Krug (Gefäß)

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Als Krug wird ein zylindrisches oder ausgebauchtes Gefäß mit kurzem, engem Hals, mit Henkel bezeichnet. Das Wort selbst stammt aus dem althochdeutschen kruog; eine weitergehende Etymologie ist nicht geklärt. Der Krug dient zum Aufbewahren und Transportieren von Flüssigkeiten, zum Gießen und zum Trinken. Hergestellt wurde und wird er aus Ton, Porzellan, Glas, Holz oder Metall und ist bisweilen mit einem Deckel versehen.

In der archäologischen Literatur gibt es unterschiedliche Definitionen.[1] Einige Autoren definieren gleichlautende Keramikformen anhand unterschiedlicher Kriterien oder verwenden für gleichartige Stücke andere Bezeichnungen. Gross (1991) unterscheidet Kannen von Krügen durch die Anzahl der vorhandenen Öffnungen.[2] Jeweils eine zum Füllen und Entleeren bei Kannen, lediglich eine bei Krügen. Schreg (1998) und Bauer (1986) unterteilen hingegen nach dem Kriterium, ob ein Ausguss vorhanden ist (Kanne) oder nicht (Krug).[3][4]

Krug als traditionelles graues Steinzeug aus dem Westerwald

Geschichte[Bearbeiten]

Tonschalen und Krüge zählen zu den ältesten Gerätschaften der Menschheit. Vielfältig war und ist ihr Nutzen im täglichen Leben:

Altertum[Bearbeiten]

  • Tonkrüge ermöglichten das Kühlen[5] durch Nutzung der Verdunstungskälte und waren deshalb, wie schon im Altertum, bis ins 20. Jahrhundert das häufigste Aufbewahrungsgefäß für Milchprodukte und Getränke auch in Europa.
  • Bereits vor mehr als 2000 Jahren wurden Krüge (Amphoren) zur Lagerung und Transport von Wein und Olivenöl verwendet.[6] Bei der Weinherstellung im alten Ägypten dienten offene Krüge der Gärung. Anschließend wurden sie mit Pfropfen verschlossen und mit Angaben zur Produktion versehen.[7] Ein Verfahren, das ähnlich noch heute in Imeretien angewendet wird.
  • Tonkrüge fanden aber auch zur Lagerung und Transport anderer Produkte Verwendung, da sie auch vor Feuchtigkeit, Licht und Ungeziefer schützen (z. B. Getreide, Schmalz, Saatgut) und einfach durch Kork oder Holzpfropfen verschließbar und durch Bienenwachs versiegelbar sind. 1947 wurden in Tonkrügen die ersten Schriftrollen vom Toten Meer bei den Ausgrabungen in Qumran entdeckt, welche nahezu 2000 Jahre in diesen Krügen überdauert haben und bereits in Ägypten war der Tonkrug als Aufbewahrungsort für Papyri sehr beliebt.[8]
  • Beim Bau von Bewässerungsanlagen kamen bereits in der Antike Tonkrüge als Schöpfgefäße oder zur Richtungsänderung bei Wasserleitungen zur Verwendung.[9]
  • In spätrömischer Zeit gehörten Krüge und Kannen aus Glas zu den wohlfeilen Gebrauchsartikeln. Auch zum Transport von Flüssigkeiten - vornehmlich Öle - wurden Krüge aus Glas verwendet, wie Funde zum Beispiel aus dem Siedlungsraum um Mainz, zeigen. Zahlreich vertreten sind unterschiedlich hohe Vierkantkrüge, die den Vorteil der vollständigen Ausnutzung des Transportvolumens in Kisten und Körben boten.[10]
  • Krüge und andere Geschirrteile aus Kupfer sind aus den frühen ägyptischen Gräbern (nach 4000 v. Chr.) bekannt. Kupfer wurde dort anscheinend früher als Gold verarbeitet.[7]
  • Weinkrüge aus dem Grab Skorpion I. (um 3200 v. Chr.) stellen den ältesten bekannten Nachweis von phonetisch lesbaren Zeichen einer Schrift in Ägypten dar.

