Kroaten in Deutschland

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Kroaten in Deutschland sind die fünftgrößte Ausländergruppe in der Bundesrepublik Deutschland.

87,8 % der in Deutschland wohnhaften kroatischen Staatsangehörigen leben seit länger als zehn Jahren in der Bundesrepublik. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt 28,5 Jahre.

Anzahl[Bearbeiten]

Laut den Angaben des deutschen Statistischen Bundesamtes lebten am 31. Dezember 2010[1] in Deutschland 220.199 kroatische Staatsangehörige. Die genaue Zahl der Einwohner mit kroatischem Migrationshintergrund ist nicht bekannt. Der Kroatische Weltkongress in der Bundesrepublik Deutschland (KWKD) spricht von ca. 400.000 Kroatischstämmigen in Deutschland.[2] Die konstante Abnahme der kroatischen Staatsbürger in der Bundesrepublik Deutschland erklärt sich zum einen durch die verstärkte Rückkehr nach Kroatien, zum anderen entscheiden sich viele, insbesondere junge und gut ausgebildete Menschen kroatischer Abstammung, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen.

Ältere Angaben des statistischen Bundesamtes (kroatische Staatsangehörige):

  • 2009: 221.222
  • 2008: 223.056
  • 2007: 225.309
  • 2006: 227.510
  • 2005: 228.926
  • 2004: 229.172
  • 2003: 236.570
  • 2002: 230.987
  • 2001: 223.819
  • 1994: 176.251
  • 1993: 153.146

Bevölkerungsbewegungen[Bearbeiten]

Strukturelle Angaben über Gastarbeiter in West-Europa kroatischer und anderer Bevölkerungsgruppen des ehemaligen jugoslawischen Vielvölkerstaates während der letzten 35 Jahre.

Migration
Quelle: Gesamtzahl der Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien in Westeuropa aus Kroatien aus Bosnien-Herzegowina in Deutschland
Volkszählung 1971[3] 790.500 Arbeiter 6,1 % der Bevölkerung bzw. 308.295 oder. 38,3 % insgesamt aus Jugoslawien (Bevölkerungsanteil 22,2 %) 4,8 % der Bevölkerung  ?
1973[4] 1.110.000 (860.000 Arbeiter + 250.000 Familienmitglieder) 295.000 Arbeiter bzw. 34,4 % + Familienmitglieder 141.000 Arbeiter + Familienmitglieder 55 % aller bzw 605.000 (473.000 Arbeiter und 137 500 Familienmitglieder)
Anfang 1981[5] 1.100.000 (700.000 + 400.000 Familienmitglieder) „mindestens etwa 1/3“, („Vjesnik“, 10. April 1982)  ?  ?
Volkszählung 1981[6] 815.000 (578.000 + 237.000 Familienmitglieder) 189.000 (135.000 + 54.000 Familienmitglieder), bzw. 23,19 % aller  ?  ?
1986[7]  ?  ?  ? 591.000 insgesamt aus Jugoslawien
1991[8]  ?  ?  ? 775.082 insgesamt aus Ex-Jugoslawien
1992[9]  ?  ?  ? 915.636 insgesamt aus Ex-Jugoslawien
2005[10]  ? 228.926 156.872 1.729.091 insgesamt aus Ex-Jugoslawien
2006[11]  ? 227.510 157.094 1.452.701 insgesamt aus Ex-Jugoslawien

Quelle: „Crkva i hrvatsko iseljeništvo“, Kršćanska sadašnjost, Zagreb, 1982 / „Vjesnik“, 14. Mai 2001.[12], Statistički ured, Wiesbaden, 2005.

Anzahl der Kroaten (nach Bundesländern)[Bearbeiten]

Angaben aus dem Jahr 2005

Anzahl der Kroaten in deutschen Bundesländern
Br. Bundesland Personen
1. Baden-Württemberg 77.461
2. Bayern 51.237
3. Berlin[13] 11.517
4. Brandenburg 259
5. Bremen 950
6. Hamburg 4.966
7. Hessen 31.207
8. Mecklenburg-Vorpommern 222
9. Niedersachsen ¹ 6.424
10. Nordrhein-Westfalen 36.488
11. Rheinland-Pfalz 7.243
12. Saarland 634
13. Sachsen 253
14. Sachsen-Anhalt 177
15. Schleswig-Holstein 1.753
16. Thüringen 95

¹31. Dezember 2007

Deutsche Städte[Bearbeiten]

Angaben für das Jahr 2005

Anzahl von Kroaten in Großstädten
Stadt Personen
München 24.866
Stuttgart 13.386
Frankfurt am Main 12.408
Berlin 11.517[14]
Mannheim 6.555
Hamburg 4.585
Düsseldorf ¹ 3.550
Nürnberg 3.392
Hannover ³ 3.102
Köln 2.854
Karlsruhe 2.423
Augsburg ³ 2.237
Offenbach am Main 1.999
Essen ² 1.944
Pforzheim ¹ 1.481
Wiesbaden 1.263
Wuppertal 1.183
Ulm 1.107
Freiburg ¹ 1.037
Darmstadt ¹ 751
Heidelberg 326

¹31. Dezember 2004, ²30. Juni 2006, ³31. Dezember 2007

Aufenthalt in Deutschland[Bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte in Deutschland nur eine geringe Zahl von Kroaten. Es handelte sich überwiegend um Arbeiter im Bergbau und der Industrie.

