Kuban-Brückenkopf

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Satellitenaufnahme der Meerenge von Kertsch, rechts die Taman-Halbinsel (Kuban-Brückenkopf), links die Halbinsel Kertsch, Ausläufer der Krim

Der Kuban-Brückenkopf (auch Gotenkopf) war eine deutsche Auffangstellung auf der Taman-Halbinsel in Südrussland, die von Januar bis Oktober 1943 bestand. Sie war nach dem Rückzug der deutschen Truppen aus dem Kaukasus ursprünglich gehalten worden, um einen erneuten Angriff auf die Ölquellen des Kaukasus zu ermöglichen. Nach dem allgemeinen Rückzug des deutschen Ostheeres auf die Panther-Wotan-Linie wurden die im Brückenkopf befindlichen Truppen über die Straße von Kertsch auf die Krim evakuiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem im Dezember 1942 von Hitler eine Weisung herausgegeben worden war, den als Operation Blau im Juni 1942 begonnenen Vormarsch auf die Ölfelder von Grosny und Baku abzubrechen, da dieser sich aufgrund immer länger werdender Nachschubwege und Frontlinien zunehmend festgefahren hatte und schließlich vor Ordschonikidse (heute: Wladikawkas) zum Stillstand kam, wurden die Truppen der Heeresgruppe A nach Nordwesten, Richtung Schwarzmeerküste und Krim zurückgezogen, ständig bedrängt von vorrückenden Einheiten der sowjetischen Streitkräfte.

Die 17. Armee (Oberbefehlshaber Generaloberst Richard Ruoff, später General der Pioniere Erwin Jaenecke) stellte für diesen Rückzug eine Auffangstellung am Unterlauf des Flusses Kuban (daher der Name) auf der Taman-Halbinsel Ende Januar 1943 fertig und hielt sie gegen die sowjetische Nordkaukasusfront bis zum 9. Oktober 1943, als die letzte Einheit die Straße von Kertsch in Richtung Krim überquerte. Die Aufgabe des Brückenkopfes war am 3. September 1943 von Hitler aufgrund der geänderten Gesamtsituation an der Ostfront beschlossen worden, nachdem die Rücknahme der Heeresgruppe Süd auf die Dnepr-Linie unausweichlich geworden war.

Trotz wiederholter sowjetischer Angriffe während dieser Zeit konnte der Kubanbrückenkopf gehalten werden und den Transport von 239.669 Soldaten, 16.311 Verwundeten, 27.456 Zivilisten sowie 115.477 Tonnen Wehrmachtsgut (vor allem Munition), 21.230 Kraftfahrzeugen, 74 Panzern, 1.815 Geschützen und 74.657 Pferden auf die Krim ermöglichen. Die Luftwaffe flog von einem Feldflughafen (bei Slawjanskaja) im Brückenkopf weitere 15.661 Mann aus. Damit war der Rückzug aus dem nördlichen Kaukasusvorland 1943 eine der wenigen militärischen Rückzugsoperationen der Wehrmacht, bei der nicht die gesamte Heeresgruppe und das gesamte schwere Gerät verlorenging.

Der Transport über die an der schmalsten Stelle etwa vier Kilometer breite Straße von Kertsch erfolgte teils mit Marinefährprahmen, teils mit einer über den Seeweg gespannten Materialseilbahn. Eine von der Organisation Todt errichtete kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke über die Meerenge musste bei der Räumung des Brückenkopfs im Oktober 1943 kurz vor Fertigstellung gesprengt werden.

Trivia[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Forstmeier: Die Räumung des Kuban-Brückenkopfes im Herbst 1943. Wehr und Wissen Verlags-Gesellschaft, Darmstadt 1964 (Beiträge zur Wehrforschung 2/3, ISSN 0067-5253).
  • Wolfgang Pickert: Vom Kuban-Brückenkopf bis Sewastopol. Flakartillerie im Verband der 17. Armee. Vowinckel, Heidelberg 1955 (Die Wehrmacht im Kampf 7, ZDB-ID 521615-1).