Kuhpocken

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Klassifikation nach ICD-10
B08.0 Sonstige Infektionen durch Orthopoxviren
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Kuhpockenläsionen am Euter

Kuhpocken sind eine milde pockenartige Erkrankung, die lange Zeit hauptsächlich Rinder befallen hat. Der Erreger der Kuhpocken ist infektiös für sämtliche Säugetiere inklusive des Menschen. Heute bezeichnet man als Originäre Kuhpocken eine Infektion mit Orthopoxvirus bovis bzw. als Elefantenpocken eine Infektion mit seiner Varietät Orthopoxvirus bovis var. elefanti. Alle diese Viren gehören der Gattung Orthopoxvirus an. Orthopoxvirus vaccinia ist ein Laborstamm des Kuhpockenvirus.

Menschen können ebenfalls an Kuhpocken erkranken. Der Übergang vom Hausrind erfolgte in früheren Jahren meist beim Melken und beschränkte sich auf die Hände (Melkerknoten). In Deutschland ist in den letzten Jahren keine Infektion von Rindern mehr aufgetreten. Sie treten aber zunehmend bei Katzen (→ Katzenpocken) und Zootieren auf, wobei Infektionen bei Elefanten und Nashörnern zumeist tödlich verlaufen.[1]

Die Krankheit ist nicht meldepflichtig.

Historisches[Bearbeiten]

Nach sechs Vorläufern, darunter Frau Sevel, Herr Jensen, Mr. Benjamin Jesty (im Jahre 1774), Mrs. Rendall und Peter Plett (im Jahre 1791),[2] erkannte auch Edward Jenner (1749-1823) im Jahre 1796, dass an Kuhpocken erkrankte Menschen anschließend nicht nur immun gegen Kuhpocken, sondern auch immun gegen Pocken sind, dessen Erreger eng verwandt mit dem Vaccinia-Virus ist. Edward Jenner prägte den Begriff vaccination (lat. vacca = Kuh) für die Pockenschutzimpfung.

Epidemiologie[Bearbeiten]

Kuhpockenviren wurden bisher nur in Europa nachgewiesen, von Nordeuropa und Großbritannien bis zum Ural. Als Wirtstiere gelten heute vor allem Nagetiere wie Mäuse. Zwei von hundert Katzen, die serologisch auf das Orthopoxvirus untersucht wurden, erwiesen sich als positiv und hatten sich vermutlich beim Verzehr von Mäusen infiziert. Von infizierten Katzen können die Erreger auch auf den Menschen übertragen werden, weshalb in diesen Fällen gelegentlich auch von „Katzenpocken“ die Rede ist. Aus den Niederlanden ist auch ein direkter Übergang von einer Ratte auf ein Mädchen dokumentiert. [1]

Die Anzahl der registrierten Kuhpocken-Infektionen in Deutschland steigt in den letzten Jahren an. Unklar ist, ob dies primär auf eine gesteigerte Aufmerksamkeit der Ärzte zurückzuführen ist oder auf eine sinkende Immunität gegen die Viren, nachdem in den 1970er-Jahren die Impfung gegen humane Pocken eingestellt wurde.

Aktuelle Fälle[Bearbeiten]

Kuhpocken-Läsionen am Unterarm eines vierjährigen Mädchens aus Finnland (Fall aus dem Jahr 2000)
Kuhpockennekrose am Infektionsherd

Im Januar 2009 erkrankten fünf Frauen aus München und Dachau an Kuhpocken, die durch „Farbratten“ aus einem Münchner Zoogeschäft übertragen wurden. Wenige Tage nach dem Kauf stellten sich die typischen Symptome ein, wie juckender schmerzhafter Ausschlag, angeschwollene Lymphknoten mit hohem Fieber und Müdigkeitserscheinungen und bis zu zwei Zentimeter große Geschwüre breiteten sich über dem Oberkörper aus. Auch aus anderen Bundesländern wurden laut Robert Koch Institut Erkrankungen bei Menschen gemeldet, unter anderem aus Nordrhein-Westfalen, vor allem im Raum Krefeld. Die Erkrankung werde allerdings wegen ihres seltenen Vorkommens teils nicht erkannt. [3][4]

Symptome[Bearbeiten]

Nagetiere zeigen nach einer Infektion in der Regel keine Symptome. Katzen können jedoch auf der Haut großflächige Wunden entwickeln, durch diese große Virusmengen ausscheiden und so Menschen anstecken. Für viele Katzen ist die Erkrankung tödlich.

Infizierte Menschen weisen nach einer Inkubationszeit von 7 bis 12 Tagen häufig grippe-artige Symptome auf. Es bilden sich an Händen und Beinen sowie im Bereich der Augen häufig Hautausschläge, die erst nach 6 bis 8 Wochen abheilen. Außerdem kann es am Infektionsherd zu einem Absterben des umliegenden Gewebes (Nekrose) kommen.

Behandlung beim Menschen[Bearbeiten]

In Deutschland ist kein Impfstoff gegen Kuhpocken zugelassen. Menschen, die gegen humane Pocken geimpft wurden, besitzen einen relativ guten Impfschutz auch gegen die Kuhpocken.

Laut Robert-Koch-Institut gibt es bisher keine Therapie gegen Kuhpocken. Bei einer bestehenden Infektion wird empfohlen, offene Hautwunden zum Schutz gegen eine zusätzliche Bakterien-Infektion lokal mit Antibiotika zu versorgen.

Wichtig ist, jeden direkten Hautkontakt mit offenen Hautwunden bei Mensch und Tier durch das Tragen von Handschuhen zu vermeiden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Robert Koch Institut: Epidemiologisches Bulletin Nr. 10/2007 vom 9. März 2007
  2. Sudhoffs Archiv. Band 90, Heft 2, 2006, S. 219–232.
  3. Robert Koch Institut: Kuhpocken: Zu einer Häufung von Infektionen nach Kontakt zu „Schmuseratten“ im Großraum München., Epidemiologisches Bulletin 6/2009, 9. Februar 2009
  4. Becker, C; Kurth, A; Hessler, F; Kramp, H; Gokel, M; Hoffmann, R; Kuczka, A; Nitsche, A: Kuhpocken bei Haltern von Farbratten: Ein nicht immer sofort erkanntes Krankheitsbild. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(19): 329-34 Volltext, DOI: 10.3238/arztebl.2009.0329