Kufiya

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ein Iraker mit einer roten Kufiya

Die Kufiya (auch Kafiya oder Kefije; arabisch ‏كوفية‎, DMG Kūfiya) oder Ghutra (‏غترة‎, DMG Ġutra) oder Hatta (‏حطة‎, DMG Ḥaṭṭa) ist ein von Männern getragenes Kopftuch in der arabischen Welt. Der arabische Begriff ist abgeleitet vom Namen der irakischen Stadt Kufa. Das Tuch wird von Arabern zum Schutz vor der Sonne getragen. Durch den Nahostkonflikt in Palästina kam das Tuch zur Bezeichnung „Palästinensertuch“. In Armeekreisen ist es als Schimagh / ‏شماغ‎ / šimāġ bekannt.

Form[Bearbeiten]

Keffiyeh in Form eines Turbans der königlichen Familie Bin Said von Oman, Ausstellung Amsterdam 2009

Die Kufiya ist ein quadratisches weißes Tuch, teilweise mit Quastenrand, in der Regel aus Baumwolle, das häufig in der Mitte ein gleichmäßig gewürfeltes Muster trägt, am Rand Streifen, meist in Schwarz oder Rot, aber auch Blau und Lila, eingewebt oder aufgestickt hat. Farbe und Material variieren regional. So ist die Kufiya in Saudi-Arabien beinahe immer ganz weiß, in den Golfstaaten rot und in Palästina schwarz. In Palästina sind viele Kufiyas aus einem Wolle/Baumwolle-Mischgewebe hergestellt.

Es gibt zwei grundsätzliche Arten, die Kufiya zu verwenden:

  • Als Turban (die übliche Kopfbedeckung in Oman).
  • Nach diagonaler Faltung in der Art eines Kopftuches. Im letzteren Falle kann sie mit einem Agal (auch: Ogal, Iqal oder Ekal), einer Art Kordel, als Halteschnur befestigt werden. In Palästina wird die Kufiya direkt auf den Kopf gesetzt, in den Emiraten wird darunter eine Mütze getragen. Jede Region hat dabei ihre eigene Art, die Ecken des Tuches vorne oder hinten oder hochgeklappt usw. zu tragen, so dass man teilweise anhand der Farbe und der Art, wie die Kufiya getragen wird, sagen kann, wo der Träger herkommt.

Kufiyas gibt es in unterschiedlichen Qualitäten. In Europa findet man oft Billigprodukte. Hochwertige Kufiyas erkennt man am eingewebten oder durchgewebten Muster und der Qualität des Gewebes.

Herkunft[Bearbeiten]

Die Kufiya stammt ursprünglich aus Kufa im Irak und wurde anfangs von arabischen Beduinen und sesshaften Bauern in dieser Region getragen. Die Kufiya entwickelte sich im gesamten arabischen Raum zu einem traditionellen Kleidungsstück und ist noch heute weit verbreitet. Das Tuch wird als Kopfbedeckung gegen intensive Sonneneinstrahlung getragen, dient aber auch bei Wüstenstürmen als Schutzbedeckung der Augen und des Mundes vor Staub und Sand. Die traditionelle Kopfbedeckung existiert in unzähligen Variationen und Farben. Die Kufiya ist fast immer aus weißer Baumwolle gefertigt und oft mit kariertem Muster in einer bestimmten Farbe versehen. Die Kufiya in ausschließlich weißer Farbe wird auch Ghutra genannt und wird speziell in den Golfstaaten wie Saudi-Arabien, Oman und Bahrain getragen. Heute werden „Palästinensertücher“ überwiegend in China hergestellt. Die traditionellen Hersteller in Palästina sind vom Wettbewerb weitestgehend verdrängt.[1] Zu einem der letzten palästinensischen Produzenten zählt das Unternehmen Hirbawi Textiles aus Hebron (Westjordanland).[2]

Die Kufiya als palästinensisches Nationalsymbol[Bearbeiten]

Jassir Arafat mit Nicolae Ceaușescu während eines Besuchs in Bukarest 1974
Kufiya-Graffiti im Westjordanland

Im Zuge des Nahostkonfliktes hat sich die Kufiya zu einem Symbol für die kämpfenden Palästinenser entwickelt, so dass es im deutschsprachigen Raum vielfach als Palästinensertuch bekannt wurde.

