Kristallomantie

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Kristallomantie ist eine Form der Wahrsagung (Mantik), bei der spiegelnde Flächen als Medium für Deutungen künftiger Ereignisse dienen sollen. Praktisch jede reflektierende Fläche wurde zu dieser oder jener Zeit schon dazu verwendet – Wasser, Glas, poliertes Metall, Edelsteine, Blut und sogar Seifenblasen. Die häufig verwendete Kristallkugel aus Glas, Bergkristall (Quarz) oder auch aus echtem Beryll (Beryllomantie) ist ein Zunftzeichen der Wahrsager. Schon Thomas von Aquin erwähnt die „divinatio ex lapide polito“, das „Weissagen aus glänzendem Stein“. Die katholische Kirche stand der Kristallomantie – wie allen wahrsagerischen Übungen – ablehnend gegenüber. Zeitgenössische Moraltheologen sehen zwar kein „Dämonenwerk“ mehr, betonen aber die Nähe zu unerlaubtem „Forschen nach Geheimwissen“.

Hans Bender, der den ersten deutschen Lehrstuhl für Parapsychologie in Freiburg innehatte, experimentierte mit einer „Schusterkugel“, einer mit Wasser gefüllten Glaskugel, wie sie früher in Schusterwerkstätten zur Bündelung des Lichts verwendet wurden.

Als Kristalloskopie – und gelegentlich nicht ganz korrekt ebenfalls als Kristallomantie – bezeichnet man Verfahren, durch Konzentration von Blick und Aufmerksamkeit auf einen glänzenden Gegenstand Visionen oder innere Erfahrungen zu provozieren. Ähnlich der psychologischen Nutzung des Tarot soll der Betrachter durch Meditation in einen tranceartigen Zustand versetzt werden, es sollen Bilder aus dem Unbewussten aufsteigen, die dann zur Selbsterkenntnis oder auch psychotherapeutisch genutzt werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christa Agnes Tuczay: Kulturgeschichte der mittelalterlichen Wahrsagerei. De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 3110240416, S. 68 - 70.
  • Richard Baerwald: Okkultismus und Spiritismus und ihre weltanschaulichen Folgen. SEVERUS Verlag, Hamburg 2011, ISBN 3863471946, S. 176 & 177.