Kryptomnesie

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Als Kryptomnesie (griechisch κρυπτός kryptos „verborgen“ und μνήσης mnésis „Erinnerung“) versteht die moderne Psychologie das Phänomen, dass vergessene oder verdrängte Erinnerungen und Ideen überraschend wiederkehren, ähnlich einem Déjà-vu.

Terminologie[Bearbeiten]

Kryptomnesie betrifft vorrangig Erinnerungen und Ideen, die vor langer Zeit vergessen oder verdrängt wurden und nach einer gewissen Zeit überraschend wieder zutage treten. Dabei spielt das menschliche Unterbewusstsein eine große Rolle: Scheinbar nutzlose oder nicht umsetzbare Ideen, aber auch besonders negative (oder besonders positive) Erinnerungen werden unterdrückt und im Unterbewusstsein gespeichert und zunächst „deaktiviert“, um zu einem späteren Zeitpunkt abrupt wieder aufgerufen zu werden. Der Betroffene empfindet die wiederkehrende Erinnerung/Idee zunächst als völlig neu, bis ihm entweder selbst wieder einfällt, dass er die Erinnerung/Idee bereits vor gewisser Zeit schon einmal hatte, oder bis er von Außenstehenden darauf aufmerksam gemacht wird. Das Phänomen kann auch Erinnerungen und Ideen betreffen, die unbewusst von außenstehenden Personen übernommen und als eigene empfunden und vorgetragen werden.[1][2]

Eine weitere Form von Kryptomnesie ist die Wiederbelebung von Vergessenem im Schlaf. So kann beispielsweise jemand einen verloren geglaubten Gegenstand oder eine Person wiederfinden, nachdem er von dessen Auffinden geträumt hat.[3][2]

Problematik[Bearbeiten]

Das Phänomen von unbewusst übernommenen Ideen und Erinnerungen, die als eigene empfunden und entsprechend vorgetragen werden, kann in der Gesellschaft zu Problemen in Form von Plagiatsvorwürfen und Ähnlichem führen. Besonders die von der Kryptomnesie betroffenen Personen leiden unter den Vorwürfen, da sie tatsächlich keinerlei Erinnerung daran haben, dass sie die Ideen und Gedanken von dem Geschädigten übernommen hatten.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Carl A. Meier: Die Empirie des Unbewußten (= Lehrbuch der komplexen Psychologie, Bd. 1). Daimon, Frankfurt/Leipzig 1994, ISBN 3856303030.
  • Gunda Dreyer, Jost Kotthoff, Astrid Meckel: Urheberrecht: Urheberrechtsgesetz, Urheberrechtswahrnehmungsgesetz, Kunsturhebergesetz. Hüthig Jehle Rehm, Heidelberg 2009, ISBN 3811435191.
  • Narinder Kapur: The Paradoxical Brain. Cambridge University Press, Cambridge (UK) 2011, ISBN 0521115574.
  • Leonard Zusne, Warren H. Jones: Anomalistic Psychology: A Study of Magical Thinking. Routledge, London 1989, ISBN 0805805087.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carl A. Meier: Die Empirie des Unbewußten. S. 83 & 84.
  2. a b Narinder Kapur: The Paradoxical Brain. S. 169.
  3. Leonard Zusne, Warren H. Jones: Anomalistic Psychology. S. 138.
  4. Gunda Dreyer, Jost Kotthoff, Astrid Meckel: Urheberrecht. S. 136 & 440.