Mittelalter und Neuzeit[Bearbeiten]

  • Mit dem Ende des Römischen Reiches gerieten die keramischen Techniken in Vergessenheit. So wurde insbesondere das Glasieren erst durch den Kontakt mit den Arabern wieder in Europa eingeführt. Die arabisch-maurische Keramikindustrie blühte während des Mittelalters auf der Insel Mallorca, woraus sich die Bezeichnung Majolika für die zinnglasierten italienischen Tonwaren des 14./15. Jahrhunderts ableitet. In Frankreich verwendete man für die importierte Ware aus Faenza den Begriff Fayencen.[11]
  • Zu den kunsthandwerklichen Besonderheiten aus alter Zeit gehört zum Beispiel der Apostelkrug, ein Deckelkrug aus Steinzeug mit braunem Grund, auf dem ein farbenfrohes Relief angebracht ist. Ein anderer ist der beliebte Bartmannskrug aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Er besteht aus meist braunglasiertem Steinzeug und trägt von seinem Hals abwärts als Relief das Antlitz eines bärtigen Mannes.[12]
  • Mineralwasser wurde ab Anfang des 19. Jahrhunderts in handgeformte, aus Ton gebrannte Wasserkrüge abgefüllt, verkorkt, versiegelt und versendet. Auf dem Tonkrug war das Siegel des jeweiligen Brunnens als Herkunftsnachweis eingestanzt.[13] Diese Krüge sind ein frühes Beispiel für die Massenproduktion von Keramik.
  • In südhessischen Gaststätten wird zum Ausschenken von Apfelwein traditionell ein dickbauchiger Steingutkrug, der sogenannte Bembel, benutzt.
  • Als Kannenbäckerland ist ein nördlich von Koblenz gelegener Landstrich im Südwesten des Westerwaldes bekannt. Der in der Grafschaft Wied im Jahre 1643 etablierten Zunft der Kannenbäcker gehörten Manufakturen rund um Höhr-Grenzhausen an. Typisch für die dort gebrannten Kannen und Krüge ist ein blaugräuliches, oftmals auch weißes oder ins bräunliche gehendes, mit einer Salzglasur überzogenes Steinzeug.[14]
  • Der Historismus des 19. Jahrhunderts hatte zwar alte Techniken wie Steinzeug und Fayencen wieder aufleben lassen, eine wirkliche Blüte neuerer Keramik setzte jedoch erst mit dem um 1900 aufkommenden Jugendstil ein. In jüngerer Zeit bestimmen weitgehend anspruchslose industrielle Erzeugnisse das Angebot. Daneben gibt es individuelle Bestrebungen einzelner Keramiker bzw. Keramikwerkstätten.[15]

Museen[Bearbeiten]

Creußener Steinzeug aus dem 17. Jahrhundert
  • Im Krügemuseum von Creußen sind bedeutende Stücke des Creußener Steinzeugs ausgestellt. Dieses Steinzeug ist aus einem Ton gefertigt, dessen Zusammensetzung heute nicht mehr bekannt ist.
  • Das Keramikmuseum Westerwald in Höhr-Grenzhausen bezeichnet sich als Deutsche Sammlung für Historische und Zeitgenössische Keramik.
  • Das Bierkrugmuseum in Bad Schussenried ist als Deutschlands erstes Museum dieser Art bekannt. Es werden darin Bierkrüge der Sammlung Ott in allen Größen aus fünf Jahrhunderten gezeigt.

Mythische, kultische und symbolische Bedeutung[Bearbeiten]

Frans Hals: Malle Babbe mit Zinnkrug als Symbol der Trunksucht
Jan Vermeer: Dienstmagd mit Milchkrug

Schon in den alten Schöpfungsmythen kommen Tonkrüge vor. Die Büchse der Pandora war ein Tonkrug (Pithos), dessen Inhalt nach Hesiod über die Erde ausgestreut worden ist. Als Kanopen (auch Kanopenkrüge oder Kanopenvasen) werden in der Ägyptologie die Gefäße bezeichnet, in denen bei der Mumifizierung der Leichnam und die Eingeweide separat beigesetzt wurden.

