Kuleszewo

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Kuleszewo
Kuleszewo führt kein Wappen
Kuleszewo (Polen)
Kuleszewo
Kuleszewo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Landkreis: Słupsk
Gmina: Kobylnica
Geographische Lage: 54° 21′ N, 16° 58′ O54.35305555555616.968055555556Koordinaten: 54° 21′ 11″ N, 16° 58′ 5″ O
Einwohner:
Telefonvorwahl: (+48) 59
Kfz-Kennzeichen: GSL
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Danzig

Kuleszewo (deutsch Kulsow) ist ein Dorf in der Gemeinde Kobylnica im Powiat Słupski (Kreis Stolp) der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Kuleszewo liegt in Hinterpommern, etwa 13 Kilometer südsüdöstlich der Stadt Słupsk (Stolp) und 19 Kilometer östlich der Stadt Sławno (Schlawe).

Geschichte[Bearbeiten]

Kuleszewo (früher Culsow, andere Namensformen: Kullesow, Kollezew, Kullitzow) war ein Rittergut, das sich vom 15. Jahrhundert an bis 1945 im Besitz der Familie Boehn befunden hatte. Es war das älteste Stammhaus der Familie Boehn. Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts hatte das Lehen zu den Ländereien der Familie Kutzeke gehört, die zu den Vorfahren der pommerschen Familie Zitzewitz gerechnet wird. 1393 wird Laurenz Koske von Culsow genannt und am 13. Juni 1397 Derseke Cusseke von Culsow. Die Familie Boehn war im Gefolge des pommerschen Herzogs Wartislaw IV. nach Hinterpommern gekommen und dürfte um 1402 in den Besitz von Kulsow gelangt sein. 1525 war Jürgen Boehn auf Kulsow.[1] Im 15. Jahrhundert bestand Kulsow aus zwei Teilen, A und B. Kulsow B wurde im Jahr 1678 für 7.000 Gulden widerruflich an Hans Georg von Below verpfändet. Gerson Christian von Boehn erbte Kulsow A von seinem Vater, Franz Felix von Boehn, und löste Kulsow B von den Erben des Felix Otto von Below ein, so dass der Gesamtbesitz wieder in einer Hand vereinigt war. 1872 wurde das ehemalige Allodialgut in frei verfügbares Eigentum der Familie Boehn umgewandelt. Um 1784 gab es in Kulsow[2] ein Vorwerk, eine Wassermühle, die von dem östlich am Dorf vorbeifließenden Fluss Quacke angetrieben wurde, neun Vollbauern, zwei Halbbauern, vier Kossäten, eine Schmiede, einen Schulmeister, auf der Feldmark des Dorfs das Vorwerk Friedrichshof nebst einem Kossäten, auf der Feldmark von Wendisch Plassow das Vorwerk Mittelburg und insgesamt 38 Haushaltungen.

Alexander von Boehn (1813–1889) hatte vier Söhne, die alle im Kreisgebiet ansässig wurden: Constantin von Boehn auf Kulosw, Nikolaus von Boehn auf Sagerke, Georg von Boehn auf Lojow und Gesorke und Siegfried von Boehn auf Deutsch Buckow. Constantin von Boehn erbaute eine Brennerei für Industriespiritus und modernisierte das Gutshaus. Am 1. Juli 1914 übergab er das Gut seinem Sohn Georg (1886–1946). Letzterer erwies sich als fähiger Landwirt; er veröffentlichte einige Fachartikel in der Zeitung für Landwirtschaft. Er galt als systemkritisch und wurde nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 verhaftet und ohne Angabe von Gründen drei Monate lang im Stolper Gefängnis festgehalten.

Im Jahr 1925 standen im Kulsow 61 Wohngebäude. Im Jahr 1939 wurden 99 Haushaltungen und 457 Einwohner gezählt.

Vor 1945 war das Dorf Kulsow Sitz des Amtsbezirks Kulsow im Landkreis Stolp, Regierungsbezirk Köslin der Provinz Pommern. Im Jahr 1939 betrug die Gemeindefläche 1.239 Hektar. Die Gemeinde Kulsow hatte insgesamt vier Wohnorte:[3]

  • Friedrichshof
  • Georgenthal
  • Kulsow
  • Kulsower Mühle

Außer dem Gut gab es in Kulsow 29 landwirtschaftliche Betriebe.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Kulsow am 7. März 1945 von der Roten Armee besetzt. Zuvor war die Brennerei von Wehrmachtsangehörigen gesprengt worden. Das Dorf wurde durch Kriegshandlungen in Mitleidenschaft gezogen, mehrere Gehöfte brannten ab. Die Dorfbevölkerung hatte unter der sowjetischen Besatzung schwer zu leiden. Zwar hatten die Bewohner versucht zu fliehen, doch ihr Treck wurde überrollt und versprengt, und sie mussten zurückkehren. Nachdem die sowjetischen Truppen das Dorf aufgegeben hatten, besetzen Anfang 1946 Polen die Bauernhöfe. Kulsow wurde in Kuleszewo umbenannt. Die bisherigen Besitzer mussten für die Polen arbeiten, bis sie 1947 vertrieben wurden; sie durften nur das mitnehmen, was sie tragen konnten.[4]

Nach Kriegsende wurden in der Bundesrepublik Deutschland 177 und in der DDR 101 aus Kulsow vertriebene Dorfbewohner ermittelt.[4]

Das Dorf hat heute etwa 460 Einwohner.

Schule[Bearbeiten]

Vor 1945 hatte Kulsow eine zweistufige Volksschule. Im Jahr 1932 unterrichtete dort ein einzelner Lehrer in zwei Klassen 74 Schulkinder.

Kirche[Bearbeiten]

Die vor 1945 anwesende Dorfbevölkerung war evangelisch. Im Zeitraum 1590–1945 gehörte Kulsow zum Kirchspiel Zirchow und damit zum Kirchenkreis Stolp-Stadt.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Christian Wilhelm Haken: Zweyter Beytrag zur Erläuterung der Stadtgeschichte von Stolp. Danzig 1775, S. 38.
  2. Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 956, Nr. 25.
  3. Die Gemeinde Kulsow im ehemaligen Kreis Stolp (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).
  4. a b Karl-Heinz Pagel: Der Landkreis Stolp in Pommern. Lübeck 1989, S. 673 (Online; PDF)