Anfang des 20. Jahrhunderts war die Kufiya in Palästina, wie in anderen arabischen Ländern eine traditionelle und verbreitete Kopfbedeckung, die vor allem im ländlichen Bereich häufig getragen wurde. Während des arabischen Aufstandes von 1936 bis 1939 im von der Kolonialmacht Großbritannien besetzten Palästina wurde die Kufiya jedoch zum ersten Mal politisch behaftet. Auf Befehl des Großmuftis Mohammed Amin al-Husseini wurden Vertreter der arabischen Oberschicht von Aufständischen gezwungen, anstelle des traditionellen ottomanischen Fes, eine Kopfbedeckung der türkischen Besatzer und Großgrundbesitzer, die Kufiya als Zeichen der Verbundenheit mit den arabischen Fellachen zu tragen.[3]

Die heutige Bekanntheit und Bezeichnung als Palästinensertuch erlangte die Kufiya seit Ende der 1960er und in den 1970er Jahren durch den Anführer der Fatah-Organisation, Jassir Arafat. Die schwarz-weiße Kufiya ist Arafats Markenzeichen geworden, mit der er öffentlich auftrat und das Tuch dadurch weltweit bekannt machte. Daher stammt auch die deutschsprachige Bezeichnung Arafat-Schal. Arafat hat die Kufiya auf seine eigene Weise über die rechte Schulter in Form eines Dreiecks gefaltet getragen, sodass das Tuch an die Grenzen der Region Palästina (einschließlich des Staates Israel) erinnert. In Palästina ist die schwarz-weiße Variante der Kufiya typisch für die Fatah, während Sympathisanten der linken Organisationen wie der PFLP eher rote Kufiyas bevorzugten. Diese farbliche Zuordnung soll jedoch nicht überbewertet werden und ist in Palästina nicht allgemein anerkannt.

Militärischer Gebrauch[Bearbeiten]

Special Air Service in Nordafrika, 1943
Militanter Palästinenser mit Sturmgewehr, 2009

Während des Zweiten Weltkrieges übernahmen im arabischen Mittleren Osten und Nordafrika eingesetzte Soldaten wie bei der Long Range Desert Group der britischen Armee den Schimagh aufgrund ihres Tragekomforts oft in ihre Ausrüstung, ohne dass es Teil der offiziellen Uniform wurde. Ähnliche Entwicklungen gibt es in den letzten Jahren bei anderen westlichen Armeen bei Einsätzen in arabischen Regionen, beispielsweise bei der US-Armee und der Bundeswehr in Afghanistan. Zu Zwecken der Tarnung verwenden die Soldaten in der Regel Tücher in Olivgrün oder Khaki mit schwarzem Muster.

Kufiya in westlichen Ländern[Bearbeiten]

Seit den Tagen des außerparlamentarisch organisierten Studentenprotests der 68er Jahre ist in der linken Jugend- und Subkultur das „Palituch“ als Zeichen der Solidarität mit der PLO ein beliebtes Zeichen zum Ausdruck der persönlichen Zugehörigkeit insbesondere zur antiimperialistischen Strömung innerhalb des politisch linken Lagers und der alternativen Szene. Es wird dort als Zeichen des Widerstands gegen Repression und als Symbol persönlicher Freiheit verstanden. Auch von Hippies wird es in diesem Sinne getragen.

Delphine Chanéac mit Kufiya, 2008

In den Vereinigten Staaten kam die Kufiya Ende der 1980er auf, zur Zeit der Ersten Intifada, und erlebte nach der Jahrtausendwende einen weiteren Popularitätsschub.[3] Zudem kamen Kufiyas mit jüdischen Symbolen auf den Markt, die auch von zionistischen Aktivisten getragen werden.[4]

Abseits seiner politischen Bedeutung wird das Palästinensertuch in Deutschland und Österreich in der Jugendkultur (zum Beispiel Krocha) auch gerne als Modeaccessoire ohne unmittelbar politischen Symbolgehalt besonders von jungen Menschen verwendet; die Kufiya hat somit auch Einzug in die unpolitische Jugend- und Popkultur erhalten.

Anti­semi­tischer Demon­strant mit Kufiya, 2014; auf sei­nem Unter­arm ist als Nazi-Zahlen­code für den Hitler­gruß die Zahl achtund­achtzig täto­wiert

Insbesondere die politische Strömung der Antideutschen und Teile der antinationalen Linken kritisieren das Tragen der Kufiya als Symbol des Kampfes und Terrorismus gegen Israel.[5]

In Deutschland wird die Kufiya seit Ende der 1990er Jahre zunehmend auch von Rechtsextremisten und Neonazis (siehe zum Beispiel die Freien Kameradschaften) getragen. Dies geschieht zum einen im Rahmen des Verwendens linker Symbole, das seit den späten 1990er Jahren häufig in der rechtsextremen Szene zu beobachten ist, um sich als sozialistisch oder revolutionär darzustellen, ist aber andererseits auch Ausdruck einer antiisraelisch motivierten Parteinahme für die Palästinenser im Nahost-Konflikt oder schlicht Antisemitismus mit historischer Referenz.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kufiya – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Palästinensertuch kämpft mit Kopien aus China FAZ.net, 1. September 2008, abgerufen am 15. Januar 2013
  2. http://www.kufiyahirbawi.com
  3. a b Where Some See Fashion, Others See Politics. New York Times, 11. Februar 2007
  4. Avi Yellin: PA Angered by Israeli Keffiyeh. Israel National News, 11. März 2010
  5. Siehe beispielsweise „Ist Dir kalt oder hast Du was gegen Juden?!“