lehm, der nun dort gefunden und abgebaut wurde. Ein Unternehmer aus Italien nahm sich des Geschäftes an und brannte die Ziegel für eine Lederfabrik. Die Arbeiter entlohnte er ebenfalls mit Ziegeln; freilich nur mit den schlechten. Aus den guten Ziegeln wurde die Lederfabrik, die noch heute steht, aus den schlechten – die Kripper Häuser.

Als man schließlich keine Ziegel mehr brannte, wurden die Arbeiter mit Schnaps bezahlt und auch mit selbst gemachtem Geld. In der Lederfabrik fanden bis zu 170 Menschen Arbeit.

Als der gesamte Lehm für die Ziegel abgetragen war, trat nun das darunter liegende Kiesbett zu Tage. Geschäftstüchtig verarbeiteten die Kripper auch dieses und machten daraus Beton. Die Beton-Union steht heute noch dort.

Die bis etwa 1933 alljährlich wiederkehrenden Schwärme des heringsartigen Fisches Finte haben bis heute ihre Wirkung auf Namensgebung und Brauchtum in Kripp.[4]

  • Schmähwort aus den umliegenden Orten: „Kripper Fente, rüch ens, wat se stinke“
    (auf Hochdeutsch etwa: „Kripper Finte, riech mal, wie die stinken“)
  • 1951: die Karnevalsgesellschaft „Kripper Fente“ wird gegründet
  • 1953: das Fährschiff „Finte“ wird am 29. Dezember in Dienst gestellt – heute außer Dienst
  • 1955: Friedel Valentin ist der erste Kripper Karnevalsprinz mit einem Fintenfisch auf der Prinzenuniform
  • 1998: die Karnevalsgesellschaft „Kripper Fente KG“ wird als Nachfolger der „Kripper Fente“ gegründet

Der Ort[Bearbeiten]

Der Kripper Wasserturm

Die eigentliche Erfolgsgeschichte von Kripp begann mit der Entdeckung der Maria-Luisen-Quelle, die bei einem Hochwasser durch das Auftreten kleiner Luftbläschen gefunden wurde. Kripp wurde daraufhin zu „Bad Kripp“. Es bildete sich ein Kurhaus. Die Bundesstraße 266 wurde ausgebaut, bis in den 1950er-Jahren die Quelle zerfiel. Das Wasser wurde unrein und nicht mehr genießbar, blieb jedoch Grundlage für die Limonadenherstellung durch die Quellen-Lehnig AG.

Kripp teilt sich in das Ober- und Unterdorf, unterschieden nach der Höhenlage am Rheinufer. Sein Wahrzeichen ist der Wasserturm (erbaut 1904), der sich weithin sichtbar über die Gärten erhebt und unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Wichtiger für die Bevölkerung sind die zwei Bäckereien und der Edeka-Laden zur Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs. Dagegen wurden die Abfüllanlagen zweier Quellen aufgegeben. Wegen akuter Einsturzgefahr der Ruine in der Quellenstraße ist mittlerweile der Gehweg gesperrt. Die Industriebauten werden von der Natur zurückerobert und Jahr für Jahr von dichteren Teppichen aus Brombeerranken und wildem Wein überwuchert. Jeden Frühling zur Zeit des Hochwassers bahnt sich die Ahr ihren Weg durch die verwilderten Grundstücke.

In der anderen Richtung führt die B 266 ins Ahrtal, wo an den steilen, kargen Schieferhängen Weine in winzerischer Handarbeit angebaut werden. Während der Wartezeit können Reisende sich im Weinkontor direkt neben der Fähranlegestelle einen Vorrat davon zulegen.

Campingfreunden ist Kripp ein Begriff ob des Campingplatzes Goldene Meile, der auch im Winter gut besucht ist. Vom Rhein aus erkennt man auch den früheren Charakter von Kripp als Standort von Obstplantagen.

Um der Freiwilligen Feuerwehr im Hochwasserfall das Bauen und Versetzen von Stegen zu ersparen, wurde ein Kanal, namens „Ingo-Wolf-Kanal“, angelegt. Versorgungs- und Transportboote können so, sogenannte Jahrhunderthochwasser einmal ausgenommen, Bewohner des Hochwassergebietes und Versorgungsgüter „trockenen Fußes“ an Land bringen.

Politik[Bearbeiten]

  • CDU-Ortsverband Kripp
  • SPD-Ortsverein Kripp
  • FBL Freie Bürgerliste Kripp
  • Bündnis 90/Die Grünen

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Neben einer Grundschule sind zwei Kindergärten in Kripp beheimatet.

Religion[Bearbeiten]

  • Katholische Pfarrgemeinde St. Johannes Nepomuk Kripp
  • Evangelische Kirchengemeinde Martin-Luther-Kirche Kripp

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Strohbär aus Naturstroh in Kripp

Kultur[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Ahrbrücke in Kripp
Johannes Brus: 2 Pferde und ein Boot, 2008

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b ohne Nebenwohnsitze; Quelle: Einwohnerstatistik der Stadt Remagen
  2. Hauptsatzung der Stadt Remagen vom 15. Dezember 2009 (PDF-Dokument)
  3. Josef Siebertz: Aus der Geschichte der Rheinfähre Linz-Kripp. In: 1100 Jahre Linz am Rhein – Festbuch zur 1100-Jahr-Feier. S. 275
  4. http://www.geschichte-kripp.de/66.html.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kripp – Sammlung von Bildern