Krusenstern (Schiff)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Krusenstern
Krusenstern horiz.JPG
p1
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Handelsflagge) Deutsches Reich
Deutsches ReichDeutsches Reich (Handelsflagge) Deutsches Reich
SowjetunionSowjetunion Sowjetunion
RusslandRussland Russland
andere Schiffsnamen
  • Padua
Schiffstyp Viermastbark
Rufzeichen UCVK
Reederei Ferdinand Laeisz
Bauwerft Joh. C. Tecklenborg, Wesermünde[1]
Baunummer 408
Kiellegung 24. Juni 1925 [2]
Stapellauf 11. Juni 1926 (24. Juni 1926)[2]
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
114,50 m (Lüa)
Breite 14,04 m
Tiefgang max. 6,26 m
Verdrängung 5.805 t
Vermessung 3.141 BRZ / 942 NRZ
 
Besatzung 76 Stammbesatzung, bis zu 160 Kadetten und Trainees[3]
Maschine
Maschine 2 SKL-8-Zyl.-Motoren
Maschinen-
leistung
2.000 PS (1.471 kW)
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 1.645 tdw
Takelung und Rigg
Takelung Bark
Anzahl Masten 4
Segelfläche 3.400 m²
Sonstiges
Klassifizierungen

Russian Maritime Register of Shipping

Registrier-
nummern

IMO-Nr.: 6822979

Das russische Segelschulschiff Krusenstern (russisch Барк [Bark] Крузенште́рн, ursprünglich Padua) ist eine Viermaststahlbark, die heute nach dem deutsch-baltischen Kapitän und russischen Admiral Adam Johann von Krusenstern benannt ist. Heimathafen des Windjammers ist Kaliningrad.

Die Krusenstern ist als einziger der berühmten Flying P-Liner der Flotte der Reederei F. Laeisz noch heute im Einsatz auf See.

Geschichte[Bearbeiten]

Krusenstern Mai 2001 in Hamburg

Das Schiff wurde 1926 auf der Joh. C. Tecklenborg-Werft an der Geeste in Bremerhaven als Padua vom Stapel gelassen.[4] Es gehörte mit Schiffen wie der Pamir und der Passat zu den berühmten Flying P-Linern der Hamburger Reederei F. Laeisz, deren Namen traditionsgemäß mit einem „P“ begannen. Auf der Jungfernreise brauchte sie von Hamburg nach Talcahuano (Chile) 87 Tage.

Die Padua wurde anschließend als Frachtsegler und Segelschulschiff eingesetzt. Unter anderem brachte sie Baumaterialien nach Südamerika, kehrte von da mit Salpeter zurück (siehe Salpeterfahrten) und transportierte später auch Weizen aus Australien. Den Weg von Hamburg nach Port Lincoln in Süd-Australien legte sie 1933/1934 in der Rekordzeit von 67 Tagen zurück.

In den 1930er und 1940er Jahren wurde die Padua mehrfach vorübergehend als Filmkulisse genutzt, so für Die Meuterei auf der Elsinore (erschienen 1936), für Herz geht vor Anker (erschienen 1940) und in Große Freiheit Nr. 7 (erschienen 1944) mit Hans Albers.

Das Schiff musste nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 als Reparationsleistung an die Sowjetunion abgegeben werden und erhielt daraufhin seinen heutigen Namen. Darunter wurde es nach 1955 noch mehrfach als Filmkulisse für sowjetische Filme benutzt.

Heute nutzt das russische Ministerium für Fischwirtschaft die Krusenstern zur Ausbildung des Nachwuchses der Fischereiflotte; dabei nimmt sie an vielen internationalen Regatten teil, so auch an der alle fünf Jahre stattfindenden Sail in Bremerhaven. Dabei werden zunehmend auch zahlende Passagiere (Trainees) mitgenommen, die damit zum Unterhalt des Schiffes beitragen.

Passagen und Kapitäne[Bearbeiten]

Bekannte Passagen der Padua waren die Reise von „Elbe 1“ bis Talcahuano, Chile, in 54 Tagen (1927), von Mejillones, Chile, bis zum Leuchtfeuer „The Lizard“ (England) in 72 Tagen (1928) und von Hamburg nach Wallaroo, Australien in 67 Tagen (1933–1934). 1938–1939 segelte sie auf der Route Bremen-Chile-Australien-Hamburg.

Die Krusenstern von achtern (2007)
Die Krusenstern auf der Kieler Woche 2007

1926 wurde Carl Schuhberg Kapitän. Die schnellste Reise, die zugleich auch Weltrekord für Rahsegler ist, machte sie 1938/39, von Hamburg nach Chile und Australien zurück nach Hamburg, in 8 Monaten und 23 Tagen unter Kapitän Richard Wendt. Mit Kapitän Jürgen Jürs umrundete sie viermal Kap Hoorn (vgl. Kap Hoornier).

Mittlerweile in „Krusenstern“ umbenannt, fuhr sie unter Pawel W. Wlassow und danach unter N.T. Schulga oft von den Baltischen Häfen ins Schwarze Meer.

1974 nahm sie an der „Operation Sail“ (der Sail Training Association) teil. Von 1976 bis 1984 fuhr sie unter Iwan G. Schneider; dann unter den Kapitänen Gennadi W. Kolomenski und Oleg K. Sedow. Derzeitiger Kapitän ist Michail W. Nowikow. Beim Transatlantikrennen von Kanada nach Liverpool gelang ihr bei einem schweren Sturm der erste Platz, den sie auch zwei Jahre später verteidigen konnte.

Im Januar 1981 ging die Krusenstern an die Estonian Fisheries Industry. Statt Riga wurde Tallinn Heimathafen, 10 Jahre später als Teil der State Baltic Academy of the Fisheries Fleet Kaliningrad.

Größter Triumph wurde für sie bei der „Operation Columbus '92“ zur 500-Jahre-Amerika-Feier der Sieg im Rennen von Boston nach Liverpool. Dabei erreichte sie die Rekordgeschwindigkeit von 17,4 Knoten (32,3 km/h).

2009 nahm die Krusenstern an der Tallship Atlantic Challenge teil, musste diese jedoch auf der Etappe Hamilton (Bermuda) Richtung Boston (USA) aufgrund eines Bruches im Vormast abbrechen.

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Krusenstern auf der russischen Goldmünze

Dem Schiff Krusenstern wurde eine russische Münze aus Gold mit einem Nominal von 1000 Rubel und einem Goldanteil von 155,5 Gramm gewidmet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Gondesen: Die letzten Flying P-Liner. Pamir, Passat, ihre Schwestern und Halbschwestern der Baujahre 1902–1926, herausgegeben vom Deutschen Schiffahrtsmuseum, Oceanum Verlag, Wiefelstede, 2010, ISBN 978-3-86927-069-2
  • Wolfgang Steusloff et al. (Hrsg.): Die Jungfernreise der Viermastbark Padua, Beiheft zum Deutschen Schiffahrtsarchiv, herausgegeben vom Deutschen Schiffahrtsmuseum, Oceanum Verlag, Wiefelstede 2009, ISBN 978-3-86927-131-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Krusenstern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Foto: Werfttafel an Bord der Krusenstern Abgerufen am 3. Januar 2009
  2. a b Die Geschichte der Krusenstern vom Stappellauf als "Padua" bis heute
  3. [1]
  4. Deutsches Schifffahrtsmuseum - Foto: Padua Abgerufen 3. Januar 2009