Krupp (Familie)

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Familie Gustav Krupp von Bohlen und Halbach 1928 – v.l.: die Kinder Berthold, Irmgard, Alfried, Harald, davor Waltraud und Eckbert, dann folgen die Eltern Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, rechts Sohn Claus
Krupp-Wappen in Hannover am Georg-von-Cölln-Haus

Krupp ist der Name einer deutschen Familiendynastie von Industriellen des 19. und 20. Jahrhunderts, die mit dem Krupp-Konzern das zeitweise größte Unternehmen Europas aufbauten. Seit der Fusion 1999 mit der Thyssen AG heißt das Unternehmen heute ThyssenKrupp AG.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

Die Familie stammt ursprünglich aus den Niederlanden. Der in die noch ländliche Stadt Essen, dem damaligen Damenstift, eingewanderte Arnold Krupp (auch mit Arndt geführt) wurde im Verzeichnis der Essener Kaufmannsgilde 1587 als erster Krupp erwähnt. Er war derjenige, der als Händler von beispielsweise Gewürzen, Wein, Eisen und Vieh den Grundstein für den Wohlstand der Familie schuf, und mit den Erlösen teils Grundstücke erwarb. Als auch Essen um 1600 unter der Pest litt, blieb Arnold in Essen und kaufte Häuser von Flüchtlingen zu nun niedrigen Preisen auf. Sein Sohn Anton Krupp überlebte den Dreißigjährigen Krieg und trieb regen Handel mit Gewehren. Das noch unbedeutende Essen galt schon zuvor als Stadt der Büchsenmacher.

Generell widmeten sich die zur wohlhabenderen Schicht gehörenden Krupps im 17. Jahrhundert dem Handel und traten darüber hinaus als Ratsmitglieder und Inhaber der wichtigsten städtischen Ämter wie Rentmeister und Bürgermeister auf. So wirkten Angehörige der Familie Krupp über 112 Jahre lang in drei Generationen ununterbrochen als Stadtsekretäre von Essen.[1]

Weg zur Industriellenfamilie[Bearbeiten]

Villa Hügel, ehemaliges Wohn- und Repräsentationshaus der Familie Krupp

Der Erfolg der von Friedrich Krupp am 20. November 1811 gegründeten und unter der Leitung seines Sohnes Alfred zu wirtschaftlicher Blüte geführten Unternehmungen sowie die schiere Größe des Krupp'schen Werksgeländes prägten maßgeblich das Bild der Stadt Essen von der Hochindustrialisierung auch noch Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

1852/1853 wurde von Alfred Krupp ein nahtloser Radreifen als sicheres, bruchgeschütztes Eisenbahnrad patentiert. Krupp verkaufte für Jahrzehnte seine Radreifen an die meisten nordamerikanischen Eisenbahnen und begründete so den Erfolg seines Unternehmens. Die drei Ringe des 1875 eingeführten Firmensymbols[2] erinnern daran bis heute als Element im Firmenzeichen der Thyssen Krupp AG.

Am 17. Oktober 1912 meldete Krupp das Patent zur „Herstellung von Gegenständen, die hohe Widerstandskraft gegen Korrosion erfordern …“ an. 1922 erfolgte der Schutz des Warenzeichens „Nirosta“ (Nichtrostender Stahl). Der Nirosta-Bereich erlebte in den folgenden Jahrzehnten stetiges Wachstum.

Die Krupps suchten – mit Ausnahme der Zeit der Weimarer Republik – die Nähe jeder deutschen Regierung. Die von ihnen hergestellten Waffen waren auf den Schlachtfeldern Europas von 1866 bis 1945 präsent. Das bekannteste Geschütz war der im Ersten Weltkrieg eingesetzte Mörser Dicke Bertha.

Im Ersten Weltkrieg steigerte Krupp dank staatlicher Aufträge seine Rüstungsproduktion, nach Kriegsende untersagte der Friedensvertrag von Versailles die Waffenherstellung. Krupp versuchte sich daher in neuen Geschäftsbereichen. Lastwagen, Lokomotiven, Bagger, sogar ein Motorläufer (heute: Motorroller) und Registrierkassen sollen Verluste durch weggebrochene Rüstungsaufträge ausgleichen.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Fertigung von Waffen wieder aufgenommen.