Vor dem Zerfall Jugoslawiens[Bearbeiten]

Die meisten Kroaten der ersten Generation kamen in den 1960er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland. Besonders viele kamen ab dem Jahr, als ein entsprechendes Abkommen zwischen den Regierungen Deutschlands und Jugoslawiens über die Aufnahme von Gastarbeitern aus Jugoslawien unterzeichnet wurde. Während des Kroatischen Frühlings, bei dem unter anderem auch gegen die Politik, welche die massive Abwanderung von Kroaten aus ihrer Heimat ins Ausland förderte, protestiert wurde, kamen auch zahlreiche vom jugoslawisch-kommunistischen Regime politisch verfolgte Exilkroaten nach Westdeutschland.

Die zweite Generation wurde in den 1970er Jahren in Deutschland geboren oder zog im Rahmen der Familienzusammenführung in späteren Jahren nach.

1990er Jahre[Bearbeiten]

Etwa 15 % der Kroaten kamen zwischen 1991 und 1995 während Kroatien-Krieg und Bosnienkrieg nach Deutschland. Gemäß einer Studie[15] von UNHCR und IOM aus dem Jahr 1996 war der Anteil der kroatischen Flüchtlinge und Vertriebenen aus Bosnien-Herzegowina in Deutschland 14,84 % (etwa 52.000 Personen) von insgesamt etwa 350.000 (77,30 % Bosniaken). Ein Teil blieb auf Dauer, die meisten zogen jedoch wegen aufenthaltsrechtlicher Gründe wieder zurück nach Bosnien-Herzegowina oder in Drittstaaten.

Allein im Zeitraum von 1996 bis 1999 zogen etwa 6.000 Kroaten aus Bosnien-Herzegowina aus Deutschland in die USA und etwa 5.600 nach Kanada und Australien.

Anzahl kroatischer Staatsangehöriger nach Aufenthaltsdauer in Deutschland[Bearbeiten]

Status
Jahre: < 1 1–4 4–6 6–8 8–10 10–15 15–20 20–25 25–30 >30
In Tsd. 2,0 7,6 5,5 6,5 6,6 41,3 18,3 14,8 22,8 103,7
In %: 0,87 3,32 2,4 2,84 2,89 18 8 6,46 9,96 45,3

Stand: 31. Dezember 2005, Quelle: Ausländerzentralregister.

Bis Ende des Jahres 2006 wechselten 36.600 kroatischer Staatsangehörige in die deutsche Staatsangehörigkeit.

Religion[Bearbeiten]

Gemäß den Angaben der kroatischen katholischen Missionen leben in Deutschland ca. 305.000 katholische Kroaten. In der BR Deutschland gibt es derzeit 97 kroatische katholische Missionen, in denen 89 Priester, 5 Diakone, 61 Pastoralmitarbeiter/-innen und 32 Sekretärinnen tätig sind.[16] Ihnen widmet sich die Kroatenseelsorge in Deutschland.

Sport (Auswahl)[Bearbeiten]

Zu den in Deutschland bekannten Kroaten oder Persönlichkeiten kroatischer Abstammung zählen die folgenden Sportler:

Schüler[Bearbeiten]

Laut einer Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung – BMBF über den Anteil an Ausländern in Schulen im Jahr 1994 gab es für kroatische Schüler bundesweit die folgende Verteilung:

  • 46,5 % besuchen Grundschulen
  • 53,3 % besuchen weiterführende Schulen

Auf die weiterführenden Schulen verteilen sich die kroatischen Schüler wie folgt:

  • 42,2 % besuchen das Gymnasium
  • 49,5 % besuchen die Realschule
  • 8,3 % besuchen die Hauptschule

Rückkehr nach Kroatien[Bearbeiten]

Bei den meisten Personen, die in den letzten Jahren nach Kroatien zurückkehren, handelt es sich um Menschen in der Altersrente, die in den 1960er und 1970er Jahren nach Deutschland gekommen sind.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt Deutschland, Statistisches Jahrbuch 2011, S. 52
  2. Kroatischen Weltkongress in der Bundesrepublik Deutschland (KWKD)
  3. Quelle: Savezni zavod za statistiku, Beograd
  4. Zensus von 1971
  5. Angaben der Länder in denen ehemalige jugoslawische Bürger sich aufhielten
  6. Quelle: Savezni zavod za statistiku, Sowie Angaben aus dem stat. bilten br. 1239, Beograd
  7. „Der Fischer Weltalmanach“, 1989
  8. „Der Fischer Weltalmanach“, 1994
  9. wie zuvor
  10. wie zuvor
  11. wie zuvor
  12. „Vjesnik“ 14. Mai 2001, http://www.vjesnik.hr/Pdf/2001%5C05%5C14%5C15A15.PDF
  13. Einwohnerregisterstatistik http://www.statistik-berlin.de/statistiken/EinwohnArbeitsm /Auslaender_Tabelle.htm
  14. Einwohnerregisterstatistik http://www.statistik-berlin.de/statistiken/EinwohnArbeitsm /Auslaender_Tabelle.htm
  15. „Zur sozialen Struktur der bosnischen Kriegsflüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland“, http://www.proasyl.de/lit/bosnien/text.pdf
  16. kroatische Seelsorge

Weblinks[Bearbeiten]