Krzysztof Meyer

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Krzysztof Meyer

Krzysztof Meyer (* 11. August 1943 in Krakau) ist ein polnischer Komponist, Pianist, Musiktheoretiker und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten]

Meyer bekam mit 5 Jahren seinen ersten Klavierunterricht. Er studierte an der Musikakademie Krakau Komposition bei Stanisław Wiechowicz und (nach Wiechowiczs Tod) bei Krzysztof Penderecki und Musiktheorie. In den 1960er Jahren studierte er wiederholt bei Nadia Boulanger in Paris und im Amerikanischen Konservatorium in Fontainebleau. Als Pianist trat er mit dem „Ensemble für zeitgenössische Musik MW2“ in Polen und anderen Ländern Europas auf und spielte auch eigene Kompositionen. Von 1966 bis 1987 unterrichtete Meyer an der Musikakademie Krakau und war zeitweise deren Prorektor. 1975 bis 1987 hatte er den Lehrstuhl für Musiktheorie inne. Von 1985 bis 1989 war er Vorsitzender des polnischen Komponistenverbandes. Von 1987 bis 2008 leitete er eine Kompositionsklasse an der Staatlichen Hochschule für Musik Köln, von 2010 bis 2012 war er Leiter der Europäischen Musikakademie Bonn. Meyer ist Mitglied der Freien Akademie der Künste in Mannheim.

Sein umfassendes Wissen über die Musik des 20. Jahrhunderts und seine handwerkliche Sicherheit in Fragen der Instrumentation und des Tonsatzes machen ihn zu einem der gesuchtesten polnischen Kompositionslehrer. Zu seinen Schülern zählen unter anderem Sascha Dragićević, Georg Hajdu, Füsun Köksal und Harald Muenz.

Werk[Bearbeiten]

Zunächst, in den 1960er Jahren, begibt sich Meyer auf die Suche nach neuen Artikulationen und Klangfarben. Besonders die ersten drei Symphonien und vier Streichquartette weisen ideenreiche Koloristik auf,deren Vielfalt aus ungewöhnlicher Artikulation, kontrastreichen Fakturen, Perkussionseffekten, oder Verwendung von Vierteltönen resultiert. Damals benutzte er auch Dodekaphonie und Punktualismus, aber auch Aleatorik und Collagentechnik. Z.B. in der Oper Kyberiade:

An dieser Oper arbeitete ich zu einer Zeit, als avantgardistische Tendenzen in der polnischen Musik noch sehr lebendig waren. Aleatorik, Sonorismus, Bruitismus und andere Merkmale, die damals die sogenannte Polnische Schule prägten, waren für mich etwas völlig Offensichtliches und Natürliches. (...) Die Kyberiade war ein Versuch, jene Phänomene auf den Bereich der Oper zu übertragen. Es stellte sich heraus, daß jene Techniken sich ausgezeichnet für szenische Musik eigneten; mehr noch: sie vermochten unterschiedliche expressive Schattierungen wiederzugeben, von dramatischen über groteske, von melancholischen bis fröhlichen.[1]

In den 1970er Jahren gelang es ihm, durch eine Synthese von Tradition und Neuzeitlichkeit einen eigenen Stil mit breiter Skala musikalischer Mittel und großer Suggestivität des Ausdrucks zu bilden. Traditionsverbundenheit zeigt sich auch in der Auswahl der Gattungen (Symphonie, Konzert, Streichquartett, Sonate, Messe, und dergleichen).

Meyer komponiert, als ob er an den Sinn einer musikalischen „Erzählung“ glaubte, an den Sinn einer dramaturgischen Entwicklung. Der Komponist beschäftigt sich intensiv mit dem Problem der Wahrnehmung der Musik und ihm sind die Reaktionen der Zuhörer wichtig, die intuitiv oder sogar bewusst die Ordnung und den Ablauf seiner Musik spüren können. Daher ist ihm die große Form, die er als integrale Einheit auffasst, wichtig. Lutz Lesle beschreibt seine Kompositionsweise:

Meyer achtet auf die erkennbare und wiederkennbare Formulierung musikalischer Gestalten. Er möchte sicherstellen, daß auch der minder trainierte Hörer, dem er sich durchaus verpflichtet fühlt, Wirken und Wandel der Motive und Phrasen in diesem tönenden Erzählstrom wahrnimmt und mitvollzieht.[2]

Die Dramaturgie seiner Werke verläuft meistens in bestimmten Phasen, nach "Meyers Terminologie" sind dies:

  • Initialphase
  • Hauptphase - Festlegung der Themen, wichtigster Zusammenklänge oder Klangfarben
  • Übergangsphase - Vorbereitung oder Entspannung
  • Phase besonderer Wichtigkeit - Höhepunkt oder kontrastierende Episode
  • Schlussphase

Oft verwendet er auch das Prinzip des goldenen Schnitts; auch andere Parameter wie Rhythmik, Dynamik und Harmonik lässt er mit Symmetrie, Proportionalität und sogar Zahlenkombinatorik (z.B. im 7. Streichquartett die Rolle der Zahl 12) zusammenwirken. In seinen späteren Werken kehrte er zum Prinzip des Klangzentrums zurück.[3]

Werke[Bearbeiten]

Bühnenwerke[Bearbeiten]

  • Cyberiada (Kyberiade; Krzysztof Meyer nach Stanisław Lems Erzählzyklus Kyberiade), phantastische Oper in 3 Akten op. 15 (1967–1970). (2. Fassung 1985)
  • Hrabina (Die Gräfin), Ballett über Motive der Oper von Stanisław Moniuszko 1. Akt op. 49 (1980)
  • Gracze (Die Spieler; Vollendung der Oper Igroki von Dmitri Schostakowitsch nach Nikolai Gogol), 3 Akte op. 53 (1980/81) (Solisten, Nordwestdeutsche Philharmonie, Michail Jurowski; Capriccio 60 062-2)
  • Klonowi bracia (Die verzauberten Brüder; Meyer nach Jewgeni Schwarz), Kinderoper, 2 Akte op. 72 (1988/89)

Orchesterwerke[Bearbeiten]

  • 1. Sinfonie (1964)
  • 4. Sinfonie (1973)
  • 5. Sinfonie für Streichorchester (1979)
  • 6. Sinfonie "Polnische" – 1982 (Polish Radio Symphony Orchestra, A. Wit; ISPV 179 CD)
  • Sinfonia del tempo que passa – 2003 (NOSPR, G. Chmura; DUX 0695)
  • Fireballs – 1976 (Silesian Philharmonic, K. Stryja, POLMIC 007)
  • Sinfonie im Stile Mozarts (1976)
  • Hommage à Johannes Brahms – 1982 (Kölner-Rundfunk-Sinfonie-Orchester, A. Wit; KOCH 3-5037-2)
  • Musica incrostata – 1988 (WOSPRiT, A. Wit; Koch Schwann 3-1573-2)
  • Carillon (1993)
  • Farewell Music (1997)
Für Soloinstrumente und Orchester
  • Konzerte für Flöte und Orchester: No. 1 (1964), Nr. 2 (1983)
  • Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 – 1965 (R. Lasocki, WOSPRiT, K. Stryja; Olympia OCD 323)
  • Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 – 1996 (M. Rezler, NOSPR, G. Chmura; DUX 0594)
  • Concerto da camera per oboe, percussione ed archi (1972)
  • Konzert für Trompete und Orchester (1973)
  • Konzert für Klavier und Orchester – 1989 (P. Gililov, WOSPRiT, A. Wit; Koch Schwann 3-1573-2)
  • Konzert für Altsaxophon und Streichorchester (1992)
  • “Canti Amadei” für Violoncello und Kammerorchester – 1984 (I. Monighetti, Capella Cracoviensis, S. Gałoński; ISPV 179 CD)
  • Konzert für Violoncello und Orchester – 1995 (B. Pergamenschtschikow, NOSPR, A. Wit; DUX 0594)
  • Konzert für Harfe, Violoncello und Streichorchester – 1984 (B. Trendowicz, K. Jaroszewska, Kammerorchester Amadeus, A. Duczmal; PR CD 085-2)
  • Caro Luigi per 4 Violoncelli ed orchestra d'archi (1989)
  • Konzert für Klarinette und Orchester – 2001 (E. Brunner, NOSPR, G. Chmura; DUX 0594)
  • Konzert für Violine, Violoncello und Orchester – 2006 (M. Rezler, Julius Berger, Ł. Borowicz, NOSPR; DUX 0695)
  • Konzert für Gitarre, Pauken und Streichorchester (2011)

Kammermusik[Bearbeiten]

Als ich ein kleiner Junge war, konnte ich zu Hause Kammermusikkonzerte hören, die regelmäßig bei uns stattfanden. Vielleicht deswegen geht mir in meinem Leben die Kammermusik besonders nahe.[4]
  • Capriccio per sei strumenti - 1988 (E. Gajewska, T. Gadzina, R. Duź, M. Wasiółka; ISPV 189 CD)
  • Klarinettenquintett - 1986 (E. Brunner, Wilanow-Quartett; ISPV 147 CD; - P. Drobnik, Wieniawski-Quartett; Dux 0507/0508)
  • Klavierquintett - 1991 (Wilanow-Q. & K. Meyer; ISPV 171 CD; - A. Tatarski, Wieniawski Quartett; Dux 0507/0508)
  • Cinque colori für Flöte, Violine, Violoncello, Schlagzeug und Klavier (2001)
  • Streichquartette:
Nr. 1 - 1963 (Wilanow Q; ISPV 151 CD; - Kairos Quartett; POLMIC 016)
Nr. 2 - 1969 (Wilanow-Q.; ISPV 184 CD)
Nr. 3 - 1971 (Wilanow-Q.; ISPV 184 CD)
Nr. 4 - 1974 (Wilanow-Q.; ISPV 162 CD)
Nr. 5 - 1977 (Wilanow-Q.; ISPV 162 CD; - Wieniawski-Q; Naxos 8.570776)
Nr. 6 - 1981 (Wilanow-Q.; ISPV 162 CD; - Wieniawski-Q; Naxos 8.570776)
Nr. 7 - 1985 (Wilanow-Q.; ISPV 151 CD)
Nr. 8 - 1985 (Wilanow-Q.; ISPV 151 CD; - Dafô-Q.; DUX 10190: - Wieniawski-Q; Naxos 8.570776)
Nr. 9 - 1990 (Wilanow-Q.; ISPV 171 CD;- Wieniawski-Q; Naxos)
Nr. 10 - 1994 (Wilanow-Q.; ISPV 184 CD)
Nr. 11 - 2001 (Wieniawski-Q.; ISPV 192 CD; - Wilanow-Q.; Acte Préalable AP 0146; ;- Wieniawski-Q; Naxos)
Nr. 12 - 2005 (Wieniawski-Q.; ISPV 192 CD; - Dafô-Q.; POLMIC 027; - Wilanow-Q.; Acte Préalable AP 0146; ;- Wieniawski-Q; Naxos)
Nr. 13 - 2010 (Wieniawski-Q.; Wieniawski-Q; Naxos)
  • Quattro colori für Klarinette, Posaune, Violoncello und Klavier (1970)
  • Concerto retro für Flöte, Violine, Violoncello und Cembalo - 1976 (E. Gajewska, T. Gadzina, M. Wasiółka, K. Meyer; Acte Préalable AP0076)
  • Hommage à Nadia Boulanger für Flöte, Viola und Harfe - 1971 (E. Gajewska, R. Duź, H. Storck; ISPV 189 CD)
  • Klaviertrio - 1980 (- Wawel Trio; ISPV 176 CD; - Arcadia Trio, Bella Musica 31.2415; - Altenberg Trio; challenge classic 72310)
  • Trio für Flöte, Viola Und Gitarre - 1992 (R. Aitken, E. Schloifer, R. Evers; ISPV 176 CD)
  • Streichtrio - 1993 (Deutsches Streichtrio; ISPV 176 CD; - T. Gadzina, R. Duź, M. Wasiółka; Acte Préalable AP 0146)
  • Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier - 1998 (E. Brunner, I. Monighetti, P. Gililov; ISPV 189 CD)
  • Trio für Oboe, Fagott und Klavier - 2002 (T. Yosiba, Koji und Etsuko Okazaki, ISPV 194)
  • Canzona per violoncello e pianoforte - 1981 (- D. Geringas, T. Schatz, ISPV 192 CD; - E. Mizerska, E. Abbate, TOCC 0098)
  • Sonata per violoncello e pianoforte Nr. 1 - 1983 (- R. Korupp, K. Meyer, Ambitus 97848; - E. Mizerska, E. Abbate, TOCC 0098)
  • Misterioso für Violine und Klavier - 1994 (A. Breuninger, I. Berger; Ars Musici AM 1204-02)
  • Capriccio interotto für Violine und Klavier - 2000 (A. Bayeva, G. Karyeva, PR CD 194; - R. Simovic, Z. Darhomorska, PR CD 191)
  • Impromptu multicolore für zwei Klaviere - 2000 (A. Soós, I. Haag; MGB CTS-M 107)
  • Sonata per violoncello e pianoforte No.2 - 2004 (E. Mizerska, K. Glensk, TOCC 0098)
  • Duetti concertanti für Fagott und Klavier - 2004 (Koji und Etsuko Okazaki, ISPV 194 CD)
  • Metamorphoses für Altsaxophon und Klavier - 2004 (J.-E. Kelly, B. Versteegh; ISPV 194)
  • Duetti für zwei Violinen (2008)

= Solowerke[Bearbeiten]

  • Für Klavier:
Sonate Nr. 1 - 1962 (K. Meyer; Acte Préalable AP0076)
Sonate Nr. 2 - 1963 (B. Otto; Sächsische Tonträger LC 9930)
Sonate Nr. 3 (1966), Nr. 4 (1968), Nr. 5 (1975), Nr. 6 (2006)
Aphorismen (1961)
24 Preludes - 1978 (K. Meyer; ISPV CD 174; - P. Kubica; SMS RP 12691 CD )
Quasi una Fantasia (2005)
(Sämtliche Klavierwerke - * Christian Seibert, EDA 36)
  • Sonate für Cembalo - 1973 (E. Chojnacka; ERATO Japan CD 056044)
  • Fantasy für Orgel - 1990 (S. Palm; KR 10068)
  • Sonata per flauti soli - 1980 (E. Gajewska; Acte Préalable AP0076; - Beate-Gabriela Schmitt; ISPV 194 CD)
  • Sonate für Violino - 1975 (- W. Marschner; ISPC 192 CD; - S. Krzeszowiec; DUX 0688)
  • 6 Préludes für Violino (1981)
  • Für Violoncello:
Sonate Nr. 1 - 1961 (R. Korupp; CD Ambitus 97484)
Sonate Nr. 2 (2007)
Moment musical (1976)
Monologue - 1990 (D. Geringas; ConBrioDisc ConBES 2019)

Vokalmusik[Bearbeiten]

  • Sinfonie Nr. 2: Epitaphium Stanisław Wiechowicz in memoriam für Chor und Orchester, nach Worten von Julian Tuwim op. 14 (1967)
  • Sinfonie Nr. 3: Symphonie d’Orphée für Chor und Orchester nach Worten von Paul Valéry op. 20 (1968)
  • Liryc Triptych für Tenor and Kammerorchester (1976)
  • Sinfonie Nr. 8: "Sinfonia da requiem" für Chor und Orchester, nach Worten von Adam Zagajewski (2009)
  • Messe für Chor und Orchester - 1996 (Chor und Orchester der Nationalphilharmonie Warschau, A. Wit, ACD 096-2)
  • Wjelitchalnaja für Chor a cappella - 1988 (Polish Nightingales, Wojciech A. Krolopp; Azymuth AZ AZ CD 11.045)
  • Schöpfung, Oratorio für Soli, Chor und Orchester (1999)

Buch[Bearbeiten]

Schostakowitsch. Sein Leben, sein Werk, seine Zeit. Schott, Mainz 2008, ISBN 978-3-254-08376-0.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1. Preis beim Wettbewerb junger Komponisten in Frankreich (1966)
  • 2. Preis beim Wettbewerb junger polnischer Komponisten
  • Aaron Copland Stipendium (1966)
  • Prix de Composition Musicale der Stiftung Prince Pierre de Monaco (1970)
  • Sonderauszeichnungen der Tribune Internationale des Compositeurs UNESCO in Paris (1970 und 1976)
  • Herder-Preis (1984)
  • Preis des Polnischen Komponistenverbandes (1992)
  • Alfred-Jurzykowski-Preis, New York (1994)
  • Bundesverdienstkreuz am Bande (2007)

Literatur[Bearbeiten]

  • xM. Jablonski, M. Homma (Hrsg.): Krzysztof Meyer. Ein Komponistenportrait. Köln 1998.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. M. Jablonski, M. Homma (Hrsg.): Krzysztof Meyer. Ein Komponistenportrait. Köln 1998, S. 63.
  2. M. Jablonski, M. Homma (Hrsg.): Krzysztof Meyer. Ein Komponistenportrait. Köln 1998, S. 96.
  3. Z. Helman Krzysztof Meyer, in: H.-W. Heister, W.-W. Sparrer: Komponisten der Gegenwart. Edition Text & Kritik, München 1992.
  4. Ein Komponistenportrait...., S. 74.