Die Firma Krupp setzte während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiter ein, wie alle deutschen Montankonzerne auf Aufforderung und Anweisung der Politik und als Ersatz für eingezogene Stammarbeiter. 1947/48 musste sich Alfried Krupp beim Nürnberger Prozess strafrechtlich verantworten.

Nach Kriegsende verlor Krupp durch Reparationen und die zwischenzeitliche Enteignung einen Großteil der Substanz. Berg- und Stahlwerke mussten auf Anweisung der Alliierten verkauft werden. Krupp ernannte Berthold Beitz zum Generalbevollmächtigten, der in den folgenden Jahren den Konzern neu gliederte und stark erweiterte.

Nach dem Tod von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach am 30. Juli 1967 und durch den Erbverzicht seines einzigen Sohnes Arndt von Bohlen und Halbach ging das gesamte Vermögen der Familie in die gemeinnützige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung über.

Seit den 1980er Jahren wurden Fusionsverhandlungen zwischen Krupp und Thyssen aufgenommen. 1983 scheiterte eine geplante Vereinigung, ab 1997 begann dann der Integrationsprozess, der formal am 17. März 1999 mit Eintragung der neuen Firma Thyssen Krupp AG in das Handelsregister abschloss.

Familienangehörige[Bearbeiten]

Die wichtigsten Familienmitglieder in chronologischer Reihenfolge:

Familienstammbaum[Bearbeiten]

Folgend der Stammbaum der Familie Krupp in Form einer Nachfahrenliste. Er beginnt mit dem aus den Niederlanden eingewanderten Arnold Krupp in erster Generation und reicht bis zur zwölften Generation.

1. Arnold (auch Arndt) Krupp († 1624), aus den Niederlanden eingewandert, amtierte als Stadtschreiber und Rentmeister

2. Anton Krupp (1588–1661), Gewehrhändler in Essen
3. ...
4. Bernhard Heinrich Krupp, Pastor in Lünern
5. Wilhelm Karl Krupp (1710–1774), Kaufmann und Ratsherr in Lübeck
2. Georg Krupp (1590–1623)
3. Matthias Krupp (1621–1673), Stadtsekretär in Essen
4. Arnold Krupp (1660 – 4. April 1734), Dr. jur., war von 1703-1734 Bürgermeister der Stadt Essen, ∞ Anna Gertrud Burckhardt,[3]
5. Friedrich Jodocus Krupp (1706–1757), Kaufmann, Senator und Rentmeister der Stadt Essen ∞ Helene Amalie Ascherfeld (1732–1810), Geschäftsfrau
6. Peter Friedrich Wilhelm Krupp (1753–1795) ∞ Petronella Forsthoff
7. Friedrich Krupp (1787–1826), Firmengründer, ∞ Therese Helena Johanna Wilhelmi (1790–1850)
8. Ida Krupp (1809–1882)
8. Alfred Krupp (1812–1887), baute Krupp zum damals größten Industrieunternehmen Europas aus, ∞ Bertha Eichhoff (1831–1888)
9. Friedrich Alfred Krupp (1854–1902) ∞ Margarethe Freiin von Ende (1854–1931), treuhändische Konzernleiterin und Stiftungsgründerin
10. Bertha Krupp (1886–1957) ∞ Gustav von Bohlen und Halbach (1870–1950)
11. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (1907–1967), der letzte Krupp ∞ 1. Ehe (1937): Anneliese Lampert, geb. Bahr (1909–1998) 2. Ehe (1952): Vera Knauer geb. Hossenfeld (1909–1967)
12. Arndt von Bohlen und Halbach (1938–1986); 1966 Erbverzicht zugunsten der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung
11. Arnold Gustav Hans von Bohlen und Halbach (1908–1909)
11. Claus Arthur Arnold von Bohlen und Halbach (1910–1940) ∞ Sita von Medinger (1912-1997)
12. Arnold von Bohlen und Halbach (* 1939)
11. Irmgard Sophie Margarethe von Bohlen und Halbach (1912–1998) ∞ Johann (Hanno) Freiherr Raitz von Frentz
11. Berthold Ernst August von Bohlen und Halbach (1913–1987) ∞ Edith von Maltzan (1919–2009)
12. Eckbert von Bohlen und Halbach (* 1956)
11. Harald Georg Wilhelm von Bohlen und Halbach (1916–1983) ∞ Doerte von Hillringhaus
12. Friedrich von Bohlen und Halbach (* 1962)
12. Georg von Bohlen und Halbach (* 1963)
12. Sophie von Bohlen und Halbach (* 1966)
11. Waldtraut Elisabeth Mechthild von Bohlen und Halbach (1920–2005) ∞ 1.Ehe (1942) Henry Thomas 2. Ehe (1961) Walter Burckhardt
12. Diana Maria Friz (* 1944)
12. Regina (* 1945)
11. Eckbert Wolfgang Eberhard von Bohlen und Halbach (1922–1945)
10. Barbara Krupp (1887–1972) ∞ Tilo von Wilmowsky (1878–1966), haben zwei Söhne und vier Töchter
8. Hermann Krupp (1814–1879), Gründer der Berndorfer Metallwarenfabrik in Berndorf in Niederösterreich
9. Arthur Krupp (1856–1938), Unternehmer und wesentlicher Gestalter der Stadt Berndorf
8. Friedrich Krupp (1820–1901), Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Unternehmen Krupp komplett ausgeschieden
2. Catharina Krupp
2. Margaretha Krupp

