Kritischer Realismus

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Der Kritische Realismus ist eine philosophische, insbesondere kosmologische und erkenntnistheoretische Grundposition, die davon ausgeht, dass eine reale Welt existiert, die der sinnlichen Wahrnehmung entspricht, aber (im Gegensatz zum naiven Realismus) durch die Art und Weise der menschlichen Wahrnehmung nicht sofort und unmittelbar erkennbar ist, inwieweit sie mit den durch die menschliche Verarbeitung entstehenden Erscheinungen übereinstimmt.

Ein klassisches Beispiel für die Begrenzung der menschlichen Wahrnehmung ist der Frequenzbereich des menschlichen Hörens, in dem weder die Töne einer Hundepfeife noch der tiefen Töne, die teilweise von Elefanten erzeugt werden, enthalten sind. Der kritische Realist geht davon aus, dass sich im Laufe der Zeit das menschliche Wissen der Realität immer mehr annähert, diese aber meist nicht vollkommen erreicht.

Als (deutschsprachige) Vertreter des Kritischen Realismus werden genannt: Nicolai Hartmann, Oswald Külpe, Hans Driesch, Erich Becher[1] Alois Riehl, Johann Friedrich Herbart,[2] Bernhard Bavink und Aloys Wenzl.[3]

Hans Albert bezeichnet den Kritischen Realismus als wesentlichen Teil der erkenntnistheoretischen Position des Kritischen Rationalismus.

George Santayana gilt als einflussreicher amerikanischer Vertreter des kritischen Realismus. Daneben werden Roy Wood Sellars und Arthur Lovejoy und – in einem weiteren Sinn – Bertrand Russell und C. D. Broad genannt. Der kanadische Jesuit Bernard Lonergan entwickelte eine umfassende kritisch realistische Philosophie.

Angenommen wird auch, dass die Erkenntnistheorie des Aristoteles im Sinne des Kritischen Realismus interpretiert werden kann[4].

In Großbritannien bezeichnet critical realism einen philosophischen Zugang zur sozialen und natürlichen Welt - insbesondere im Sinne von Roy Bhaskar. Dessen Philosophie wurde von Alister E. McGrath im Gespräch von Theologie und Naturwissenschaften rezipiert, das ansonsten stark an dem Kritischen Realismus Ian G. Barbours orientiert ist.

Überblick[Bearbeiten]

Der Kritische Realismus, wie er von Kritischen Rationalisten wie Hans Albert oder Alan Musgrave formuliert wird, umfasst zwei Hauptthesen:

  1. Kosmologie: Es gibt eine vom menschlichen Denken unabhängige, strukturierte Wirklichkeit.
  2. Erkenntnistheorie: Diese Wirklichkeit ist für den Menschen zumindest bis zu einem gewissen Grade erkennbar.

Der Kritische Realismus ergreift die Partei des gesunden Menschenverstands, verlässt sich aber nicht völlig auf ihn. Er unterscheidet sich als philosophisch reflektierte Konzeption vom naiven Realismus des praktischen Alltagsmenschen durch die Überprüfung anhand wissenschaftlicher Kritik. Denn die Wirklichkeit ist nicht immer so beschaffen, wie es dem Alltagsdenken zu sein scheint.

Der Erkenntnisfortschritt der Wissenschaften ist eine praktisch bestätigte Tatsache; Kritik muss an der Art und Weise der Verwertung des wissenschaftlichen Fortschritts geübt werden.

In Verbindung mit einem konsequenten Kritizismus wendet sich der Kritische Realismus gegen jedwede Art angeblicher Kritikimmunität letzter Annahmen. Darunter fällt auch die sog. „reine“ Erkenntnistheorie, wie sie etwa von Kant mit seinem transzendentalen Begründungsversuch vorgetragen worden ist. Der Prozess menschlichen Erkennens müsse vielmehr auch in der Philosophie bzw. Erkenntnistheorie realistisch aufgefasst werden und sich an den Ergebnissen empirischer Forschung messen lassen. Da auf Rechtfertigungsstrategie und Letztbegründung verzichtet wird, kann bei der wechselseitigen Kritik von Erkenntnistheorie und sozialpsychologischen Theorien der Wahrnehmung und des Erkennens kein logischer Zirkel auftreten.

Die Methodologie der Wissenschaften kann dann als sozialtechnologische Anwendung dieser empirischen Theorien bzw. als eine „rationale Heuristik“ aufgefasst werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rehfus, Einführung in das Studium der Philosophie - ISBN 3-494-02188-0, 2. Aufl. (1992), S. 35
  2. K. Lorenz, Abbildtheorie, in: Mittelstraß (Hrsg.), Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, 2. Aufl., Bd. 1 (2005), ISBN 3-476-01372-3
  3. Klaus Hentschel: Interpretationen und Fehlinterpretationen der speziellen und der allgemeinen Relativitätstheorie durch Zeitgenossen Albert Einsteins. Science Networks Historical Studies 6. Birkhäuser, Basel 1990, ISBN 3-7643-2438-4, S. 249–252.
  4. K. Lorenz, Abbildtheorie, in: Mittelstraß (Hrsg.), Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, 2. Aufl., Bd. 1 (2005), ISBN 3-476-01372-3

Weblinks[Bearbeiten]