Kryptoportikus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kryptoportikus in den Substruktionen des Jupitertempels in Terracina

Ein (fachsprachlich auch: eine) Kryptoportikus (von griechisch kryptós = „verborgen“ und lateinisch porticus = „Laufgang“) ist ein ganz oder teilweise unterirdisch gelegener Gewölbegang. In einem davon abweichenden Wortgebrauch bezeichnete Plinius der Jüngere (1. Jahrhundert n. Chr.) auch einen oberirdisch verlaufenden überdachten, von seiner Umgebung abgeschlossenen Wandelgang innerhalb von Villenanlagen als cryptoporticus.[1]

In der römischen Architektur wurden Kryptoportiken genutzt, um Höhenunterschiede bei der Planung und Schaffung von Gebäuden zu kompensieren und diesen ein festes Fundament zu verschaffen.

Ein erstes Auftreten dieser Gewölbegänge ist im 2. Jahrhundert v. Chr. in Mittelitalien bezeugt und auf die zu dieser Zeit stark verbesserte Technik des Gewölbebaus zurückzuführen. Zuerst auf Terrassenbauten beschränkt, trat der Kryptoportikus ab der Zeitenwende auch als oberirdischer Bauträger auf, häufig in Verbindung mit ein- oder mehrflügeligen Säulenhallen. Eine Blüte erreichte der Bautypus im 1. Jahrhundert n. Chr. und war in den westlichen Provinzen des Römischen Reiches beispielsweise bei Foren weit verbreitet.

Abgesehen von ihrem rein konstruktiven Nutzen dienten Kryptoportiken zu verschiedensten Zwecken. Aufgrund der gehobenen Ausstattung der meisten Gänge mit Verputz, Wandmalerei ect. ist davon auszugehen, dass diese als schattige Wandelgänge zum Promenieren in den Hitzestunden des Tages genutzt wurden. Für die in der älteren Literatur oft postulierte Verwendung als Lagerraum (horreum) fanden sich bislang keine eindeutigen archäologischen Nachweise.

Im modernen Sprachgebrauch wird der Terminus allgemein für langgezogene Gewölbegänge verwendet. Besonderes Kennzeichen dieses Bautypus ist die gezielte Aufwertung des Innenraumes mittels Fenstern, Wandmalerei, Mosaiken etc. Dadurch unterscheidet sich der Kryptoportikus von reinen Substruktionsräumen und erhält einen eigenen Stellenwert.

Beispiele[Bearbeiten]

Das Haus des Diomedes, eine Vorstadtvilla bei Pompeji, besitzt einen von Kryptoportiken umgebenen Garten
Kryptoportikus des Nero in der Domus Tiberiana in Rom

Kryptoportiken finden sich unter anderem an folgenden Standorten:

Quellen[Bearbeiten]

  1. Plin. epist. 2, 17, 16−20; 5, 6, 27−32; 7, 21, 9; 9, 36,3)

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhard Förtsch: Archäologischer Kommentar zu den Villenbriefen des jüngeren Plinius. von Zabern, Mainz 1993, ISBN 3-8053-1317-9 (Beiträge zur Erschließung hellenistischer und kaiserzeitlicher Skulptur und Architektur 13).
  • Edgar Markus Luschin: Cryptoporticus. Zur Entwicklungsgeschichte eines multifunktionalen Baukörpers. Österreichisches Archäologisches Institut, Wien 2002, ISBN 3-900305-40-4 (Ergänzungshefte zu den Jahresheften des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien 5), (Zugleich: Wien, Univ., Dipl.-Arb., 1998).
  • Edgar Markus Luschin: Cryptoporticus. Zur Entwicklungsgeschichte eines multifunktionalen Baukörpers - Supplementum I, Wien 2011, ISBN 978-3-640-97981-3
  • Les Cryptoportiques dans l' Architecture Romaine. Colloque international 19.–23. avril 1972. Ecole Française de Rome, Rom 1973, ISBN 2-222-01609-6 (Collection de l'Ecole Française de Rome 14).