Kronsberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Erhebung Kronsberg im Südosten von Hannover; zu Orten namens Kronsberg siehe Kronsberg (Begriffsklärung).
Künstlicher Aussichtshügel (Südhügel) auf dem Kronsberg

Der Kronsberg ist ein etwa sechs Kilometer langer Hügelrücken am südöstlichen Stadtrand von Hannover zwischen dem hannoverschen Messegelände mit dem Expo Park Hannover und dem Bockmerholz. Der Kronsberg überragt die angrenzende Flächen um bis zu 30 Meter. Der höchste Punkt des Kronberges ist der Aussichtshügel mit einer Höhe von 118 m ü. NN und ist damit nur vier Meter niedriger als der künstliche Nordberg auf dem Gelände der Deponie Hannover-Lahe im Stadtteil Lahe. Der Kronsberg ist die höchste natürliche Erhebung der Stadt und besteht überwiegend aus Kalkmergel.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Erhebung des Kronsberges umfasst etwa 2.000 Hektar. Ursprünglich hatte der Berg eine Höhe von 106 m ü. NN. Durch die zwei künstlich aufgeschütteten, zwölf Meter hohen Aussichtshügel beträgt die Höhe 118 Meter. Sie liegen im südlichen sowie im nördlichen Bereich und ermöglichen einen weiten Blick auf Hannover und die umliegenden Höhenzüge, wie den Deister. Die am Rand mit Bäumen bepflanzten Aussichtshügel entstanden Ende der 1990er Jahre und dienen auch als gestalterisches Element. Ihr Boden besteht aus Kalkmergelgestein, das von den Baumaßnahmen am Kronsberg stammt. Die Hangflächen der oval geformten Hügel sind unbepflanzt und dienen wärme- sowie kalkliebenden Pflanzen zur Ansiedlung.

Auf der Bergfläche befinden sich drei Windkraftanlagen, darunter die E-66 Windkraftanlage Südkronsberg. Außerdem führt der Grüne Ring, ein Rad- und Wanderweg um Hannover, über den unbebauten Osthang des Kronsbergs. Am westlichen Fuße des Kronsberges befinden sich eine Niederlassung der Finanz Informatik und die Hauptverwaltung der LBS Nord, die ebenfalls im Zuge der Expo-Bebauung entstanden sind. Bereits seit Ende der 1980er Jahre gibt es dort ein Entwicklungs- und Schulungszentrum des IT-Konzerns IBM.

Am östlichen Hang des Kronsbergs liegen die bewaldeten FFH-Naturschutzgebiete Gaim und Bockmerholz. Der nördliche Ausläufer des Kronsbergs endet an der Kreisstraße im Stadtteil Misburg. Am Rande des Ausläufers, südlich von Misburg, liegt der Stadtteil Anderten.

Geschichte[Bearbeiten]

Johann Franz Lüders:
Die Revue bei Bemerode, 1738, Detail, Wehrgeschichtliches Museum, Rastatt. Das kurhannoversche Dragoner-Regiment von Wendt (D-V) vor König Georg II. und Prinz Wilhelm August, Herzog von Cumberland anlässlich der großen Heerschau des Jahres 1735 am Kronsberg

Ursprünglich war die Bergfläche mit Wald bestanden, der sich wahrscheinlich aus Hainbuchen und Eichen zusammensetzte, wie die nahe gelegenen, ehemaligen Hutewälder Gaim und Bockmerholz. Auf mittelalterliche Rodungen der Waldbestände weist der -rode-Ortsname des nahe gelegenen Wülferode hin.

Als auf dem Südwesthang des Kronsberges Ausstellungsanlagen für die Expo 2000 errichtet wurden, fanden zwischen 1996 und 1999 archäologische Untersuchungen des Baugrunds statt, da bekannt war, dass sich dort die wüst gefallene mittelalterliche Siedlung Eddingerode befand. Die Ausgrabungen führten zum Auffinden der Reste von 43 Gebäuden, 20 Speichern und vier Grubenhäusern.

