Kritik an Esperanto

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Kritik an der Plansprache Esperanto lässt sich in mehrere Punkte unterteilen. Teilweise werden Plansprachen als solches kritisiert, teilweise die Bestrebungen von Esperantisten, Esperanto als Weltsprache einzuführen. Andere Kritikpunkte zielen auf bestimmte Eigenschaften des Esperanto. Einige der Kritiker, die bestimmte Eigenschaften des Esperanto kritisiert haben, haben Esperantiden oder andere Plansprachprojekte entwickelt.

Mangelnde Ausgeformtheit[Bearbeiten]

August Leskien schrieb 1907, Zamenhof habe ... ohne Erfahrung aus der wirklichen Sprachwelt... die prinzipiellen Vorfragen...gar nicht aufgeworfen ....Sein Werk ist daher ein gänzlich misslungener Versuch, das Problem der Weltsprache zu lösen......Dass man mit Hilfe eines Esperanto-Lehrbuchs in kurzer Zeit einen Brief verfassen oder ein paar Sätze.... zusammenstoppeln kann, beweist nichts, und allgemeine Redensarten von begeisterten Anhängern der Weltsprache über die Leichtigkeit des Esperanto sind ganz wertlos.[1] In seiner Antwort schrieb Baudouin de Courtenay u.a., dass Esperanto „eine wirkliche Sprache“ ist, die „praktische Vorzüge vor den meisten anderen «Weltsprachen»“ hat.[2]

Mangelnde Internationalität[Bearbeiten]

Edgar von Wahl, bis 1894 selbst ein Anhänger der Esperanto-Bewegung, machte darauf aufmerksam, dass die Ableitungssilben des Esperanto zu Formen führen, die zu den „international bekannten Formen“ in Gegensatz stehen, z. B. redaktisto (Redakteur), redaktejo (Redaktion), publikigaĵo (Publikation), aliformigilo (Transformator), katolikismo (Katholizismus). Esperanto führt deshalb zusätzlich noch „quasi-internationale“ aber nicht regelmäßig abgeleitete Formen ein, z. B. redaktoro, redakcio, transformatoro. „Wo Esperanto international ist, ist es nicht regelmäßig, und wo es regelmäßig ist, ist es nicht international, sondern groteske Willkür.“[3]

Slawische Einflüsse[Bearbeiten]

Edgar von Wahl hat die Kritik geäußert, eine „polnische“ Orthographie für den mehrheitlich „latino-romanischen“ Wortschatz führe zu einem fremden Schriftbild und häufigen Schreib- und Lesefehlern – vgl. colo (Zoll), aber kolo (Hals), caro (Zar), aber kara (lieb), deca (anständig), aber deka (zehnter).[4] Auch wandte von Wahl ein, die „polnische“ Betonung führe zu einem fremdartigen Klang, der Fehler provoziere (radío (Radio), regúlo (Regel), opéro (Oper)),[4] und die Einführung der slawischen Verbalaspekte stelle für Deutsche, Engländer, Japaner große Schwierigkeiten dar.[4]

Zur Verteidigung der Orthographie und der Betonungsregeln des Esperanto wird als Gegenargument häufig aufgeführt, dass es wichtiger sei, einheitliche Regeln zu haben, als sich nach den Gewohnheiten derer zu richten, die romanische Sprachen sprechen. Damit mache man die Sprache auch für Nicht-Europäer zugänglicher, als wenn man sich den Unregelmäßigkeiten (oder komplizierteren Regeln) der romanischen Sprachen unterordnete.

Zu den „slawischen Verbalaspekten“ ist zu sagen, dass diese z. B. im Russischen zwingend anzuwenden sind, da dort für verschiedene Aspekte derselben Tätigkeit oft verschiedene Verben verwendet werden. Diese zwingende Unterscheidung stellt Lernende manchmal vor Probleme. Bei Esperanto gibt es dagegen durch das Verbalpräfix „ek-“ für den Inchoativ und das Verbalsuffix „-ad-“ für den Durativ zwar die Möglichkeit, Verbalaspekte auszudrücken, aber das Verb bleibt dabei immer dasselbe und die Verwendung dieser Möglichkeit ist optional. Im Übrigen sind Verbalaspekte nichts „slawisches“, sondern auch im Deutschen in Verwendung (z. B. der Inchoativ „loslaufen“ statt „laufen“), und auch die Japaner unterscheiden z. B. zwischen „ame ga furidashita“ (es hat angefangen zu regnen) und „ame ga furu“ (es regnet).

Verwechslungsmöglichkeiten und Ausspracheprobleme[Bearbeiten]

Der russische Phonologe Nikolai Sergejewitsch Trubezkoi wies auf Phoneme (Laute) im Esperanto hin, die von Sprechern einiger Sprachen leicht verwechselt werden könnten: b und p, d und t, ĉ (tsch) und ĝ (dsch) usw. Zudem gibt es im Esperanto viele Laute, die insbesondere für bestimmte Volksgruppen Schwierigkeiten darstellen, da sie in ihrer Sprache nicht vorkommen wie zum Beispiel h für romanische Sprecher oder ch-Laut und r für Asiaten.

Dagegen wird argumentiert, ohne Laute, die in irgendeiner Sprache der Welt leicht verwechselbar seien, bliebe nicht viel Lautmaterial übrig. Insbesondere müsste dann international verbreitetes Wortgut stark umgeformt werden, womit der Vorteil der internationalen Bekanntheit entfiele.[5]

Kennzeichnung der grammatischen Kategorien[Bearbeiten]

Edgar von Wahl kritisierte am Esperanto auch die „kindische Maskerade“ durch „seine willkürlichen Etiketten für grammatikalische Kategorien, wie die Endung -o für die Hauptwörter,“ z. B. hundo (Hund), brusto (Brust), haŭto (Haut), Eŭropo (Europa), boao (Boa), knabo (Knabe).[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Erwiderungen auf Kritik[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. August Leskien zur Kritik der künstlichen Weltsprachen , online auf scribd.com, S.37 ff.
  2. Baudouin de Courtenay, Jan (1907): „Zur Kritik der künstlichen Weltsprachen.“ In: Annalen der Naturphilosophie (Leipzig) 6 S. 420. Zur Frage der Aktualität der Aussagen von vor 100 Jahren weist Klaus Schubert auf folgendes hin: „The Esperanto which Karl Brugmann, August Leskien, Hugo Schuchardt, Jan Baudouin de Courtenay, and their contemporaries were discussing at the beginning of the century was still in many features a project, while we today can observe a language. Their arguments may not pertain to today's object of interlinguistics. Our evidence differs from theirs (Schuchardt 1904/1976; Brugmann-Leskien 1907; Baudouin de Courtenay 1907/1976; (...) )“ (Klaus Schubert (ed.) Interlinguistics, S. 20)
  3. Edgar von Wahl: Wege und Irrwege zur Weltsprache. In: Occidental. Die Weltsprache. 3. Aufl. Stuttgart, s. a. S. 24.
  4. a b c d Edgar von Wahl: Wege und Irrwege zur Weltsprache. In: Occidental. Die Weltsprache. 3. Aufl. Stuttgart, s. a. S. 23.
  5. Lars-Gunnar Andersson: What makes a language hard? In: Simpozio pri interkultura komunikado. (PDF; 136 kB) Göteborg 2003.