Im antiken Ort Kanopus (Ägypten) an der ägyptischen Mittelmeerküste gab es einen Sarapistempel, in dem Osiris in Form eines Kruges mit Menschenkopf verehrt wurde, der Nilwasser enthielt.[16]

Die Antike sieht im Krug ein Symbol für Trankopfer, Reinwaschung und Reinheit. Der Klassizismus und der Biedermeier stellte vielfach das mit der Devise "L'amitié" (Freundschaft) versehene Motiv einer Kultdienerin in antiker Kleidung dar, die eine Flüssigkeit aus einem Krug oder einer Schale in die Flammen eines Opferaltars gießt. In der Ikonographie des Lasters gilt der Krug als Symbol für Trunksucht[17] , wie etwa von Frans Hals drastisch porträtiert.

Kunst[Bearbeiten]

So vielfältig wie im Alltagsleben ist der Krug auch in der Kunst. Bekanntestes literarisches Werk ist Heinrich KleistsDer zerbrochne Krug“ (1806). Aber auch in der Musik finden Krüge als Musikinstrumente Verwendung, wie in Jug-Bands.

Sprichwörter[Bearbeiten]

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.[18]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Krug – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mittelalterliche und Neuzeitliche Keramik: Formen und Funktionen, Eberhard Karls Universität Tübingen
  2. U. Gross, Mittelalterliche Keramik zwischen Neckarmündung und Schwäbischer Alb. Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 12, Stuttgart 1991.
  3. R. Schreg, Keramik aus Südwestdeutschland. Eine Hilfe zur Beschreibung, Bestimmung und Datierung archäologischer Funde vom Neolithikum bis zur Neuzeit. Lehr- und Arbeitsmaterialien zur Archäologie des Mittelalters 1 (Tübingen 1998).
  4. I. Bauer/W. Endres/B. Kerkhoff-Hader/R. Koch/H.-G. Stephan, Leitfaden zur Keramikbeschreibung (Mittelalter-Neuzeit). Terminologie - Typologie - Technologie. Kataloge der Prähistorischen Staatssammlung München Beiheft 2 (München 1986).
  5. Kühles Wasser im Tonkrug (abgefragt am 4. Juli 2010)
  6. Forensik im Tonkrug (abgefragt am 4. Juli 2010)
  7. a b Enzyklopädie der Technikgeschichte. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1967, ISBN 3-421-02648-3.
  8. Wolfgang Speyer: Bücherfunde in der Glaubenswerbung der Antike, S. 143
  9. Christoph P. J. Ohlig: Wasserhistorische Forschungen: Schwerpunkt Antike, Band 1, S. 71
  10. Michael J. Klein (Herausgeber): Römische Glaskunst und Wandmalerei, Verlag Philipp vpn Zabern, Mainz 1999, ISBN 3-8053-2597-5, S. 16
  11. Eintrag Keramik.In: Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Bibliographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich 1973, Band 13, S. 606
  12. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 11. Leipzig 1907, S. 744–745. hier online auf zeno.org
  13. Bernd Brinkmann: Steinzeugflaschen für den Versand Rheinischer Mineralbrunnen. In: Landschaftsverband Rheinland/Rheinisches Museumsamt: Wasserlust. Mineralquellen und Heilbäder im Rheinland. Rheinland-Verlag GmbH, Köln 1991, S.82–103, hier S. 86.
  14. http://www.sammeln-sammler.de/keramik/steinzeug/westerwaelder-steinzeug/
  15. Eintrag Keramik. In: Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Bibliographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich 1973, Band 13, S. 606
  16. Eintrag Kanopus. In: Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Bibliographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich 1973, Band 13, S. 402
  17. http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_8834.html
  18. Deutsche Sprichwörter