Bereits im Jahr 1735 fanden sich die Regimenter der kur-braunschweig-lüneburgischen Armee zu einer großen Heerschau am Kronsberg ein, der sogenannten Revue von Bemerode. Auch in der Zeit des Königreichs Hannover (1814-1866) nutzte die hannoversche Armee das Gebiet für Militärmanöver. Nach der Annexion des Königreichs durch Preußen 1866 wurde diese Tradition von dem in Hannover stationierten X. Armee-Korps fortgesetzt. In den Jahren 1874, 1881, 1889 und 1907 fanden hier im Rahmen der Kaisermanöver die Kaiserparaden statt. An der letzten Parade 1907 nahmen 46.000 Soldaten in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. teil.

Zur Erinnerung an die Kaiserbesuche wurde 1889 ein Gedenkstein in Form eines Obelisken auf einem Sockel aufgestellt. Diesen sogenannten Paradestein errichteten laut einer Inschrift Patrioten aus der Umgebung bei der damals noch existierenden Bemeroder Bockwindmühle[1]. Ausser dem Gedenkstein sind an der heutigen Wasseler Straße Teile der seinerzeit zur Mühle gehörenden Wohn- und Wirtschaftsgebäude erhalten geblieben. Sie dienten bereits Anfang des 20. Jahrhunderts als Ausflugslokal und beherbergen gegenwärtig einen Hotel- und Restaurantbetrieb.

Zwischen 1904 und 1914 hielt sich der in Hannover lebende Heidedichter Hermann Löns häufiger in Müllingen auf, von wo aus er den Kronsberg und das Bockmerholz zur Naturbeobachtung erwanderte.

In den 1970er Jahren gab es Planungen zur Wohnbebauung des Kronsberges um den Wohnraumbedarf zu decken, die aber nicht umgesetzt wurden.

Umgestaltung zur Expo 2000[Bearbeiten]

Baumallee und Wiesenflächen auf dem Kronsberg

Bis zur Weltausstellung Expo 2000 war der Kronsberg ein überwiegend kahler und als Ackerfläche bewirtschafteter Landschaftsraum. Im Hinblick auf die Weltausstellung, deren Ausstellungsgelände an den Fuß der Erhebung heran reichte, kam es Ende der 1990er Jahre zur landschaftlichen Umgestaltung der großräumigen Bergfläche. Sie wurde zum dezentralen Expo-Projekt, dessen Ziele in der ökologischen Optimierung des Landschaftsraumes sowie der Schaffung einer ökologischen Wohnbebauung bestanden. Die der Stadt zugewandte Westseite ist seither durch die ab 1998 entstandene Expo-Siedlung im Stadtteil Bemerode gekennzeichnet, die sich den Westhang hochzieht. In der Siedlung befindet sich das Evangelische Kirchenzentrum Kronsberg. Große Teile des unbebauten Kronsberges wurden zu naturnah gestalteten Ausgleichsräumen mit gras- und buschbestandenen Allmendeflächen als Wiesen und Weiden, Baumalleen sowie flächigen Aufforstungen auf dem Bergkamm. Mit einem engen Wegenetz dient die Bergfläche auch als parkähnliches Naherholungsgebiet. Zu diesem Konzept gehörte auch eine umweltfreundliche Landwirtschaft am Kronsberg und eine regionale Vermarktung ihrer Produkte, wozu am Fuße des Berges ein Modelldorf der Herrmannsdorfer Landwerkstätten erbaut wurde. Es meldete jedoch bereits 2004 Insolvenz an, seither werden die landwirtschaftlichen Anlagen als Kronsberghof weiter betrieben. In den Wohnbauten wurde eine Drogenklinik eingerichtet.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Mlynek: Kronsberg, in: Stadtlexikon Hannover, S. 372
  • Heinz-Siegfried Strelow: Hinter dem Kronsberge, das liegt noch solche stille Welt. Auf den Spuren von Hermann Löns im Bockmerholz und "Großen Freien", Sehnde 1997
  • Hermann Löns: Hinter dem Kronsberg, 1904
  • Hermann Löns: Auf dem Kronsberge, 1904
  • Karl Johaentges, Eva Holtz: Leben am Kronsberg, Kajo, 2000, ISBN 978-3925544262

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Wilhelm Kleeberg: Niedersächsische Mühlengeschichte, H. Bösmann, 1964, p 118
  2. Expo-Hof kommt unter den Hammer in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 24. Februar 2004

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kronsberg (Hannover) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

52.3272222222229.8336111111111118Koordinaten: 52° 19′ 38″ N, 9° 50′ 1″ O