Darstellungen der Familie[Bearbeiten]

Nachdem der Porträtfotograf Nicola Perscheid 1928 Gruppenaufnahmen von der damals neunköpfigen Familie angefertigt hatte, dienten diese 1931 als Vorlage für das monumentale Familienporträt (Ölgemälde von George Harcourt), welches heute noch im Besitz der Krupp-Stiftung ist und in der Eingangshalle der Villa Hügel ausgestellt wird.[4]

Film[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • "Krupp 1812-1912 Zum 100jährigen Bestehen der Firma Krupp und der Gussstahlfabrik zu Essen Herausgegeben auf den hundertsten Geburtstag Alfred Krupps", Verlag von Gustav Fischer, Jena 1912
  • Delia Bösch: Krupp entdecken. Auf den Spuren der drei Ringe. Essen 2011, ISBN 978-3-8375-0520-7.
  • Lothar Gall: Krupp im 20. Jahrhundert. Berlin 2002. ISBN 3-88680-742-8 (Aktueller Forschungsstand)
  • Lothar Gall: Krupp. Berlin 2000. ISBN 3-88680-583-2 (Aktueller Forschungsstand)
  • Diana M. Friz: Die Stahlgiganten. Frankfurt/Main 1990. ISBN 3-548-34691-X (Doppelbiografie von Alfried Krupp und Berthold Beitz)
  • William Manchester: Krupp. München 1968. (Oft zitiert, trotz zahlreicher inhaltlicher Fehler)
  • Frank Stenglein: Krupp - Höhen und Tiefen eines Industrieunternehmens. München 1998. ISBN 3-430-18762-1 (erweiterte und komplett überarbeitete Neuauflage: Essen 2011. ISBN 978-3-8375-0518-4)
  • Peter Märthesheimer: Krupp oder Die Erfindung des bürgerlichen Zeitalters. (Hörspiel WDR). 2002. (fiktiv)
  • Thomas Rother: Die Krupps: durch fünf Generationen Stahl. Bergisch-Gladbach 2003. ISBN 3-404-61516-6.
  • Dietmar Lautscham: Arthur, der österreichische Krupp. ISBN 3-902447-12-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erwin Dickhoff: Essener Straßen. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Verlag Richard Bacht, Essen 1979, ISBN 3-87034-030-4, S. 167
  2. "Krupp 1812-1912 Zum 100jährigen Bestehen der Firma Krupp und der Gussstahlfabrik zu Essen Herausgegeben auf den hundertsten Geburtstag Alfred Krupps", Verlag von Gustav Fischer, Jena 1912, S.4 (Signatur WDL 123 Krupp in der Stadtbücherei Bochum)
  3. Familienforschung Stand: 4. August 2011
  4. Alfried Krupp vor dem Familienportrait in der Villa Hügel in Essen, aufgenommen am 17. Juli 1945 von der Fotoreporterin Margaret Bourke-White

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Krupp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien