Kufiya
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
| Gesichtet | ||
Dies ist die letzte gesichtete Version,
(zeige alle), freigegeben am 12. Mai 2008. Die Seite kann bearbeitet werden.
|
Die Kufiya (auch: Kafiya oder Kefije; arabisch كوفية, DMG Kūfiya oder ghutra غترة Ġutra oder hatta حطّة, DMG Ḥaṭṭa) ist ein von Männern getragenes Kopftuch in der arabischen Welt, das sogenannte „Palästinensertuch“ (kurz: „Palituch“ oder „Pali“). Der arabische Begriff ist abgeleitet vom Namen der irakischen Stadt Kufa. Das Tuch wird von Arabern zum Schutz vor der Sonne getragen.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Die Kufiya gehörte zur traditionellen Tracht in Kufa (im Irak) und war später in der ganzen Region unter der männlichen Landbevölkerung – sowohl der sesshaften als auch der beduinischen – weit verbreitet.
Zum ersten Mal spielte das "Palästinensertuch" eine besondere politische Rolle, als es zum Symbol des ersten großen Aufstands der Palästinenser gegen die britische Kolonialherrschaft und zionistische Landkäufe wurde - der "Thawra" von 1936, als vor allem palästinensische Bauern sich bewaffnet gegen ihre Kolonisatoren wehrten, die ihnen ihr Land raubten (getreu dem zionistischen Motto "Ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land"). Vorher war die Kufiya einfach ein Zeichen für die Herkunft aus niedrigen sozialen, meist bäuerlichen Schichten. Während der Revolte wurde das Tuch aber zu einem Symbol des Widerstands für alle sozialen Schichten in Palästina, die Briten und Zionisten bekämpften. So konnte ein einfaches Stofftuch dazu beitragen, den Palästinensern ein Gefühl von Einheit und Solidarität im Angesicht eines übermächtigen Feindes zu geben. In den Städten Palästinas bemühten sich die Anführer des Aufstands arabische Männer dazu zu bewegen, statt des türkischen Fez die Kufiya zu tragen - als Zeichen ihrer arabischen Identität.
In den 1960er-Jahren wurden Guerillaorganisationen in Palästina gegründet, inspiriert von antikolonialen, antiimperialistischen Befreiungskämpfen, lateinamerikanischen Guerilleros und dem Vietkong.
Zur wichtigsten Figur des palästinensischen Befreiungskampfes wurde Jassir Arafat, Führer der Fatah-Organisation, die einen Guerillakrieg gegen die israelische Besatzung führte. Arafat machte die Kufiya weltweit bekannt.
In den 1970er-Jahren wurde unter Palästinensern die schwarz-weiße Variante typisch für Arafats nationalistische Fatah, während Sympathisanten der linken Organisationen wie der PFLP rote Kufiyas bevorzugten. Heute existiert die traditionelle Kopfbedeckung der arabischen Bauern und Beduinen in unzähligen Variationen.
[Bearbeiten] Form
Die Kufiya ist ein quadratisches weißes Tuch, teilweise mit Quastenrand, in der Regel aus Baumwolle, das häufig in der Mitte ein gleichmäßig gewürfeltes Muster trägt, am Rand Streifen, meist in Schwarz oder Rot, aber auch Blau und Lila, eingewebt oder aufgestickt hat. Farbigkeit und Material variieren regional, so ist die Kufiya in Saudi-Arabien beinahe immer ganz weiß, in den Golfstaaten rot und in Palästina schwarz. In Palästina sind viele Kufiyas aus einem Wolle/Baumwolle-Mischgewebe hergestellt, das schnell trocknet und den Kopf warm hält.
Es gibt zwei grundsätzliche Arten, die Kufiya zu verwenden:
- Als Turban (dieses ist die übliche Kopfbedeckung in Oman). Die Kufiya ist in Diagonalfaltung das ideale Tuch um schnell einen gut sitzenden Turban zu binden, der den ganzen Weg um den Kopf die gleiche Dicke hat.
- Nach diagonaler Faltung in der Art eines Kopftuches. Im letzteren Falle wird sie mit einer Agal (auch: Ogal, Iqal oder Ekal), einer Art Kordel als Halteschnur befestigt. In Palästina wird die Kufiya dabei direkt auf den Kopf gesetzt, in den Emiraten wird darunter eine besondere Mütze getragen, was teilweise den Sitz und Halt der Kufiya etwas verbessert. Jede Region hat dabei ihre eigene Art, die Ecken des Tuches vorne oder hinten oder hochgeklappt usw. zu tragen, so dass man teilweise anhand der Farbe und der Art, wie die Kufiya getragen wird, sagen kann, wo der Träger herkommt.
Kufiyas gibt es in unterschiedlichen Qualitäten. In Europa findet man oft Billigprodukte, die nur als Halstuch geeignet sind. Hochwertige Kufiyas erkennt man am eingewebten oder durchgewebten Muster und der Qualität des Gewebes. Diese sind in Spezialläden für islamische Bekleidung erhältlich und sind oft nicht teurer als Billigprodukte niederer Qualität.
[Bearbeiten] Militärischer Gebrauch
Während des Zweiten Weltkrieges übernahmen im arabischen Mittleren Osten und Nordafrika eingesetzte Soldaten der britischen Armee (zum Beispiel bei der Long Range Desert Group) die Kufiya aufgrund ihres Tragekomforts oft in ihre Ausrüstung, ohne dass es Teil der offiziellen Uniform wurde. Ähnliche Entwicklungen gibt es in den letzten Jahren bei anderen westlichen Armeen bei Einsätzen in arabischen Regionen, beispielsweise bei der US-Armee und der Bundeswehr in Afghanistan. Zu Zwecken der Tarnung verwenden die Soldaten in der Regel Tücher in Olivgrün oder Khaki mit schwarzem Muster.
[Bearbeiten] Diskussion über das Tragen der Kufiya in deutschsprachigen Ländern
Seit den Tagen des linken außerparlamentarisch organisierten Studentenprotests der 68er Jahre in Deutschland ist das „Palituch“ als Zeichen der Solidarität mit der PLO ein in der linken Jugend- und Subkultur gerne getragenes Modeaccessoir und Ausdruck der persönlichen Zugehörigkeit zum linken politischen Lager, verbunden mit einer explizit antiisraelischen Grundhaltung.
Abseits seiner eigentlichen politischen Bedeutung wird das Palästinensertuch in Deutschland und Österreich (z.B.: Krocha) in der Jugendkultur auch gerne als Modeaccessoire ohne unmittelbar politischen Symbolgehalt, besonders von sehr jungen Menschen, verwendet; die Kufiya hat somit auch Einzug in die entpolitisierte, unreflektierte Jugend- und Popkultur erhalten.
Insbesondere die politische Strömung der Antideutschen und Teile der antinationalen Linken kritisieren das Tragen der Kufiya als Symbol des Kampfes und Terrorismus gegen Israel.[1]
Die Kufiya wird seit Ende der 1990er Jahre zunehmend auch von Rechtsextremisten und Neonazis (siehe zum Beispiel die Freie Kameradschaften) getragen[2][3]. Dies geschieht zum einen im Rahmen des Verwendens linker Symbole, das seit den späten 1990er Jahren häufig in der rechtsextremen Szene zu beobachten ist, um sich als sozialistisch oder revolutionär darzustellen, ist aber andererseits auch Ausdruck einer antiisraelisch motivierten Parteinahme für die Palästinenser im Nahost-Konflikt oder schlicht Antisemitismus mit historischer Referenz.
[Bearbeiten] Weblinks
- Von der Beute zum Bekenntnis: das Palituch; Eberhardt Rathgeb in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 11. November 2004
- Modisch inspiriert von Arafat; Der Stern über die Kufiya als Modeerscheinung
- Weltrevolution für den Hausgebrauch; Jens Jessen in Die Zeit, 11. November 2004
- Palitücher: Deutsche Geschichtsaufarbeitung; Andreas Stafflinger für die Nürnberger Schülerzeitung „Bildungslücke“.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Siehe beispielsweise „Ist Dir kalt oder hast Du was gegen Juden?!“
- ↑ Rechte mit „Pali-Tuch“
- ↑ Neonazi mit Palituch

